Der Bristol Beaufighter – alternativ auch als Bristol 412 S3 Beaufighter bezeichnet – ist ein Oberklassecabriolet mit Überrollbügel, das der ehemalige britische Automobilhersteller Bristol Cars Ltd. von 1980 bis 1993 in Kleinstserie baute. Der Beaufighter ist eine Weiterentwicklung des 1974 vorgestellten Bristol 412, den er ablöste und von dem er sich vor allem durch den Antrieb unterscheidet. Er war das erste britische Serienfahrzeug, das ab Werk mit einem Turbomotor ausgestattet war. Ein Sondermodell ohne Überrollbügel wurde 1984 unter der Bezeichnung Bristol Beaufort vorgestellt. blieb aber ein Einzelstück.
Entstehungsgeschichte Das in Gloucestershire ansässige Unternehmen Bristol Cars hatte seine Wurzeln in der Bristol Aeroplane Company, die 1910 in Bristol als Flugzeughersteller gegründet worden war. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gingen die Aufträge für Neuflugzeuge erheblich zurück. Um die Kapazitäten auszulasten, expandierte das Unternehmen – ähnlich wie Saab – daraufhin in die Automobilbranche.Zur Frühgeschichte der Car and Light Engineering Division der Bristol Aeroplane Company vgl. Bristol Enterprise in: Autocar vom 9. Januar 1948. Das erste Fahrzeug der neuen Marke, der Bristol 400, basierte auf technischen Komponenten der noch vor dem Krieg entwickelten BMW-Modelle 326, 327 und 328.Die Hintergründe für die Übernahme von BMW-Plänen sind nicht vollständig geklärt. Einige Autoren gehen davon aus, dass Bristol die BMW-Konstruktionen als Reparationsleistungen übernahm (so die Vermutung bei D. Günther, Oldtimer Markt, Heft 9/1996, S. 230), andere meinen, BMW habe finanzielle Gegenleistungen erhalten (vgl. Balfour: Bristol Cars, S. 48 f.). Vgl. zu den Einzelheiten auch die Darstellung im Artikel Bristol Cars. Bristol übernahm das Chassis des BMW 326 nahezu unverändertClassic and Sportscars, Heft 8/2006, S. 133 und nutzte es gleichermaßen für alle späteren Modelle. Bis 1961 verwendete Bristol zudem einen auf einer BMW-Entwicklung beruhenden Sechszylindermotor, der mit der Einführung des Modells 407 durch Achtzylindermotoren von Chrysler ersetzt wurde. Danach änderte sich die Ausrichtung der Marke. Die anfänglich hervorgehobene SportlichkeitDie Modelle 400, 401 und 404 wurden bis in die 1950er Jahre hinein regelmäßig von privaten Fahrern bei Langstrecken- und Bergrennen sowie bei Rallyes eingesetzt; vgl. Christopher Balfour: Bristol Cars. A very British story. Haynes Publishing, 2009, ISBN 978-1-844254071. S. 163, 170. trat zugunsten von Komfort und äußerlicher Zurückhaltung zunehmend in den Hintergrund.Das langjährige Firmenmotto lautete: “Nicely understated but never underrated” (übersetzt etwa: „Unauffällig, aber nicht zu unterschätzen“).
1974 stellte Bristol seinem geschlossenen Viersitzer 411 den 412 zur Seite, der bei übereinstimmender Technik eine eigenständige, von Zagato gestaltete Karosserie im Stil eines Sicherheitscabriolets hatte. Damit knüpfte Bristol an eine 15 Jahre alte Tradition an, die 1959 mit dem 406 Zagato begonnen und 1961 mit dem 407 GTZ Zagato fortgesetzt worden war. 1977 erschien eine überarbeitete Version als 412 S2 (Series 2). Sie blieb bis 1980. Beide Serien zusammengenommen, baute Bristol 39 Exemplare des 412.
Um den 412 weiter aufzuwerten, suchte Bristol Ende der 1970er-Jahre nach Möglichkeiten der Leistungssteigerung. Erste Versuche mit einem größeren Motor von Chrysler, in deren Verlauf Bristol einen Prototyp mit einem 7,2 Liter großen Achtzylinder-V-Motor ausstattete, verliefen nicht zufriedenstellend: Die Kraftentfaltung des Motors veränderte das Fahrverhalten das Autos „brutal“.Christopher Balfour: Bristol Cars. A very British story. Haynes Publishing, 2009, ISBN 978-1-844254071, S. 341. Ab 1977 beschäftigte sich Bristol mit dem Turboladerkonzept. Die ersten Überlegungen für eine aufgeladene Version des Achtzylindermotors gehen auf Chrysler zurück; dort wurde seit 1974 mit derartigen Konzepten experimentiert. Im Zuge seiner wirtschaftlichen Krise gab Chrysler die Arbeiten schließlich auf. Das Projekt wurde von Bristol übernommen, wo es die Ingenieure Dennis Sevier und Eden Holder zur Serienreife brachten.Thoroughbred and Classic Cars. Heft 12/2010, S. 97. 1980 ging das Beaufighter genannte Auto mit Turbomotor in den Verkauf, gut eineinhalb Jahre vor dem Bentley Mulsanne Turbo. Anfänglich ergänzte der Beaufighter Bristols geschlossenen Viersitzer 603, ab 1982 dessen Nachfolger Britannia. Das geschlossene Modell war ab 1982 ebenfalls mit dem Turbomotor des Beaufighter erhältlich; in dieser Version hieß es Bristol Brigand. Beaufighter, Brigand und Britannia blieben bis 1992 im Programm.
Modellbezeichnung Mit der Modellbezeichnung Beaufighter nahm Bristol auf den gleichnamigen Jagdbomber des früheren Mutterkonzerns Bristol Aeroplane Company Bezug, der während des Zweiten Weltkriegs in größeren Stückzahlen produziert worden war. Damit wandte sich Bristol Cars erstmals von der jahrzehntelang gepflegten Tradition ab, die eigenen Fahrzeuge mit einem Zahlencode (400 bis 412 und 603) zu bezeichnen. In der Folgezeit erhielten auch die anderen Modelle des Unternehmens Namen mit Bezügen zu Flugzeugen (Britannia, Brigand und Blenheim).
Alternativ findet sich für das Fahrzeug stellenweise auch die Bezeichnung Bristol 412 S3 Beaufighter.Michael Palmer: Bristol Cars Model by Model, Crowood, 2015, ISBN 978-1-78500-077-5, S. 126. Sie ordnet es der Baureihe 412 zu und sieht es als Nachfolger des 1980 eingestellten 412 S2 an.
Modellbeschreibung Der Bristol Beaufighter unterscheidet sich äußerlich nur in Details vom 412, motorseitig gibt es aber erhebliche Differenzen.
Antriebstechnik
Der Turbomotor des Beaufighter basiert auf einer Chrysler-Konstruktion. Basis ist der 5898 cm³ (360 cui) große Small-Block-Achtzylinder aus Chryslers LA-Reihe, den Bristol seit 1976 im 603 und seit 1977 im 412 S2 verwendete. Die Motoren wurden in Kanada für Bristol hergestellt.
Abweichend vom Basistriebwerk haben die von Bristol verwendeten Motoren besondere, in Großbritannien entwickelte Zylinderköpfe; eigenständig ist auch der Vierfachvergaser von Carter, der in dieser Form in den US-amerikanischen Versionen nicht verwendet wurde.
Der Motor ist im Beaufighter mit einem Turbolader von Rotomaster gekoppelt. Der Lader ist nicht dauerhaft im Einsatz, sondern wird über ein Priority Valve gesteuert, sodass der Lader je nach Stellung des Gaspedals aktiviert oder deaktiviert ist. Bristol behauptete, der Beaufighter sei das erste europäische Auto, das eine solche Technik verwende. Das elektronische Zündsystem wurde überarbeitet; ferner wurde Chryslers Lean Burn System – eine magere Gemischeinstellung, die in den späten 1970er-Jahren half, amerikanische Abgasbestimmungen zu erfüllen – außer Kraft gesetzt. Der Motor hat eine Hochleistungsbenzinpumpe, und der Querschnitt der Ansaugkanäle ist größer als beim regulären Saugmotor.
Im Zuge der Aufwertung des Motors wurde auch das Automatikgetriebe überarbeitet, da die bislang verwendete Version dem gestiegenen Drehmoment des Motors nicht gewachsen war. Die TorqueFlite-Automatik wurde mit einem stärkeren Drehmomentwandler gekoppelt, den Chrysler für den (seit längerem eingestellten) 7,2-Liter-Achtzylinder entwickelt hatte. Von dieser Version wurde auch die Kupplung übernommen.
Motor und Getriebe sind 25 mm niedriger eingebaut als im Bristol 412.
Die Turboaufladung erhöhte die Leistung und das Drehmoment des Motors erheblich. Bristol nannte wie üblich keine konkreten Werte. Firmeninhaber Tony Crook erklärte, es sei „more than sufficient power“ (mehr als genügend Leistung) verfügbar; der Zuwachs an Leistung und Drehmoment belaufe sich auf 30 Prozent. Spätere Zeitungsberichte bezifferten die Leistung des Motors auf etwa 320 PS.Thoroughbred and Classic Cars. Heft 12/2010, S. 97. Tony Crook beschrieb den Beaufighter bei seiner Präsentation als „den am schnellsten beschleunigenden und mit dem größten Kofferraum ausgestatteten viersitzigen Serienwagen mit automatischem Getriebe“.auto motor und sport. 24/1980, S. 232.
Karosserie
Die Karosserie des Beaufighter entsprach weitestgehend der des Bristol 412. Es handelte sich nach wie vor um ein „Sicherheitscabriolet“ mit feststehendem Überrollbügel und Hardtop über den Fahrersitzen. Anders als beim 412 war das Hardtop über den Fahrersitzen allerdings fest installiert und nicht entfernbar; das Stoffverdeck über den Rücksitzen konnte hingegen wie bisher heruntergeklappt werden.Brian Palmer: Now on the road with a modern convertible that's breaktaking. In: Thoroughbred & Classic Cars. Heft 6/1981, S. 48.
Die Rohkarosserie wurde weiterhin bei Maggiora in Turin hergestellt. Einige Details waren modifiziert worden; Zagato behauptete, die Änderungen seien in Italien entwickelt worden. Wesentliches Unterscheidungsmerkmal waren vier rechteckige Doppelscheinwerfer, die die bisherige Scheinwerfer-Blinker-Einheit vom Opel Commodore B ersetzte. Die Blinker des Beaufighter fanden sich nun unter der Frontstoßstange. Anders als der 412 trug der Beaufighter eine deutliche Wölbung auf der Motorhaube, die durch den Turbolader bedingt war. Ab 1983 trugen die Beaufighter-Modelle vorn und hinten serienmäßig sogenannte Side-Marker-Lights nach amerikanischem Vorbild, und zwar auch, wenn sie (wie ganz überwiegend üblich) auf dem europäischen Markt oder im Nahen Osten abgesetzt wurden.
Das Design der Karosserie war nach wie vor Gegenstand von Kritik. Bei der Einführung des Modells 1980 wurde der Beaufighter unter anderem als „unverwechselbar, aber sicher nicht schön“ bezeichnet.
Das Interieur wurde ebenfalls geändert. Anfänglich war ein geglättetes Armaturenbrett verfügbar, das auf die traditionelle, seit dem 404 für Bristol typische ovale Einfassung hinter dem Lenkrad verzichtete.Brian Palmer: Now on the road with a modern convertible that's breaktaking. In: Thoroughbred & Classic Cars. Heft 6/1981, S. 47. Diese Idee hielt sich allerdings nicht lange; Bristol kehrte schnell zum klassischen Layout zurück. Ähnlich kurzlebig war die Idee, den Beaufighter mit digitalen Instrumenten auszurüsten. In Anlehnung an die Konzeption des zeitgenössischen Aston Martin Lagonda experimentierte Bristol mit ähnlichen Lösungen, traf aber auch auf ähnliche Probleme und kam zu dem Ergebnis, diesen Weg nicht weiter zu verfolgen, da sich Vor- und Nachteile nicht in ein angemessenes Verhältnis zueinander bringen ließen.
Fahrleistungen Der Beaufighter wies deutlich bessere Fahrleistungen auf als der Bristol 412 und der gleichzeitig produzierte Bristol 603. In einem ersten Test legte er den Sprint von 0 auf 96 km/h in 6,7 Sekunden zurück und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 240 km/h. Bei den ersten Testfahrten war ein Verbrauch von über 30 Litern auf 100 km zu bemerken; Bristol gelang es aber in den nachfolgenden Monaten durch Feintuning, diesen Wert auf etwa 25 Liter/100 km zu senken. Allerdings litten die Fahrleistungen unter der aerodynamisch vergleichsweise ungünstigen Karosserie des Beaufighter. Der aerodynamisch deutlich besser gestaltete Bristol Brigand, der ab 1982 produziert wurde, war bei vergleichbarem Leergewicht nochmals deutlich schneller.
Produktion und Preise Der Beaufighter wurde Bristols Werkstatt in Filton bzw. ab 1984Balfour: Bristol Cars, S. 312. in der benachbarten Gemeinde Patchway hergestellt. Er wurde 14 Jahre lang gebaut. Die Herstellung endete im Sommer 1993, kurz bevor Bristol die Produktion auf das neue Modell Blenheim umstellte. Über die Jahre wurden nur sehr wenige Beaufighter hergestellt. 2014 erklärte Bristol Cars in einer Verkaufsanzeige, dass von 1980 bis 1993 insgesamt etwas über 20 Beaufighter hergestellt worden seien. auf bristolcars.co.uk (abgerufen am 29. Januar 2014).