Gusch Emunim ( bzw. ‚Block der Treuen oder Block der Gläubigen‘http://www.morfix.co.il/%D7%92%D7%95%D7%A9%20%D7%90%D7%9E%D7%95%D7%A0%D7%99%D7%9D%E2%80%8E) warAngaben zur Bewegung auf der Seite des israelischen Parlaments (englisch), abgerufen am 17. Mai 2015 eine außerparlamentarische jüdische nationalreligiöse Organisation in Israel.

Gründung Gusch Emunim wurde am Tu biSchevat, dem 7. Februar 1974 von Absolventen der Jerusalemer Jeschiva Merkas HaRaw Kook im Haus von Rabbi Yoel Bin-Nun in Allon Schewut gegründet. Ziel war eine vollständige zionistische Verwirklichung in Handlung und Geist neu zu erwecken.

Die Gründung geschah auch unter dem Eindruck und als Reaktion auf den für Israel schockierenden Jom-Kippur-Krieg. In: bornpower.de., abgerufen am 9. April 2018. Als geistiger Vater gilt Zvi Jehuda Kook (1891–1982) und seine Lehren.

Ihre Anhänger vertraten die Auffassung, dass die Besiedlung des biblischen Landes Israel eine religiöse Pflicht sei und Teil eines göttlichen Erlösungsplans ist.

Die Gruppe hatte in ihrer aktivsten Zeit nicht mehr als 20.000 aktive Mitglieder, aber bis heute einen großen Einfluss auf die Politik.https://www.relinfo.ch/lexikon/judentum/gusch-emunim/, abgerufen am 11. Mai 2019

Geschichte Im Mai 1974 ließen sich Mitglieder der Organisation in einem verlassenen Bunker Quneitra auf dem Golan nieder, die den Ort aber kurze Zeit später wieder verlassen mussten und den Moschav Keshet gründete. Am 4. Juni 1974 versuchte die Gruppe Elon Moreh 4 Kilometer südlich von Nablus zu gründen. Weitere Versuche Siedlungen in den besetzten Gebieten gegen den Widerstand der israelischen Regierung zu gründen folgten. Mit der Regierung von Menachem Begin ab dem 20. Juni 1977 änderte sich die Haltung der Regierung zu den Siedlungen grundlegend.

In den 1980er Jahren verlor die Bewegung an Bedeutung und zerfiel allmählich.

Generalsekretäre Die Arbeit von Gusch Emunim wird von einem Generalsekretär koordiniert. Generalsekretäre waren: 1975–1984: Natan Natanson 1984–1988: Daniella Weiss 1988 – ? Yitzhak Armoni Bis 1998 Nissan Slomiansky

Ideologie Gusch Emunim versteht sich als religiös-zionistische Erneuerungsbewegung, die die Gründung Israels als Teil eines Erlösungsprozesses ansieht, zu dem auch die Inbesitznahme von ganz Eretz Israel gehört. Die Ideologie der Bewegung fußte auf den vier Eckpunkten: Messianismus, die Auserwählung des Volkes Israel, der Heiligkeit des Landes Israel und der Heiligkeit der Tora. Israel inklusive Gazastreifen, Westjordanland und Ost-Jerusalem wurden dabei als Heiliges Land angesehen, das nicht mehr zurückgegeben werden dürfe. Selbst staatliche Institutionen, wie die israelische Armee, konnten entsprechend dieser Ideologie bekämpft werden, wenn sie dauerhaft Land an Nichtjuden, zum Beispiel an Araber im Zusammenhang mit Friedensabkommen, abtreten sollten.

Der Messianismus: Der messianische Erlösungsprozess begann mit der Geburt des Zionismus im 19. Jahrhundert. Alle für Israel relevanten geschichtlichen Ereignisse, z. B. die Balfour-Deklaration, Gründung des Staates Israel, Sechstagekrieg werden darin einbezogen, einerseits als göttliche Fügung oder als göttliche Mahnung. Der Holocaust wird von einigen Gusch Emunim-Anhängern auch als göttliches Zeichen angesehen, dass die Assimilation der falsche Weg gewesen ist. Der Prozess der Erlösung muss durch aktives Handeln voran getrieben werden, bis der erwartete Messias erscheint, insbesondere durch die Besiedlung des verheißenen Landes. In: bornpower.de., abgerufen am 11. Mai 2019.

Die Auserwähltheit: Eine weitere Komponente in der Ideologie ist die Betonung einer Besonderheit des jüdischen Volkes. Während der Zionismus die jüdische Diaspora beenden will und eine eigene nationale jüdische Kultur schaffen will, betont Gusch Emunim gerade die Auserwähltheit des jüdischen Volkes durch Gott, die die Juden in bestimmten Punkten von den weltlichen Gesetzen entbindet. Ist nach den weltlichen Gesetzen eine Besiedlung ganz Palästinas nicht erlaubt, ist das für Gusch Emunim nicht gültig, weil sie dem göttlicher Befehl, der absolut bindend ist, nicht entspricht. In: bornpower.de., abgerufen am 11. Mai 2019.

Die Heiligkeit des Landes Israel: Gusch Emunim erhebt einen absoluten Anspruch auf das ganze Israel in den biblischen Grenzen, das als Symbol für die jüdische Erneuerung angesehen wird. Dieser Anspruch steht über den Ansprüchen aller anderen Völker, da die Juden das auserwählte Volk und damit das einzige Volk mit einer göttlichen Bindung an ihr Heimatland sind. Die vorrangigste Aufgabe für Gusch Emunim ist die möglichst schnelle Besiedlung der besetzten Gebiete, denn vor der geistigen Erlösung muss erst das Land erlöst werden. In: bornpower.de., abgerufen am 11. Mai 2019.

Politische Bedeutung Gusch Emunim hatte erheblichen Einfluss auf die israelische Politik und die Entwicklung der Siedlungsbewegung. Viele der heute bestehenden israelischen Siedlungen im Westjordanland wurden von Mitgliedern oder Unterstützern der Bewegung gegründet.

Obwohl Gusch Emunim heute nicht mehr als geschlossene Organisation existiert, wirken ihre Ideen und Netzwerke innerhalb der religiös-zionistischen Siedlerbewegung und in Teilen der israelischen Politik bis heute nach.

Untergrundbewegung

Zwischen 1979 und 1984 existierte eine Untergrundbewegung die personell mit Gusch Emunim verbunden war. Mitglieder dieser Bewegung verübten Bombenattentate auf palästinensische Bürgermeister. Dabei wurden zwei Bürgermeister, Bassam Shaka (Nablus) und Karim Halaf (Ramallah), verstümmelt.“What Next for Israel?”, Time, 9. Juli 1984. Abgerufen am 4. März 2011

1983 drangen zwei Mitglieder dieser Organisation in das islamische College in Hebron ein. Dort gaben sie Schüsse ab und warfen eine Handgranate. Sie ermordeten drei Studenten und verletzten 33. Die Täter wurden zunächst zu lebenslanger Haft verurteilt, die Strafen wurden aber nach und nach abgemildert, so dass sie nach weniger als sieben Jahren entlassen wurden. Ausschlaggebend dafür war eine Begnadigung durch den israelischen Staatspräsidenten Chaim Herzog.3 Israeli Terrorists Are Released In 4th Reduction of Their Terms, NY Times, 27. Dezember 1990. Abgerufen am 4. März 2011

Im April 1984 wird in Israel eine terroristische jüdische Gruppierung aufgedeckt, die den Plan hatte, die Moscheen am Jerusalemer Tempelberg in die Luft zu sprengen. Die Zerstörung des Heiligtums sollte laut den Verschwörern dazu führen, dass mehrere hundert Millionen Muslime zum Jihad mobil machen würden, was die ganze Menschheit in die letzte, entscheidende Auseinandersetzung zwingen würde. Der Sieg Israels am Ende dieser herbeigewünschten Feuerprobe könnte das Kommen des Messias vorbereiten. Zahlreiche Mitglieder dieser Terrorgruppe gehören auch zum engeren Führungskreis des Gusch Emunim.(Gorenberg, Seite 128ff.)https://www.relinfo.ch/lexikon/judentum/gusch-emunim/, abgerufen am 11. Mai 2019

Literatur Peter Demandt: „Gusch Emunin“. In: Babylon – Beiträge zur jüdischen Gegenwart, Micha Brumlik, Dan Diner (Hrsg.), Heft 4 (1988), S. 40 ff. <

Gershom Gorenberg: The End of Days. Fundamentalism and the Struggle for the Temple Mount. Oxford University Press, 2000, S. 128–137.

Idith Zertal, Akiva Eldar: Die Herren des Landes. Israel und die Siedlerbewegung seit 1967. DVA, München 2007.

Weblinks

Einzelnachweise

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