mini|hochkant=1.2|Scholem Alejchem, Foto und Unterschrift in einem Band (Tewje, der Milchmann und andere Erzählungen) der New Yorker Werkausgabe

Scholem Alejchem (; auch: Scholem Alechem, Schalom Alechem, Shalom Aleichem, Schulem Aleichem und ähnlich geschrieben, aschkenasisch-hebräisch für „Friede sei mit euch“; PseudonymEr benutzte laut eigener Aussage das Pseudonym, um seine Identität vor den Verwandten zu verbergen. Jiddische Schriftsteller bedienten sich häufig eines Pseudonyms, da das Jiddische von den Maskilim und der russischsprachigen jüdischen Intelligenz verachtet wurde. Scholem Alejchem wollte sein Pseudonym, das auch „Wie geht es Euch?“ heißen kann, in das Markenzeichen einer komischen Person verwandeln. Seine Bekanntheit und Beliebtheit stieg rasch, und bald wurde „Scholem Aleichem“ ein Synonym für „Spaßmacher“, der sich über sich selbst und andere lustig macht. von Scholem Jankew Rabinowitsch, Schalom Yakov Rabinowitsch, Schalom ben Menachem Nachum Rabbinowicz, Shalom Rabinovitz usw.; geboren am in Perejaslaw bei Kiew; gestorben am 13. Mai 1916 in New York) war einer der bedeutendsten jiddischsprachigen Schriftsteller und gilt zusammen mit Mendele und Perez als Gründervater der jiddischen Literatur.Dan Miron: Tewje. In: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur, Band 6 (Te–Z). J. B. Metzler, Stuttgart/Weimar 2015, ISBN 978-3-476-02506-7, S. 70. Er wurde auch „der jüdische Mark Twain“ genannt. Sein immer wieder übersetztes sowie für Bühne und Film adaptiertes schriftstellerisches Œuvre umfasst literarische Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge, Erzählungen, Romane, Bühnenstücke und Skripte für Stummfilme.

Leben, Bedeutung Scholem Alejchem, Humorist und Satiriker, schilderte unter anderem das Leben jüdischer Einwanderer in die USA, schrieb Kinderbücher und brachte dem amerikanischen Publikum das Alltagsleben der Juden in Osteuropa um die Jahrhundertwende näher. Seine ersten Werke erschienen auf Russisch oder Hebräisch. Er entschied sich aber, auf Jiddisch zu schreiben, was die Sprache von Millionen von osteuropäischen Juden war, in der es aber bisher kaum eine etablierte Literatur gab. Im Unterschied zu Mendele blickt Scholem Alejchem nicht von oben herab auf seine Mitjuden, die erzogen werden müssten, sondern macht sich selbst zum Teil der Welt, die er beschreibt, eine Welt des Übergangs, in der alles ins Wanken gerät.

Geboren wurde Schalom Rabbinowicz als Sohn eines Gutspächters, der mit Holz und Getreide handelte sowie über eine Lizenz zur Postbeförderung verfügte. Der Knabe erhielt eine strenge jüdische Erziehung im Cheder, zeigte schon als Kind besondere Fähigkeiten und trat früh als einfallsreicher Spaßmacher hervor. Mit nichtjüdischer Literatur beschäftigte er sich ab seinem fünfzehnten Lebensjahr, vernachlässigte darüber aber nicht seine mit Eifer verfolgten Talmudstudien. 1876 schloss er das russische Gymnasium ab. Von 1877 bis 1880 war er Hauslehrer bei dem reichen Gutsbesitzer Elimelech Lojew. Nach seiner Entlassung aufgrund einer Liebesaffäre mit dessen ältester Tochter Olga stellte er sich in Lubny erfolgreich als Staatsrabbiner zur Wahl und bekleidete dies Amt von 1880 bis 1883.

Seine Schriftstellerei begann Scholem Alejchem 1877 mit Romanen, Dramen, Liedern, Berichten und Artikeln für die beiden damals größten hebräischen Tageszeitungen HaZefirah und HaMeliz. Im Anschluss wurde er Mitarbeiter an Zederbaums Jüdischem Volksblatt.

1883 heiratete er Olga Loyew und entschied sich, fortan in jiddischer Sprache zu schreiben.

1888 ging er nach Kiew, wo er von seinem reichen Schwiegervater einige hunderttausend Rubel erbte, und begann, an der Börse zu spekulieren, ohne aber seine literarische Arbeit zu vernachlässigen. Insbesondere gelang es ihm hier, die Jüdische Volksbibliothek, eine Reihe epochemachender kritisch-literarischer Jahrbücher in jiddischer Sprache, zu etablieren (s. u.).

1890 machte Scholem Alejchem Bankrott und musste vorübergehend vor seinen Gläubigern ins Ausland fliehen. Seine Schulden wurden später von seiner Schwiegermutter bezahlt. Er kehrte nach kurzen Zwischenstationen in Paris, Wien und Czernowitz zurück und die Familie ließ sich in Odessa nieder, wo er nun seine schwierigsten Lebensjahre verbrachte. 1893 kehrte Scholem Alejchem wieder nach Kiew zurück und wurde ein engagierter Mitarbeiter an Spektors Hausfreund.Darin u. a. die ersten Anfänge von Tewje als Fortsetzung der Mendel-Briefe.

In den späten 1890er Jahren schloss sich Scholem Alejchem – zunehmend enttäuscht vom Sozialismus – der zionistischen Bewegung an und schrieb für sie einige Agitationsbroschüren sowie den zionistischen Roman Moschiachs Tzaitn („Die Zeiten des Messias“). Von 1899 an erschien die zionistische jiddische Wochenzeitung Der Jid, später schrieb er auch für weitere jiddische Zeitschriften (Der Fraind, Der Tog, Weg etc.).

mini|Mendele, Scholem Alejchem, Ben-Ami, Bialik, Odessa 1910

Aufgrund von Pogromen emigrierte er 1905 aus Odessa, und eine lange Wanderzeit mit vielen unterschiedlichen Stationen (Den Haag, Berlin, längere Vortragsreisen durch Russland,Zuletzt 1911 und 1914, Reisen, bei denen er als berühmter und angesehener jiddischer Schriftsteller überall triumphal empfangen wurde ein zeitweiliger Aufenthalt in Dänemark etc.) begann. Zunächst ging er nach Lemberg, besuchte verschiedene Städte in Galizien und der Bukowina,Mit Hilfe seines Freundes Löbl Taubes dann in die Schweiz, nach England, in die USA. 1907 kehrte er enttäuscht nach Europa zurück, 1914 ging er erneut in die USA, wo er bis zu seinem Tod (mit UnterbrechungenUnmittelbar vor seinem Tod hatte er sich zur Kur im italienischen Nervi an der Riviera aufgehalten) in einem jüdisch geprägten Teil von New York City wohnte.

Scholem Alejchem starb am 13. Mai 1916. Am Tag seiner Beerdigung waren alle jüdischen Geschäfte New Yorks geschlossen, Scharen begleiteten ihn auf seinem letzten Weg. Die Monatsschrift Der Jude schrieb 1917 anlässlich seines Todes:

Mit dem Tod von Alejchem, Perez und Mendele gegen Ende des Ersten Weltkriegs endete die klassische Epoche der jiddischen Literatur, aber nicht deren weiterer Aufstieg.Dieter Lamping: Von Kafka bis Celan. Jüdischer Diskurs in der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1998, ISBN 3-525-01221-7, S. 66. Die Beliebtheit von Alejchems Werken steigerte sich noch. Durch die Übersetzung ins Hebräische durch seinen Schwiegersohn Isaak Dow Berkowitz und die Übersetzungen in die meisten europäischen und andere SprachenScholem Alejchems Werke sind in insgesamt über 60 Sprachen übersetzt worden wurden seine Werke vielen (auch nichtjüdischen) Lesern bekannt und einige seiner literarischen Figuren weltberühmt. Hebräische und jiddische Theater führten nach seinem Tod seine Stücke und insbesondere die dramatische Fassung der Tewje-ErzählungsfolgeZum Inhalt vgl. Anatevka auf.

In den 1960er Jahren wurde aus Tewje das bekannte Musical Fiddler on the Roof (Uraufführung 1964 am Broadway in New York, dann auf den Bühnen der ganzen Welt gespielt; am Broadway über 3000 Mal aufgeführt; deutsche Erstaufführung als Anatevka im Februar 1968 in Hamburg; Walter Felsenstein brachte das Musical 1970 nach Berlin-Ost).

Scholem Alejchem schrieb während seiner jahrzehntelangen Schaffenszeit unzählige Briefe. Davon wurden etwa 500, verstreut in den verschiedensten Pressepublikationen, veröffentlicht.

Im Jahr 1964 wurde in Tel Aviv ein Scholem-Alejchem-Museum errichtet,Grundsteinlegung am 29. März 1964, über 300 Manuskripte und Erinnerungsstücke wurden aus New York dorthin überführt. das dem Andenken an den Schriftsteller und der Pflege der jiddischen Kultur gewidmet ist. Seit dem 2. März 2009 gibt es auch in Kiew ein ihm gewidmetes Museum., abgerufen am 29. Juni 2014.

Scholem Alejchem hatte sechs Kinder. Seine Tochter Lala (Lela) Kaufman (1887–1964) betätigte sich auch als Schriftstellerin sowie als Journalistin.

Der israelische Schriftsteller David Grossman sagte 2019 in einem Interview: „Scholem Alejchem veränderte mein Leben, denn durch ihn verstand ich, mehr noch als durch alle anderen, welche Kraft eine Geschichte haben kann. […] Seinetwegen wurde ich Schriftsteller.“ NZZ

Werke (Auswahl) mini|hochkant|Rachel Szalit-Marcus, Mappenwerk Mentschelech un stsenes (1922)

Erscheinen oder Entstehungszeit bekannt Natascha,Sein erster Roman 1884 (Roman) Di jidische folksbibliotek,„Di jidische Folksbibliothek“ erhob die jiddische Literatur auf ein bisher unerreichtes Niveau. Die besten jiddischen Autoren schrieben von Beginn an ihr mit: Mendele Mocher Sforim, Jitzchak Leib Peretz, David Frischmann und viele andere. Kiew 1888 ff. (jiddische Jahresschrift) Stempenju,Die Geschichte eines Wandergeigers, erschienen in seiner Folksbibliothek 1888 (Roman) Reb Sender Blank un sajn filgeschezte familje, 1888 Josele Solovei,„Josele, die Nachtigall“, Roman, 1889, erschienen in seiner Folksbibliotek, die Geschichte eines herumziehenden Kantors 1889 Schimele,Hebräische Erzählung, erschienen in Sokolows Heassif 1889 Menachem Mendels Briefe,„Briefe von Menachem Mendl fun Jehupez“, darin Einführung der später weltbekannten literarischen Figur von „Menachem Mendel, der Spekulant“, der, immer den baldigen Reichtum vor Augen, von Börse zu Börse zieht, die Berufe ständig wechselt, nie Erfolg hat und in seinem Unglück durch seine bodenständige Frau erhalten werden muss. Die Stadt Kiew war die literarische Vorlage für sein „verrücktes Jechupetz“ entstanden zwischen 1892 und 1913 Tewje der milchiker („Tewje, der Milchmann“), entstanden zwischen 1894 und 1916 (daraus später 1964: Fiddler on the Roof bzw. Anatevka und 1971 der gleichnamige Film) Moschiachs zajtn, 1898 ff. (zionistischer Roman) Der Jid, 1899 ff. (zionistische Wochenzeitung) Zesejt un zeschprejt,Dreiaktiges Drama, das den Generationenkonflikt schildert und auf vielen Bühnen mit großem Erfolg aufgeführt wurde 1905 Motl Peysse dem chasns,„Motl, Sohn des Kantors Pejße“, Erzählungen aus der Kinderperspektive über die Ereignisse in „Kasrilewke“ und die Auswanderung der jüdischen Bevölkerung in die USA entstanden zwischen 1907 und 1915 Blondzhende schtern, 1911 („Wandersterne“, Roman über jüdische Künstler) Funem jarid („Vom Jahrmarkt“), autobiographischer Roman (geschrieben 1913–1916) Schwer zu sajn a jid,Dramatisierung des Romans „Der blutiker schpas“ – Der blutige Spaß; zahlreiche Aufführungen in Amerika und Europa. In der Geschichte tauschen ein Christ und ein jüdischer Student die Rollen, woraufhin der Christ nun erstmals am eigenen Leib mit den Widrigkeiten des jüdischen Lebens konfrontiert wird 1914

Werke ohne Jahr bzw. nicht ermittelt mini|Denkmal in Kiew

A chussen a dokter (satirisches Spiel) Agenten (Theaterstück) Beim Dokter (Monolog) Beim Prisiv (Monolog) Das Gymnasium (Monolog) Das Kontorgeschäft (Theaterstück) Das Panorama Das Unglück Der behexte Schneider Der besonnene Schluri Der Fortschritt in Kasrilewke Di Goldgreber (oder: Der Ojzer = „Der Schatz“)Seine bekannteste Komödie Die Geige (Kindergeschichte) Die Weltreise (Satire) Dos Bintl Blumen Dos grojsse Gewins („Der große Preis“, Komödie) Dos Messerl (Kindergeschichte) Ein Roman ohne Liebe Eisenbahngeschichten Gedichte ohne Reime Geschichte vun der Jargon-Literatur Kinderspiel Kleine Menschelech (humoristische Schilderungen) Masel tow (Theaterstück) Rabtschik (Hundegeschichte) Roman ohne Roman Schimale Soroker (Drama) Sender Blank und sein Haushalt (Roman) Süße Träume Zwej SchtejnerScholem Alejchems erste jiddische Geschichte („Zwei Steine“), erschienen in der St. Petersburger jiddischen Wochenzeitung Dos Jiddische Folksblat. Als literarischer Vorwurf diente das Erlebnis seiner Liebe zu Olga; im Unterschied zu seiner eigenen Liebe endet die Geschichte jedoch tragisch mit Selbsttötung und Wahnsinn. Farbitene jojzres (Theaterstück) Verstreut und versprengt, aufgeführt im Februar 1909 in Jaffa vom „Verein der Liebhaber der hebräischen Bühne“