Thief [] (engl. für „Dieb“) ist eine Computerspielreihe, die das Genre der Stealth-Computerspiele, bei denen heimliches Vorgehen den Spielverlauf prägt, zusammen mit Metal Gear Solid und Tenchu: Stealth Assassins begründete. In der älteren Berichterstattung wird die Serie auch nach dem deutschen Leittitel der ersten beiden Veröffentlichungen mit Dark Project bezeichnet. Die Serie besteht aus insgesamt vier Teilen: Dark Project: Der Meisterdieb (1998), Dark Project 2: The Metal Age (2000), Thief: Deadly Shadows (2004) und Thief 4 (2014). Die Thief-Reihe gilt als prägend für das Genre der Stealth-Computerspiele und beeinflusste nachfolgende Titel wie Deus Ex und Dishonored: Die Maske des Zorns.
Spielprinzip
Die Geschichte von Thief handelt von Garrett, einem Meisterdieb, der zur Sicherung seines Unterhalts diverse Raubzüge unternimmt, die sich jedoch meist anders entwickeln, als er dachte.
Dabei stellt er sich als egoistischer Antiheld und Einzelgänger heraus. Die Handlung selbst spielt hauptsächlich in einer Stadt mit mittelalterlichem Flair, gemischt mit Steampunk, Fantasy-Elementen und mit, für dieses Zeitalter untypischen, Maschinen. Über alle vier Teile bleibt diese Stadt ohne Namen und wird meist nur Die Stadt (engl.: The City) genannt. Die Atmosphäre erinnert an ein Mittelalter, welches verfrüht von der Industrialisierung ergriffen wurde und ähnelt der Erscheinung dem viktorianischen Zeitalter. Im ersten Teil kommen beispielsweise Alarmanlagen vor, ab dem zweiten sogar mit Dampf angetriebene Roboter. Die Schauplätze variieren zwischen prunkvollen oder seltsamen Adelshäusern, Gefängnissen, alten Ruinen und zerfallenen Gruften. Mit Hilfe von gezeichneten, stilvollen Zwischensequenzen wird der Spieler zu Beginn einer jeden Mission über das Vorhaben Garretts und den Ort des Geschehens informiert.
Während der Reise durch dunkle und manchmal unwirklich anmutende Gemäuer und Schauplätze trifft Garrett auf allerlei Wachen und Soldaten. Auch die Priester einer „Sekte“, genannt die Hammeriten, welche ihrem Gott, dem Erbauer, dienen sowie Untote und Fabelwesen gehören zu den Gegnern. In Dark Project 2 wurde jedoch wegen vermehrter Kritik Abstand von vielen Fabelwesen genommen.
Garretts größte Feinde sind Licht und Lärm, denn nur, wenn er sich geräuschlos in den Schatten bewegt, wird er nicht entdeckt. Sollte Garrett aber doch gefunden werden, hilft oft nur noch die Flucht, denn ein Dieb ist ein schlechter Nahkämpfer. Nur in die Ecke gedrängt ist noch das Schwert von Garrett eine halbwegs gute Hilfe, doch endet ein Kampf mit demselbigen meist nicht unverletzt. Die wichtigsten Werkzeuge auf den Diebestouren sind der Knüppel, der Dietrich sowie der Bogen, mit dem verschiedene Arten von Pfeilen verschossen werden können:
Seilpfeile dienen zum Erklimmen höher gelegener Bereiche, können sich jedoch nur in Holz oder Erde verankern und danach wieder mitgenommen werden. Wasserpfeile löschen lästige Lichtquellen wie z. B. Fackeln. Im zweiten Teil der Spieleserie können mit Wasserpfeilen auch die Roboter außer Gefecht gesetzt werden, welche eine Art Dampfantrieb besitzen. Moospfeile ermöglichen es, sich mittels eines damit aufgebrachten Moosteppichs auf jedem Untergrund geräuschlos fortzubewegen. Ferner können im dritten Teil Feinde für ein paar Sekunden außer Gefecht gesetzt werden, wenn ihnen ein Moospfeil ins Gesicht geschossen wird. Lärmpfeile lenken Gegner ab und können nach Gebrauch wieder eingesammelt werden. Breitkopfpfeile können Gegner verletzen und ebenfalls zum Erzeugen von Lärm benutzt werden, gehen dabei aber im Gegensatz zum Lärmpfeil zu Bruch, wenn man sie nicht in einen Holzkörper schießt. Feuerpfeile explodieren beim Aufschlag und verursachen schwere Verletzungen oder können beispielsweise Pulverfässer zur Explosion bringen oder Fackeln entzünden. Gaspfeile sind die wohl effizienteste Waffe im Spiel, denn sie betäuben sofort, ohne zu töten. Jedoch kosten diese sehr viel und stehen auch nur selten zur Verfügung.
Im Grunde ist das Spiel lösbar, ohne auch nur einen einzigen Gegner zu töten oder mit dem Knüppel bewusstlos zu schlagen. Zumindest was das Töten angeht, ist dies in den ersten beiden Teilen auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad auch als Bedingung für die erfolgreiche Lösung fast aller Missionen angegeben. Sollte der Spieler dennoch dieses Ziel verfehlen, so gilt der Auftrag als nicht erfüllt und der Spieler wird mit dem vorzeitigen Ende der Mission bestraft.
Fraktionen Im Spiel treten vornehmlich drei Fraktionen auf:
Die Hüter (im Original Keepers) sind ein alter Bund von Beobachtern, die sich der Erhaltung des Gleichgewichts der Welt verschrieben haben. Garrett wurde von ihnen erzogen, beschloss aber später, sich von ihnen zu trennen. Zugleich ist aber die Ausbildung, die er bei ihnen genossen hat, die Basis für seinen Erfolg als „Meisterdieb“. Obwohl er es ablehnt, weiter etwas mit ihnen zu tun zu haben, spielt er in jedem der drei Teile eine wichtige Rolle in ihren Prophezeiungen und arbeitet ihnen dabei mehr oder weniger in die Hände. Ihre Kräfte beziehen die Hüter vor allem aus der Kraft der Glyphen (vgl. Hieroglyphen), die ihnen die Kraft der Magie verleihen und deren Bücher in diesen Glyphen verfasst sind. Auch wenn die Hüter größtenteils wissen, wie die Zukunft aussehen wird, mischen sie sich niemals aktiv in die Geschehnisse der Welt ein. Stattdessen machen sie Gebrauch von Garrett, welchen sie indirekt auf den rechten Weg führen. Ihren ersten echten Auftritt haben die Hüter aber erst im dritten Teil der Serie, in den vorigen Teilen sieht man sie höchstens in Zwischensequenzen. Der wichtigste von ihnen ist für Garrett Hüter Artemus, sein einstiger Mentor und der einzige, den Garrett überhaupt anhört. Das Symbol der Hüter ist das Schloss bzw. das Schlüsselloch.
Der Orden der Hammeriten (im Original Hammerites) ist eine Sekte religiöser, teils magiebegabter Fanatiker. Sie haben ihr Leben ihrem Gott, dem „Erbauer“ (Builder), verschrieben. Sein Wort tragen sie in die Stadt hinaus, die in ihren Augen wenig Platz für Sünder und Ungläubige bietet. Sie tragen einen riesigen Hammer mit sich, der ihnen sowohl als religiöses Objekt wie auch zur Verteidigung dient. Sie verachten über alles die Ungläubigen, die Heiden, die der Natur huldigen und den Schwindler (Trickster) anbeten. Ihre Schriften und Glaubenssätze sind hart und drakonisch. So setzen die Hammeriten weniger auf Bekehrung als vielmehr auf Folter und Gefängnis. Dennoch stellen sie die treibende Kraft in der Stadt dar und repräsentieren Ordnung und Religion. Ihr Auftreten vereint viele Züge der mittelalterlichen christlichen Kirche und der Inquisition. Ihre Symbolik ist zum einen der Hammer wie auch der Prozess der Metallverarbeitung, auf dem viele Metaphern fußen.
Die Heiden (im Original Pagans) repräsentieren die Kräfte der Natur. Sie huldigen dem Waldfürst, entfernt von den Städten in Wäldern oder im Untergrund, verabscheuen jegliche Technologie und leben in Harmonie mit der Natur und ihren Kreaturen. Nur wenige Heiden sind erfahren im Kampf, weshalb sie eher auf List und Tarnung als auf eine direkte Konfrontation setzen. Auch sie können die Kräfte der Magie wirken. Auf die Bewohner der Stadt sind sie nicht gut zu sprechen und die Hammeriten sehen sie als ihre Feinde an. Ihr Symbol ist das dritte Auge des Schwindlers.
In Dark Project 2 taucht noch eine weitere Fraktion auf, die Mechanisten, ein Schisma der Hammeriten, angeführt durch den charismatischen, selbsternannten Propheten Karras. Diese verachten, mehr noch als die Hammeriten, jegliche Natur. Auch unter ihnen befinden sich magiebegabte Priester des Karras und des Erbauers. Sie erfinden dampfbetriebene Roboter und Maschinen, deren Geschichte die gesamte Handlung im zweiten Teil der Thief-Serie bildet.
Charaktere Garrett: Er ist der Protagonist des Spiels, ein Antiheld und sarkastischer Eigenbrötler. Obwohl er sich durch seine Raubzüge nur seinen Lebensunterhalt verdienen wollte, entwickelte sich alles anders als er dachte. Entgegen seinen Ambitionen wird er stets in die Geschichten der Stadt und Prophezeiungen der Hüter einbezogen, obwohl er dies nie wollte. In der deutschen Sprachversion wird Garrett von Andreas Brucker (Dark Project) bzw. Torsten Michaelis (Dark Project 2) gesprochen, im englischen Original jeweils von Stephen Russel. Vater Karras: Ein selbsternannter Prophet und Fanatiker mit der Idee, alles biologische Leben auf der Welt zu vernichten, auf dass nichts außer seinen Maschinen den Glanz des Erbauers trübe. Er spaltet sich im zweiten Teil der Thief-Reihe von den Hammeriten ab und gründet ein Schisma jener Religion, die er als Mechanisten bezeichnet. Sein Plan, mithilfe seiner Diener die Stadt auszurotten wird durch Garrett vereitelt und er stirbt durch seine eigenen Kinder in der Kathedrale von Soulforge. In der englischen Sprachversion besitzt Karras einen schweren Sprachfehler, der seiner charismatischen Persönlichkeit jedoch keinen Abbruch tut. Caduca: Deuterin Caduca liest die Prophezeiungen der Hüter aus den verstaubten Manuskripten in den Bibliotheken der Hüter vor. Die Deuterin ist blind und liest die Glyphen nur mit Hilfe ihrer Hände in lateinischer Sprache vor. Das kleine Mädchen Gamall übersetzt dabei das Gesprochene Caducas in verständliche Worte. Gamall: Übersetzerin Gamall ist ein äußerlich junges Mädchen, das die fremden Texte von Interpreter Caduca übersetzt. Unter ihrer Haut steckt jedoch eine Hexe, genannt The Hag, die bereits jahrhundertelang auf der Suche nach der letzte aller Glyphen ist, die einzige Macht, die ihre Kräfte aufhalten könnte. Sie ist es, auf die sich die Prophezeiung des Brethren and Betrayer bezieht. Letztendlich werden ihre Machenschaften durch Garrett vereitelt und ihre Macht schwindet. Was genau mit ihr nach den Geschehnissen des dritten Teils passiert, ist unbekannt. Hüter Artemus: Der Hüter Artemus ist eine weitere wichtige Person im Spiel. Wie alle Hüter versucht er, das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse (bzw. zwischen Natur und Maschine) zu halten. Aus der Prophezeiung geht hervor, dass ein abtrünniger Hüter die Welt verändern und auch retten wird. Artemus glaubt, dass Garrett dieser Abtrünnige ist und steht ihm so gut es geht zur Seite. Jedoch verrät er nie zu viel und wirkt immer geheimnisvoll. Fans der Reihe beschwerten sich bei Eidos, als Artemus im dritten Teil der Spielreihe von Gamall getötet wurde. Cutty: Garretts Auftraggeber im ersten Teil der Serie. Als Garrett für Cutty ein Zepter stehlen muss, verhaften die Hammeriten Cutty und sperren ihn in das Cragscleft-Gefängnis. Als Garrett ihn befreien will stirbt Cutty an Lungenentzündung, erzählt Garrett aber noch von einem Horn, das in den Katakomben der Adelsfamilie Quinus liegt. Schwindler: Der Schwindler ist der Gott der Heiden und taucht im ersten Teil auch unter dem Namen Constantine auf. Garrett sollte für ihn einen Stein namens Das Auge aus einer alten Hammeriten-Kathedrale besorgen und bot Garrett dafür eine Million Gold. Als Garrett mit dem Auge zurückkehrte, verriet der Schwindler sein wahres Gesicht. Doch Garrett schaffte es schließlich das Auge mit einem falschen Auge der Hammeriten auszutauschen und damit das dunkle Ritual des Schwindlers zu vereiteln (Vernichtung der Menschheit mit einem Fluch) und ihn zu töten. Viktoria: Heidin, vermeintliche Assistentin Constantines und nach dessen Tode die Anführerin der Heiden. Sie hatte Garrett dazu angestiftet ein Zauberschwert aus dem Haus des Schwindlers zu stehlen, wodurch Garrett auch in Kontakt mit diesem kam. Nachdem sie im ersten Teil Garrett ein Auge ausgerissen hatte, verschwand sie wieder und tauchte erst wieder im zweiten Teil auf. Dort bat sie Garrett um Unterstützung im Kampf gegen Karras und seine Mechanisten. Sie opferte sich schließlich selbst im Endkampf gegen die Roboter von Karras, um die Kathedrale mit Pflanzen zu füllen, die für Garrett ausreichen, das Giftgas in der Kathedrale zu verbreiten und damit Karras zu besiegen.