Ostragehege ist eine deutsche Literaturzeitschrift, die sich u. a. der Begegnung von mittel- und osteuropäischen Kulturen widmet und 1994 zum ersten Mal erschien.

Profil Edition und Kooperation „Ostragehege“ wird in Dresden verlegt und erscheint vierteljährlich mit einem Umfang von ca. 60 Seiten. Gedruckt werden Lyrik, Prosa und Essays zeitgenössischer Autoren. Als Alleinstellungsmerkmal unter den 450 literarischen Zeitschriften und Zeitungen Deutschlands gilt, dass „Ostragehege“ bis 2010 „Übersetzungen aus allen slawischen Sprachen abgedruckt“ hatte. Die Herausgabe jedes neuen Heftes von „Ostragehege“ wird durch Leseveranstaltungen mit einem darin enthaltenen Autor begleitet. Die Zeitschrift möchte daneben „Dresden als Musik-, Kunst- und Museumslandschaft [spiegeln].“

Der Herausgeber, LITERARISCHE ARENA e. V., kooperiert mit literarischen Vereinen auf nationaler und internationaler Ebene.

Rubriken Die Rubrik „Lagebesprechung„Der Name ‚Lagebesprechung‘ kommt von der von Kurt Drawert 2001 bei Suhrkamp herausgegebenen Lyrikanthologie. Drawert war auch der erste Gastredakteur, der diese Rubrik begonnen hat.“ Axel Helbig. In: Thomas Gärtner: Brücken zwischen Ländern und Künsten. „Ostragehege“ wird 20 Jahre alt – Für Redakteur Axel Helbig ist die Zeitschrift etwas Einmaliges. In: DNN. 20. Oktober 2014 (Thomas Gärtner im Interview mit Axel Helbig). – Junge deutschsprachige Lyrik“ widmet sich der nachwachsenden Autorengeneration (z. T. mit literarischem Debüt)„Wir sind der neusten Lyrik gegenüber sehr aufgeschlossen. Das schließt ein, dass wir auch neuen Herausforderungen gegenüber sehr aufgeschlossen sind, und ein Verständnisproblem bei Lyrik wird es immer geben, weil Lyriker nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten suchen, und der Leser ist konfrontiert mit neuen formalen Herangehensweisen, auch mit neuen Rhythmen vielleicht. Das heißt: Lesen erfordert ein Mittun, wie ja überhaupt Literatur etwas ist, das zwischen Autor und Leser steht und den Leser unbedingt braucht.“ Axel Helbig. In: „Ostragehege“ – Joachim Hildebrandt stellt die seit fünfzehn Jahren erscheinende Dresdener Zeitschrift für Literatur und Kunst vor. (Redaktion und Moderation: Harro Zimmermann). In: Radio Bremen. Nordwestradio. Sendung Literaturzeit. 5. April 2009.: „Buchverleger nutzen die Zeitschrift als Trüffelfinder auf dem literarischen Markt.“ In der Rubrik „Interview“ kommen eingeführte Schriftsteller zu Wort und werden „intensiv zu ihren poetologischen und Werkhintergründen“ befragt.

Hinzu kommen Rezensionen neu erschienener Bücher. Jede Ausgabe enthält zudem mehrere Reproduktionen von Werken eines zeitgenössischen bildenden Künstlers aus den Bereichen Grafik, Malerei und Fotografie: zuletzt u. a. Hartwig Ebersbach, Hubertus Giebe, Wolfgang E. HerbstSilesius, Andreas Hegewald, Gregor Kunz, Christian Lang, Arno Rink, Christine Schlegel und Gudrun Trendafilov. Der Literaturkritiker Joachim Hildebrandt urteilte: „Die Verbindung von Bildhaftigkeit und Erzähltem kann man als geglückt bezeichnen.“

Häufig werden auch Beiträge zur zeitgenössischen Musik abgedruckt (u. a. zu Sofia Gubaidulina, Karlheinz Stockhausen und George Crumb), weiterhin Beiträge zur kulturpolitischen Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit.Vgl. bspw. die Rezension von Wolfgang Schlott zu Ines Geipel, Joachim Walther: Gesperrte Ablage. Unterdrückte Literaturgeschichte in Ostdeutschland 1945–1989. Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2015, ISBN 978-3-940357-50-2. In: Ostragehege. Nr. 80 (II/2016). – Vgl. auch die Rezension von Fred Fischer: „Beim Verlassen des Untergrunds“? zu Tom Pohlmann, Steffen Birnbaum (Hrsg.): Beim Verlassen des Untergrunds: Dramaturgien und Ironisierungen zum gelungenen, zwanzig Jahre dauernden Aufstand (= Edition Mischhaus). Plöttner, Leipzig 2008, ISBN 978-3-938442-37-1 (Anthologie). In: Ostragehege. Nr. 55 (III/2009). – Vgl. dazu auch Michael Braun: Zeitschriftenlese. Rezension zu Ostragehege. Nr. 55 (III/2009). In: SR KulturRadio 2. 24. November 2009. Verschriftung in: poetenladen.de. 27. November 2009, abgerufen am 8. Mai 2016.

In der Rubrik „Interview“ kamen beispielsweise Karl DedeciusBettina Eberspächer: „dann tragen meine gedanken früchte in deiner sprache“ (Gespräch mit Karl Dedecius). In: Ostragehege. Nr. 52 (IV/2008). – „ein Europäer aus Lodz“Vgl. Karl Dedecius: Ein Europäer aus Lodz: Erinnerungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-518-41756-8. – und Raoul SchrottAxel Helbig: Theogonie, Ilias und Altes Testament fußen auf den gleichen Mythen. Gespräch mit Raoul Schrott. In: Ostragehege. Nr. 79 (I/2016). zu Wort. Die Rubrik „Lyrik“ brachte poetologische Essays von Elke ErbElke Erb: Sätze zur Poetologie / Reden und Sehen (Kurzessays). In: Ostragehege. Nr. 57 (I/2010)., und in der Rubrik „Rede“ wurde u. a. eine Rede von Zsuzsanna Gahse dokumentiert.Zsuzsanna Gahse: Es könnte gelingen – Luzerner Rede. In: Ostragehege. Nr. 79 (I/2016). Daneben wurden Übersetzungen, so z. B. von Jorge Luis BorgesVgl. Harold Alvarado Tenorio: Gespräch mit Jorge Luis Borges. In: Ostragehege. Nr. 70 (II/2013)., Federico García Lorca und César Vallejo vorgestellt.

Beiträge: Akquisition und Genres Die Zeitschrift geht nach Verlagsauskunft nicht auf Autoren zu und vergibt auch keine Aufträge, sondern verwendet aus den jährlich etwa 1500 eingehenden Beiträgen etwa 80 – allesamt Erstveröffentlichungen. Dabei wählt die Redaktion die Einsendungen nach „Qualitätsgesichtspunkten“ (wie der „besondere Ton, der eigene Rhythmus, die Exklusivität der Mitteilung, das Verhältnis von Form und Inhalt, von Experiment und Tradition“) aus. Bedingt durch den Umfang werden neben Lyrik nur kurze dramatische Texte und teils gekürzte Prosatexte veröffentlicht. Die Redaktion verzichtet bewusst auf feuilletonistische und wissenschaftliche Literatur.

Titel „Ostragehege“ Der Titel bezieht sich auf das Dresdner Stadtgebiet Ostragehege„Heinz Czechowski setzte sich für den Namen „Ostragehege“ ein, weil der sowohl für die Kunst wie die Literatur steht.“ Axel Helbig. In: Thomas Gärtner: Brücken zwischen Ländern und Künsten. „Ostragehege“ wird 20 Jahre alt – Für Redakteur Axel Helbig ist die Zeitschrift etwas Einmaliges. In: DNN. 20. Oktober 2014 (Thomas Gärtner im Interview mit Axel Helbig). – Dieses weitläufige Auengelände diente Caspar David Friedrich als Motiv für sein Gemälde Das Große Gehege (um 1832). Der amerikanische Autor und Ehrengründungsmitglied der Zeitschrift, Kurt Vonnegut, war hier eine Zeit als amerikanischer Kriegsgefangener im Zweiten Weltkrieg interniert, die er in seinem Roman Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug literarisch verarbeitete., dessen Name wiederum auf das slawische Wort ostrov – stromumflossenes Eiland verweist. Den Titel „Ostragehege“ versteht die Zeitschrift daher als geeignete Metapher für die Situation einer Literatur im Umfluss benachbarter Sprachgebiete: neben der sorbischen die polnische und die tschechische Literaturtradition.Orpheus versammelt die Geister. Literarische Arena e. V., Dresden 2005, S. 212. „Inzwischen ist das Spektrum jedoch global.“Vgl. z. B. die Rubrik „NEUE LYRIK AUS TAIWAN“. In: Ostragehege. Nr. 55 (III/2009).

Geschichte Begründet wurde die Zeitschrift von einer Gruppe von Schriftstellern, unter anderem von den Dresdner Schriftstellern Peter Gehrisch und Norbert Weiß, den aus Plauen stammenden Autoren Utz Rachowski und Axel Reitel sowie dem amerikanischen Autor Kurt Vonnegut „als Ehrengründungsmitglied“.

„Ostragehege“ setzte zunächst einen Schwerpunkt auf die Begegnung von mittel- und osteuropäischer Literatur, präsentiert jedoch mittlerweile internationale Literatur weltweit.

Erscheinungsweise Reguläre Ausgaben Die regulären Ausgaben erschienen seit Gründung in unterschiedlicher Weise: zunächst variierend zwischen ein- bis dreimal pro Jahr, seit dem Jahr 2000 quartalsweise (2014 mit zwei Ausgaben).Die Ausgaben im Einzelnen:1. Jg.: Nr. 1 (1994), 2. Jg.: Nr. 2 (I/1995), Nr. 3 (II/1995), 3. Jg.: Nr. 4 (I/1996), Nr. 5 (II/1996), Nr. 6 (III/1996), Nr. 7 (IV/1996), 4. Jg.: Nr. 8 (I/1997), Nr. 9 (II/1997), Nr. 10 (III/1997), 5. Jg.: Nr. 11 (I/1998), Nr. 12 (II/1998), Nr. 13 (III/1998), 6. Jg.: Nr. 14 (I/1999), Nr. 15 (II/1999), Nr. 16 (III/1999), 7. Jg.: Nr. 17 (I/2000), Nr. 18 (II/2000), Nr. 19 (III/2000), Nr. 20 (IV/2000), 8. Jg.: Nr. 21 (I/2001), Nr. 22 (II/2001), Nr. 23 (III/2001), Nr. 24 (IV/2001), 9. Jg.: Nr. 25 (I/2002), Nr. 26 (II/2002), Nr. 27 (III/2002), Nr. 28 (IV/2002), 10. Jg.: Nr. 29 (I/2003), Nr. 30 (II/2003), Nr. 31 (III/2003), Nr. 32 (IV/2003), 11. Jg.: Nr. 33 (I/2004), Nr. 34 (II/2004), Nr. 35 (III/2004), Nr. 36 (IV/2004), 12. Jg.: Nr. 37 (I/2005), Nr. 38 (II/2005), Nr. 39 (III/2005), Nr. 40 (IV/2005), 13. Jg.: Nr. 41 (I/2006), Nr. 42 (II/2006), Nr. 43 (III/2006), Nr. 44 (IV/2006), 14. Jg.: Nr. 45 (I/2007), Nr. 46 (II/2007), Nr. 47 (III/2007), Nr. 48 (IV/2007), 15. Jg.: Nr. 49 (I/2008), Nr. 50 (II/2008), Nr. 51 (III/2008), Nr. 52 (IV/2008), 16. Jg.: Nr. 53 (I/2009), Nr. 54 (II/2009), Nr. 55 (III/2009), Nr. 56 (IV/2009), 17. Jg.: Nr. 57 (I/2010), Nr. 58 (II/2010), Nr. 59 (III/2010), Nr. 60 (IV/2010), 18. Jg.: Nr. 61 (I/2011), Nr. 62 (II/2011), Nr. 63 (III/2011), Nr. 64 (IV/2011), 19. Jg.: Nr. 65 (I/2012), Nr. 66 (II/2012), Nr. 67 (III/2012), Nr. 68 (IV/2012), 20. Jg.: Nr. 69 (I/2013), Nr. 70 (II/2013), Nr. 71 (III/2013), Nr. 72 (IV/2013), 21. Jg.: Nr. 73 (I/2014), Nr. 74 (II/2014), 22. Jg.: Nr. 75 (I/2015), Nr. 76 (II/2015), Nr. 77 (III/2015), Nr. 78 (IV/2015), 23. Jg.: Nr. 79 (I/2016), Nr. 80 (II/2016), Nr. 81 (III/2016) …

Sonderpublikationen

Die Zeitschrift veröffentlicht auch Sonderpublikationen, die u. a. die Europäischen Literaturtage in Lwówek Śląski (Löwenberg in Schlesien) – auch als Lwówek Śląski-Feste bezeichnet – dokumentieren, so die Anthologien Es ist Zeit, Wechsle die Kleider! Stimmen aus Polen. Gedichte (1998)Es ist Zeit, Wechsle die Kleider! Stimmen aus Polen. Gedichte (= Ostragehege. Sonderheft ) [erschienen zu den deutsch-polnischen Literaturtagen Dresden 2.–5. Juli 1998]. Hrsg. von Peter Gehrisch und Dieter Krause. Literarische Arena e. V., Dresden 1998, (Polnische Lyrik)., Das Land Ulro nach Schließung der Zimtläden (2000)Das Land Ulro nach Schließung der Zimtläden – Stimmen aus Deutschland, Polen, Tschechien und Ungarn (= Ostragehege. Sonderpublikation ). Mit Grafiken von Agata Ewa Kordecka und Acrylmalerei von Elke Ulrich. Hrsg. von Peter Gehrisch und Axel Helbig. Sandstein, Dresden 2000, ISBN 3-930382-48-2 (Text teilw. dt., teilw. poln., teilw. tschech., teilw. ungar.; – u. a. Bezugnahme auf Czesław Miłosz’ großen Essay „Das Land Ulro“)., Heimkehr aus der Fremde – Stimmen aus der Mitte Europas (2002)Heimkehr aus der Fremde – Stimmen aus der Mitte Europas (= Ostragehege. Sonderpublikation ). Mit Grafiken von Janusz Jaroszewski. Hrsg. von Peter Gehrisch und Axel Helbig. Literarische Arena e. V., Dresden 2002, (Lyrik, Prosa und Essays von 69 Autoren aus neun Ländern; – mit Erstveröffentlichungen früher Gedichte des Nobelpreisträgers Czesław Miłosz). und ORPHEUS versammelt die Geister – Stimmen aus der Mitte Europas (2005)ORPHEUS versammelt die Geister – Stimmen aus der Mitte Europas (= Ostragehege. Sonderpublikation ). Mit Bildern von Gudrun Höritzsch. Hrsg. von Peter Gehrisch und Axel Helbig. Literarische Arena e. V., Dresden 2005, (mit einer Übertragung des Gedichtes „Gebet“, dem vermutlich letzten literarischen Text von Czesław Miłosz)..

Autoren (Auswahl)