miniatur|Fritz Klein (1945) als Angeklagter im Bergen-Belsen-Prozess
Fritz Klein (* 24. November 1888 in Zeiden/Feketehalom, Österreich-Ungarn, heute Codlea, Rumänien; † 13. Dezember 1945 in Hameln) war ein rumäniendeutscher KZ-Arzt.
Leben Fritz Klein war Siebenbürger Sachse. Nach Ende seiner Schulzeit im Jahre 1907 studierte er Medizin an der Universität Budapest. Es folgte in 1910 eine Dienstzeit als Einjährig-Freiwilliger beim 1. Tiroler Jäger Regiment "Kaiserjäger" in Innsbruck. Während des Ersten Weltkriegs diente er ab 1914 in der gleichen Einheit und geriet am 15. Januar 1915 in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er im Jahre 1919 wieder heimkehrte. Ebenfalls in 1919 wurde er in Budapest zum Doktor der Medizin promoviert.
Nach dem ersten Weltkrieg arbeitete er bis 1938 als Kreisarzt in Nussbach und Brenndorf, danach bis 1943 als praktischer Arzt in seinem Geburtsort Zeiden sowie in Diemrich. Er heiratete die 1897 in Kronstadt geborene Martu Serratins und bekam mit Ihr drei Töchter (* 1923, * 1924, *1926), bevor die Ehe wieder geschieden wurde.
Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges diente Klein zunächst von 1939 bis 1943 als Leutnantarzt in der Rumänischen Armee. Zum 26. Mai 1943 trat er als SS-Untersturmführer in die Waffen-SS ein.Bundesarchiv R 9361-III/535720 In einem „vorläufigen Dienstverhältnis“ wurde er als Truppenarzt in das KZ Auschwitz-Birkenau abkommandiert und im Frauenlager, im „Zigeunerlager“ und im „Familienlager“ eingesetzt. Dort führte er unter anderem die Selektionen für die Gaskammern durch. Die Ärztin Ella Lingens-Reiner, die wegen Judenbegünstigung im KZ Auschwitz inhaftiert war, zitierte seinen Vernichtungswillen gegenüber den Juden: ein entzündeter Blinddarm, der aus dem Volkskörper entfernt werden müsse.Ella Lingens-Reiner: Prisoners of Fear. Vorwort Arturo Barea. London: Victor Gollancz, 1948, S. 1 f. [The Jews are the purulent appendix in the body of Europe, hier aus dem Englischen frei übersetzt] Vom Standortarzt Eduard Wirths wurde Klein in 1944 allerdings zwar als "fleissig[,] gewissenhaft" und "medizinisch sehr erfahren" beschrieben, er sei für den Dienst als Lagerarzt aber "nicht zu empfehlen", weil er "im Umgang mit den Häftlingen nicht die erforderliche Härte aufbringen" könne. Wirths empfahl stattdessen eine Verwendung als Truppenarzt in der Waffen-SS.
Mit Beginn der „Evakuierung“ des KZ Auschwitz kam er Ende Januar 1945 mit den Todesmärschen in das KZ Bergen-Belsen. Er wurde vom 10. Februar bis Mitte März 1945 im KZ Neuengamme eingesetzt, kam jedoch noch vor der Befreiung zurück nach Bergen-Belsen. Klein war einer der wenigen, die nicht flüchteten, sondern zusammen mit dem Kommandanten Josef Kramer die Ankunft der britischen Truppen erwarteten und das Lager übergaben.
Klein wurde von einem britischen Militärgericht im Bergen-Belsen-Prozess, der vom 17. September bis 16. November 1945 in Lüneburg stattfand, zum Tode verurteilt und am 13. Dezember 1945 im Zuchthaus Hameln durch den Henker Albert Pierrepoint gehängt.
Fotografie von Fritz Klein im Massengrab mini|Fritz Klein in einem Massengrab im KZ Bergen-Belsen nach dessen Befreiung im April 1945
Klein war bei der Befreiung des Konzentrationslagers durch britische Truppen am 15. April 1945 inhaftiert worden und zusammen mit anderen Angehörigen der SS-Wachmannschaften in den nächsten Tagen, wie andernorts ebenfalls, gezwungen worden, die überall im Lager herumliegenden Leichen in großen Massengräbern zu bestatten. Die britischen Truppen fanden dort über 10.000 Tote und etwa 60.000 Überlebende vor. Dabei nahm der britische Sergeant H. Oaks von der 5. Army Film & Photographic Unit (A.F.P.U) am 24. April 1945 ein Foto Kleins auf, wie er inmitten eines Massengrabes steht.
Siehe auch Liste von NS-Ärzten und Beteiligten an NS-Medizinverbrechen
Literatur Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. Auflage. S. Fischer, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-10-039309-0. Ernst Klee: Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer, 3. Auflage, Fischer TB, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-596-14906-1. Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Ullstein-Verlag, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1980, ISBN 3-548-33014-2.
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