Die Berliner Ringbahn ist eine rund 37 Kilometer lange Bahnstrecke, die als geschlossener Ring die Innenstadt von Berlin umgibt. Sie hat zwei Gleise für die S-Bahn und weitere, die abschnittsweise dem Fern-, Regional- und Güterverkehr dienen, und ist an die innerhalb des Rings in ostwestlicher Richtung verkehrende Stadtbahn und mehrere radial auf die Innenstadt zulaufende Strecken angeschlossen.

Auf den S-Bahn-Gleisen finden täglich rund 1100 Zugfahrten statt, die über eine halbe Million Fahrgäste befördern. 2018 war der Abschnitt zwischen Treptower Park und Ostkreuz, mit rund 170.000 Fahrgästen täglich, einer der meistbefahrenen Abschnitte der Berliner S-Bahn.

Die markante Form der Ringbahnstrecke wird auch Hundekopf oder Großer Hundekopf genannt. Diese Bezeichnung ist sogar in den Sprachgebrauch der Berliner Politik eingezogen. Das von der Ringbahn umschlossene Gebiet (mit einer Fläche von rund 88 km²) hat auch verwaltungstechnische Bedeutung: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

Das Gebiet innerhalb der Ringbahn und einschließlich dieser bildet die Berliner Tarifzone A des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg. Die Berliner Umweltzone entspricht – von leichten Anpassungen im Randbereich abgesehen – dem Gebiet innerhalb der Ringbahn. „Berliner Innenstadt innerhalb des S-Bahnringes (‚Großer Hundekopf‘)“

Geschichte

Ausgangslage Im Jahr 1851 wurde als Vorläufer der Ringbahn die nicht zum Ring geschlossene Königliche Bahnhofs-Verbindungsbahn zwischen den Kopfbahnhöfen der in Berlin endenden Eisenbahnstrecken fertiggestellt. Diese unmittelbar auf den Straßen des Stadtbereichs gebaute Bahn konnte ihren Aufgaben bald nicht mehr gerecht werden und geriet immer stärker in Konflikt mit dem restlichen Straßenverkehr.

Daher wurde bald der Bau einer neuen leistungsfähigeren Verbindungsbahn vor allem für den Güterverkehr geplant, die außerhalb der damaligen Stadtgrenzen auf eigenem Bahnkörper verlaufen sollte. Die Mittel für den Bau konnten allerdings erst nach dem siegreichen Krieg gegen Österreich 1866 bewilligt werden. Der Bau begann 1867, fertiggestellt wurde die Ringbahn im Jahr 1877. Mit dem Bau und der Betriebsführung war die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn beauftragt.

Der erste Abschnitt der Ringbahn mini|hochkant=1.4|Berliner Ringbahn auf einer Karte von 1877.Die als dicke Punkte eingetragenen Kopfbahnhöfe der Fernbahnen sind nördlich der Spree im Uhrzeigersinn der Lehrter, Hamburger, Stettiner, der Ost- und der Schlesische Bahnhof; südlich der Spree der Görlitzer und der Anhalter Bahnhof, der Dresdener Bahnhof sowie der Potsdamer Bahnhof

Der erste Abschnitt der Ringbahn ging am 17. Juli 1871 in Betrieb. Die Strecke begann im Norden am Bahnhof Moabit am Übergang zur Lehrter Bahn und führte im Uhrzeigersinn östlich um Berlin über Gesundbrunnen, Rixdorf (jetzt: Neukölln) und Tempelhof nach Schöneberg im Süden. Der damalige Endbahnhof Schöneberg lag südlich der heutigen gleichnamigen S-Bahn-Station an der Potsdamer Bahn (Stammbahn) und erhielt Gleisanlagen östlich der Stammbahnstrecke.Berlin und seine Eisenbahnen 1846–1896. Herausgegeben vom Ministerium für öffentliche Arbeiten, Julius Springer Verlag, Berlin 1896, Nachdruck Verlag Ästhetik und Kommunikation, Berlin 1982, I. Band, S. 307–308. Die radialen Bahnstrecken der Hamburger Bahn, Stettiner Bahn, Ostbahn, Niederschlesisch-Märkischen Bahn, Görlitzer Bahn und Berlin-Anhaltischen Eisenbahn wurden auf Brücken überquert. Im Bereich der meisten dieser Kreuzungen wurden Verbindungskurven zu den stadteinwärts gelegenen Kopfbahnhöfen der Radialstrecken (innerer Anschluss) gebaut. An der Potsdamer Bahn bestand eine direkte Fahrmöglichkeit stadtauswärts ohne Richtungswechsel (äußerer Anschluss). Betreiber war wie bei der früheren Verbindungsbahn auch die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn.

Der Personenverkehr auf diesem ersten Abschnitt wurde am 1. Januar 1872 aufgenommenen. Anfangs fuhren zwei, ab April drei Personenzugpaare pro Tag auf der Strecke. Bereits 1873 wurden es acht, 1875 neun Zugpaare am Tag. Die Züge fuhren vom Lehrter Bahnhof mit Halten in Moabit, Gesundbrunnen, Stralau (südlich des heutigen Bahnhofs Ostkreuz, in den ersten Betriebsmonaten Niederschlesisch-Märkischer Anschluss genannt), Rixdorf, Tempelhof und Schöneberg zum Potsdamer Bahnhof. In Moabit und im damaligen Bahnhof Schöneberg mussten die Züge die Fahrtrichtung wechseln. Einzelne Züge hielten auch am Görlitzer Anschluß am Schnittpunkt mit der Görlitzer Bahn. Zwischen Stralau und Frankfurter Bahnhof verkehrten Pendelzüge.Fahrplan der Berliner Verbindungsbahn vom 6. Mai 1873, im Amtsblatt der Regierung zu Frankfurt a. d. Oder 1873. Ebenfalls gab es Anschlüsse in Gesundbrunnen vom und zum Stettiner Bahnhof. Bereits 1872 waren Halte in Wedding und Friedrichsberg hinzugekommen, 1875 folgte die Haltestelle Weißensee (später auf die andere Seite der Greifswalder Straße verlegt und zu einem Bahnhof erweitert) und 1876 die Haltestelle Treptow.

Geschlossener Ring Mit der Verbindung von Schöneberg über Charlottenburg (jetzt: Bahnhof Westend) nach Moabit wurde am 15. November 1877 der Ring geschlossen. Über die Südringspitzkehre war ab 1881 Personenverkehr zum Potsdamer Ringbahnhof, einem Flügelbahnhof des Potsdamer Bahnhofs möglich. Der alte Bahnhof Schöneberg wurde durch eine gleichnamige Station an der Kolonnenbrücke (später: Kolonnenstraße, jetzt: Julius-Leber-Brücke) ersetzt.

Anfang der 1880er Jahre wurde der Ringbahnabschnitt zwischen der Landsberger Allee und Stralau viergleisig ausgebaut. Grund war der große Zentralvieh- und Schlachthof, der mit entsprechenden Güteranschlüssen ausgerüstet wurde. Hinzu kamen insgesamt sechs einmündende Gleisanschlüsse auf diesem 4,5 Kilometer langen Abschnitt.Berlin und seine Eisenbahnen 1846–1896. Herausgegeben vom Ministerium für öffentliche Arbeiten, Julius Springer Verlag, Berlin 1896, Nachdruck Verlag Ästhetik und Kommunikation, Berlin 1982, I. Band, S. 311. Am Zentralviehhof gab es seit 1881 auch einen gleichnamigen Personenhalt, dessen Kosten zunächst vom Berliner Magistrat übernommen wurden und der erst in den 1890er Jahren in das Eigentum der Bahngesellschaft kam.

In den 1880er und 1890er Jahren wurde die Ringbahn bis auf kurze Lücken durchgehend viergleisig ausgebaut.Berlin und seine Eisenbahnen 1846–1896. Herausgegeben vom Ministerium für öffentliche Arbeiten, Julius Springer Verlag, Berlin 1896, Nachdruck Verlag Ästhetik und Kommunikation, Berlin 1982, I. Band, S. 331. Auch eine Reihe von Verbindungen zu kreuzenden Strecken entstanden in der Zeit neu oder wurden erweitert. Der Personenverkehr auf dem Bahnhof Moabit wurde 1894 eingestellt, seitdem dient der Bahnhof nur dem Güterverkehr und betrieblichen Aufgaben. Als Ersatz wurde am 1. Mai 1894 der Haltepunkt Beusselstraße eröffnet, am selben Tag ging auch die Station Jungfernheide in Betrieb. Die Halte in Landsberger Allee und Prenzlauer Allee folgten 1894 bzw. 1895.Berlin und seine Eisenbahnen 1846–1896. Herausgegeben vom Ministerium für öffentliche Arbeiten, Julius Springer Verlag, Berlin 1896, Nachdruck Verlag Ästhetik und Kommunikation, Berlin 1982, I. Band, S. 334–335.

Nach der Fertigstellung der Berliner Stadtbahn im Jahr 1882 und des Bahnhofs Stralau-Rummelsburg (jetzt: Ostkreuz) war das Personenverkehrsangebot auf der Ringbahn deutlich größer als zuvor. Für den Personenverkehr wurden zwei über die Stadtbahn führende, durchgehende „Halbringe“ betrieben. Nordringzüge fuhren von Westend auf der nördlichen Ringbahn bis Stralau-Rummelsburg und von hier auf der Stadtbahn nach Charlottenburg und wieder nach Westend, oder umgekehrt. Südringzüge fuhren vom Potsdamer Ringbahnhof über Schöneberg auf der südlichen Ringbahn bis Stralau-Rummelsburg und von hier auf der Stadtbahn nach Charlottenburg und über den südwestlichen Ring nach Schöneberg und wieder zum Potsdamer Ringbahnhof, oder umgekehrt.Berlin und seine Eisenbahnen 1846–1896. Herausgegeben vom Ministerium für öffentliche Arbeiten, Julius Springer Verlag, Berlin 1896, Nachdruck Verlag Ästhetik und Kommunikation, Berlin 1982, II. Band, Tafel 27. Hinzu kamen die sogenannten „Grunewaldzüge“, die vor allem für den Ausflugsverkehr von Westend bzw. Halensee über Verbindungsstrecken zum Bahnhof Grunewald fuhren.

Im Sommer 1895 bestand das Angebot aus 53 Nordringzügen pro Tag, die im Bahnhof Westend begannen und endeten, sowie 49 Zügen mit Ausgangs- und Endpunkt Stralau-Rummelsburg. An Sonntagen waren es jeweils 37 Züge. Hinzu kamen etwa 20 zusätzliche Züge auf Teilabschnitten. Auf dem Südring waren es 73 Züge, die die komplette Runde vom Potsdamer Ringbahnhof zurücklegten, sowie etwa 50 auf Teilabschnitten. In Richtung Grunewald fuhren vom Nordring aus 26 und vom Südring aus 20 Züge pro Tag, an Sonntagen bei Bedarf bis zu 62 Extrazüge.Berlin und seine Eisenbahnen 1846–1896. Herausgegeben vom Ministerium für öffentliche Arbeiten, Julius Springer Verlag, Berlin 1896, Nachdruck Verlag Ästhetik und Kommunikation, Berlin 1982, II. Band, S. 430–432. Im Bereich der heutigen Bahnhöfe Ostkreuz (damals: Stralau-Rummelsburg), Westkreuz und Schöneberg wurden die durchgehenden Ringbahngleise bis Ende des 19. Jahrhunderts nur von Güterzügen befahren, die Personenzüge fuhren dort stets in und aus Richtung Innenstadt (Stadtbahn bzw. Potsdamer Bahnhof).

Durch den Umbau des Bahnhofs Stralau-Rummelsburg in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts entstand dort ein Bahnsteig an den Vorortgleisen der Ringbahn. Seitdem fuhr ein großer Teil der Ringbahnzüge nicht mehr in Richtung Stadtbahn (Nord- bzw. Südringzüge), sondern durchgehend auf der Ringbahn.

Entwicklung bis 1961 Am 27. Juni 1922 stürzten zahlreiche – auf den Trittbrettern eines überfüllten Abteilwagenzuges fahrende – Reisende bei der Begegnung mit einem Gegenzug in der Nähe des Bahnhofs Schönhauser Allee auf die Gleise. Über 40 Tote waren die Folge.

Bei den alliierten Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg wurden die Bahnanlagen am Potsdamer und Anhalter Bahnhof mehrfach schwer getroffen, sodass die Südringspitzkehre ab 1944 nicht mehr befahren werden konnte.

Ab 1944 bis zum Mauerbau im Jahr 1961 fuhren die S-Bahn-Züge über die schon bestehende unmittelbare Gleisverbindung zwischen den Bahnhöfen Papestraße und Schöneberg (1933 an der Ringbahn eröffnet) als Vollring-Züge.

Geteilt Durch den Mauerbau wurde die Ringbahn an zwei Stellen unterbrochen:

Im Westteil Berlins entstand eine eigenständige Strecke auf einem Dreiviertelring zwischen Gesundbrunnen und Sonnenallee bzw. Köllnische Heide. Im Ostteil Berlins wurde der dort verbliebene Teilabschnitt der Ringbahn zwischen Schönhauser Allee und Treptower Park mit den anschließenden Vorortstrecken nach Bernau und Königs Wusterhausen bzw. Flughafen Schönefeld verknüpft.

Nach dem Reichsbahnerstreik 1980 ruhte der S-Bahn-Betrieb auf dem westlichen Dreiviertelring für rund 13 Jahre. Für Teile der Infrastruktur der Fernbahn wurde die Leistungsfähigkeit reduziert, beispielsweise durch temporäre Reduzierung der Streckengeschwindigkeit, kurzzeitige Sperrung von Gleisanlagen, Abschaltung der Gleisfeldbeleuchtung und Verzicht auf Vegetationspflege. Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage der DDR wurden Anlagenteile (Gleise, Weichen, ortsfeste Signalanlagen) ausgebaut und im Gebiet der DDR zur Bestandssicherung genutzt. Der Instandhaltungsaufwand für die Reichsbahn wurde erheblich reduziert durch die Verringerung des Verschleißes am Oberbau und Ingenieurbauwerken.