mini|klasse=skin-invert-image|Logo Moderner Fünfkampf ab 2024

mini|klasse=skin-invert-image|Logo Moderner Fünfkampf bis 2024 Moderner Fünfkampf (oder Pentathlon) ist eine Vielseitigkeitssportart, die fünf verschiedene Einzeldisziplinen in Form eines Mehrkampfs kombiniert.

Die Disziplinen sind: Laserpistolenschießen Degenfechten Schwimmen Springreiten (bis Olympia 2024), Hindernisparcours (ab 2024) Laufen Seit 2009 sind Schießen und Laufen als Laser-Run zusammengefasst. Das Springreiten wird nach Olympia 2024 durch den Hindernisparcours (Obstacle Racing) ersetzt.

Ins Leben gerufen wurde die Sportart von Pierre de Coubertin, dem Initiator der Olympischen Spiele der Neuzeit. Ziel dieser Sportart sollte der ideale Athlet sein. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde Moderner Fünfkampf größtenteils von Angehörigen von Militär und Polizei betrieben.

Im Gegensatz zum Triathlon werden beim Fünfkampf-Wettbewerb die fünf Disziplinen nicht unmittelbar nacheinander ausgeführt, sondern wie bei den leichtathletischen Mehrkämpfen einzeln. Die erzielten Leistungen werden in Punkte umgerechnet und diese addiert.

Das Besondere am Modernen Fünfkampf sind die sehr unterschiedlichen Anforderungen an den Sportler in den unterschiedlichen Einzeldisziplinen. Sind bei den organischen Disziplinen Laufen und Schwimmen Kraft und Ausdauer gefragt, kommt es bei den technischen Disziplinen Schießen und Fechten auf Konzentrationsfähigkeit und geistige Ruhe sowie auf schnelles Reaktionsvermögen an. Die Disziplin Reiten hingegen erfordert einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn, Einfühlungsvermögen und Feingefühl im Umgang mit dem Partner Pferd. Auch in der neuen Disziplin Hindernisparcours ist das Gleichgewicht neben präziser Technikausführung ein entscheidender Faktor. Der Trainingsaufwand für diese Sportart ist dementsprechend hoch.

Dachverband der Sportart ist die Union Internationale de Pentathlon Moderne (UIPM), die 1948 gegründet wurde. Leistungszentren befinden sich in Deutschland in Berlin, Potsdam, Nürnberg, Neuss und Bonn.

Wettbewerbe

Im Rahmen der Sportart Moderner Fünfkampf und dessen Verbände werden verschiedene Wettbewerbe ausgetragen. Die verschiedenen Wettbewerbe kombinieren dabei unterschiedlich viele der 5 Teildisziplinen. Insbesondere die Wettbewerbe mit nur 2 Teildisziplinen Laser-Run und Biathle sollen den Einstieg in die komplexeren Mehrkämpfe für Kinder und interessierte Erwachsene ermöglichen.

Aktuell werden 7 Wettbewerbe unterschieden: Fünfkampf, Vierkampf, Tetrathlon, Dreikampf, Triathle, Biathle und Laser-Run. Der Weltverband plant jedoch weitere Kombinationen (siehe Sportpyramide).

Fünfkampf Der Fünfkampf im Modernen Fünfkampf ist der einzige olympische Wettbewerb. Er kombiniert alle 5 aktuellen Teildisziplinen.

Geschichte Moderner Fünfkampf als olympischer Sommerwettbewerb mini|Fechten, Athen 2004 mini|200 m Freistil, Sydney 2000 mini|Springreiten, Rio 2016 mini|Schießen, Rio 2016 mini|Querfeldeinlauf, Tokyo 2021

Der Moderne Fünfkampf wurde speziell als olympischer Wettbewerb entwickelt und erstmals während der Sommerspiele 1912 in Stockholm ausgetragen. Pierre de Coubertin initiierte ihn als moderne Form des antiken Pentathlon, der sich aus den vier Leichtathletikwettbewerben Diskuswurf, Weitsprung, Speerwurf, Stadionlauf und einem Ringkampf zusammensetzte. Er wollte die „Kavaliersportarten“ Reiten, Fechten, Schießen mit den Volkssportarten Schwimmen und Laufen und damit unterschiedliche Gesellschaftsschichten miteinander verbinden sowie einer einseitigen sportlichen Spezialisierung entgegenwirken. Coubertin wird dabei mit einer militärischen Legende zitiert:

Daneben bezog sich der Organisator der Spiele von 1912 Victor Balck auf eine Tradition des militärischen Mehrkampfes in Schweden, als er selbst die Urheberschaft beanspruchte.Sandra Heck: Von Spielenden Soldaten und kämpfenden Athleten. Die Genese des Modernen Fünfkampfes. V & R Unipress, Göttingen 2013, ISBN 978-3-8471-0201-4.

Von 1912 bis 1984 wurde ein Geländeritt veranstaltet, dessen Länge bis 1968 5 km betrug; das entsprach einer Dauer von ca. 10 Minuten. 1972 wurde die Entfernung auf 1 km verkürzt. Ab 1988 fand der pferdesportliche Wettkampf als Springreiten statt.

Da das IOC seit 1914 für alle Sportarten, die noch über keinen eigenen internationalen Fachverband verfügten, ein eigenes Komitee aus IOC-Mitgliedern berief, gab es internationale Meisterschaften lange nur im Rahmen Olympischer Spiele.Arnd Krüger: Forgotton Decisions. The IOC on the Eve of World War I. In: Olympika. 6 (1997), S. 85–98. Das änderte sich mit der Gründung der Dachorganisation Union Internationale de Pentathlon Moderne (UIPM) 1948. Seit 1949 finden in nichtolympischen Jahren, seit 1984 jährlich Weltmeisterschaften statt. Seit 1987 stehen auch Europameisterschaften auf dem jährlichen Wettkampfkalender. Auf Grund der jahrelangen Bemühungen des Präsidenten des Deutschen Verbands für Modernen Fünfkampf, Wilhelm Henze, nahmen bei den Weltmeisterschaften 1977 in San Antonio erstmals auch Frauen teil, allerdings in einem Testwettkampf außerhalb der offiziellen Wertung. 1981 fanden in London die ersten offiziellen Weltmeisterschaften für Frauen statt.

Bei den Olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki wurde erstmals auch eine Mannschaftswertung durchgeführt. Für diese wurden letztmals bei den Olympischen Sommerspielen 1992 in Barcelona Medaillen verliehen.

Dauerte der Wettkampf anfangs vier oder fünf oder sechs Tage, gelegentlich mit einem Pausentag, werden seit Atlanta 1996 alle fünf Disziplinen an einem Tag durchgeführt. Seit Sydney 2000 starten Frauen auch im olympischen Wettbewerb.Uta Engels: Now the Problem: Modern Pentathlon for Ladies. Zur Rolle Prof. Dr. Peter-Wilhelm Henzes bei der Entwicklung des Modernen Frauenfünfkampfes. In: Arnd Krüger, B. Wedemeyer (Hrsg.): Aus Biographien Sportgeschichte lernen. Festschrift zum 90. Geburtstag von Prof. Dr. Wilhelm Henze. Niedersächsisches Institut für Sportgeschichte, Hoya 2000, ISBN 3-932423-07-0, S. 47–66.

Bereits mehrfach war der Fortbestand des Modernen Fünfkampfs als olympische Sportart gefährdet. 1994 plante die Programm-Kommission des IOC die Streichung aus dem olympischen Programm ab den Spielen 2000,Olympisches Aus für Fünfkampf, Boxen, Baseball? Abgerufen am 25. August 2008. der Antrag wurde jedoch von der IOC-Vollversammlung abgelehnt. 2002 schlug IOC-Präsident Jacques Rogge erneut die Abschaffung der Fünfkampfwettbewerbe für 2008 vor, da der hohe Aufwand für die Wettkampfstätten in ungünstigem Verhältnis zum relativ geringen öffentlichen Interesse an dieser Sportart stehe. Die IOC-Session entschied am 29. November 2002 allerdings für einen Verbleib im Programm. Um die Attraktivität des Fünfkampfs zu steigern, wurde auf dem UIPM-Kongress in Kyoto 2006 eine Änderung der Disziplinenfolge beschlossen. Seit 2009 werden die Disziplinen Schießen und Laufen zum so genannten „Combined“ zusammengefasst, das in einigen Teilen dem Sommerbiathlon ähnelt. Ein Jahr später ersetzten Laserwaffen die bis dahin verwendeten Luftpistolen: Auf dem Kongress des Weltverbandes in Riga im Jahr 2010 wurde die Einführung von Laserpistolen in allen Wettkämpfen des Modernen Fünfkampfs entschieden.heute.at: Moderner Fünfkampf: Laser- statt LuftpistolenModerner Fünfkampf setzt nun auf Laserpistolen – 23. August 2010 vom 26. Mai 2010. 2012 in London kam dieses Reglement erstmals bei Olympischen Spielen zur Anwendung. Auch infolge dieser Bestrebungen gehört der Moderne Fünfkampf zu den 25 Kernsportarten, die das IOC in das Programm der Olympischen Sommerspiele 2016 aufgenommen hat.

Bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro fanden alle Einzeldisziplinen im Deodoro Sports Complex und damit erstmals in fußläufiger Entfernung voneinander statt. Zudem wurde die relativ zeitaufwendige Platzierungsrunde im Fechten im Vorfeld des Finals ausgetragen. Dafür fand am eigentlichen Wettkampftag eine Fecht-Bonusrunde in Form eines K.-o.-Systems statt. Mit diesem neuen Konzept sollte der Moderne Fünfkampf noch einmal zuschauerfreundlicher gestaltet und die Dauer des Wettkampfs weiter reduziert werden.

Für die Olympischen Sommerspiele 2024 in Paris ist ein kompakteres Format für den Modernen Fünfkampf geplant: Alle Wettbewerbe werden innerhalb von 90 Minuten an einem Ort abgehalten. In zwei Halbfinals wird das Teilnehmerfeld vor dem Finale von 36 auf 18 Teilnehmer reduziert. Dieses Format wurde bei Veranstaltungen im Jahr 2020 erprobt und dem IOC zur Entscheidung vorgelegt. Der Vorschlag einer gemischten Staffel wurde indes abgelehnt.

Winter-Pentathlon Bei den Olympischen Winterspielen 1948 wurde als winterliche Entsprechung zum Modernen Fünfkampf einmalig auch ein Winter-Pentathlon als Demonstrationssportart ausgetragen. Der Wettbewerb umfasst 10 km Skilanglauf, Pistolenschießen mit 4 × 5 Schuss auf 25 m, Abfahrtslauf, Degenfechten und einen Geländeritt im Schnee. Das IOC entschied sich aber, den Biathlon als winterlichen Mehrkampf als olympischen Wettbewerb zu etablieren. Die Union Internationale de Pentathlon Moderne fungierte bis 1993 als internationaler Biathlon-Dachverband, und erst 1998 löste sich die Internationale Biathlon-Union auch formell vom Dachverband des Modernen Fünfkampfs.

Einzelwettbewerb Die Reihenfolge der Disziplinen im Finale der höchstrangigen Wettkämpfe ist Fechten (am Vortag), Reiten, Fechten (Bonusrunde), Schwimmen und Laser-Run (Laufen/Schießen). Die Leistungen in den einzelnen Disziplinen werden entsprechend den Wettkampfregeln in Punktzahlen übertragen. Die Athleten beginnen den finalen Laser-Run nach ihren bisher im Wettbewerb gesammelten Punkten als Handicap-Start. Degenfechten: In der Platzierungsrunde () ficht jeder gegen jeden („Round Robin System“); ein Treffer genügt zum Sieg innerhalb einer Minute, sonst Doppelniederlage. 70 Prozent der erreichbaren Siege ergeben 250 Punkte. Die Punktzahl für jeden Sieg mehr oder weniger ist in einer Tabelle festgelegt (bei 36 Teilnehmern, wie bei Olympischen Spielen üblich, sind dies ±5 Punkte pro Sieg oder Niederlage). Seit 2015 wird eine zusätzliche Bonusrunde nach dem sogenannten Leiter-System durchgeführt. Hierbei tritt der Letztplatzierte nach der Platzierungsrunde gegen den Vorletzten an. Der Sieger erhält zwei Bonuspunkte und tritt danach gegen den Drittletzten an. Dieses Leiter-System wird bis zum führenden Athleten der Platzierungsrunde fortgeführt. Der jeweils siegreiche Athlet bleibt stets auf der Fechtbahn. Gewinnt der bestplatzierte Athlet seinen (einzigen) Kampf, erhält er vier Bonuspunkte. Schwimmen: 200 m Freistilschwimmen. Eine Zeit von 2:30 Min. ergibt 250 Punkte. Jede Sekunde darunter oder darüber bedeutet zwei Punkte mehr oder weniger. Bis zu den Weltmeisterschaften 1997 in Sofia betrug die Wettkampfdistanz 300 m Freistil.Andy Archibald: Modern Pentathlon... 2012, S. 340. Springreiten: Durchreiten eines 350 bis 400 m langen Parcours mit 10 Hindernissen. Dabei werden die Pferde vom Veranstalter gestellt und den Athleten 20 Minuten vor dem Wettkampf zugelost. Ein fehlerfreier Ritt ergibt die Maximalpunktzahl von 300 Punkten. Pro Abwurf werden jeweils sieben, pro Verweigerung oder Sturz werden jeweils 10 Punkte abgezogen. Sobald drei Verweigerungen oder ein Sturz vom Pferd geschehen, erhält er 0 Punkte („Elimination“).