mini|Die verschiedenen Phasen eines Golfschlages Ein Golfschlag ist das Spielen eines Balles mit einem Schläger beim Golf.

Laut Regelwerk zählt jede Vorwärtsbewegung des Schlägers in der Absicht, den Ball zu treffen, als Golfschlag. Man kann also den Ball verfehlen und trotzdem einen Golfschlag ausgeführt haben, oder man kann den Ball treffen, ohne einen Golfschlag ausgeführt zu haben.

Technisch betrachtet besteht Golf aus fünf vollkommen unterschiedlichen Schlagarten und Spielformen: Dem langen Spiel, dem kurzen Spiel ums Grün herum, dem Putten auf dem Grün, dem mentalen Schlagtraining und der Strategie des Schlages.

Bewegungsablauf mini|Der traditionelle One-Plane-Swing nach Ben Hogan. Führungsarm und Schultern am obersten Punkt auf einer Ebene. Körper nach vorne gebeugt. Gewicht auf den Fußballen. Stand leicht geschlossen. mini|Der andere Typus: Bei der ebenso traditionellen Two-Plane-Technik hingegen ist der gestreckte Arm am obersten Punkt der Ausholbewegung oberhalb der Schulterlinie. Die Hände sind direkt über der hinteren Schulter.

Der Bewegungsablauf des Golfschlages basiert auf einer Rotation des Torsos, bei der ein Golfball auf dem Boden in stets wiederholbarer Art mit einem Golfschläger durchschlagen wird, der mit den Händen in bestimmter Form gegriffen wird und dessen natürliche Verlängerung die Arme des Spielers sind. Je nach Lage des Balles im Hang und der Bodenbeschaffenheit wird die Schlagtechnik hierbei mit Golfschlägern unterschiedlicher Länge variiert ohne sich grundlegend zu verändern.

Typologien Im Wesentlichen haben sich in den letzten 100 Jahren folgende Typologien im Bewegungsablauf des Golfschlages etabliert, deren Schlagmechanik gänzlich verschieden ist:

Golfschlag auf einer Ebene Der One-Plane-Swing nach Ben Hogan wird im Lehrbuch Five Lessons of Golf (Deutscher Titel: Der Golfschwung) genau beschrieben. Bei diesem Schlagtyp sind Schultern und der gestreckte Führungsarm am obersten Punkt des Rückschwunges auf einer Ebene. Von dort aus rotiert der gesamte Körper durch den Ball, wobei die Arme passiv bleiben, um einem Body-Release Platz zu machen. Das Körpergewicht bleibt während des Schlagens zentralisiert und auf die Fußballen verlagert. Die Wirbelsäule ist etwa 40° nach vorne gebeugt. Der Stand ist tendenziell geschlossen. Die Schultern und Hüften eher geöffnet. Das Resultat ist im Regelfall ein gerader und gesteuerter Ballflug ohne auffällig große Schlagweiten zugunsten von mehr Kontrolle, da das Schlägerblatt nach dem Treffmoment lange zum Ziel zeigt. Vertreter dieser Schlagtechnik waren und sind unter anderem Ben Hogan, Sam Snead, George Knudson, Paul Azinger, Chad Campbell, Matt Kuchar, Zach Johnson, Michelle Wie und Peter Jacobsen.Ben Hogan Der Golfschwung Kapitel 3 – Gebundene Ausgabe: 120 Seiten Verlag: van Eck Verlag; Auflage: 5 (15. September 2016) ISBN 978-3-905501-51-3.

Golfschlag auf zwei Ebenen Der Two-Plane-Swing nach Harvey Penick ist eine Schlagtechnik, die weniger Kraft erfordert, aber eine sehr gute Koordination. Sie wird im Lehrbuch Golf My Way (Deutscher Titel: So spiele ich Golf von Jack Nicklaus) genau beschrieben. Bei diesem Schlagtyp sind Schultern und der gestreckte Führungsarm am obersten Punkt des Rückschwunges auf zwei verschiedenen Ebenen (Führungsarm leicht oberhalb der Schulterlinie). Von da aus schiebt sich der Unterkörper zum Ziel, während die Arme fallen gelassen werden, um sie nach dem Treffmoment durch ein Arm-Release wieder nach oben zu heben. Die Gewichtsverlagerung während des Schlages geschieht vom hinteren Fuß hin zum Ziel durch ein inverses K-Setup. Der Golfer steht bei dieser Technik aufrechter und ist nur etwa 20° nach vorne geneigt. Das Resultat ist im Regelfall eine gezielte Kurve im Ballflug mit guter Schlagweite, da das Schlägerblatt nur einen kurzen Moment zum Ziel zeigt, allerdings die Schwungebene steiler und somit länger zum Ziel gerichtet ist. Vertreter dieser Schlagtechnik waren und sind unter anderem Payne Stewart, Tom Kite, Ben Crenshaw, Jack Nicklaus, Tom Watson, Nancy Lopez, Karrie Webb und Hale Irwin.Harvey Penick: „Little Red Book“ Gebundene Ausgabe: 208 Seiten Verlag: Simon & Schuster; Auflage: Anniversary (8. Mai 2012) Sprache: Englisch, ISBN 978-1-4516-8321-9.

Power-Schlag Eine akrobatische Variante der Technik auf zwei Ebenen ist der Power-Swing nach Mike Austin. Bei diesem Schlagtyp schwingt der gestreckte Führungsarm weit über der Schulterlinie fast vertikal nach oben und kann dadurch unnatürlich weit ausholen. Es entsteht ein Overswing mit „fliegendem Ellenbogen“. Von dort aus sind eine Reihe akrobatischer Bewegungen notwendig, um das Überschwingen im Abschwung zu kompensieren. Gelingt eine Kompensation durch starkes Abkippen nach hinten, Square-Release mit den Handgelenken und unnatürlich hohes Finish, erzielt der Golfer enorme Schlagweiten. Das Resultat ist im Regelfall ein sogenannter Power-Fade mit Slice-Tendenzen. Vertreter dieser Schlagtechnik waren und sind unter anderem Mike Austin, John Daly, Fred Couples, Bubba Watson, Jamie Sadlowski, Colin Montgomerie.

Stack and Tilt Der Stack-And-Tilt-Swing ist die modernste akademische Schlagtechnik und eine Variante des One-Plane-Golfschlages. Bei diesem Schlagtyp verlagert der Golfer sein Gewicht von vorneherein im Setup und zunehmend beim Aufschwung in Richtung Ziel (Stack) und kippt während dem Treffmoment nach hinten (Tilt). Es wird hierdurch ein Aspekt der Reverse-Pivot Mechanik bewusst angewendet, was im klassischen Golf als Fehler galt. Vertreter dieser Methode waren und sind unter anderem Charlie Wi, Alexander Cejka, Martin Kaymer, Lee Westwood.

Hybride Schlagtechniken Hybride Schlagtechniken werden aus mehreren oben genannten Typen zu einer funktionierenden, mechanischen Einheit zusammengesetzt. Besonders wiederholbar ist ein Hybrid, bei welchem der Spieler den Schläger steil wie bei der Two-Plane-Technik oberhalb der Schulter anhebt, am obersten Punkt nach innen auf die Schulterebene legt, und von dort aus wie bei der One-Plane-Technik den Abschwung einleitet (z. B. Nick Price oder Nick Faldo). Der Umkehrschluss, bei dem der Spieler den Schläger nach innen wegnimmt und auf die Schulterebene führt, dann über die Schulter anhebt und aus einer steilen Position oberhalb der Schulter abschwingt, ist weniger verbreitet, da dies eine enorme Beweglichkeit und Koordination erfordert (z. B. Miguel Ángel Jiménez oder Bobby Jones).

Alternative Schlagtechniken Es gab im Golfsport schon immer Spieler, die – oft durch autodidaktisches Training – alternative Techniken perfektioniert haben, die jeglicher Lehrbuchmeinung widersprochen haben. Oft schwingen diese Spieler auf einer Schleife quer von innen nach außen, brechen das Handgelenk dabei nach innen ab oder spielen mit schwachem Griff. Das Phänomen, wie diese Spieler ab und an im Profigolf mithalten können, ist bislang nicht geklärt. Es handelt sich in solchen Fällen vermutlich um eine koordinatorische Hochbegabung, die nicht unterrichtet werden kann. Bekannte Vertreter sind Eamonn Darcy, Ray Floyd, Jim Furyk.

Konstanten Alle oben genannten Typen des Golfschlages werden durch bestimmte Konstanten im Bewegungsablauf verkörpert, die sich in zehn Abschnitte unterteilen lassen:

Griff mini|Der Vardon Grip. Das wichtigste Element des Golfschlages.

Der Griff ist das wichtigste Element des Golfschlages. Ein Großteil der Fehler im vollständigen Bewegungsablauf sind bereits in einer unkorrekten Griffhaltung begründet. Gutes Golf startet mit einem guten Griff. Die gängigste Grifftechnik ist der sogenannte Vardon-Grip (auch Overlap-Grip), bei dem die beiden Hände durch das Überlappen des kleinen Fingers über die Führungshand miteinander vereint werden. Weniger weit verbreitete Varianten sind der Interlocking-Grip (Überkreuzung von kleinem Finger und Zeigefinger) und der Baseball-Grip (10-Finger-Griff). Die oben liegende Führungshand (bei Rechtshändern die Linke) hält den Schläger mit der Hand (Handgriff) an zwei Punkten am Handballen und mit dem gekrümmten Zeigefinger fest, während die anderen Finger lediglich leicht um den Schläger ohne Druck gelegt werden. Der Daumen der Führungshand wird kurz (short Thumb) und nicht lang auf den Schaft des Schlägers direkt von oben gedrückt. Die unten liegende Hand (bei Rechtshändern die Rechte) überlappt die Mulde zwischen Zeigefinger und Mittelfinger der Führungshand mit dem kleinen Finger und hält den Schlägerschaft lediglich leicht mit dem unteren Glied des Ring- und Mittelfingers (Fingergriff) in Position. Daumen und Zeigefinger der unteren Hand bilden ein V zwischen das der Schlägerschaft mit leicht ausladendem Zeigefinger eingehakt wird, wobei der Handballen unterhalb des Zeigefingers Druck auf den Schlägerschaft in Richtung Ziel ausübt.Ben Hogan Der Golfschwung Kapitel 1 „Der Griff“ – Gebundene Ausgabe: 120 Seiten Verlag: van Eck Verlag; Auflage: 5 (15. September 2016) ISBN 978-3-905501-51-3.

Setup mini|Ball- und Fußposition (Stance) bei der One-Plane-Schlagtechnik. Der Stance wird mit zunehmender Schlägerlänge breiter. Der Fuß in Richtung Ziel ist um 25° in Schlagrichtung gedreht. Der hintere Fuß ist rechtwinklig zum Ziel. Die Ballposition ist am vorderen Fuß fixiert. Abschnitt 1 – Ansprechen: Der Golfschlag beginnt mit dem Ansprechen des Golfballs (oft auch als „Setup“ bezeichnet). Dabei nimmt der Spieler – je nach Schläger – einen etwa schulterbreiten Stand ein und hat den Ball vor sich liegen. Der Oberkörper und die Knie des Spielers sind leicht gebeugt. Der Schlägerkopf befindet sich hinter dem Ball und zeigt im Normalfall zum Ziel. Die Ellenbogen sind leicht zum Körper gedreht. Das Setup wird zum Zielen und zur Vorbereitung auf den Golfschlag genutzt. Es folgen einige Waggles oder ein anderer Schwungauslöser (z. B. Forward-Press).

Aufschwung mini|Die Aufschwung-Phase bei der One-Plane-Schlagtechnik. One-Piece-Take-Away, danach allmählicher Wrist-Cock, während die Arme angehoben werden und Anspannung der Muskulatur zwischen Hüfte und Schulter durch Rotation (Schulter 90°, Hüfte 30°). Danach beginnt das Ausholen, bei dem der Golfschläger angehoben wird, bis er sich über den Schultern befindet.

Abschnitt 2 – Das Take-Away: Die Hände des Spielers sind anfänglich eine Einheit mit den Armen und Schultern und drehen sich gemeinsam, bis der Schaft des Schlägers parallel zum Boden ist und zum Ziel zeigt, was als One-Piece-Take-Away bezeichnet wird. Das Schlägerblatt ist in dieser Stellung parallel zur Wirbelsäule.

Abschnitt 3 – Der Wrist-Cock: Etwa ab Hüfthöhe werden die Arme angehoben und die Hände allmählich nach oben angewinkelt, bis der gestreckte Arm parallel zum Boden ist und der Winkel zwischen Händen und Armen etwa 90 Grad ist, was als Wrist-Cock bezeichnet wird. Der Schlägerschaft ist in dieser Stellung parallel zur Ebene, die durch den Ball, das Ziel und den Mittelpunkt beider Schultern aufgespannt wird.

Abschnitt 4 – Oberster Punkt: Um mehr Rotationsenergie im Körper bereitstellen zu können, werden die Hüfte und die Schultern weiter in Richtung der Ausholbewegung kreisförmig gedreht, wobei es zu einer Spannung der Muskeln zwischen Hüfte und Schultern kommen soll. Am obersten Punkt der Ausholbewegung ist der Schlägerschaft zum Ziel gerichtet. Der hintere Arm ist im 90°-Winkel geknickt, nicht weiter.

Abschwung mini|Der Aufschwung beschreibt eine kreisförmige Laufbahn. Der Durchschwung beschreibt eine elliptische Laufbahn.

Aus dieser Haltung wird der Abschwung eingeleitet. Dabei lässt der Spieler die Arme vertikal auf einer elliptischen Bahn nach unten und vorne Richtung Ball fallen, während die Schultern sowie die Hüfte in diese Richtung rotieren.

Abschnitt 5 – Beginn des Abschwungs: Das Körpergewicht verlagert sich auf die Innenseite des vorderen Fußes. Der Körper rotiert hierauf in Schlagrichtung, während die Arme gesenkt werden, bis der gestreckte Arm erneut parallel zum Boden ist. Der geknickte Arm berührt dabei die Hüfte mit dem Ellbogen.