Das Institut d’études politiques de Paris (IEP de Paris) (deutsch Institut für politische Studien Paris), gewöhnlich Sciences Po genannt, ist ein Grand établissement mit Hauptsitz im 7. Arrondissement von Paris. Zusammen mit dem Collège de France oder der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) genießt das Institut durch seinen verwaltungsrechtlichen Status das höchste wissenschaftliche Prestige aller Hochschuleinrichtungen Frankreichs.
Im QS World University Ranking by Subject liegt Sciences Po seit 2015 durchgehend weltweit unter den besten fünf Universitäten und belegte für das Jahr 2024 den 2. Platz im Bereich Politikwissenschaften und Internationale Studien. Die Hochschule rangiert damit direkt hinter der Harvard University und vor anderen Elitehochschulen wie der University of Cambridge in England oder der Yale University in den Vereinigten Staaten. Sciences Po nimmt weniger als 10 Prozent aller Bewerber im Parcoursup-Standardbewerbungsweg auf.
Zu den Alumni der Sciences Po Paris zählen sechs der bisher acht Staatspräsidenten der Fünften Republik (Emmanuel Macron, François Hollande, Nicolas Sarkozy, Jacques Chirac, François Mitterrand und Georges Pompidou), zahlreiche internationale Staats- und Regierungschefs sowie Führungspersönlichkeiten bei den Vereinten Nationen, der Welthandelsorganisation (WTO), dem Internationalen Währungsfonds (IMF) und dem Europäischen Parlament. Im Jahr 2023 wurde Angela Merkel die Ehrendoktorwürde verliehen.
mini|Haupteingang in der 27, rue Saint-Guillaume
Die von Émile Boutmy 1872 gegründete Privathochschule École libre des sciences politiques wurde 1945 verstaatlicht und in das Institut d’études politiques de Paris (IEP) und die Fondation nationale des sciences politiques (FNSP) aufgeteilt. Das neu gegründete Institut bereitete nach dem Zweiten Weltkrieg und bis in die 1990er Jahre hinein hauptsächlich auf die concours (Aufnahmeprüfungen) für die wichtigsten Verwaltungshochschulen Frankreichs vor, insbesondere die École nationale d’administration (ENA).
Vor allem durch die unter dem mittlerweile verstorbenen Direktor Richard Descoings eingeleiteten Reformen ist der akademische Fokus heute wesentlich breiter und umfasst nicht nur Politikwissenschaften, sondern zum Beispiel auch Jura, Wirtschaftswissenschaften, Finanzwissenschaft, Marketing, Kommunikation, Urbanismus/Stadtplanung, Management oder Journalismus. Entsprechend wenden sich heute über zwei Drittel der Absolventen nach ihrem Abschluss der Privatwirtschaft zu. Tatsächlich waren auch die meisten Mitglieder der Wirtschaftseliten Frankreichs, also z. B. die Vorstandsvorsitzenden der großen Unternehmen, zumindest für einige Jahre an Sciences Po, da ein Abschluss an der Sciences Po in Frankreich oft als Eintrittskarte für weiterführende Eliteschulen galt. Heute ist das Studium am Pariser IEP gegliedert in ein multidisziplinäres Bachelorstudium und ein konsekutives Masterstudium.
Status im Hochschulsystem Frankreichs Sciences Po wird zu den sogenannten Grandes écoles Frankreichs gezählt, bei denen die Studienaufnahme hochselektiv ist und der gesellschaftliche Status des Abschlusses über dem der meisten anderen Universitäten liegt. Sciences Po hat darüber hinaus den Status eines Grand établissement. Es handelt sich dabei um einen administrativen Status, den nur wenige Einrichtungen zugesprochen bekommen. Dadurch hat Sciences Po eine relativ hohe Autonomie vom französischen Bildungsministerium und kann z. B. unabhängig über die Erhebung der Studiengebühren entscheiden. Allgemein zählt es zusammen mit der naturwissenschaftlichen École polytechnique, der Verwaltungsakademie ENA und der Wirtschaftshochschule HEC zu den besten und renommiertesten Hochschulen in Frankreich.
Internationales Sciences Po gilt als besonders international ausgerichtet. 35 % der Bachelor-Studenten kommen aus dem Ausland. Besonders zu dieser Entwicklung hat die Einrichtung der sogenannten campus internationaux außerhalb von Paris beigetragen. Diese haben ihr akademisches Programm auf ein anderes Land oder eine andere Region ausgerichtet und bieten auch Kurse in den entsprechenden Sprachen an, so dass vor allem ausländische Studenten von diesen Programmen angezogen werden. An diesen Campus kann allerdings nur das Bachelorstudium absolviert werden; das Masterstudium findet in Paris statt.
Weltweit hat das IEP mehr als 478 Partneruniversitäten, darunter Harvard, Princeton oder Yale in den Vereinigten Staaten und Cambridge, Oxford oder die London School of Economics and Political Science im Vereinigten Königreich Großbritannien, an denen die Studenten ihr 5. und 6. Semester im Bachelorstudium verbringen. Mit einer Reihe von angesehenen Hochschulen weltweit werden zudem Doppelabschluss-Programme angeboten. Sciences Po ist Mitglied im Global Public Policy Network (GPPN), dem auch die Columbia University New York, das King’s College London, die LSE, die Hertie School of Governance in Berlin und die Lee Kuan Yew School of Public Policy der National University of Singapore (NUS) angehören., auf www.lse.ac.uk
Rankings Laut dem QS World University Rankings belegte Sciences Po in den Jahren 2020, 2021 und 2024 weltweit den zweiten Platz im Fach Politik bzw. Internationale Studien. Damit liegt die Universität im internationalen Ranking u. a. vor der Princeton University, der University of Cambridge, der Stanford University, der Yale University und gleichauf mit der University of Oxford.
2024 belegte Sciences Po weltweit zudem den 12. Platz im Fach Social Policy and Administration, den 27. Platz in Soziologie, den 64. Platz in Rechtswissenschaften und den 96. Platz im Gebiet der Wirtschaftswissenschaften.
Im 2025 QS World University Ranking, Kategorie 'Employment Outcome' belegte das IEP de Paris den 1. Platz in der Europäischen Union und den 30. Platz im weltweiten Vergleich.
Geschichte Das IEP de Paris gründet sich historisch auf der , eine 1872 von Émile Boutmy gegründete private Hochschuleinrichtung, die bereits damals den Spitznamen 'Sciences Po' trug. Nach der Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg (1870/71) sollte die neue Einrichtung nach dem Willen Boutmys eine bessere Ausbildung der politischen und administrativen Elite des Landes gewährleisten. Am 9. Oktober 1945 wurde die Einrichtung auf Druck des PCF gemäß der Ordonnance n° 45-2283 verstaatlicht und zu einer öffentlichen Hochschule. Der neu geschaffenen Fondation nationale des sciences politiques (FNSP) wurde das Erbe der und die Aufgabe, den Betrieb des IEP finanziell und administrativ sicherzustellen, übertragen. Gemeinsam bilden das IEP und die FNSP die heute als 'Sciences Po' bezeichnete Entität.
Bis zu ihrem Umzug nach Straßburg vor einigen Jahren befand sich die Verwaltungseliteschule ENA direkt neben dem Gebäude von Sciences Po; beide Schulen waren nur durch einen Garten getrennt. („“) sagte man damals, wenn man es geschafft hatte, nach einem Sciences-Po-Abschluss an der ENA aufgenommen zu werden. Noch heute sind ein Großteil der ENA-Studenten Absolventen von Sciences Po. Nach dem Umzug wurden die ehemaligen Gebäude der ENA von Sciences Po übernommen. mini|Blick in den Garten
Nachdem Richard Descoings im Jahre 1996 Direktor geworden war, wurden zahlreiche Reformen durchgeführt. Es kam vor allem zu einer enormen Internationalisierung der einst so französischen Hochschule, die heute fast 40 Prozent ausländische Studenten zählt. Das Studium wurde im Rahmen des Bolognaprozesses auf 5 Jahre verlängert (und endet mit einem Masterabschluss), ein Auslandsjahr wurde eingeführt und ein großer Anteil des Unterrichts findet auf Englisch statt. Seit 2010 ist der Erwerb des Bachelor nach drei Jahren Studium möglich. Außerdem wurden neben dem Hauptcampus in Paris weitere Collèges universitaires (ehemals ) in Nancy, Poitiers, Menton, Le Havre, Dijon und Reims gegründet, an denen man zwei der drei Jahre des Bachelorstudiums absolvieren kann.
Sciences Po erfreut sich steigender Popularität. So verdoppelten sich in den letzten zehn Jahren die Bewerber- und Studentenzahlen. 2001 wurde Schülern aus sozial benachteiligten Wohngegenden die Aufnahme in Sciences Po erleichtert, was in Frankreich zu heftigen Kontroversen in Politik und Gesellschaft führte.
Kontroversen Dem Institut wird immer wieder ein exklusiver Elitismus vorgeworfen, welcher zu einem geschlossenen und abgeschotteten Elitensystem in Frankreich beiträgt. Auch die Schwierigkeiten ethnischer Minderheiten, Zugang zum Institut zu gewinnen, wurden angeprangert und die Institution der „Schaffung einer selbst reproduzierenden, hauptsächlich weißen Elite“ bezichtigt.
Im Jahr 2021 sind die Themen Sexismus und sexuelle Gewalt in den Mittelpunkt der Kritik an der Institution getreten. Der Politikwissenschaftler Olivier Duhamel, der auch dem Stiftungsrat des IEP vorsaß, musste zurücktreten, nachdem ihm Missbrauch an seinem Stiefsohn vorgeworfen worden war. Nachdem der Präsident der Institution, Frédéric Mion, zunächst beteuert hatte, dass er von dem Vorgang schockiert sei, stellte sich später heraus, dass er bereits seit Jahren von den Vorwürfen gewusst hatte. Daraufhin musste Mion schließlich ebenfalls von seiner Position zurücktreten.
Kurze Zeit später entwickelte sich unter dem Hashtag „sciencesporcs“ eine weitere Kontroverse um sexuelle Gewalt an dem Institut sowie an den IEP de province, welche vom IEP de Paris unabhängig sind. Unter dem Hashtag berichteten Dutzende Betroffene von sexueller Gewalt, Sexismus und Vergewaltigungen im Zusammenhang mit den IEP. In diesem Zusammenhang wurde von französischen Medien der Vorwurf erhoben, es gebe an den IEP eine „Vergewaltigungskultur“ (cultur de viol).
Auch 2023 kam es erneut zu einem Skandal um Vorwürfe geschlechtsbasierter Gewalt im Zusammenhang mit der Institution. So wurde Mathias Vicherat, der Frédéric Mion als Präsident der Institution nachgefolgt war, kurzzeitig unter dem Vorwurf von partnerschaftlicher Gewalt von der Polizei festgenommen. Daraufhin forderte die Studierendenvertretung seinen Rücktritt und blockierte das SciencesPo-Hauptgebäude. Dabei wurde ein „persistent climate of impunity“ („anhaltendes Klima der Straflosigkeit“) an der Universität kritisiert.
Zum Begriff ‚Sciences Po‘ Die Bezeichnung Sciences Po ist an sich ein Akronym für (französisch für ‚Politikwissenschaften‘) und meint im heutigen Sprachgebrauch auch andere universitäre Einrichtungen, die allerdings nicht ausschließlich politikwissenschaftliche Studiengänge anbieten.
Sciences Po bezeichnet insgesamt die Entität, die 1945 die Nachfolge der 1872 gegründeten antrat und heute aus folgenden Einrichtungen besteht: Das IEP Paris tritt heute grundsätzlich unter dem Label Sciences Po auf und beansprucht diese Bezeichnung nur für sich selbst. Es wehrt sich gegen eine Inanspruchnahme durch die anderen IEPs in Frankreich. Mit Einführung des neuen Logos 2007 hat das IEP Paris SciencesPo. (zusammengeschrieben und mit Punkt am Ende; diese Schreibweise wird nur für das Logo, nicht im Fließtext verwendet) als Marke eintragen lassen. 2015 wurde ein neues Logo ohne Punkt vorgestellt. Die Fondation nationale des sciences politiques (FNSP) ist eine private Stiftung, die das IEP Paris betreibt. Die FNSP umfasst dabei auch die Bibliothek von Sciences Po, die Presses de Sciences Po und eine Reihe von Forschungszentren.
IEP de province Nach dem Vorbild des Institut d’études politiques de Paris wurden in der Nachkriegszeit weitere Instituts d’études politiques in ganz Frankreich gegründet. Einige von diesen haben in Anlehnung an die Reform des Studiums am IEP Paris die ursprünglich dreijährige Studienzeit ebenfalls auf fünf Jahre verlängert. Im Gegensatz zum IEP de Paris, welches eine unabhängige, von der Fondation Nationale des Sciences Politiques geleitete Hochschule ist, sind die „IEP de province“ in die örtlichen Universitäten eingegliedert und somit kein grand établissement.