Petržalka (deutsch Engerau – auch Audorf, ungarisch Pozsonyligetfalu – bis 1907 Ligetfalu) ist ein Stadtteil von Bratislava (deutsch Pressburg). Die westliche Grenze des Stadtteiles ist identisch mit der Staatsgrenze zu Österreich mit den Grenzübergängen Berg und Kittsee. Es ist das Gebiet mit der höchsten Bevölkerungsdichte in der Slowakei.
Gliederung links|mini|Blick auf die Neubauten von Petržalka mit dem Pylon der Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes Petržalka besteht aus den drei Hauptteilen Háje (bedeutet „Auwald“) im Nordosten, Lúky (Wiesenäcker) im Süden und Dvory (bedeutet „Höfe“) im Nordwesten. Weitere Ortslagen sind Ovsište (deutsch Habern), Kopčany (deutsch Kittsee), Zrkadlový háj (deutsch Spiegelhaufen), Janíkov dvor (deutsch Antonienhof), Starý háj (Alte Au) und Kapitulský dvor (Kapitelhof).
Wichtige Objekte Im Stadtteil befinden sich fünf Brücken über die Donau – von West nach Ost sind dies die Lanfranconi-Brücke, die Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes, die Alte Brücke, die Apollo-Brücke und die Hafenbrücke. Die Alte Brücke wurde in den Jahren 2014–16 erneuert. Über sie fährt auch die Straßenbahn nach Petržalka.
Die Autobahnen D2 (Prag–Bratislava–Budapest) und D1 (Bratislava–Žilina–Košice) umranden den Stadtteil von Westen und Norden und treffen sich am Autobahnknoten Bratislava-Pečňa nahe der Grenze zu Österreich. Die Große Pferderennbahn, der Badesee Veľký Draždiak und Bratislavas Messegelände Incheba liegen ebenfalls in Petržalka.
Die Wirtschaftsuniversität Bratislava (Ekonomická univerzita, EU) hat hier ihren Sitz. Zudem befindet sich hier seit ein paar Jahren ein wichtiger auf internationale Zugverbindungen spezialisierter Bahnhof (Bratislava-Petržalka) und im südöstlichen Teil das größte und neueste Bratislavaer Krankenhausgelände.
Entlang der Donau befinden sich immer noch Auwälder. Am Donauufer befindet sich der Janko-Kráľ-Park (Sad Janka Kráľa), einer der ältesten öffentlichen Parks Europas (1774). Er enthielt und enthält zum Teil heute noch zahlreiche exotische Bäume und Pflanzen. Er wurde 1945 nach dem slowakischen Dichter und Revolutionsführer Janko Kráľ benannt, der hier gern verweilte. Neben zahlreichen Statuen (Petőfi, Kráľ und andere) steht im Zentrum des Parks die ursprüngliche gotische Turmspitze der im Stadtzentrum Bratislavas befindlichen Franziskanerkirche.
Name Wohl erst am Anfang des 20. Jahrhunderts entstand der slowakische Name Petržalka (seit 1919 dann offiziell), der vom Wort petržal (deutsch Petersilie, hochslowakisch petržlen) abgeleitet ist, weil die hiesigen Gartenkolonien Bratislava mit Gemüse versorgten. Der Name lässt sich also etwa mit „Petersilien“ übersetzen.
Geschichte Mittelalter – Vorläufer Petržalkas Seit Menschengedenken existierte in dieser Gegend eine international wichtige Furt, die in der römischen Zeit ein Bestandteil des römischen Grenzschutzsystems war.
Nach heutigem Wissensstand wurde diese von diversen Donauarmen und Hochwassern geprägte Gegend erst im 13. Jahrhundert besiedelt. Damals gehörte das Gebiet Deutschwestungarn zum Königreich Ungarn (bis 1919). Als erstes werden die (längst nicht mehr existenten) durch die damals großen Donauarme gebildeten zwei Donauinseln erwähnt – 1225 Mogorsciget (Ungarninsel) und 1225 Beseneusciget (Pötscheninsel im heutigen Nordwesten Petržalkas). An den Pötschen erinnerte noch vor einigen Jahren der slowakische Name eines heute ausgetrockneten Donauarms – „Pečňa / Pečnianske rameno“ (gleich neben der Grenze zu Österreich, an der Stelle der heutigen Autobahn zwischen der Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes und der Lanfranconi-Brücke).
Im Jahr 1225 erwähnt dann eine Urkunde des Königs Andreas II. den Maierhof Fl(u)ecendorf/Wlocendorf. Dieser soll im Gemeindegebiet einer am Donauufer bei der Fähre gegenüber der Burg von Pressburg gelegenen Petschenegensiedlung entstanden sein (die Petschenegen wurden im Königreich Ungarn als Grenzwächter des Gyepűsystems eingesetzt). Er war wohl von deutschen Siedlern besiedelt.
Im Jahr 1278 wird das Gebiet mit dem Namen Flezyndorph in einer Urkunde von König Ladislaus IV. erwähnt, in der dieses durch die Verheerungen der Mongolen (1241/1242) entvölkerte Gebiet an das Domkapitel von Pressburg verschenkt wird, welches dann mehrere Jahrhunderte lang sein Besitzer blieb. Im Jahre 1317 wird aber bereits eine „villa“ namens Flezyndorf erwähnt. Um 1400 wohnte in diesem Gebiet ein Teil der Fährleute.
Neuzeit – Entstehung Petržalkas Die heutige Gemeinde entstand am Anfang der Neuzeit als eine neue Siedlung, während Flezyndorf weiter bestand. Ihr Name war deutsch und lautete Engerau, d. h. „die engere Au“, im Gegensatz zu der breiteren Au, von der sie durch den sogenannten Kapitelarm der Donau (Kapitulské rameno, seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr existent) getrennt war. 1493 wird als älteste Version von Engerau die Form Ungerau erwähnt, die entweder dieselbe Bedeutung wie das spätere Engerau hat oder einfach „Ungarau“ („ungarisches Dorf“) bedeutete.
Engerau war im 16. Jahrhundert wohl anfangs von Deutschen besiedelt, aber höchstwahrscheinlich noch im gleichen Jahrhundert haben sich hier – so wie in anderen damaligen Vororten Pressburgs (Jahrndorf/Jarovce, Karlburg/Rusovce, Kittsee usw.) – auch die vor Türken flüchtenden Kroaten angesiedelt.
1596 wird Engerau als ein etwa 30 Bauernniederlassungen umfassender Bestandteil des Herrenguts von Devín („Theben“) erwähnt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war es aber bereits teils Bestandteil des Herrenguts der Pálffys von der Pressburger Burg, teils Bestandteil des Herrenguts des Pressburger Domkapitels, das hier einen Meierhof hatte. Später kauften die Bewohner Engeraus den Anteil der Pálffys auf.
1672 wird zum ersten Mal ein kirchliches Bauwerk erwähnt, und zwar auf einer Anhöhe am oben genannten Pečianske rameno erwähnt. Karten von 1753 und 1763 zeigen auf dem Gebiet des heutigen Petržalka zwei Gemeinden – Flocendorf und Engerau. Hinter den auf Geheiß von Maria Theresia von 1771 durch die Stadt Pressburg errichteten Dämmen zum Schutz vor den alljährlich wiederkehrenden Hochwassern wird 1774 die Stern-Allee (später Au, Aupark, seit 1945 Sad Janka Kráľa) angelegt. Der Park entstand aus einem Auwald. Er diente Erholungs- aber auch militärischen Zwecken (da von einem Damm umgeben). 1786 wird Engerau als ein deutsches Dorf (wohl einschließlich germanisierter Kroaten) erwähnt, das den Pálffys von Pressburg gehörte und mit Pressburg mit einer „fliegenden Brücke“ verbunden war. Die meisten Einwohner waren Fährleute und Gärtner, die Gemüse in Pressburg verkauften.
19. Jahrhundert Während der Napoleonischen Kriege wurde Engerau 1809 durch die Belagerung Pressburgs schwer in Mitleidenschaft gezogen. Vom 3. Juni bis zum 12. Juli haben napoleonische Truppen Engerau besetzt und von hier aus unter anderem Pressburg beschossen, das dann am 12. Juli den Franzosen (vorübergehend) übergeben wurde.
Danach wurde Engerau immer mehr zum Erholungsort der Pressburger, so entstanden hier mehrere Gastwirtschaften, das berühmte Au-Café (1826) und die Arena (1828, ein offenes Sommertheater in dem auch Schauspieler aus Wien und Budapest spielten) und andere. mini|Engerau/Ligetfalu und südöstliche Umgebung (links oben) um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme) 1863 taucht zum ersten Mal der ungarische Name Ligetfalva auf, aus dem sich die spätere Form Ligetfalu (d. h. etwa Audorf) entwickelte. Im Jahr 1866 hatte der deutschsprachige und eher arme Ort nur 594 Einwohner und 103 Häuser zu verzeichnen. 1891 wurde die stählerne Brücke in die Pressburger Altstadt eröffnet, nachdem die vorherigen Brücken immer aus Holz bestanden hatten und immer wieder durch Eisstöße oder Hochwasser bedroht oder zerstört worden waren. Der Ort bekam in diesem Jahr auch einen Eisenbahnanschluss an der Strecke von Pressburg nach Szombathely. Es folgte eine schnelle und intensive Industrialisierung (Dampfsägewerk – Firma Harsch, Fabriken für Emaillewaren – Familie Westen, Schläuche, Ziegel – Firma Durvay, Gummiprodukte – 1905 Firma Gumon Avenarius – heute Matador und anderes), durch die sich die Bauern- und Händlerbevölkerung vorwiegend in Arbeiter wandelte.
Anfang des 20. Jahrhunderts Im Jahr 1890 (Volkszählung) hatte der Ort 905 Einwohner, davon 87,8 % Deutsche, 6,0 % Slowaken und 3,9 % Ungarn. Durch die bald danach einsetzende Massenzuwanderung vor allem slowakischer Bauern, die zu Industriearbeitern wurden, veränderten sich die ethnischen Verhältnisse dramatisch. 1921 (Volkszählung) gab es 3861 Einwohner, davon nur mehr 52,9 % Deutsche, 32,4 % Slowaken und 14,5 % Ungarn.
Im Jahr 1914 wurde durch die Pressburger Bahn eine direkte Verbindung Petržalkas nach Wien geschaffen. Eine Eisenbahnverbindung von Pressburg nach Wien bestand bereits seit 1848 über Marchegg (nördlich der Donau).
Nach dem Ersten Weltkrieg (ab 1918) wurde der Ort am 14. August 1919 an die neu gegründete Tschechoslowakei angeschlossen (siehe Bratislavaer Brückenkopf), nachdem bereits am 7. Januar 1919 der (alte) Stadtrat sowie der (neue) Gespan von Bratislava vom für die Slowakei zuständigen tschechoslowakischen Minister persönlich den Anschluss dieses Gebietes verlangten, da die slowakische Bürgerschaft von Bratislava hier ihre Besitztümer und die Bewohner ihre Arbeitsplätze hatten. 1923 wurde dem Ort nach einer Grenzkorrektur ein Teil des österreichischen Orts Kittsee (Kittsee und der angeschlossene Teil heißen auf Slowakisch Kopčany) angeschlossen.
Nach 1918 verzeichnete der Ort eine rasante Entwicklung – 1918–1928 stieg die Einwohnerzahl um 200 %. 1930 lebten in Petržalka 14164 Einwohner, davon 55 % Slowaken, 22 % Deutsche und 14,3 % Ungarn. Noch 1918 lebten hier nur 3000 Menschen, davon waren die meisten (germanisierte) Kroaten, die auch im benachbarten Kittsee, Rusovce (Karlburg) und Jarovce (Kroatisch Jahrndorf) lebten.
In den 1920er Jahren war Petržalka das größte Dorf der Tschechoslowakei, hatte aber nur eine (Volks-)Schule, die schon 1848 errichtet worden war. Dieser Fakt wurde aber bald durch den Bau neuer Schulen (drei Staatliche Volksschulen, eine Bürgerschule und eine evangelische Volksschule) behoben. Die Entwicklung dieses wichtigen Industriestandorts wurde durch die günstige Lage als Verkehrsknotenpunkt noch unterstützt. Petržalka war auch ein wichtiges Zentrum der Arbeiterbewegung (Streiks, viele Wähler der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei etc.).
Zugehörigkeit zum Deutschen Reich (1938–1945) mini|hochkant|Massengrab ungarisch-jüdischer Zwangsarbeiter aus dem KZ Engerau auf dem Friedhof von Petržalka Infolge des Münchner Abkommens wurde der Ort am 10. Oktober 1938 (wie auch das nicht weit entfernte Devín, deutsch: Theben) Niederösterreich (ab 1939: Reichsgau Niederdonau) angeschlossen, damit ein Teil des Deutschen Reiches und nach seinem deutschen Namen in Engerau (an der Donau) umbenannt. Die Besetzung dieser Gebiete erfolgte allerdings etwas später als die der deutschsprachigen Randgebiete von Böhmen und Mähren.
Hitler hat Bratislava nie besucht, dafür aber Petržalka (im November 1938), wo er vom Donauufer nach Bratislava (d. h. in das Gebiet der Tschechoslowakei) hinübersah. Dort stand auf dem anderen Ufer (als Teil des Milan-Rastislav-Štefánik-Denkmals) ein auf einem hohen Pfeiler stehender Löwe, das Wappentier der Tschechoslowakei.
Nachdem er von der Bedeutung des Löwen unterrichtet worden war, soll er gesagt haben: „Die Katz muss runter!“. Sieben Monate später wurde der Pfeiler mit dem Löwen entfernt. Er steht heute als Bestandteil des neuen Štefánik-Denkmals (Kopie der ursprünglichen Štefánik-Statue) am Donau-Ufer am neuen Einkaufszentrum Eurovea, gegenüber dem ursprünglichen Denkmal ist der Löwe jedoch um 90 Grad gedreht.