Hofheim in Unterfranken (amtlich Hofheim i.UFr., 1935 bis 1945 Hofheim in Mainfranken, amtlich Hofheim i. Mainfr.) ist eine Stadt im unterfränkischen Landkreis Haßberge sowie Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Hofheim in Unterfranken.

Geographie Hofheim ist der Mittelpunkt der westlichen Haßberge. Die Stadt liegt etwa 25 Kilometer nordöstlich des Oberzentrums Schweinfurt und 12 Kilometer nördlich der Kreisstadt Haßfurt.

Gemeindegliederung Es gibt 21 Gemeindeteile (in Klammern sind der Siedlungstyp und die Einwohnerzahlen angegeben):

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Bundorf, Maroldsweisach, Burgpreppach, Königsberg in Bayern, Riedbach und Aidhausen.

Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Einige Indizien weisen darauf hin, dass der Ort bereits vor 800 eine karolingische Vogtei gewesen sein könnte. Auf 1108 datiert der erste urkundliche Beleg als „houeheim“. Auch eine frühere Gründung mit dem Namen „Houfingen“ ist möglich, denn dies ist im älteren Dialekt der Umgebung bis heute der Name der Stadt, inzwischen in der Stadt selbst meist zu „Hofingen“ umgeformt. Daneben existiert die Dialektform „Hoffinga“, die vor allem von den Bewohnern jenseits der Haßberge benutzt wird. Das in einer besonders fruchtbaren Ebene vor den Haßberghöhen liegende Hofheim gehört zu den Urpfarreien in dieser Region und das Patrozinium der katholischen Pfarrkirche St. Johannes der Täufer unterstreicht die Bedeutung als Taufkirche mindestens seit karolingischer Zeit. Ab 1500 lag Hofheim im Fränkischen Reichskreis. Im Jahr 1576 erfolgte die Verleihung der Stadtrechte durch Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn. Im 18. Jahrhundert wurden das Lendershäuser Tor und das Goßmannsdorfer Tor neu gebaut. Im Jahr 1803 kam Hofheim unter bayerische Verwaltung, 1806 bis 1814 unterstand es dem Großherzogtum Würzburg, danach kam es wieder zu Bayern. Zwischen 1862 und 1900 erfolgte die Zuweisung zum königlichen Bezirksamt Königshofen, ab 1900 war Hofheim eigenständiges Bezirksamt. 1892 wurde von Haßfurt aus der Anschluss an das Eisenbahnnetz ermöglicht. Nach Daten der Gesellschaft für Leprakunde gab es in Hofheim seit 1597 ein Leprosorium, das 1664 erneuert wurde.

20. und 21. Jahrhundert Beim Novemberpogrom 1938 wurde die Synagoge der Jüdischen Gemeinde in der Kirchgasse 11 von SA-Männern geplündert, woran eine Gedenktafel hinter dem Rathaus erinnert. Die Synagoge blieb als Gebäude erhalten, wurde für 4500 Reichsmark verkauft und wird heute als Wohnhaus genutzt.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 148 An der Außenwand der Kirche erinnert eine kleine Tafel an die ehemalige jüdische Gemeinde. 2014 wurden an drei Standorten die ersten sechs Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig verlegt.

Im Zuge der bayerischen Gebietsreform wurde das 1900 entstandene königliche Bezirksamt, seit 1938 Landkreis Hofheim in Mainfranken, nach dem Krieg als Landkreis Hofheim in Unterfranken bezeichnet, am 1. Juli 1972 aufgelöst. Damit verlor Hofheim an Bedeutung, da Haßfurt Kreisstadt des neuen Landkreises Haßberge wurde.

Die Eisenbahnverbindung nach Haßfurt wurde 1995 stillgelegt; die Gleisanlagen wurden 1996/97 rückgebaut und in einen 15 Kilometer langen Fahrradweg umgewandelt.

In den 1990er und 2000er Jahren nahm der Leerstand von Gebäuden im Hofheimer Stadtkern zu. Um den damit einhergehenden Verfall dörflicher Strukturen zu stoppen, wies die Gemeinde seit 2006 keine Neubaugebiete mehr aus. Zudem setzt sie sich aktiv für den Altgebäudebestand ein: Die Gemeinde erfasst alle unbewohnten Gebäude, vermarktet sie über eine Internetseite und gibt Orientierungshilfe bei der Beantragung von Fördermitteln.Alexander Haneke, Der Dorfkern soll leben, Was kann ein Bürgermeister tun, wenn Leerstand um sich greift, die Straßen veröden und nur noch die Supermarktketten an der Ausfallstraße florieren? Wolfgang Borst hatte eine Idee. FAZ vom 29. Dezember 2018, Seite 5 2008 gründeten die Stadt Hofheim und sechs Nachbargemeinden die Gemeinde-Allianz Hofheimer Land, die ebenfalls das Ziel hat Leerstände abzubauen, alte Ortskerne zu reaktivieren sowie junge Familien für ein Leben in Hofheim oder in den umgebenden Dörfern zu gewinnen, um damit den Bevölkerungsrückgang zu verringern.Anna Reuß: Schöne Öde. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt am Main, 30. Juli 2016, S. 4 (gedruckte Ausgabe) sowie Online:

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. Januar 1972 die Gemeinden Erlsdorf und Manau eingegliedert. Sulzbach kam am 1. Januar 1974 hinzu. Der Markt Ostheim folgte am 1. Januar 1975. Die Reihe der Eingemeindungen wurde mit der Eingliederung von Eichelsdorf und Lendershausen am 1. Januar 1978 sowie von Goßmannsdorf, Reckertshausen und Rügheim am 1. Mai 1978 abgeschlossen. Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 4954 auf 5109 um 155 Einwohner bzw. um 3,1 %. 1997 hatte die Stadt 5343 Einwohner. Quelle: BayLfStat

Politik Stadtrat Der Stadtrat von Hofheim hat 20 Mitglieder. Bei den Kommunalwahlen seit 2008 ergaben sich folgende Sitzverteilungen und Stimmenanteile: Partei/Liste 2008 20142020 Sitze SitzeStimmenanteilSitze CSU 6 524,95 %5 SPD 2 28,62 %2 FDP/Freie Bürger 1 1–– WG Goßmannsdorf 3 316,42 %3 WG Rügheim 3 315,37 %3 WG Ostheim 1 15,90 %1 Reckertshäuser BL 1 14,46 %1 Junge Liste 1 212,89 %3 WG Lendershausen 2 211,40 %2 Gesamt 20 20100 %20

Bürgermeister Zusätzlich zu den Stadtratsmitgliedern gehört der Erste Bürgermeister dem Stadtrat an. Aktueller Bürgermeister ist seit dem 9. Februar 2023 Alexander Bergmann (CSU). Er wurde am 13. November 2022 mit 87 % der abgegebenen und 90,5 % der gültigen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 37,65 % ohne Gegenkandidaten gewählt und trat sein Amt am 9. Februar 2023 an. Hiermit folgte er Wolfgang Borst (CSU) nach, der seit dem 9. Februar 2005 Bürgermeister war. Bei der Wahl im Jahr 2010 wurde er bei einer Wahlbeteiligung von 36,6 % mit 96,0 % der gültigen Stimmen im Amt bestätigt und am 20. November 2016 für weitere sechs Jahre gewählt.Bayerisches Landesamt für Statistik Vorgänger war seit 1993 Hubert Eiring (FDP).

Wappen

Öffentliche Einrichtungen

mini|Bahnhof

Kultur Bücherei (in Hofheim und auch im Gemeindeteil Goßmannsdorf) Haus des Gastes Schüttbau in Rügheim

Bildung Grund- und Hauptschule Jacob-Curio-Realschule (bis 2008: Staatliche Realschule Hofheim) Fachakademie für Sozialpädagogik (bis 2011) Berufsfachschulen für Pflegeberufe Volkshochschule Kindergarten St. Josef Schullandheim des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums aus Schweinfurt

Medizinische Versorgung Notarzt Caritas-Altenservicezentrum mit Tagespflege Diverse Fach- und Allgemeinärzte Blutspendeprogramm des Roten Kreuzes

Behörden Verwaltungsgemeinschaft Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Medien Bote vom Haßgau, Lokalzeitung (gehört inzwischen zur Main-Post)

Verkehrsanbindung Hofheim liegt an der Bundesstraße 303 von Schweinfurt nach Coburg, die nach Bau der Ortsumgehung südlich an Hofheim vorbeiführt. Von 1893 bis 1996 war Hofheim über die Bahnstrecke Haßfurt–Hofheim (KBS 816) an den Bahnhof Haßfurt angeschlossen.Andreas Kuhfahl, Nebenbahnen in Unterfranken, Eisenbahn-Fachbuchverlag Neustadt bei Coburg, 2003, S. 33ff. Hofheim liegt am Radweg Meiningen-Haßfurt.

Sehenswürdigkeiten

mini|Bettenburg

Historische Altstadt mit fränkischen Fachwerkhäusern und alten Stadtmauern Fränkischer Hof, Fachwerkensemble (1685–1687), Hoftor mit Pforte um 1600 Bettenburg mit Landschaftspark Kloster Eichelsdorf und der Aussichtsturm Schwedenschanze Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer Ausgedehnte Wanderwege und Radwege in den angrenzenden Haßbergen Die als Naturdenkmal ausgewiesene Karstquelle Hofheim

Museen Rotkreuz-Museum im Goßmannsdorfer TorEckart Roloff und Karin Henke-Wendt: Von der Gründerära bis zum Suchdienst im Zweiten Weltkrieg. (Das Rotkreuzmuseum Hofheim) In: Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie. Band 2, Süddeutschland. Verlag S. Hirzel, Stuttgart 2015. ISBN 978-3-7776-2511-9, S. 105–106. Eisenbahnmuseum im Bahnhof der ehemaligen Bahnstrecke Haßfurt–Hofheim

Baudenkmäler

Freizeitangebot Freibad Hallenbad Tennisplätze Kegelbahn im 1976 eröffneten Kulturzentrums Haus des Gastes Sportverein SV Hofheim 1919 e. V. Fanfaren- und Spielmannszug Hofheim

Wirtschaft Ackerbau, Garten- und Obstbau Kleinindustrie, Metallverarbeitung und Textilindustrie Lebensmittelindustrie: Brauerei und Milchwerke

Persönlichkeiten Söhne und Töchter des Ortes Jacob Curio (1497–1572), Arzt und Mathematiker Gottfried Schmitt (1827–1908), Jurist, Redaktor des Erbrechts zur Ausarbeitung des BGB, Präsident des Bayerischen Obersten Landesgerichts Josef von Schmitt (1838–1907), 1884–1905 Landgerichtspräsident, Ehrenbürger der Stadt Bamberg Eduard Unger (1853–1894), Genremaler, Illustrator und Karikaturist Carl Alfred Osann (1859–1923), Mineraloge Christian Geyer (1862–1929), evangelischer Theologe, Kirchenrat, geboren in Manau Karl Gerhard (1873–1948), Kirchenmaler Wilhelm Hoffmann (1876–1942), in Eichelsdorf geborener Politiker, Mitglied des Reichstages Julius Koch (1881–1951), Jurist, Münchner Polizeipräsident Artur Heinrich (1904–1975), in Rügheim geborener Politiker, MdL Bayerns Josef Dünninger (1905–1994), Volkskundler, Germanist und Hochschullehrer Helmuth Egelkraut (1938–2018), evangelischer Theologe und Professor für Theologie und Missiologie

Mit Hofheim verbunden Johann Kaspar Borst (1812–1858), Politiker, Borst war von 1850 bis 1858 für den Wahlbezirk Hofheim/Ufr als Abgeordneter im Bayerischen Landtag

Weblinks

Stadt Hofheim

Einzelnachweise

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