Jupp Gesing (eigentlich Josef Gesing; * 14. Juli 1922Zukunft Herne e. V., Kulturamt der Stadt Herne (Hrsg.): Herner Künstlerhandbuch '95. Herne, 1995, S. 44 in Herne; † 11. April 1998 ebenda) war ein deutscher Glasmaler und Glaskünstler.

Leben mini|Bildfenster im Bahnhof Herne Josef „Jupp“ Gesing besuchte von 1928 bis 1936 die Volksschule. Von 1935 bis 1936 war er Mitglied in der Hitlerjugend und von 1941 bis 1942 im Reichsarbeitsdienst.Entnazifizierungsakte digitalisiert,Bestand:NW100, Signatur 9025, Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland Nach der Schule absolvierte er von 1936 bis 1941 eine Lehre als Werbegraphiker und Schaufenstergestalter bei der Firma Leitner&Co. / Firma Lewecke Herne mit dem Lehrabschluss 1939. Gleichzeitig besuchte er Abendkurse an der Kunstgewerbeschule Dortmund in den Fächern Freihandzeichnen, Modezeichnen und Schriftgestaltung. Gesing war dreieinhalb Jahre Mitglied der Deutschen Arbeitsfront (DAF).Stadtarchiv Herne: Fragebogen des Military Government of Germany, Bestand 317 Entnazifizierung A9.7(G), Signatur 4/317-A9.71, hier: Fragebogen vom 23. Januar 1946 mit der Signatur: Boch/SK/HRN/ECON 7/839 C-R Er wurde 1941 zum Kriegsdienst eingezogen und geriet 1943 in Kriegsgefangenschaft.Alexander von Knorre: Jupp Gesing. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 52, Saur, München u. a. 2006, S. 357.

Nach seiner Rückkehr wurde er 1946 mit seinem Bruder Hermann Gesing Gründungsmitglied der 1. Herner Künstlergruppe. Von 1946 bis 1950 studierte er an der Kunstakademie DüsseldorfStadt Herne (Hrsg.): Zeichnungen und Arbeiten auf Papier: Bestandskatalog 2. 1995–2003 (= Das Emschertal-Museum. Band 77). S. 36. die Fächer Bühnenbild, Glasmalerei, Malerei und Zeichnen. 1950 wurde er dort Meisterschüler von Walter von Wecus. Gesing gründete 1951 sein eigenes Atelier in Herne und war seitdem als freischaffender Künstler in den Bereichen Malerei, Glasmalerei, Grafik, Mosaik und Sgraffito tätig. Ab 1990 war er Gründungsmitglied des Herner Künstlerbundes „90“ und von 1993 bis 1995 dessen Vorsitzender.

1998 starb Gesing in Herne. Die von ihm gegründete Werkstatt existiert noch immer unter seinem Namen und wird von seinem Sohn Christoph weitergeführt. Der deutsche Unternehmensberater und Buchautor Rei Gesing ist ein Großneffe Jupp Gesings.

Werk Neben Blei-, Farbstift- und Kreidezeichnungen fertigte Gesing in den 1950er Jahren zunehmend gegenständliche Ölbilder. Ab den 1960/1970er Jahren entwickelte sich seine Arbeit zu post-impressionistischer Öl- und Temperamalerei und schließlich zu abstrakt-bewegten Formen, die sich ab den 1990er Jahren als blockartige Farbkompositionen in seinen Bildern finden.

Zwischen 1953 und 1990 waren Glasmalereien Gesings zweites Arbeitsfeld. 1953 gestaltete er für den Herner Bahnhof ein großes, halbrundes Fenster und 1956 für die katholische Kirche in Trondheim, Norwegen. In Folge schuf er über 200 Fenster für Profan- und neue und historische Sakralbauten in Deutschland. Nach 1987 wandte er sich wieder verstärkt der Malerei zu.

Glasfenster Ort Kirche / Kapelle Ausführende Glaswerkstatt Jahr Quellen Aachen Synagoge 1957 Allagen Pfarrkirche St. Johannes Baptist 1986 Brilon-Alme Friedhofskapelle Peters (Paderborn) 1972 Almert Kapelle St. Hubertus 1980 Brilon-Altenbüren Pfarrkirche St. Johannes und St. Agatha Peters (Paderborn) 1978 Rüthen-Altenrüthen Pfarrkirche St. Gervasius und Protasius Peters (Paderborn) 1976 Anröchte Frankenkapelle Peters (Paderborn) 1975 Anröchte-Mellrich St. Antomius in Uelde 1984? Arnsberg-Neheim-Hüsten Pfarrkirche St. Michael Koll (Bottrop) 1981 Der Dom, Jahrgang 1987, Nr. 16 (vom 19. April 1987), S. 1. (Abbildung des Auferstehungsfensters in Arnsberg-Neheim) Bad Sassendorf-Ostinghausen St. Christopherus Knack (Münster) 1984/1985 Benolpe Pfarrkirche St. Elisabeth 1959 Bestwig Pfarrkirche Christ König Peters (Paderborn) 1978 Bilstein Kath. Pfarrkirche Peters (Paderborn) 1959 Bocholt Klosterkirche Peters (Paderborn) 1970 BochumKrankenhauskapelle BergmannsheilKnack (Münster)1984 Brilon-Wald Pfarrkirche St. Josef Peters (Paderborn) 1974 Brilon Altenheim-Kapelle 1984 Brilon-Wülfte Filialkirche St. Anna Peters (Paderborn) 1974 Castrop-Rauxel Pfarrkirche St. Antonius (Antoniusfenster) Knack (Münster) 1986 Castrop-Rauxel Pfarrkirche Hl. Schutzengel Knack (Münster) 1978 Castrop-Rauxel Pfarrkirche St. Lambertus Knack (Münster) 1984 Unser Erzbistum Paderborn 1986 (Kalender), 5b (St. Lambertus in Castrop-Rauxel)Katholische Kirchengemeinde St. Lambertus Castrop (Hrsg.): Pfarrkirche St. Lambertus Castrop. Castrop-Rauxel 1984, S. 12. Dortmund-Aplerbeck Kapelle im Altenheim St. Ewaldi Knack (Münster) 1987 Eslohe-Niederlandenbeck St. Mariä Heimsuchung Knack (Münster) 1977 Essen-BorbeckSt. Maria Immaculata (2007 profaniert, 2014 abgerissen)1955 Gütersloh Pfarrkirche Christkönig Knack (Münster) 1980 U. Falke in: Alte und neue Kunst im Erzbistum Paderborn, Band 31/32 (1983/1984), S. 144 (Gütersloh) Hamm-Rhynern Pfarrkirche St. Regina 1986? Unser Erzbistum Paderborn 1980 (Kalender), 10a (St. Regina in Hamm-Rhynern) Herne Bildfenster im Herner Bahnhof 1953 Herne Pfarrkirche Herz-Jesu 1953–1956 Herne Pfarrkirche St. Elisabeth 1955, 1990 Alexander von Knorre (Red.): Herne-Architekturführer. Architektur im Ruhrgebiet. Emschertalmuseum, Herne 1987, S. 74.Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e. V. mit Bildern der Kirche Herne Fenstergestaltung im Konferenzsaal der Herner Sparkasse 1969 Herne-Sodingen St. Peter und Paul, Herne-Börnig ca. 1982 Unser Erzbistum Paderborn 1984 (Kalender), 12a (St. Peter und Paul in Herne-Sodingen) Iserlohn-Letmathe Pfarrkirche St. Kilian(5 Fenster im Chorumgang und 2 Fenster im Seitenschiff) 1978 Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts: Lübbecke St. Johannes Baptist (Schiff, Marienkapelle) Knack (Münster) 1981 Lügde Pfarrkirche St. Kilian 1976 Friedrich Gerhard Hohmann: Die Kilianskirche zu Lügde. Paderborn 1984, S. 23. Marsberg-Oesdorf Pfarrkirche St. Johannes Baptist (Fenster im Eingang) Knack (Münster)? 1982? Medebach-Deifeld Pfarrkirche St. Johannes Baptist Donat (Datteln) 1975 Möhnesee-Körbecke-Neuhaus Kapelle im Jagdschloss St. Meinolf Knack (Münster) 1982 oder 1987 Oestinghausen Pfarrkirche St. Stephanus Knack (Münster) 1978 Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jh. e. V. mit Bildern der Kirche Olsberg-Assinghausen Pfarrkirche St. Katharina (Chorfenster und Engelfenster im Eingang) Knack (Münster)? 1973 Der Dom, Jahrgang 1987, Nr. 49 (vom 6. Dezember 1987), S. 23. (Abbildung des Engelfensters in Olsberg-Assinghausen) Olsberg-Bigge Kapelle im Josefsheim Knack (Münster) 1976 Olsberg-Bigge Pfarrkirche St. Martin Peters (Paderborn) 1971 Paderborn Dom (Kapitelsaal?, Umgestaltung der Fenster von Keusch?) Peters (Paderborn) H. Stiegemann in: Alte und neue Kunst im Erzbistum Paderborn, Band 31/32 (1983/1984), S. 78. (Kapitelsaal in Paderborn) Paderborn Dom (kleines Fenster unter dem großen Ostfenster) Peters (Paderborn) 1979/1980 Paderborn Kapelle im Mutterhaus der Schwestern der christlichen Liebe Peters (Paderborn) 1978 Paderborn Kapelle im Haus Mallinckrott Knack (Münster) 1982 Poppenhausen Pfarrkirche St. Georg Rietberg Pfarrkirche St. Johannes Baptist Knack (Münster) 1974 Schloss Holte-Stukenbrock Pfarrkirche St. Ursula Hertel (Lippstadt) 1975 Schmallenberg-Almert Kapelle St. Maria Magdalena Knack (Münster) ca. 1980? Schmallenberg-Fleckenberg Pfarrkirche St. Antonius der Einsiedler Knack (Münster) 1974 Schmallenberg-Oberkirchen Friedhofskapelle Knack (Münster) ca. 1978? Schmallenberg-Oberkirchen Kapelle in Winkhausen Knack (Münster) 1980 Warburg St. Marien (Fenster in der Marienkapelle) Peters (Paderborn) 1975 Warburg-Ossendorf Pfarrkirche St. Johannes Enthauptung ca. 1974 Der Dom, Jahrgang 1988, Nr. 14 (vom 3. April 1988), S. 5. (Abbildung „Der Auferstandene mit der erlösten Menschheit“ in St. Johannes Enthauptung, Warburg-Ossendorf) Weseke Pfarrkirche St. Ludgerus 1963–1966 https://www.st-ludgerus.de/ Winterberg-Grönebach Kapelle im Marienheim Knack (Münster) 1982 Witten Pfarrkirche St. Franziskus Knack (Münster) 1983 Der Dom, Jahrgang 1988, Nr. 19 (vom 8. Mai 1988), S. 20. (Abbildung Pater Maximilian Kolbe in St. Franziskus, Witten) Wünnenberg Pfarrkirche St. Antonius von Padua Knack (Münster) 1977

Ausstellungen (Auswahl) 1949: 1. Herbstausstellung der Herner Künstlergruppe im Wirtschaftsamt (Gruppenausstellung = G) 1950: 2. Herbstausstellung der Herner Künstlergruppe (G) 1951: Museum am Ostwall, Dortmund (G) 1953: Kunsthalle Recklinghausen (G) 1956: Winterausstellung Bildender Künstler von Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf (G) 1965: Heimathaus des Emschertal-Museums, Herne (G) 1968: Entwürfe von Kirchenfenstern, Sparkasse Herne (Einzelausstellung = E) 1969: Heimathaus des Emschertal-Museums, Herne (E) 1970: Katholische Akademie Schwerte (G) 1974: Schloss Lembeck, Glasmalerei (G) 1980: Städtische Galerie des Emschertal-Museums, Herne (E) 1980/1981: Dorstener Kunstverein, Kreissparkasse am Markt, Dorsten (E) 1982: Volkshochschule im Haus am Grünen Ring, Wanne-Eickel (E) 1983: Galerie „Fraiche“, Paris (G) 1984: Bochumer Künstlerbund, Museum Bochum (G) 1985: „Bilder zur Bibel“, Pfarrkirche St. Peter und Paul, Herne-Sodingen (E) 1987: Handzeichnungen, Galerie Schollbrockhaus, Herne (E) 1987: Rathaus-Galerie am Europaplatz, Castrop-Rauxel (E) 1991: Herner Künstlerbund, Pavillon am Verweilplatz, Herne (E) 1991: Landeskulturtage Nordrhein-Westfalen „Revier-Landschaft / Stadt-Landschaft / Kunst-Landschaft“, Städtische Galerie, Herne (G) 1998: DUO. Jupp Gesing (Ölbilder), Ulla Potthoff (Papierarbeiten), Städtische Galerie, Herne (G)

Literatur

Stadt Herne, Emschertal-Museum (Hrsg.), Michael Kade, Alexander von Knorre, Karl Josef Schmitz: Jupp Gesing. Retrospektive. Malerei und Glasmalerei. Herne 1992, ISBN 3-922987-29-X.

Hugo Schnell in: Das Münster (), 14. Jahrgang 1961, S. 217. Josef Rüenauver in: Das Münster, 20. Jahrgang 1967, S. 98.

Weblinks

Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e. V.: Künstler: Gesing, Jupp. Abgerufen am 29. August 2026.

Einzelnachweise

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