Transparency International e. V. (kurz TI) ist eine internationale Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Berlin, die 1993 gegründet wurde. Zweck des gemeinnützig tätigen Idealvereins ist die weltweite Bekämpfung von Korruption sowie die Prävention von Straftaten, die mit Korruption im Zusammenhang stehen. Transparency International ist ein Dachverband, dessen Mitglieder neben wenigen Einzelpersonen über 100 nationale Organisationen („National Chapter“) sind, die sich in ihren Heimatländern der Korruptionsbekämpfung widmen. Der für Deutschland zuständige Verein Transparency International Deutschland wurde ebenfalls 1993 gegründet und sitzt ebenfalls in Berlin. Transparency International Russland wurde 1999 von Jelena Panfilowa gegründet.

Tätigkeit Schwerpunkte Nach eigener Aussage arbeitet TI schwerpunktmäßig zu folgenden Themen: Politische Korruption Korruption bei öffentlichen Ausschreibungen Privatsektorkorruption Internationale Konventionen gegen Korruption Armut und Entwicklung

Bildung von Koalitionen Um die Komplexität von Korruption zu begreifen, gelte es die Gründe und Mechanismen zu durchschauen und verstehen zu lernen. Daher wollte TI nicht, wie z. B. Amnesty International, Einzelfälle verfolgen, sondern die Schwachstellen in Gesetzen, Institutionen oder Systemen in den betroffenen Ländern aufdecken und für Reformen sorgen. Transparency International versucht, sich nicht aufzudrängen, sondern die Vernunft der Beteiligten in Zusammenarbeit und sachlichem Disput zu erreichen, Koalitionen zu bilden im klaren Wissen, dass Umdenken nicht in ein paar Stunden geschieht, sondern hart erarbeitet werden muss durch ständiges Nachhaken mit Kontrolle und Konsequenzen bei Nichtbeachtung der Regeln.Transparency International In: planet-wissen.de.

Als gutes Beispiel für die freiwillige Selbstkontrolle wird die in Amerika praktizierte sentencing guideline angeführt. Diese setzt auf die Selbstverpflichtung der Unternehmen, sich der Kontrolle einer unabhängigen Institution anzuvertrauen und gegebenenfalls Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Angesichts der hohen Strafen für nachgewiesene Korruption ist dies für Unternehmen in den USA billiger und praktischer – zumal sie nicht fürchten müssen, auf „schwarzen Listen“ angeprangert oder von Ausschreibungen ausgeschlossen zu werden.

Indizes und Analysen mini|400px|Übersicht des Korruptionswahrnehmungsindexes, nach Ländern (Stand: 2017)

Im Jahresbericht fasst die Organisation aktuelle Analysen und Forschungsergebnisse zum Thema Korruption zusammen. Daneben veröffentlicht die Organisation regelmäßig Indizes, Studien und Handbücher zu speziellen Themen (Bribe-Payers-Survey, Korruptions-Sonderbroschüre). Die Indizes und Statistiken werden regelmäßig aktualisiert. Wichtig für die Arbeit ist der ständige Kontakt sowohl zu Betroffenen als auch zu Tätern. Transparency International geht davon aus, dass korrupte Regierungen und Konzerne die Zusammenarbeit mit TI zur Verschleierung ihrer Aktivitäten missbrauchen können. Diese Kooperation wird gerade von anderen NGOs immer wieder kritisiert, macht aber aus Sicht von TI den eigenen Erfolg aus.

Transparency International veröffentlicht regelmäßig drei Indizes zum Thema Korruption:

Corruption Perceptions Index (CPI): Der bekannteste Index von Transparency International. Er listet jährlich Länder danach auf, wie korrupt Politik und Verwaltung im Vergleich wahrgenommen werden. Dabei reicht der Indexwert von 0 (völlig korrupt) bis 100 (völlig unkorrupt). 2025 umfasste der CPI 182 Länder und Gebiete. Erstellt wurde der Index bis zum Jahr 2008 von Johann Graf Lambsdorff, Professor an der Universität Passau, der dazu eine Vielzahl bestehender Umfragen auswertete.Lebenslauf von Professor Dr. Johann Graf Lambsdorff an der Universität Passau (PDF; 157 kB) Seitdem wird der Index durch Transparency International erstellt. Befragt werden in erster Linie jeweils ausländische Länderanalysten und Geschäftsleute. Bribe Payers Index (BPI): Der BPI listet auf, aus welchen Ländern die höchsten Korruptionszahlungen kommen. Globales Korruptionsbarometer: Für das Korruptionsbarometer werden Privatleute befragt, welche Lebensbereiche von Korruption wie stark betroffen sind.

Im Transparency International’s Quarterly Newsletter (TI Q) sind die Zwischenergebnisse zusammen mit anderen Nachrichten, Ereignissen und Ergebnissen rund um die Welt der Korruption auf der Homepage einzusehen oder als Heft kostenlos von TI zu beziehen.

Organisation Struktur Die nationalen Mitgliedsorganisationen von TI (national chapters) untergliedern sich in Regionalgruppen und Arbeitsgruppen, die fallbezogen auch selbstständig agieren können. In Deutschland ist es ein gemeinnütziger eingetragener Verein (Transparency International Deutschland e. V.). Transparency International Austria ist ebenfalls gemeinnützig.Statuten des Vereins Transparency International – Austrian Chapter Verein zur Korruptionsbekämpfung (PDF; 0,3 MB), auf ti-austria.at Transparency International vermeidet es generell, sich direkt in die Belange ihrer national chapters einzumischen, und richtet sich in ihrer internationalen Arbeit ausschließlich nach deren Anweisungen („Dezentralismus“). So sollen die lokalen zivilgesellschaftlichen Kräfte mobilisiert und gefördert werden. „Missionarische“ Tendenzen, mit denen bereits existierende oder gerade langsam anwachsende „gesunde“ Gesellschaftsethiken überrollt oder gar erstickt werden könnten, möchte man möglichst unterbinden. Allerdings gibt es einen Akkreditierungsprozess bei Chaptern von Transparency International (TI). Dies ist ein Verfahren, mit dem nationale Chapter offiziell als Teil des TI-Netzwerks anerkannt werden.Transparency International Accreditation Policy - National Chapters and Partners, auf transparency.org Er stellt sicher, dass alle Chapter die gemeinsamen Werte, Prinzipien und Standards der internationalen Organisation einhalten.

Die Vereinigung legt Wert darauf, dass die nationalen Mitgliedsorganisationen so autark wie möglich in ihren jeweiligen Heimatländern bzw. Einsatzgebieten aktiv werden können, da von Land zu Land und von Kultur zu Kultur andere Regeln beachtet werden müssen und sollen. Auch die Definition von Korruption wird in jedem Lande individuell vorgenommen; Transparency International ist daran gelegen, die Sensibilität vor Ort zu beachten. Trotzdem ist der Ableger in Russland als „ausländischer Agent“ registriert worden.

Finanzierung TI verfügte 2021 nach eigenen Angaben über ein Budget von 17,993 Mio. Euro, davon 72 Prozent zweckgebunden. Die nationalen Mitgliedsorganisationen unterliegen bilateraler und multilateraler Finanzierung und Organisation. Transparency International ist als gemeinnützig anerkannt und bemüht, sowohl politisch als auch wirtschaftlich und zivil unabhängig zu bleiben. Eine umfassende Liste sämtlicher finanziellen Ströme veröffentlicht TI auf der Homepage.Website transparency.org Das Budget von TI setzt sich aus folgenden Quellen zusammen:Issuu Inc.: International 2011 Annual Report, S. 79.

in Mio. €202120202018201720162015201420132012 2011 2010 2009 2008 2007 Staatliche Organe10,68013,13814,46811,71214,82918,16922,56224,78118,815 17,110 13,649 10,260 7,555 7,097 Internationale Organisationen3,9705,2753,5954,5444,2085,5581,7870,9661,493 0,805 0,366 0,622 0,919 0,686 Stiftungen2,1243,5182,2012,8782,2291,7541,1350,4531,444 1,936 2,749 2,214 0,789 0,705 Privatsektor0,0500,0761,0040,9441,1341,0360,5850,2770,566 0,396 0,690 0,654 1,120 0,242 Einzelpersonen0,1100,0620,0570,0520,1440,0460,3520,3310,025 0,021 0,082 0,045 0,046 0,047Partner („Coalition Partners“)0,1470,2100,3400,0420,1040,0340,022******* Andere0,8820,8790,6920,6580,2890,2790,265** 0,282 0,491 0,442 0,453 0,316 Gesamt17,96323,15822,35820,83022,92926,87726,70726,70822,343 20,550 18,027 14,237 10,882 9,093

*Keine Angaben in den jeweiligen Jahresberichten

Zu den größten Spendern im Jahr 2015 zählten regierungsseitig die Europäische Kommission (5,07 Millionen Euro), das australische Department of Foreign Affairs and Trade (2,67 Mio. Euro), das britische Department for International Development (3,5 Mio. Euro) und das niederländische Außenministerium (1,2 Mio. Euro). Größter Spender auf Stiftungsebene war die William and Flora Hewlett Foundation (0,59 Millionen Euro) und das National Endowment for Democracy (0,45 Mio. Euro). Größter privatwirtschaftlicher Spender war Siemens mit 0,62 Mio. Euro, gefolgt von Ernst & Young mit 0,23 Mio. Euro.Transparency International e. V. Financial Statements 2015. https://www.transparency.org/files/content/ouraccountability/TIS_2015FinancialStatements_rev2.pdf

Gründung Anlass zur Gründung der Organisation waren die negativen Erfahrungen des Gründers Peter Eigen mit Korruption während seiner langjährigen Arbeit für die Weltbank, zuletzt als Direktor der Regionalmission für Ostafrika in Kenia. Eigen sah Korruption als Haupthemmnis für den Erfolg von Entwicklungsprojekten. Er gelangte zu der Überzeugung, dass Entwicklungshilfe nicht funktionieren könne, wenn korruptive Strukturen zwischen reichen und armen Ländern sowie innerhalb der einzelnen Staaten nicht aufgebrochen und transparent gemacht würden.Anke Martiny: Transparency International – Die Koalition gegen Korruption, Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung 73 (2004), 2, S. 330–338. Als er begann, sich in seiner Position gegen Korruption zu engagieren, erhielt er eine Abmahnung seines Arbeitgebers. Die Weltbank teilte ihm mit, dass „jedwede politische Aktivität und Einmischung in die ’inneren Angelegenheiten’ eines Landes verboten“ sei.Eigen (2003), Das Netz der Korruption, S. 35.

Daraus entstand die Idee, eine unabhängige NGO zu gründen, die sich ausschließlich der Bekämpfung der Korruption widmet. Im Juni 1993 gründeten Eigen und zehn Mitstreiter TI in Den Haag. Die Gründung von TI als eingetragener Verein deutschen Rechts erfolgte am 5. Oktober 1993. Sitz von TI wurde zunächst die Villa Borsig in Berlin. Maßgeblich unterstützt wurde die Gründung von TI durch die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) (inzwischen verschmolzen zur Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)), die zu Beginn unter anderem eine Mietbürgschaft über 70.000 DM unterschrieb. Zwischen 1998 und 2008 erhielten verschiedene Einrichtungen von TI etwa 590.000 Euro von der GTZ.spiegel.de: Transparency International – Wächter in der Zwickmühle Spiegel Online am 4. August 2009.

Zum Zeitpunkt der Gründung von TI waren neben Eigen die folgenden Personen im Vorstand vertreten: Hansjörg Elshorst, Joe Githongo, Fritz Heimann, Michael Hershman, Kamal Hossain, Dolores L. Español, George Moody Stuart, Jerry Parfitt, Jeremy Pope und Frank Vogl. FAQ Archive, Transparency InternationalHicks, Bill (2010). „Transparency International“. Pinkindustry.com. Eigen wurde Vorsitzender und blieb es bis zu seinem Rücktritt im Jahr 2005. Pope wurde erster Geschäftsführer von TI.

Preise und Auszeichnungen Im November 2011 wurde Transparency International mit dem Sozialwissenschaftspreis A.SK Social Science Award 2011 des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung ausgezeichnet. Der Preis ist mit 100.000 Euro dotiert.Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung: A.SK Social Science Award 2011 für Transparency International, Pressemitteilung vom 14. Oktober 2011

Kritik und Kontroversen

Kontroverse zur OECD-Konvention