miniatur|Kaiserstraße mit Blick auf die Christuskirche Die Kaiserstraße ist eine rund einen Kilometer lange gründerzeitliche Prachtstraße in Mainz. Sie ist die Hauptachse der ab 1873 von Eduard Kreyßig (1830–1897) angelegten Mainzer Neustadt und neben der Ludwigsstraße und der Großen Bleiche eine der drei zum Rhein führenden Hauptachsen der Stadt. Sie ist nicht zu verwechseln mit der ebenfalls die Stadt Mainz berührenden, nach Saarbrücken führenden Kaiserstraße, einer nach Napoleon I. benannten Landstraße.

Geschichte miniatur|Kaiserstraße 1892 ein Jahrzehnt vor dem Bau der Christuskirche miniatur|Der Hans-Klenk-Brunnen wurde an Pfingsten 1962 zur 2000-Jahr-Feier der Stadt Mainz vom gleichnamigen Unternehmer gestiftet und an Oberbürgermeister Franz Stein übergeben. Der Brunnen steht auf dem Grünstreifen der Kaiserstraße vor der Christuskirche. Auf dem Gelände befand sich der westliche Teil des Schönbornschen Festungsrings. Nach dessen Abriss im Zuge der Stadterweiterung war es Kreyßigs Aufgabe, den Nordwesten neu zu gestalten. Seine Konzeption der Neustadt als rasterförmiges Netz mit symmetrischen, auf repräsentative Gebäude ausgerichteten Achsen, Diagonalen und öffentlichen Plätzen basiert auf dem Vorbild von Georges-Eugène Haussmann, dem Pariser Stadtplaner.

Die Kaiserstraße sollte das alte Mainz mit dem neuen Mainz verknüpfen. Die erste Benennung fand im Jahr 1880 unter dem Namen Boulevard statt, der auf die Wurzeln des Geländes hinweisen sollte. Acht Jahre später wurde sie zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. in „Kaiserstraße“ umbenannt. In der Straßenmitte verläuft eine parkähnliche Grünanlage, in der sich Spiel- und Sportplätze und ein großes Brunnenensemble, der Hans-Klenk-Brunnen, befinden. Der Park wird an den der Straße zugewandten Seiten von reicher Pflasterornamentik begrenzt, welche bei einer Neugestaltung der Anlage im letzten Jahrhundert teilweise zerstört wurde. Eine Büste des Stadtbaumeisters Kreyßig steht in dem nach ihm benannten südlichen Teil der Parkanlage.

Verlauf miniatur|Stadtplanausschnitt aus dem Ende des 19. Jahrhunderts Die Straßenbreite beträgt knapp 60 Meter. An ihrem westlichen Ende weitet sie sich auf fast 90 Meter Breite auf, an ihrem östlichen Ende auf fast 100 Meter. Hier, in der so geschaffenen platzartigen städtebaulichen Situation, steht inmitten des Grünstreifens die monumentale Christuskirche, das 1896 bis 1903 erbaute größte evangelische Gotteshaus der Stadt. Mit ihrer hohen Neurenaissancekuppel stellt sie nicht nur das Wahrzeichen der Kaiserstraße, sondern der gesamten Neustadt dar. Die übrige Bebauung der Straße besteht, vor allem aufgrund von Kriegsschäden, überwiegend aus Bauten der ersten Nachkriegsjahrzehnte sowie aus vereinzelten viergeschossigen Gründerzeitbauten im Stil des Historismus.

Die Kaiserstraße beginnt in der Nähe des Hauptbahnhofs und der Bonifazius-Türme, führt an den Gebäuden der ehemaligen Reichsbahndirektion (heutiges Stadthaus) wie auch der ehemaligen französischen Botschaft vorbei, um jenseits der Christuskirche auf die Rheinallee zu stoßen. Nach Osten hin liegt die Wohnbebauung im Bleichenviertel, das in das Schlossviertel übergeht. In ihrem kompletten Verlauf ist sie Bestandteil der Bundesstraße 40. Sie verfügt heute über jeweils drei Fahrspuren pro Richtung.

In der Boppstraße stellt sich der jährliche Mainzer Rosenmontagszug auf und läuft zuerst in die Kaiserstraße in Richtung Hauptbahnhof, um dann auf der anderen Straßenseite in Richtung Rhein zu laufen und dort die Christuskirche zu umrunden.

Denkmalschutz mini|Kulturdenkmal, erbaut 1902: Einzig erhaltenes Beispiel einer in die Fassade integrierten qualitätvollen Werbeinschrift an der Kaiserstraße 70 Die Kaiserstraße ist einschließlich der angrenzenden Bebauung als Denkmalzone geschützt. Im „Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler“ für die Stadt Mainz führt die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz zusätzlich folgende Gebäude in der Kaiserstraße aufGeneraldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz: Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler: Kreisfreie Stadt Mainz (PDF; 5,4 MB) (siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Mainz-Neustadt [gerade Hausnummern] und Liste der Kulturdenkmäler in Mainz-Neustadt [ungerade Hausnummern und Nr. 2 und 56]): Kaiserstraße, Kaisertor Kaiserstraße o. Nr., Kreyßig-Denkmal, 1904, mit Büste Eduard Kreyßigs von Bildhauer Ludwig Lipp senior Kaiserstraße 2, viergeschossiges Zeilenwohnhaus, Neorenaissance, 1890, Architekten Schumacher und Greiner Kaiserstraße 5, Erweiterungsbau der Reichsbahndirektion Mainz (heute Stadthaus), dreiteiliger Flachdachbau mit blockhaften Seitenflügeln, mit Muschelkalk verkleideter Eisenbeton-Skelettbau, 1936–1937, im 1. Obergeschoss gedeckte Brücke zum älteren ehemaligen Direktionsgebäude Kaiserstraße 9 Kaiserstraße 18, anspruchsvolles viergeschossiges Wohnhaus, Neorenaissance, 1881, Architekt Rudolf Opfermann Kaiserstraße 22, stattliches Wohn- und Geschäftshaus in Ecklage, Neorenaissance und manieristische Formen, 1877, Architekt Paul Gustav Rühl, 1884 erweitert Kaiserstraße 24, Einfahrt, Sandsteinpfeiler und qualitätvolles Gitter, 1877 Kaiserstraße 24A / Heidelberger Straße, Bezirkssparkasse Mainz, mit abgerundeter Ecke und laternenbekrönter Kuppel, reicher Neobarock- und Jugendstil-Dekor, 1904, Architekt Franz Phillip Gill Kaiserstraße 31, viergeschossiges späthistoristisches Eckwohnhaus mit Mansarddach, 1889, Architekt Ernst Zehrlaut; von 1933 bis 1945 Sitz der Mainzer Gestapo-Zentrale (als Außenstelle der Gestapo Darmstadt) mit einem Foltergefängnis im InnenhofGestapo-Zentrale Mainz bei future-history, abgerufen im Mai 2020. Kaiserstraße 35, anspruchsvolles viergeschossiges Wohnhaus, reicher Neorenaissance-Dekor, wohl 1883, Architekt Philipp Baum Kaiserstraße 37, viergeschossiges Eckwohnhaus mit symmetrischen Fassaden und betonter Ecke, bezeichnet 1890 Kaiserstraße 38, viergeschossiges Wohnhaus, Dachabschluss mit Kranzgesims und Eierstab, 1881, Architekt Haenlein Kaiserstraße 49, späthistoristisches Einfamilienhaus mit ausgebautem Mansarddach, 1895, Architekt August Hock Kaiserstraße 52, ehemalige Reichsbank-Stelle Mainz, dreiseitig gebrochener Eckbau, Neorenaissance, 1892, Architekt Max Hasak (Berlin)Margit Heinker: Die Architektur der Deutschen Reichsbank 1876–1918. Münster 1988, S. 142. Kaiserstraße 56, zwei Nebengebäude der Christuskirche Kaiserstraße 60, fünfgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus, Putz- und Sandsteinfassade mit gotisierenden Formen, 1902, Architekt Reinhold Weisse Kaiserstraße 63, Einfamilienhaus mit basaltverkleidetem Souterrain, 1900, Grundriss und Ausstattung von Architekt Philipp Krebs, Fassaden von Architekt Emanuel von Seidl (München) Kaiserstraße 64, fünfgeschossiges Wohnhaus, Backstein- und Sandstein-Fassade in Jugendstilformen, 1902–1903, Architekt Wilhelm Hahn Kaiserstraße 66, fünfgeschossiges Zeilenwohnhaus mit betont vertikal gegliederter Fassade, 1902, Architekt Peter Scheuren Kaiserstraße 70 / Ernst-Ludwig-Straße 11, ursprünglich dreiteilige Baugruppe, 1902, Architekt Oscar Hauswald; Nr. 70 stattliches Eckhaus, Fassaden mit Detailformen aus Gotik, Weserrenaissance und Jugendstil, großes Relieffeld mit Jugendstil-Stuckrahmung, von Nr. 11 erhalten aufwändige neugotische Türrahmung und Loggia

Weblinks

Kaiserstraße

Artikel über Mainzer Gebäude mit Hinweis auf den Boulevard im Meyers Konversations-Lexikon

Einzelnachweise

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