Lorch am Rhein ist eine Stadt im Rheingau im Rheingau-Taunus-Kreis in Hessen. Der Ort wird vom Weinbau und Tourismus geprägt. Er gehört zum Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Geografie Geografische Lage Lorch liegt am äußersten Westen des Rheingau-Taunus-Kreises an der Mündung der Wisper in den Rhein und ist die westlichste Gemeinde Hessens. Die Stadt befindet sich an den nordwestlichen Ausläufern des Rheingaugebirges, etwa zehn Kilometer nördlich des Rheinbogens am Binger Loch. Rheinaufwärts reicht das Stadtgebiet von der Kernstadt über den Bächergrund und das Bodental mit dem dort in Hanglage angelegten Campingplatz Suleika bis zu den Steilhängen des Teufelskadrich, der das Ende des Taunushauptkamms markiert, bis fast zum Speisbach etwa bei Rheinkilometer 534,5. Rheinabwärts reicht das Stadtgebiet bis zum Niedertal an der Grenze zum rheinland-pfälzischen Kaub bei Rheinkilometer 544, wo als niedrigster Punkt Hessens der Wasserspiegel des Rheins mit 71,1 Meter angegeben ist. Die malerische Lage im Rheintal auf halber Strecke zwischen Rüdesheim am Rhein und Sankt Goarshausen wird geprägt durch eine Ausweitung des ansonsten sehr engen Mittelrheintals mit der unter Naturschutz stehenden Insel Lorcher Werth und der Wispermündung im Zentrum. Der Gemarkungsbereich erstreckt sich in das waldreiche Wispertal entlang der L 3033 zwischen Lorch und der Kreisstadt Bad Schwalbach. Der Steillagenweinbau und ausgedehnte Wälder in tief eingekerbten Tälern prägen das Landschaftsbild um Lorch. Höchste Erhebung ist der Hinterloh nördlich von Espenschied nahe der Landesgrenze mit etwa 465 Metern. Die Stadt ist staatlich anerkannter Erholungsort.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind, im Norden beginnend, rechtsrheinisch Kaub, Sauerthal, Dörscheid (Gemeindewald), Lipporn, Welterod (alle fünf im Rhein-Lahn-Kreis), Oestrich-Winkel, Geisenheim, Rüdesheim am Rhein, und linksrheinisch Trechtingshausen, Niederheimbach, Oberdiebach und Bacharach (alle vier im Landkreis Mainz-Bingen).Topographische Karte 1:25.000

Stadtgliederung Zur Stadt gehören neben Lorch die Stadtteile Lorchhausen, Espenschied, Ransel, Ranselberg und Wollmerschied.

Geschichte Überblick mini|Lorch, 1895; im Vordergrund Niederheimbach mit der Heimburg

Die Gegend war schon früh besiedelt, zunächst von den Kelten, seit der Zeitenwende dann von Ubiern und später von Mattiakern. Im 1. Jahrhundert rückten die Römer bis an den Taunus vor. Den Römern folgten die Alemannen und mit der Völkerwanderung die Franken.

Das älteste schriftliche bekannte Zeugnis der Stadt Lorch ist eine Urkunde aus dem Jahre 1085 (Lorecha). Darin beurkundet Erzbischof Wezilo, dass der Mainzer Domkanonikus Embricho dem Domkapitel eine Anzahl Güter geschenkt habe, darunter ein Haus und Weinberge in Lorch.

Seit dem 12. Jahrhundert befand sich bei Lorch das westliche Ende des Rheingauer Gebücks, einer auf Anordnung der Erzbischöfe von Mainz aus Sträuchern angelegten Landwehr (siehe auch Trutzburg Blideneck). Im 13. Jahrhundert wurde in Lorch eine Pfarrei eingerichtet, die im Jahr 1254 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. In den Jahren 1460, 1631, 1794 und in der Endphase des Zweiten Weltkriegs kam es in Lorch zu Kriegshandlungen, die zum Teil erhebliche Zerstörungen verursachten.

Im 19. Jahrhundert kam Lorch zum Königreich Preußen und war Teil der Provinz Hessen-Nassau. Erst im Jahre 1885 wurde Lorch zur Stadt erhoben, obwohl es bereits im 13. Jahrhundert mit Mauern und Türmen befestigt war und damit wichtige Voraussetzungen für die Verleihung des Stadtrechts gegeben waren.

Im Zuge der Alliierten Rheinlandbesetzung entstanden auf rechtsrheinischen Gebieten in einem Umkreis von jeweils 30 km um die Städte Koblenz und Mainz zwei alliierten Besatzungszonen: der Brückenkopf Koblenz und der Brückenkopf Mainz. Da sich diese beiden Zonen nicht überlappten, verblieb zwischen ihnen eine schmale unbesetzte Zone, die sich zwischen dem Lorcher Bodenthal (südlichster Punkt) entlang des Rheins bis zu der zwischen Dörscheid und Kaub den Fluss erreichenden Grenze des Brückenkopfs Koblenz erstreckte und dann landeinwärts bis zu einem etwa 50 km entfernten Anschluss an das restliche unbesetzte Gebiet hinter den beiden Brückenköpfen verlief. Wegen seiner Form erhielt das Gebiet den Namen Flaschenhals. mini|Der untere Teil des Flaschenhalses, der als Freistaat Flaschenhals in die Geschichte einging Die im unteren Teil des Flaschenhalses gelegenen Orte zwischen Lorch und Kaub sowie dem etwa 20 km landeinwärts gelegenen Laufenselden waren aufgrund ihrer geografischen Lage praktisch von der Außenwelt abgeschnitten, da alle Verkehrsverbindungen durch eines der beiden Besatzungsgebiete führten, die nicht oder nur mit großem Aufwand passiert werden konnten. Auch eine Verbindung zu den übergeordneten Behörden im freien Gebiet war nur sehr eingeschränkt möglich und ebenso die Versorgung der Bewohner. Aufgrund dieser besonderen Situation wurde am 10. Januar 1919 der Freistaat Flaschenhals ausgerufen, eine der isolierten Lage geschuldete provisorische Selbstverwaltung, die liebevoll als Staatsbildung zwischen den beiden Brückenköpfen ausgegeben wurde. An das „groteskeste Gebilde der Besatzungszeit“Edmund Anton Pnischeck, damaliger Bürgermeister von Lorch, zitiert nach Stephanie Zibell/Peter Josef Bahles: Der Freistaat Flaschenhals. Historisches und Histörchen aus der Zeit zwischen 1918 und 1923, Societäts Verlag, Frankfurt 2009, ISBN 978-3-7973-1144-3. erinnern noch heute zahlreiche Wappen im Stadtgebiet von Lorch, doch dessen faktisches Ende war bereits am 1. Juli 1920, denn an diesem Tag „konnten die zuständigen Staats- und Gerichtsbehörden wieder die Verwaltung der Gemeinden des ‚Flaschenhalses‘ übernehmen“.Zibell/Peter Josef Bahles: Der Freistaat Flaschenhals. Historisches und Histörchen aus der Zeit zwischen 1918 und 1923, Societäts Verlag, Frankfurt 2009, ISBN 978-3-7973-1144-3.

Im Zuge der Ruhrbesetzung war in den Jahren 1923/24 das gesamte Gebiet des Flaschenhalses bis hoch an eine Grenzlinie zwischen Limburg und Bad Camberg von den französischen Truppen besetzt worden. Wer den Besatzungstruppen unangenehm auffiel oder sich deren Anweisungen widersetzte, wurde ins unbesetzte Hinterland ausgewiesen, darunter auch der Bürgermeister von Lorch, Edmund Pnischeck, und andere Verwaltungsangehörige. „Am 15. November 1924, 12 Uhr nachts, war der ‚Flaschenhals‘ geräumt und auch der Bürgermeister konnte als letzter der Ausgewiesenen wieder den Dienst aufnehmen.“

In Lorch waren während der NS-Diktatur 31 ausländische Zwangsarbeiter („Ostarbeiter“) untergebracht, die zur Arbeit im örtlichen Degussa-Werk gezwungen wurden; im März 1945 wurden für einige Tage bis zu 1.100 Zwangsarbeiter zum Ausheben von Panzergräben eingesetzt.

Anfang der 1960er Jahre hielt die Bundeswehr mit ihrem Flugabwehrregiment 5 Einzug. Für Soldaten und deren Familien entstand die Siedlung Ranselberg. Die im Wispertal gelegene Rheingau-Kaserne war ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Stadt, da viele Einwohner in der Kaserne, der zugehörigen Standortverwaltung, im Munitions-, Geräte- und Sanitätsdepot arbeiteten. Im Zuge der Bundeswehrreform wurde die Kaserne 1993 geschlossen. Am Standort verblieben nur das unterirdische Gerätehauptdepot Lorch-Wispertal und das ebenfalls unterirdische Sanitätshauptdepot Lorch-Rheingau. Im November 2003 gab die Bundeswehr bekannt, den Standort Lorch komplett aufzugeben. Am 31. Dezember 2007 wurde das Sanitätshauptdepot aufgelöst, die Sanitätskompanie Mitte 2008 und am 31. Dezember 2008 schloss das Gerätehauptdepot.

Hessische Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten am 1. Oktober 1971 die bis dahin selbständige Gemeinde Lorchhausen und die Stadt Lorch auf freiwilliger Basis zur erweiterten Stadt Lorch. Am 1. Januar 1977 folgten die Eingemeindungen der Gemeinden Espenschied, Ransel und Wollmerschied kraft Landesgesetz, zugleich wurden der Rheingaukreis, zu dem Lorch gehörte, und der Untertaunuskreis zum Rheingau-Taunus-Kreis zusammengeschlossen. Für alle nach Lorch eingegliederten Gemeinden sowie für die Kernstadt wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Lorch 3806 Einwohner. Darunter waren 338 (8,9 %) Ausländer, von denen 118 aus dem EU-Ausland, 177 aus anderen europäischen Ländern und 43 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 19,9 %.) Nach dem Lebensalter waren 597 Einwohner unter 18 Jahren, 1432 zwischen 18 und 49, 883 zwischen 50 und 64 und 893 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1744 Haushalten. Davon waren 525 Singlehaushalte, 507 Paare ohne Kinder und 532 Paare mit Kindern, sowie 150 Alleinerziehende und 30 Wohngemeinschaften. In 399 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1072 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1525: 244 Herdstellen (mit Lorchhausen) • 1700: 154 Bürger und Beisassen (mit Lorchhausen)

Religion Lorch ist überwiegend katholisch geprägt und hat eine katholische Kirche. Die evangelische Gemeinde versammelt sich seit 1908 in einem Kirchsaal im Wohnhaus Oberweg 4. Gläubige anderer Religionen sind nur minimal vorhanden.

Historische Religionszugehörigkeit

• 1885: 109 evangelische (= 5,05 %), 2039 katholische (= 94,75 %), vier anderes christliche-konfessionelle (= 0,19 %) Einwohner • 1961: 255 evangelische (= 9,07 %), 2544 katholische (= 90,50 %) Einwohner • 1987: 684 evangelische (= 12,2 %), 3566 katholische (= 79,3 %), 249 sonstige (= 5,5 %) Einwohner • 2011: 570 evangelische (= 15,0 %), 2454 katholische (= 64,5 %), 782 sonstige (= 20,5 %) Einwohner

Politik Stadtverordnetenversammlung Für die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Lorch am Rhein erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 34,3 6 21,8 4 41,3 8 40,4 8 45,6 9 49,1 11 LiLo Liste Lorch 24,9 4 39,8 8 – – – – – – – – 18,6 3 15,1 3 30,1 6 26,2 5 25,2 5 29,2 7 11,1 2 23,3 4 28,6 5 22,9 4 21,7 4 14,2 3 – – – – – – 10,5 2 7,5 1 7,5 2 Gesamt 100 19 100 19 100 19 100 19 100 19 100 23 Wahlbeteiligung in % 60,9 60,7 57,3 54,7 55,0 60,6

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Magistrats, dem in der Stadt Lorch neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Stadtrat und fünf weitere Stadträte angehören.Gremien: Magistrat der Stadt Bürgermeister ist seit dem 1. Februar 2026 Oliver Lübeck (CDU), der in der Kommunalpolitik bis dahin Fraktionsvorsitzender seiner Partei war. Er setzte sich am 14. September 2025 im ersten Wahlgang gegen den Amtsinhaber Ivo Reßler, der sich um eine zweite Amtszeit beworben hatte, bei 57,2 Prozent Wahlbeteiligung mit 55,9 Prozent der Stimmen durch.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 14. September 2025 in Lorch

Amtszeiten der Bürgermeister - Votemanager: Wahltermine Stadt Lorch, seit 1999, Bürgermeisterwahlen vor 2019 sind nicht aufbereitet

Wappen rahmenlos|120px|Das 1973 abgelöste Stadtwappen von Lorchrahmenlos|120px|Das 1973 eingeführte Stadtwappen von Lorch

Bis 1973 zeigte das Lorcher Wappen den Mantel teilenden St. Martin mit Bettler vor silbernem Hintergrund im unteren Viertel das Mainzer Rad auf rotem Grund.

1973 wurde es durch ein gemeinsam gestaltetes Wappen des Ortes Lorchhausen und der Stadt Lorch im Zuge des freiwilligen Zusammenschlusses abgelöst und am 28. Februar 1973 vom Hessischen Minister des Innern mit folgender Blasonierung genehmigt: