mini|240px|Die Favoritenstraße im 10. Bezirk, bei der Keplergasse, Blick Richtung Norden (Südtiroler Platz) mini|hochkant|Die Fußgängerzone Favoritenstraße im 10. Bezirk vom Viktor-Adler-Platz Richtung Reumannplatz (Süden) mini|Nachgemachtes historisches Straßenschild; im Original wurde Straße mit ß (langes und rundes s) geschrieben und der Punkt nach IV nicht hochgestellt mini|Straßentafel der Favoritenstraße im 10. Bezirk mini|Blick auf Südtiroler Platz und Favoritenstraße im 4. Bezirk Die Favoritenstraße ist eine bedeutende Geschäfts- und Ausfallstraße im 4. Wiener Gemeindebezirk, Wieden, und im 10. Bezirk, Favoriten.

Geschichte mini|Gebiet des heutigen Favoriten um 1843. Unten die Wien-Gloggnitzer Bahnlinie, vor der Favoriten-Linie das Gasthaus Steudel zwischen Himberger (links) und Laxenburger (rechts) Straße, in der Mitte der Rote Hof und ganz oben das Alte Landgut (örtlich nicht bei der heutigen Haltestelle dieses Namens) mini|Favoritenstraße im 10. Bezirk von der Huppgasse stadteinwärts gesehen, 1899; bis 1903 war der Name hier Himberger Straße Ein Weg vom historischen Wien nach Süden Die Favoritenstraße war und ist neben der Wiedner Hauptstraße die wichtigste Ausfallstraße des 4. Bezirks nach Süden. Während der Weg seit dem Mittelalter über die Wiedner Hauptstraße und die Triester Straße nach Wiener Neustadt und in weiterer Folge nach Italien führt, gelangte man über die Favoritenstraße in südöstlicher Richtung nach Ungarn. Ihr ursprünglicher Name war Wimpassinger Weg (nach dem altungarischen Grenzort Wimpassing an der Leitha auf dem Weg nach Ödenburg), nach der Errichtung des kaiserlichen Lustschlosses Favorita im heutigen 4. Bezirk wurde sie Kaiserweg genannt.

Am stadtzentrumsseitigen Beginn der Straße erfolgte bereits im 17. Jahrhundert dichtere Verbauung, anschließend führte die Straße als Feldweg weiter zum Favorithen-Thor, bei dem wieder eine kleinere Häusergruppe mit Kapelle bestand. Auf dem Wien-Plan von Vasquez aus dem Jahr 1830 erscheint der Name Favoriten Linien Straße (Linie = Tor im Linienwall, eine Steuergrenze). Im 19. Jahrhundert veränderte sich der Charakter der Straße durch zahlreiche gründerzeitliche Bauten. Sie war gegenüber dem einstigen Lustschloss Favorita, in dem nunmehr die Theresianische Akademie, eine Eliteschule, untergebracht war, um 1900 eine vornehme Wohngegend. 1903 wurde die Himberger Straße vom Wiedner Gürtel und vom späteren Südtiroler Platz (der die Häusernummerierung der Favoritenstraße unterbricht) bis zur damaligen Stadtgrenze an der Donauländebahn in die Favoritenstraße einbezogen. Südlich der Bahn verblieb bis heute der alte Name.

Von der Straße etwas abgerückt steht im 10. Bezirk beim Keplerplatz, der die Häusernummerierung der Favoritenstraße ebenfalls unterbricht, am westlichen Straßenrand an der Kreuzung mit der Gudrunstraße die Keplerkirche, lang die einzige Kirche Favoritens. Einen Häuserblock weiter südlich entstand schon nach 1870 (ebenfalls am westlichen Straßenrand) ein Marktplatz, seit 1919 Viktor-Adler-Platz benannt; auch er unterbricht die Hausnummerierung der Favoritenstraße. Auf dem Platz befindet sich bis heute der Viktor-Adler-Markt.

Der Reumannplatz unterbricht die Favoritenstraße am südlichen Ende der heutigen Fußgängerzone. Dort wurde 1926 das Amalienbad, ein städtisches Hallenbad, eröffnet. Gegenüber befindet sich seit 1955 der über den Bezirk hinaus bekannte Eissalon Tichy.

Auf früher landwirtschaftlich genutzten Flächen wurde 1947–1977 auf dem Südabhang des Laaer Berges die Per-Albin-Hansson-Siedlung mit den Bauteilen West, Nord (beide westlich der Straße) und Ost errichtet. Sie umfasst mehr als 6000 kommunale Sozialwohnungen. 1959 wurde unmittelbar südlich der Bergkuppe das Laaerbergbad, ein großes städtisches Sommerbad, eröffnet.

1970 entstand statt der Kreuzung der Favoritenstraße mit Grenzackerstraße und Ludwig-von-Höhnel-Gasse auf einer Kuppe des Laaer Berges der Verteilerkreis Favoriten mit Zufahrten zur Südosttangente genannten Stadtautobahn, der stärkstfrequentierten Straße Österreichs, und zum Laaerbergbad. Seit 1981 heißt diese Verkehrsfläche amtlich Altes Landgut.

Ab 1974 entstand zwischen Columbusplatz und Reumannplatz im 10. Bezirk eine große Fußgängerzone, die diesen Abschnitt zum lebhaften Zentrum des Bezirks machte. Später wurde auch der Abschnitt vom Gürtel zum Columbusplatz einbezogen und die hier verbliebene Straßenbahnlinie O in die parallele Laxenburger Straße verlegt.

Unmittelbar bei der Kreuzung der Favoritenstraße mit dem Gürtel beim Südtiroler Platz befindet sich der 2015 fertiggestellte Wiener Hauptbahnhof.

Öffentliche Verkehrsmittel Das erste öffentliche Verkehrsmittel, das die Favoritenstraße erreichte, war eine 1873 eröffnete Pferdebahnlinie vom Schwarzenbergplatz über die Lothringerstraße, vor der Karlskirche vorbei in die Karlsgasse und durch die Gusshausstraße zur Favoritenstraße, in der die Pferdebahn bis zum Keplerplatz fuhr, dort in die Gudrunstraße einbog und nach der Kreuzung mit der Laxenburger Straße bei der Jagdgasse endete. 1889 wurde diese Linie vom Keplerplatz durch die Favoritenstraße bis zur Angeligasse (vier Häuserblöcke südlich des späteren Reumannplatzes) beim damaligen Gasthaus Altes Landgut verlängert.

1899 / 1900 wurde die Strecke vom stadtzentrumsseitigen Anfang der Favoritenstraße bis zur Angeligasse elektrifiziert. 1908 war die Strecke bis zur Lehmgasse (beim heutigen Verteilerkreis Favoriten) verlängert, 1914 wurde sie bis zum südlichen Ende der Favoritenstraße, bis 1938 Stadtgrenze an der Donauländebahn, weitergebaut. Züge der Linie 67 verkehrten dann vom Ring, Oper, bis zur Lehmgasse, Züge der Linie 167 bis zur Endstation Rothneusiedl, DonauländebahnWalter Krobot, Josef Otto Slezak, Hans Sternhart: Straßenbahn in Wien - vorgestern und übermorgen, Verlag Josef Otto Slezak, Wien 1972, ISBN 3-900134-00-6, S. 299 ff.

Mit dem Bau der ersten U-Bahn-Linie Wiens, der U1, unter der Favoritenstraße, die 1978 eröffnet wurde, entfiel der Straßenbahnverkehr in der Straße im 4. Bezirk und vom Columbusplatz bis zur Quellenstraße im 10. Bezirk seit 1971. Die U-Bahn-Stationen Taubstummengasse, Südtiroler Platz, Keplerplatz und Reumannplatz, bis 2. September 2017 die südliche Endstation, befinden sich unmittelbar unter der Favoritenstraße. Für die Straßenbahn wurde 1971–1978 eine Umleitung in Betrieb genommen, die im 4. Bezirk durch die Graf-Starhemberg-Gasse, im 10. Bezirk durch Laxenburger Straße und Schröttergasse über den Antonsplatz zur äußeren Favoritenstraße führte.

1974 fand im neu geschaffenen Kurpark Oberlaa die Wiener Internationale Gartenschau statt, gleichzeitig wurde das Kurzentrum Oberlaa eröffnet. Die Linie 67 wurde aus diesem Anlass von der Favoritenstraße in Rothneusiedl zum Kurzentrum Oberlaa verlängert.

Die Straßenbahnlinie 67 wurde 1978 in der Favoritenstraße Richtung Kurzentrum Oberlaa auf den Abschnitt Quellenstraße–Rothneusiedl verkürzt. Die Station im Verteilerkreis Favoriten erhielt den Namen Altes Landgut. Von der Quellenstraße verkehrt der 67er über Laxenburger Straße, Troststraße und Neilreichgasse usw. zur Endstation Otto-Probst-Platz.

mini|Auf dem Foto von 2014 sind die U-Bahn-Bauarbeiten für die Station Alaudagasse schon im Gange; der 67er endete ab diesem Jahr schon hier, da auf der weiteren Strecke Richtung Oberlaa die U1-Verlängerung gebaut wurde Mit der am 2. September 2017 eröffneten südlichen Verlängerung der U-Bahn-Linie U1 vom Reumannplatz, 1978–2017 Endstation, nach Oberlaa (mit der Therme Wien) ist der Straßenbahnverkehr in der Favoritenstraße komplett entfallen. Unter der Straße sind die neuen U-Bahn-Stationen Troststraße, Altes Landgut und Alaudagasse gebaut worden.

Lage und Charakteristik

Die Favoritenstraße zählt mit einer Länge von 5,7 km und mit 262 als höchster Hausnummer zu den längsten Straßen Wiens. Sie ist Teil der Ödenburger Straße genannten B16. Die Favoritenstraße beginnt im 4. Bezirk nahe dem Stadtzentrum bei der Wiedner Hauptstraße und führt ansteigend über den Südtiroler Platz und den Wiedner Gürtel in den 10. Bezirk weiter, wo sie Columbusplatz, Keplerplatz, Viktor-Adler-Platz und Reumannplatz berührt, beim Alten Landgut ihren Scheitelpunkt am Laaer Berg erreicht und von dort abwärts in Richtung Rothneusiedl bis zur Donauländebahn führt, wo sie in der Himberger Straße ihre Fortsetzung findet.

Die Favoritenstraße ist sowohl für den Autoverkehr als auch für den öffentlichen Verkehr von großer Bedeutung. Für den Autoverkehr ist ihre Anbindung an Gürtel und Südosttangente wichtig, für den öffentlichen Verkehr vor allem die unter ihr verlaufende U-Bahn-Linie U1, die vom Beginn der Straße fast bis zur Donauländebahn führt; die Verlängerung vom Reumannplatz dorthin wurde am 2. September 2017 in Betrieb genommen, die Straßenbahnlinie 67 in der Favoritenstraße eingestellt.

Beim Südtiroler Platz wurde bis 2015 der neue zentrale Hauptbahnhof Wiens fertiggestellt. Zwischen Gürtel und Reumannplatz ist die Favoritenstraße Fußgängerzone und Geschäftszentrum des 10. Bezirks. Südlich der U-Bahn-Station Altes Landgut im Verteilerkreis Favoriten befindet sich die Per-Albin-Hansson-Siedlung, eine der größten Wohnsiedlungen Wiens, zu beiden Seiten der Favoritenstraße.

Bedeutende Bauwerke mini|Nr. 2: Haus (1802) von Franz Wipplinger mini|Nr. 2: Wappentragende Genien über dem Eingang mini|Nr. 4 und 6: Haus (1911) von Fritz Bretschneider

Die Favoritenstraße beginnt als Abzweigung von der Wiedner Hauptstraße bei der Paulanerkirche und einem dort befindlichen, heute Irene-Harand-Platz genannten freien Plätzchen vor der Kirche.

Da die geraden Hausnummern an der westlichen und die ungeraden an der östlichen Straßenseite selten direkt gegenüber situiert sind, wurde bei Häusern nahe der Bezirksgrenze 4 / 10 (die am nördlichen Rand der Südbahntrasse verläuft) die Bezirksnummer angeführt. Südtiroler Platz, Keplerplatz, Viktor-Adler-Platz und Reumannplatz werden vom Straßenzug gekreuzt und unterbrechen mit ihren Hausnummern die Nummerierung in der Favoritenstraße.

Nr. 2: Ehemals Paulanerkloster Bis zu seiner Aufhebung 1783/84 befand sich hier das Klostergebäude des Paulanerordens. 1802 ließ sich der Landkutscher Joseph Neumann (1764–1849), der Mitglied des Äußeren Rats der Stadt Wien war, an dieser Stelle von Franz Wipplinger ein vierstöckiges Wohnhaus errichten. Dieses stellt ein gutes Beispiel des klassizistischen Wohnhausbaus in Wien dar. Über dem Eingang befindet sich ein Relief mit wappentragenden Genien.

Nr. 4 und 6: Späthistorismus 1911 erbaute der Architekt Fritz Bretschneider diesen großen späthistoristischen Baublock mit reicher Gliederung und aufwendiger Innenausstattung.

Nr. 5: Elektrotechnisches Institut Anstelle dieses 1973 errichteten Gebäudes der Technischen Universität befand sich von 1794 bis 1843 die Artilleriekaserne Wieden. Anschließend war hier bis 1856 das Artillerie-Feldzeugamt untergebracht. Dann wurde das Haus bis 1916 als Bezirksgericht genutzt. Von 1916 bis 1973 blieb das Grundstück unverbaut. mini|Nr. 7: Palais Erzherzog Carl Ludwig Nr. 7: Palais Erzherzog Carl Ludwig Das Palais Erzherzog Carl Ludwig ist ein reizvolles kleines Gartenpalais, das von der Straße her heute nicht sichtbar ist, da sich dort ein moderner Neubau befindet. Das Palais wurde als barockes Schlösschen 1780 von Adalbert Hild erbaut und 1872 / 1873 durch Heinrich von Ferstel umgestaltet. Durch die Hinzufügung von kleinen Seitentrakten entstand der Eindruck eines Ehrenhofes. Ab 1961 befand sich darin das Spielcasino Le Palais.

Nr. 8: Ehemals Theater