Der Afghanistankrieg () oder Sowjetischer Krieg in Afghanistan (, ) fand zwischen 1979 und 1989 statt. Er begann mit der militärischen Unterstützung der durch einen Putsch an die Regierung gelangten Machthaber durch die Sowjetunion gegen die vielen Gruppierungen der Mudschahedin, die sich vor allem als Reaktion auf die Säkularisierung Afghanistans bildeten.Florian Rötzer: Anhaltender Krieg in Afghanistan verursacht schwere Umweltschäden. In: Telepolis, 23. August 2007. Nach der Logik des Kalten Krieges wurden die islamistischenAkten belegen westliche Hilfe für Islamisten in Afghanistan. In: Die Zeit, 30. Dezember 2010. Rebellen politisch und materiell von den USA und anderen NATO-Staaten sowie Teilen der islamischen Welt auch unterstützt, um die Sowjetunion zu schwächen.Joseph J. Collins: Understanding War in Afghanistan. National Defense University Press, Washington, D.C. 2011. ISBN 978-1-78039-924-9.

Mit der sowjetischen Invasion und der Ermordung des Regierungschefs Hafizullah Amin sollte die Regierung der Demokratischen Republik Afghanistans (DRA) „stabilisiert“ werden.

Verlauf Afghanischer Bürgerkrieg bis 1979 Nach dem Staatsstreich durch die kommunistische Demokratische Volkspartei Afghanistans (DVPA) unter Nur Muhammad Taraki am 27. April 1978 durch die Saurrevolution betrieb dieser eine Annäherung an den Ostblock, um die gesellschaftliche Umgestaltung (Enteignungen zur Bodenreform) voranzutreiben.

Insbesondere die forcierte Säkularisierung sowie die Entmachtung und teilweise Ermordung der Oberschicht führten schnell zu einem breiten Widerstand der Bevölkerung. Es gründeten sich in dieser Zeit rund 30 islamistische Mudschahedin-Gruppen. Überdies kam es auch zu politischen Richtungsstreitigkeiten und Machtkämpfen innerhalb der DVPA. Mit der Ermordung des Ministerpräsidenten Taraki im September 1979 übernahm Hafizullah Amin die Macht und versuchte den Widerstand niederzuschlagen. In der Folge eskalierte der Bürgerkrieg, der bald von der CIA unterstützt und finanziert wurde.

Taraki hatte seit Ende 1978 mehrfach und dringend um sowjetische Militärhilfe gebeten, um innere Unruhen zu bekämpfen. Damals lehnte die Sowjetunion, unter anderem wegen des hohen außenpolitischen Risikos, die militärische Hilfe ab. Da der KGB nun jedoch fürchtete, Amin könne sich an den Westen anlehnen und NATO-Truppen ins Land rufen, um seine Macht zu sichern, mehrten sich innerhalb der Führung der UdSSR die Stimmen, die sich für eine zeitlich begrenzte Militärintervention aussprachen. Als die Beziehungen zum Westen nach dem NATO-Doppelbeschluss vom 12. Dezember 1979 einen neuen Tiefpunkt erreicht hatten, setzte sich diese Position durch, und so gab Leonid Iljitsch Breschnew den Einsatzbefehl. Dies war indes nicht Ausdruck der Breschnew-Doktrin, mit der sich die Sowjetunion ein Interventionsrecht in sozialistischen Staaten zusprach. Afghanistan unter dem Taraki-Regime galt nicht als sozialistischer Staat, sondern nur als „Staat sozialistischer Orientierung“.

Als Motiv für die Intervention werden die Sorge um die muslimische Bevölkerung der südlichen Sowjetrepubliken genannt, die sich von dem Aufstand der afghanischen Widerstandsgruppen möglicherweise anstecken lassen könnten. Auch wird vermutet, dass die Sowjetunion damit das strategische Ziel verfolgte, bis zum Indischen Ozean vorzudringen. Der deutsche Politikwissenschaftler Helmut Hubel vertritt dagegen die These, dass es der sowjetischen Führung aus einer Position der eigenen Stärke darum gegangen wäre, ihre bereits sicher geglaubte Machtposition zu verteidigen und Afghanistan in ihrer Einflusssphäre zu behalten.Helmut Hubel: Das Ende des Kalten Krieges im Orient. Die USA, die Sowjetunion und die Konflikte in Afghanistan, am Golf und im Nahen Osten 1979–1991. Walter de Gruyter, Berlin/New York 1994, ISBN 978-3-486-82924-2, S. 132–136; ähnlich Bernhard Chiari: Kabul, 1979. Militärische Intervention und das Scheitern der sowjetischen Dritte-Welt-Politik in Afghanistan. In: Andreas Hilger (Hrsg.): Die Sowjetunion und die Dritte Welt. UdSSR, Staatssozialismus und Antikolonialismus im Kalten Krieg 1945–1991. Oldenbourg, München 2009, ISBN 978-3-486-70276-7, S. 259–280, hier S. 267 (beides abgerufen über De Gruyter Online): „Insgesamt erscheint die sowjetische Afghanistanpolitik bis zur Krise von 1978/79 als langfristig angelegter, systematischer Plan zur Einbindung des Landes in die sowjetische Machtsphäre“. Außerdem war man unsicher hinsichtlich geheimer Treffen Amins mit US-Diplomaten und befürchtete eine islamische Revolution nach dem Vorbild Irans.‘Timeline: Soviet war in Afghanistan’. BBC News, 17. Februar 2009, abgerufen am 15. Dezember 2018.

Sowjetischer Einmarsch mini|links|Verlauf der Invasion Am 25. Dezember 1979 überschritten die ersten Einheiten der für den Afghanistan-Einsatz neu gebildeten sowjetischen 40. Armee unter Marschall Sergei Sokolow, die 5. und 108. Motorisierte Schützendivision, bei Termiz und Kuschka die Grenze nach Afghanistan. Gleichzeitig wurden 7000 Elitesoldaten der 103. Witebsker Luftlandedivision nach Kabul und Bagram eingeflogen. Am ersten Tag der Invasion kamen bei einem Absturz eines Militärtransportflugzeuges vom Typ Il-76 an einem Berg nahe Kanzak (nordöstlich von Kabul) der Pilot, 37 Fallschirmjäger und neun weitere Soldaten ums Leben.

Am 27. Dezember führten schon länger im Land befindliche Spezialtruppen des KGB mit Unterstützung durch Fallschirmjäger die Operation Storm-333 durch, indem sie den Tajbeg-Palast und weitere operativ wichtige Punkte in Kabul erstürmten und Amin töteten. Die bisherige afghanische Führung wurde mit einem Schlag ausgeschaltet, politische Gefangene befreit und noch am selben Tag wurde im Rundfunk die Regierungsübernahme durch Babrak Karmal verkündet. Der Widerstand der afghanischen Armee war gering, und die meisten Kommandeure erklärten sich unter dem Einfluss der ihnen zur Seite gestellten sowjetischen Militärberater bald bereit, mit der neuen Regierung zusammenzuarbeiten. Diese versuchte, einerseits den Bürgerkrieg zu deeskalieren und andererseits die Anbindung an die Sowjetunion, unter anderem durch ein Abkommen über eine Truppenstationierung, zu stärken.

Das Begrenzte Kontingent der sowjetischen Truppen in Afghanistan (offizielle Bezeichnung; russ. Ограниченный контингент советских войск в Афганистане, ОКСВА) umfasste bereits im Februar 1980 85.000 Soldaten. Die Truppenstärke wurde bis 1988 weiter auf etwa 115.000 vergrößert.

Internationale Reaktion Die militärische Intervention wurde umgehend von westlichen und islamischen Staaten verurteilt.Wichard Woyke: Prägende Konflikte nach dem Zweiten Weltkrieg. In: Wichard Woyke: Handwörterbuch Internationale Politik. 9. Auflage. Wiesbaden 2004, S. 419. Sie überschattete die Olympischen Sommerspiele 1980 (Moskau/Tallinn), die deshalb von vielen Staaten boykottiert wurden.

Militärischer Widerstand mini|links|Speznas-Truppen beim Verhör eines gefangenen Mudschaheds mini|Ronald Reagan mit Mudschahedin, 1983 Etwa zwei Drittel der afghanischen Armee schlossen sich dem Widerstand gegen die Sowjets an. Die konservativen Mudschahedin erfuhren zusehends internationale Unterstützung. Am 21. März 1980 gründete sich die Islamische Union der afghanischen Mudschahedin (auch Peschawar-Sieben genannt) als ein Bündnis islamistischer und monarchistischer Gruppierungen. Diese waren untereinander zerstritten und die Kooperation beschränkte sich auf die Bekämpfung der kommunistischen Herrschaft. Der Krieg wurde von beiden Seiten rücksichtslos und grausam geführt; sowohl die Sowjets und die Regierungstruppen als auch die Mudschahedin begingen Kriegsverbrechen.

mini|Mudschahed bewaffnet mit einem Strela-2-MANPADS Der Kampf gegen die sowjetischen Invasoren und die kommunistische Regierung wurde insbesondere von einer Allianz aus sieben islamischen Parteien geführt, die ihren gemeinsamen Generalstab in Pakistan hatten und untereinander zerstritten waren. Die Anführer dieser Parteien wurden von der westlichen Presse auch Warlords („Kriegsfürsten“) genannt. Pakistan, das insbesondere den islamistischen Warlord Hekmatyar intensiv unterstützte und eigene Interessen im Nachbarland verfolgte, war neben den USA der wichtigste Verbündete der antikommunistischen Kräfte.

Den sowjetischen und afghanischen Regierungstruppen gelang es trotz ihrer militärischen Überlegenheit und Lufthoheit nicht, den Widerstand der Mudschahedin zu brechen. Zwar konnten sie schnell wichtige Städte und Straßen in den Tälern besetzen, über weite Gebiete außerhalb der großen Städte hatten sie jedoch keine Kontrolle. Im Jahr 1982 wurde schließlich eine militärische Pattsituation erreicht, während der Kampf von beiden Seiten immer brutaler geführt wurde. Auf die Guerillataktik der Mudschahedin im Jagdkampf, die in der Regel keine Gefangenen machten, reagierte die Sowjetarmee unter anderem mit Terror gegen die Zivilbevölkerung. Eine Wende in dem andauernden Konflikt kam erst 1985 mit der Wahl von Michail Gorbatschow zum neuen Generalsekretär der KPdSU, der mit dem Versprechen angetreten war, den Krieg in Afghanistan zu beenden. Dies geschah zu einem Zeitpunkt, als die Sowjets begonnen hatten, ihre Truppen per Transporthubschrauber sowie Truppen transportierende Mil Mi-24 in Kampfgebiete im Land zu verlegen, um gegen die Rebellen keine Bodenkämpfe führen zu müssen. Nach den ersten Erfolgen verloren die sowjetischen Truppen infolge der Lieferung hochmoderner Stinger-Raketen an die Mudschahedin durch die CIA die Möglichkeit solcher Lufttransporte. Die sowjetische Führung gelangte zu der Einsicht, dass der Krieg nicht zu gewinnen war, und suchte fortan nach einem Weg, ihre Truppen aus dem Land abzuziehen, ohne das Gesicht zu verlieren.

Im Mai 1986 löste Mohammed Nadschibullāh Karmal als Regierungschef ab und versuchte, den Krieg durch Verhandlungen zu entschärfen. Babrak Karmal blieb aber bis zum 20. November 1986 Vorsitzender des Revolutionsrates und somit Staatsoberhaupt.

Rückzug der sowjetischen Truppen links|mini|hochkant|Die letzten sowjetischen Soldaten verlassen Afghanistan über die Brücke von Termiz