Soul Kitchen ist eine Filmkomödie des deutschen Regisseurs Fatih Akin nach einem gemeinsam mit dem Hauptdarsteller Adam Bousdoukos verfassten Drehbuch. Weltpremiere hatte der Spielfilm am 10. September 2009 im Rahmen der 66. Filmfestspiele von Venedig, wo er den Spezialpreis der Jury gewann. Am 25. Dezember 2009 startete der Film in den deutschen Kinos. Er zeigt betroffene Menschen im Umfeld eines von der Schließung bedrohten Restaurants, des Soul Kitchen, und ist zugleich eine Liebeserklärung des Regisseurs an seine Heimatstadt Hamburg.

Handlung mini|The Soul Kitchen Zinos ist Betreiber des Soul Kitchen, eines mäßig laufenden Schnitzel- und Frikadellenrestaurants in einer alten Fabrikhalle in Hamburg-Wilhelmsburg. Seine Freundin Nadine, eine Journalistin, die aus einer großbürgerlichen Hamburger Familie stammt, zieht für einen mehrmonatigen Auftrag nach Shanghai, und die beiden bleiben über Webcam in Kontakt. Bei der Arbeit zieht sich Zinos – nicht krankenversichert – einen Bandscheibenvorfall zu und kann nicht weiterarbeiten. Die von Nadine vermittelte Physiotherapeutin Anna behandelt ihn, kann ihm aber nur wenig helfen.

Sein Bruder Illias, der nach langjähriger Haftstrafe Freigang erhält und bei Zinos auftaucht, möchte zwar eine Anstellung bei ihm, jedoch nur pro forma, um seine Freigangzeiten auszudehnen. Nun engagiert Zinos den kürzlich in einem Nobellokal gefeuerten, ziemlich exzentrischen Koch Shayn, der die Speisekarte des Soul Kitchen sofort auf Spitzenküche umstellt – was die auf Wurst und Schnitzel ausgerichtete Stammkundschaft nachhaltig vergrault. Dann taucht auch noch Immobilienhai Thomas Neumann, ein ehemaliger Schulkamerad von Zinos, auf und fasst den Plan, Zinos das Gebäude billig abzukaufen, um es abzureißen und das Grundstück zu vermarkten. Als Zinos nicht darauf eingeht, setzt Neumann alles daran, den Laden zu ruinieren. Dagegen erweist es sich als großartige Idee, Kellner Lutz und seiner Band das Proben im Soul Kitchen zu erlauben, denn die Leute aus dem Umfeld der Band finden Shayns extravagante Küche klasse, und das Restaurant wird zu einem Szenehit.

Von seinem Rückenleiden gezeichnet und in Sorge um den Fortbestand seiner Beziehung beschließt Zinos, zu Nadine nach China zu ziehen. Aus diesem Grund setzt er seinen Bruder Illias als Geschäftsführer mit allen Vollmachten ein. Noch am Flughafen begegnet er Nadine, die nach dem plötzlichen Tod ihrer Großmutter nach Hamburg zurückgekehrt ist. Als Zinos bei der Beerdigung erkennt, dass der Chinese in Nadines Begleitung ihr neuer Liebhaber ist, kommt es zuerst zum Eklat, dann zur Trennung.

Währenddessen hat Neumann Illias zu einer Pokerpartie mit hohen Einsätzen überredet. Illias verliert 100.000 €, die er nicht hat. Um die Schulden zu bezahlen und sich Neumanns Schlägertrupps vom Hals zu halten, überschreibt er Neumann notariell das Soul Kitchen. In ihrer Verzweiflung beschließen Illias und Zinos, in Neumanns Firma und das Notariat einzubrechen, um die Notarverträge zu vernichten. Auf der Flucht werden sie von der Polizei geschnappt. Während man Zinos wieder auf freien Fuß setzt, begegnet Illias im Gefängnis Neumann – das Finanzamt hat sein Immobilienunternehmen hochgenommen.

Aus der Insolvenzmasse steht nunmehr das Soul Kitchen zur Zwangsversteigerung an. Zinos – mittlerweile von einem privat in seiner Wohnung praktizierenden traditionellen türkischen Chiropraktiker, genannt der „Knochenbrecher“, von seinem sehr schmerzhaften und mittlerweile von Lähmungen begleiteten Bandscheibenvorfall geheilt – erhält von der durch das Erbe ihrer Großmutter reich gewordenen Nadine, die sich für ihr schäbiges Verhalten Zinos gegenüber schämt, einen Scheck über 200.000 €, um das Soul Kitchen zu ersteigern.

Dies gelingt, und Zinos blickt mit seiner neuen Liebe, Physiotherapeutin Anna, hoffnungsvoll in die Zukunft.

Hintergrund Fatih Akin widmete den Film, der, so der Filmemacher, „unser Thema, das Verhältnis von Brüdern untereinander behandelt“, seinem Bruder Cem.Interview Mich drückt nichts mehr, ich bin d’accord. In: Zitty Berlin vom 20. Dezember 2009 Heft 26, S. 56–57, . mini|links|hochkant|Der Film ist Monica Bleibtreu gewidmet Außerdem ist er „in Erinnerung an“ Monica Bleibtreu, die 2009 verstorbene Schauspielerin, die hier in der Rolle der Oma Nadines „ihren letzten großen Auftritt“ hat.

Des Weiteren widmet der Regisseur den Film seiner Heimatstadt Hamburg.

Akin nennt den in Hamburg spielenden Film auch aufgrund seiner Themen einen modernen Heimatfilm. Es gehe um „Familie und Freunde, um Liebe, Vertrauen und Loyalität – und um den Kampf für die Heimat als einen Ort, den es in einer zunehmend unberechenbaren Welt zu schützen gilt“. In dem Film sind zahlreiche aus früheren Produktionen Akins bekannte Darsteller zu sehen, neben Moritz Bleibtreu, der schon in Im Juli und Solino dabei war, Birol Ünel (Im Juli, Gegen die Wand), und Adam Bousdoukos (Sensin – Du bist es!, Kurz und schmerzlos). Akins Filmfirma nennt es ein „Best-of“-Cast.

„Patron und Orientierungspunkt“ für den Film sei dem Filmemacher zufolge Billy Wilder gewesen. Dessen Poster hatte Akin für die Arbeit an der Komödie über seinen Schreibplatz gehängt.

Der Regisseur Fatih Akin unterstützt der Welt zufolge mit dem Werk auch die Besetzung des vom Abriss bedrohten Hamburger Gängeviertels durch rund 200 Künstler. „Der geplante Abriss des historischen Viertels sei ein Beispiel dafür, dass sich die Stadt Hamburg an ihrem Erbe vergehe. Wenn er für seinen neuen Film Soul Kitchen werbe, werbe er immer auch für die Denkmäler der Hansestadt“, wird Akin von der Tageszeitung zitiert.

Der Film ist, nachdem Akin bereits am Drehbuch von Kebab Connection (2004) mitgewirkt hat, die erste selbstinszenierte abendfüllende Komödie des Regisseurs. Akin betonte mehrfach die besondere Schwierigkeit, die dieses Genre („Komödie ist die Königsdisziplin“) ihm bereite.

Die ungewöhnlichen Gerichte des neuen Kochs Shayn im Soul Kitchen sind von Isabel Allendes Kochbuch Aphrodite. Eine Feier der Sinne (1997) inspiriert. Birol Ünel wurde in der Rolle des Kochs von Joern Martens und von dem Hamburger Spitzenkoch Ali Güngörmüş gecoacht.

Dem Umstand, dass Ünel am Set Arthur Rimbaud las, ist es zu verdanken, dass das Rimbaud-Zitat „Es wird verkauft, was nicht verkauft werden kann!“ nachträglich in das Drehbuch geschrieben wurde.

Die im Film zu sehende schwere Pferdesturzszene ist die Aufnahme eines echten Sturzes der Reiterin Katharina Werning bei einem Galopprennen Anfang 2008 in Neuss. Nach diesem musste sie ihre Karriere zeitweilig unterbrechen.

Bei der Soul-Kitchen-Band des Kellners Lutz handelt es sich um die Bad Boy Boogiez, die tatsächliche Band des Lutz verkörpernden Schauspielers Lucas Gregorowicz.

Obwohl es sich bei Soul Kitchen um die Verfilmung eines Originaldrehbuchs handelt, war der Film einer der vier Titel auf der Shortlist zur besten internationalen Literaturverfilmung auf der Frankfurter Buchmesse 2009, was mit dem zum Film entstandenen Prequel in Romanform Soul Kitchen. Der Geschichte erster Teil der bis dahin unbekannten Autorin Jasmin Ramadan begründet wurde. Juergen Boos untermauerte die von ihm als „Experiment“ ausgewiesene Entscheidung:

Soul Kitchen ist der erste Fatih-Akin-Film, der auch in einer Hörspiel­fassung mit den Originalstimmen der Filmfassung und einem zusätzlichen Ich-Erzähler (Zinos, gesprochen von Adam Bousdoukos) erschien. Sie gelangte zum Filmstart in den Handel.

Entstehungsgeschichte Eigentlich war der Film Soul Kitchen schon 2003/2004 als direktes Nachfolgeprojekt von Gegen die Wand geplant. oder Zeitlich fällt die erste Phase der Arbeit an dem Film damit noch vor Akins internationalen Durchbruch als Regisseur.

Akin zufolge habe er ein neues Textprogramm auf seinem Computer ausprobieren wollen und „ohne Vision, ohne Idee (…) drauflos geschrieben“. Zu dem Zeitpunkt wurde sein Freund Adam Bousdoukos gerade von seiner damaligen Freundin verlassen und hatte zudem berufliche Probleme. Er war damals Besitzer der griechischen Taverne Sotiris in der Barnerstraße 42 in Hamburg-Ottensen und betrieb den Glam Slam Music Club in der Bahrenfelder Straße 237.Christina Tilmann: Hamburger Heimspiel. In: Die Zeit Nr. 9/2009. Die Lebenskrise Bousdoukos' nahm Akin zum Anlass, seine Geschichte aufzuschreiben:

beschreibt der Regisseur die erste Drehbuchphase. Nach der Auszeichnung von Gegen die Wand mit dem Goldenen Bären seien ihm jedoch Zweifel an dem Projekt gekommen; es erschien plötzlich „nicht mehr wichtig genug“. Eine „rotzige Komödie“ entsprach nun anscheinend nicht mehr den Erwartungen an ihn, daher wollte er lieber „etwas Ernsthafteres, Großartigeres nachlegen“.Gespräch mit Eva Eusterhus auf Welt.de vom 20. September 2009

Während der Dreharbeiten zu dem Musik-Dokumentarfilm Crossing The Bridge – The Sound of Istanbul wurden im Jahr 2004 zuvor jedoch noch Akins Pläne bekannt, die Komödie mit Hanna Schygulla in der Rolle der Pianistin der Band als Hauptdarstellerin zu besetzen.Schygulla haut für Akin in die Tasten. In: Spiegel Online vom 16. August 2004 Das Jahrbuch 2004 der DEFA-Stiftung Apropos, Film vermeldete bereits eine weitere Drehbuchphase der Arbeit am Film. Er sei als zweiter Teil der von Akin geplanten Trilogie über Liebe, Tod und Teufel angelegt. Dann wurde das Projekt schließlich ganz zurückgestellt und im Zusammenhang mit der Filmtrilogie sogar verworfen. Bei dem stattdessen als zweiten Teil der Trilogie realisierten Drama Auf der anderen Seite (2007) blieb es allein bei der geplanten Hauptdarstellerin Schygulla.

Soul Kitchen wurde zwischen diesen und weiteren Projekten (zunächst auch ohne weitere konkrete Pläne einer Verfilmung) „zwischendurch aus Lust und Laune weiterentwickelt. Immer, wenn wir nichts Besseres zu tun hatten oder uns mal ablenken wollten, haben wir uns kräftig bei Soul Kitchen amüsiert“, so Akin. Als Andreas Thiel kurz vor Ende der Dreharbeiten zu Auf der anderen Seite verstarb, veränderte sich Akin zufolge jedoch seine Sicht auf das zurückgestellte Projekt. Thiel habe über Soul Kitchen immer gesagt: „Ist doch scheißegal, was die Leute sagen. Mach das trotzdem!“ Aber erst nach dem Tod seines Freundes sei er in der Lage gewesen, diese Worte zu beherzigen.

Zunächst plante Akin noch einen Western mit Bousdoukos; nach einer Amerikareise zu Recherchezwecken wurde jedoch klar, dass Akin diesen Western mit seinem Freund als Hauptdarsteller nicht würde realisieren können. Das gab dem Filmemacher zufolge den letzten Ausschlag, das Projekt Soul Kitchen wieder aufzunehmen:

mini|An der Entstehungsgeschichte beteiligt: Jan Delay Die tatsächliche Filmarbeit an der Komödie zog sich zwei Jahre hin und zielte auf eine Fertigstellung zu den Filmfestspielen von Cannes im Mai 2009, zu denen der Film bereits eine Einladung erhalten hatte. Aufgrund einer noch nicht abgeschlossenen Postproduktion musste Akin die Teilnahme an dem Festival jedoch absagen.vgl. Fatih Akin gibt Cannes einen Korb. In: Berliner Morgenpost, 17. April 2009, Ausg. 104/2009, S. 14. Gegenüber dem Hamburger Abendblatt gab der Regisseur als Grund an, dass Jan Delay eine Anfrage, ob einer seiner Songs in dem seiner Ansicht nach bereits für Cannes fertigen Film verwendet werden dürfe, erst nach einer Preview habe entscheiden wollen. Nachdem er den Film gesehen hatte, habe der Musiker gesagt: „Ich glaube nicht, dass du schon fertig bist. Der Film hat noch nicht den richtigen Groove.“ Akin begann daraufhin umfangreiche Nachbearbeitungen und drehte zum Teil Szenen nach.

Um den Film realisieren zu können, musste Akin aufgrund des internationalen Erfolgs von Auf der anderen Seite eintreffende Angebote, in Hollywood zu drehen, absagen. Sein Hauptdarsteller Moritz Bleibtreu verzichtete für die bereits zugesagte Mitwirkung an Soul Kitchen gar auf eine Rolle in Quentin Tarantinos Inglourious Basterds (2009).