Der SC Bern ist ein Eishockeyclub in der Schweizer Bundesstadt Bern. Er ist 16-maliger Schweizer Eishockeymeister.
Gegründet wurde der Schlittschuh Club Bern (SCB) am 3. November 1930, der Spielbetrieb wurde zum Jahresbeginn 1931 aufgenommen. Die Vereinsfarben sind Schwarz, Gelb und Rot. Der Club erlangte bereits in seinen frühen Jahren eine hohe Zuschauerresonanz. In Eishockeykreisen erreichte der SCB in den letzten Jahren Bekanntheit durch den mit Abstand höchsten Zuschauerschnitt im europäischen Eishockey.
Die Heimspielstätte des Stadtberner Clubs ist seit 1967 die PostFinance-Arena, ursprünglich Eisstadion Allmend, mit einer Kapazität von 17'031 Zuschauerplätzen.
Geschichte 1930 bis 1956: Die Gründerjahre Die Ahnen des SC Bern waren ein Berner Schlittschuh-Klub (um 1893)Henry Eggenberger: 60 Jahre SC Bern 1931–1991. 1991, S. 9., der Hockey-Club Bern (Gewinner der nationalen Meisterschaft 1916–1918) sowie die Ice Fellows in den 1920er Jahren.
Der Schlittschuh-Club Bern wurde am 3. November 1930 gegründet; am 1. Januar 1931 nahm die Eishockeysektion des Clubs den Spielbetrieb auf.SCB – Eine einmalige Geschichte (Film). Die erste Spielstätte befand sich an der Kirchenfeldstrasse 70, wo heute eine Tennisanlage steht.Martin Megert: 111 Gründe, den SC Bern zu lieben. Eine Liebeserklärung an den großartigsten Eishockeyclub der Welt, S. 12. Pioniere des SC Bern waren unter anderem Fred Müller, Paul Gerber, José Barrot, Otto Heller, Kurt Kessi, Heini Dallmeier und Kurt Hauser.
Die Berner betätigten sich bis 1933 auf dem gefrorenen Egelmösli und dem Weyermannshaus, im Winter wurden auch Tennisplätze als Eisbahnen zu Trainingsplätzen zweckentfremdet. Im Jahr 1933 zog der SCB um auf die neue Kunsteisbahn Ka-We-De, die mit einem Spiel gegen den Zürcher SC am 3. Dezember desselben Jahres eingeweiht wurde. Der erste Heimsieg an neuer Stätte gelang am 8. Januar 1934 gegen die Mannschaft der Universität Cambridge mit 6:2. Aber erst nach sechs Jahren konnte sich der SCB erstmals eigene Trikots erstehen. Da die Zuschauerresonanz in der Ka-We-De stark zugenommen hatte, mussten zusätzliche Tribünen montiert werden.
Ab der Saison 1937/38 spielte der SCB in der neu gegründeten Nationalliga A, der höchsten Liga im Schweizer Eishockey. Dort blieben die Erfolge zunächst bescheiden.
1956 bis 1967: Erste Meistertitel und Abstiege 1956 stieg der SCB in die Nationalliga B ab, bereits in der Saison 1957/58 gelang jedoch der Wiederaufstieg. In der Spielzeit 1958/59 gewann der SCB seinen ersten Meistertitel vor durchschnittlich 7'857 Zuschauern. Zuhause waren die unerfahrenen Mutzen in jedem Spiel siegreich. Im Finalspiel um den Schweizer Meistertitel gewannen die Berner zuhause vor 10'500 Zuschauern mit 5:4 gegen den HC Davos. Trainer Ernst Wenger führte die Mannschaft somit 1959 direkt vom Aufstieg zum Meistertitel. Massgeblichen Anteil am erstmaligen Titelgewinn hatten neben dem Sturmtrio um Rolf Diethelm, Bruce Hamilton und Peter Stammbach auch Torhüter René Kiener und Verteidiger Alfred Lack. Der Kanadier Hamilton musste jedoch nach der Saison 1958/59 den SCB verlassen, nachdem der Schweizer Verband Ausländer vom Spielbetrieb ausgeschlossen hatte.Henry Eggenberger: 60 Jahre SC Bern 1931–1991. 1991, S. 28.
In der Saison 1964/65 liess der SCB unter Trainer Ed Reigle den zweiten Meistertitel folgen. Im selben Jahr errangen die Mutzen auch den Schweizer Eishockeycup. Aufgrund der hohen Zuschauerresonanz genügte das Ka-We-De nicht mehr; stattdessen wurde im Jahr 1965 mit dem Bau einer neuen Arena an der Mingerstrasse 12 begonnen. Zwei Spielzeiten später (1966/67) stieg der Verein erneut in die NLB ab.
1967 bis 1982: Die Allmend – eine neue Heimat Während der SCB zum zweiten Mal in der NLB antreten musste, konnte er 1967 das in etwa zweijähriger Bauzeit errichtete Eisstadion Allmend (zwischenzeitlich BernArena, heute PostFinance-Arena) beziehen.Martin Megert: 111 Gründe, den SC Bern zu lieben. Eine Liebeserklärung an den großartigsten Eishockeyclub der Welt, S. 13. Die Einweihung fand am 22. Oktober 1967 statt; die Spielstätte verfügte zunächst über 4000 Sitzplätze und eine Stehplatztribüne. In der Saison 1968/69 gelang dem SCB erneut der Aufstieg in die Nationalliga A. Im folgenden Spieljahr 1969/70, das Allmendstadion war überdacht worden, folgte ein erneuter Abstieg. Die Überdachung der Heimspielstätte im Jahr 1970 führte in der Folgezeit zu einer weiteren Steigerung der Zuschauerzahlen.
Nach dem Wiederaufstieg 1972 gewann der SCB 1974 eine weitere Meisterschaft und verteidigte sie in der folgenden Saison erfolgreich. Weitere Titel folgten 1977 und 1979. Es war die Zeit, als die drei Berner Eishockeyvereine SCB, EHC Biel und SC Langnau die Schweizer Meisterschaft dominierten. Doch wieder liessen es die Stadtberner an Konstanz fehlen und stiegen 1982 in die NLB ab.
1982 bis 1986: Aufstieg am grünen Tisch Der vierte und bis heute letzte Aufenthalt in der NLB endete 1986, als sich der damalige NLA-Verein EHC Arosa wegen fehlender finanzieller Perspektiven freiwillig in die 1. Liga, die höchste Amateurliga, zurückzog. Als Folge stieg der SCB am grünen Tisch in die NLA auf. Die sportliche Qualifikation war zuvor gegen den EHC Chur im NLB-Playoff-Final knapp verpasst worden.
1986 bis 1997: Etablierung an der Spitze SaisonQualifikationPlayoffs1986/875.–1987/887.–1988/893. Meister1989/902.Final1990/911.Meister1991/923.Meister1992/933.Viertelfinal1993/945.Viertelfinal1994/956.Halbfinal1995/961.Final1996/971.Meister Der Aufstieg des SCB erfolgte zu der Zeit, als im Jahr 1986 die Playoffs in der Schweiz eingeführt wurden und die Meisterschaft vom HC Lugano beinahe nach Belieben dominiert wurde. Den Bernern gelang es aber, diese Dominanz zu brechen. In den Jahren 1989, 1991 und 1992 gewann der SCB drei Meistertitel unter dem Trainer Bill Gilligan.
Den zehnten Meistertitel der Clubgeschichte errang der SC Bern im März 1997 unter Cheftrainer Bryan Lefley.Christian Dick: Das Phänomen SCB 1997–2006. 2006, S. 15. In der im Best-of-Five-Modus ausgetragenen Finalserie bezwangen die Berner den EV Zug mit 3:1-Siegen. Ungeachtet des erfolgreichen Abschneidens im nationalen Meisterschaftsbetrieb kehrte Cheftrainer Lefley zur folgenden Spielzeit nicht nach Bern zurück, da er seinen weiteren Werdegang in der Funktion als Scout in der National Hockey League zu verwirklichen plante. Die bei den Berner Mutzen vakante Position des Cheftrainers wurde mit seinem Assistenten Ueli Schwarz besetzt.Christian Dick: Das Phänomen SCB 1997–2006. 2006, S. 16.
Kurze Zeit später, im Oktober 1997, verunglückte Bryan Lefley bei einem Strassenverkehrsunfall in der Nähe von Bozen tödlich. Das zweite SCB-Spiel nach Lefleys Tod, ein Derby gegen Fribourg-Gottéron, stand komplett im Zeichen des kanadischen Meistertrainers.Christian Dick: Das Phänomen SCB 1997–2006. 2006, S. 17. Auf Initiative von Gaetano Orlando, einem Italokanadier, wurde ein Abzeichen mit der Beschriftung BL zu Ehren des SCB-Trainers Lefley auf die Trikots der Berner genäht. Die Partie im Allmendstadion begann mit fünf Schweigeminuten; das anschliessende Spiel, welches 4:4 endete, geriet beinahe zur Randnotiz.
1997 bis 2001: Wirtschaftliche Krise und Rettung SaisonQualifikationPlayoffs1997/985.Viertelfinal1998/994.Viertelfinal1999/20005. Viertelfinal Der sportliche Erfolg wurde allerdings von grossen finanziellen Problemen begleitet. Die zur Umwandlung in eine Aktiengesellschaft nötige Aktienzeichnung verlief nur schleppend, und die Liquidität des SCB war nach einem verweigerten Bankkredit nicht mehr gesichert. Die Lage wurde im Frühling 1998 so prekär, dass Konkursgerüchte zu kursieren begannen. Die Rede war von einem Schuldenberg von vier Millionen Franken. Dieser war unter anderem durch den Bau der VIP-Tribüne zustande gekommen. Eine Spendenaktion mit Unterstützung aller Spieler und die Übernahme der Aktienmehrheit durch die Valora AG sicherten schliesslich die Zukunft des SCB. Heutzutage ist ausgerechnet jene VIP-Tribüne, welche den SCB an den Rand des Ruins brachte, zu einer Haupteinnahmequelle geworden.
2001 bis 2010 SaisonQualifikationPlayoffs2000/016.Halbfinal2001/028.Viertelfinal2002/033.Halbfinal2003/042.Meister2004/058.Halbfinal2005/061.Viertelfinal2006/072.Final2007/081.Viertelfinal2008/091.Viertelfinal mini|250px|PostFinance-Arena Beim SCB begann 2001 eine neue Zeitrechnung mit dem Rücktritt der Torhüterlegende Renato Tosio. Der langjährige Nationaltorhüter war mit dem SCB in 14 Jahren vier Mal Meister geworden.
Während die finanzielle Gesundung nach und nach abgeschlossen wurde, spielten die Berner einige mittelmässige Saisons, ehe sie in der Spielzeit 2003/04 die elfte Meisterschaft gewannen. Nachdem der SCB die Qualifikation auf Rang zwei abgeschlossen hatte, trafen sie in der ersten Playoff-Runde auf den EV Zug. Diese Serie wurde vom SCB in fünf Spielen mit 4:1-Siegen gewonnen; mit demselben Resultat setzten sich der Berner im Halbfinal gegen den Genève-Servette HC durch. Im Final standen sich der Tabellenerste gegen den Tabellenzweiten, den HC Lugano, gegenüber. Das Aussergewöhnliche an dieser Serie war, dass im Modus Best-of-Five gespielt wurde und nicht wie üblich Best-of-Seven. Nachdem der SCB die ersten Spiele mit 3:1 und 2:1 für sich entschieden hatte, erspielten sie sich drei Matchpucks zum Titel. Der HC Lugano entschied die nächsten Spiele mit 5:1 und 4:3 für sich. Im entscheidenden fünften Spiel der Serie in der Resega stand es bis in die Schlussminute 3:2 für den SCB, ehe der Luganesi Mike Maneluk wenige Sekunden vor Schluss ausglich. In der 15. Minute der Verlängerung traf Marc Weber zum Sieg und dem titelbringenden 4:3. Es bedeutete dies den ersten SCB-Meistertitel seit sieben Jahren. Anschliessend feierten 40'000 Fans die Mannschaft beim Umzug durch Bern. Meistertrainer war Kent Ruhnke, der den SCB trotz dem Erfolg verliess.
In der folgenden Spielzeit 2004/05 konnte der Titel nicht verteidigt werden. Nach einer enttäuschenden Saison, die der SCB auf Rang acht abschloss, besiegten die Berner den Qualifikationssieger aus Lugano. Im Playoff-Halbfinal unterlag man dem späteren Meister HC Davos. Ungeachtet dessen erreichte der SCB einen neuen Rekordzuschauerschnitt von 15'621 Personen. Eine Zahl, die in den folgenden Saisons übertroffen werden sollte. Aufgrund des NHL-Lockouts in der Saison 2004/05 gab es beim SCB viele Personalwechsel unter den ausländischen Spielern. Von den Söldnern blieben dem Berner Publikum vor allem Daniel Brière und Dany Heatley in Erinnerung.
In der Saison 2005/06 spielte der SC Bern eine souveräne Qualifikation und schloss das Klassement auf Rang eins ab. Der SCB scheiterte danach im Playoff-Viertelfinal gegen die Kloten Flyers, was zur Trennung von Trainer Alpo Suhonen und Sportchef Roberto Triulzi führte. Neuer Mann an der Bande wurde der US-amerikanisch-kanadische Doppelbürger John Van Boxmeer, Sven Leuenberger wurde zum neuen Sportchef ernannt. Nach einer guten Qualifikation, die der SCB in der Saison 2006/07 auf Position zwei beendete, setzten sich die Berner in den Playoffs gegen den Genève-Servette HC und später den EV Zug durch. In der Finalserie gegen den HC Davos über die volle Distanz (sieben Spiele) behielten die Bündner das bessere Ende für sich. Im entscheidenden letzten Spiel gewann der HC Davos dank einem Treffer von Robin Leblanc mit 1:0.