mini|1584 in Wien gefertigte Sternenuhr des Pariser Observatoriums

Eine Sternuhr, auch Nachtuhr Jürgen Teichmann: Wandel des Weltbildes. Astronomie, Physik und Meßtechnik in der Kulturgeschichte. Mit Beiträgen von Volker Bialas und Felix Schmeidler. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darmstadt. 1983. Dort ist die Nachtuhr auf Seite 16 einer Skizze dargestellt und kurz beschrieben. Das abgebildete Gerät entspricht genau der hier im Wikipedia-Artikel behandelten Sternuhr., Nokturnal oder Nocturlabium,Vgl. Ernst von Bassermann-Jordan, Hans von Bertele: Uhren. Klinkhardt & Biermann, Braunschweig 1969 ist ein mittelalterliches Gerät zur Ermittlung der Nachtstunden anhand der Stellung der Sterne.

Eine auf der Nordhalbkugel verwendete Sternuhr benutzt gewöhnlich einen Stern des Großen Bären, den Stern Kochab des Kleinen Bären oder den Stern Schedir der Kassiopeia als Referenzpunkt.

Einen frühen Vorläufer des Nokturnals entwickelte Pacificus von Verona († 844). Gerbert von Aurillac könnte während seines Aufenthalts in Merseburg im ausgehenden 10. Jahrhundert ein ähnliches Instrument konstruiert haben; entsprechende Darstellungen finden sich auch in Manuskripten des 11. und 12. Jahrhunderts.Günther Oestmann: On the History of the Nocturnal, in: Bulletin of the Scientific Instrument Society 69 (2001), S. 5–9, hier: 6. Zu Gerbert siehe auch Bruce S. Eastwood: Astronomy in Christian Latin Europe, c. 500–c.ll50, in: Journal for the History of Astronomy 28 (1997), S. 235–258, hier 253, Nachdruck in ders.: The Revival of Planetary Astronomy in Carolingian and Post-Carolingian Europe, London / New York 2002 (abger. am 25. Januar 2026); Ernst Zinner: Die ältesten Räderuhren und modernen Sonnenuhren. Forschungen über den Ursprung der modernen Wissenschaft. [Bamberg 1939], S. 15 f (abger. am 25. Januar 2026). Die erste genaue Beschreibung der Sternuhr und ihrer Benutzung bietet dann Ramon Llull im Jahr 1291.Eduard Farre i Olive: La Sphaera Horarum Noctis de Ramon Llull, in: La Busca de Paper 22 (Frühling 1996), S. 3–12, hier 4. Eine ausführliche Beschreibung findet sich ferner im Instrumentbuch bei Peter Apian. Eine weitere Erwähnung des Nocturlabiums erfolgte durch Martín Cortés de Albacar 1551 in seinem Werk Arte de NavegarHarriet Wynter, Anthony Turner: Scientific Instruments, Studio Vista, 1975, ISBN 0-289-70403-0.

Funktionsweise miniatur|Anwendung der Sternuhr, nach Peter Apian, Cosmographicus liber (1533)

Das Instrument besitzt zwei übereinander liegende, drehbare Scheiben mit einem Zeiger und einem Loch in der Mitte. Auf der einen Scheibe mit den Monaten des Jahres wird das Tagesdatum eingestellt. Durch das Loch wird der Polarstern anvisiert und währenddessen der Zeiger auf den Polweiser (die Sterne α und β) des Großen Wagens gestellt. Auf der zweiten Scheibe lässt sich dann die Uhrzeit ablesen.

In Der Horologien, Oder Sonnenuhren von Sebastian Münster aus dem Jahre 1553 findet sich schließlich eine zeitgenössische Gebrauchsanweisung, die zu der hier gezeigten historischen Darstellung der Sternuhr von Peter Apian passt:

Literatur Christian Leitz: Altägyptische Sternuhren, in: Ernst Seidl (Hg.): Der Himmel. Wunschbild und Weltverständnis. MUT, Tübingen 2011, ISBN 978-3-9812736-2-5, S. 161–170. Wolfgang Schroeder: Praktische Astronomie für Sternfreunde (u. a. mit Anleitung zum Bau eines Nokturnals). 1. Auflage, Kosmos-Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1958.

Weblinks

Nocturnal, Museo Galileo – Institute and Museum of the History of Science, Florenz. Video zur Funktionsweise und weitere Darstellungen (englisch) Nocturnal, British Museum (englisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Historisches Instrument der Astronomie Kategorie:Elementaruhr