Mostyska (; ) ist eine in der Westukraine liegende Stadt mit etwa 9000 Einwohnern.
Die Stadt liegt am Ufer der Sitschna (), einem linken Nebenfluss der Wyschnja, etwa 61 Kilometer westlich der Oblasthauptstadt Lwiw. Die Grenze zu Polen befindet sich etwa 12 Kilometer westlich. Durch die Stadt verläuft die Europastraße 40 / M 11.
Geschichte mini|Blick auf die Stadt Die Ortschaft Mostycz im Fürstentum Galizien-Wolhynien wurde 1244 als eine Stelle einer Schlacht zwischen Daniel Romanowitsch und Rostislaw Mihailowitsch erstmals erwähnt. Nach der Einnahme Rotrutheniens durch Polen (definitiv 1359) wurde die im Süden gelegene Gebirgsgegend in einer deutschrechtlichen Kolonisation zum größeren Teil von römisch-katholischen Siedlern besiedelt. 1404 erhielt der Ort das Stadtrecht nach Magdeburger Recht und wurde zum städtischen Zentrum für die römisch-katholische Bevölkerung in über Dutzend mehrheitlich römisch-katholischen Dörfern, die zu einer polnischen Sprachinsel im Süden der Stadt (die vor dem Zweiten Weltkrieg etwa zwanzig Gemeinden umfassteDetaillierte ethnische Karte Ostgaliziens im Jahr 1939 von Wolodymyr Kubijowytsch) und einen Teil des „polnischen Korridors“ (eines Siedlungskeils mit deutlich größerem Anteil polnischer Bevölkerung) entlang der Via Regia zwischen Przemyśl und Lemberg wurden. Das Privileg ist nicht erhalten, aber die nicht-katholischen, orthodoxen Ruthenen waren zu dieser Zeit oft aus der neuen deutschrechtlichen Städten ausgeschlossen. Die Polen machten die Mehrheit der Stadtbewohner bis zum 17. Jahrhundert aus. Die Juden siedelten sich in der Stadt ab der Mitte des 16. Jahrhunderts an und Mostyska entwickelte sich schrittweise zu einem (polnischsprachigen) Schtetl.Mościska auf der Webseite sztetl.org.pl Erst in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts bauten die Ruthenen (Ukrainer) die erste orthodoxe bzw. griechisch-katholische Kirche.Mościska auf der Webseite Polacy na Wschodzie [Polen im Osten] (polnisch) Im Jahr 1641 entstand ein Dekanat des Bistums Przemyśl für 15 Pfarrgemeinden, die aus dem Dekanat Przemyśl ausgegliedert wurden (die Hälfte).
Bei der Ersten Teilung Polens kam die Stadt 1772 zum österreichischen Galizien und wurde später zu einem wichtigen Zentrum der Juden Galiziens. 1785 wurde die Kaiser-Chaussee (Wiener Haupt Comercial Strasse) durch Mostyska eröffnet, aber die im Jahr 1861 eröffnete Bahnstrecke Lwiw–Przemyśl der Galizischen Carl Ludwig-Bahn umging die Stadt im Norden. Die Stadt war von 1854 bis 1918 Sitz der Bezirkshauptmannschaft MościskaReichsgesetzblatt vom 24. April 1854, Nr. 111, S. 401. sowie danach von 1867 bis 1918 der Sitz eines Bezirksgerichts.
Im Jahre 1900 hatte die Gemeinde Mościska 483 Häuser mit 4674 Einwohnern, davon waren 4616 Polnischsprachige, 48 Ruthenischsprachige, 2548 waren Juden, 1614 römisch-katholisch, 512 griechisch-katholisch.
Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns zum Ende des Ersten Weltkriegs wurde Mostyska zunächst Bestandteil der Westukrainischen Volksrepublik und nach dem Polnisch-Ukrainischen Krieg kam sie an Polen. Hier lag sie ab 1921 in der Woiwodschaft Lwów und wurde Zentrum des gleichnamigen Powiats Mościska. In der Zeit lebten 2.300 Juden in der Stadt, etwa die Hälfte der zur anderen Hälfte vorwiegend polnischen Bevölkerung. Während des Zweiten Weltkriegs war die Stadt nach der Sowjetischen Besetzung Ostpolens ab September 1939 von der Sowjetunion besetzt, diese machten ihn zum Hauptort des Ujesd Mostiska, ab Januar 1940 dann zur Rajonshauptstadt des gleichnamigen Rajons innerhalb der Oblast Drohobytsch. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 wurde Mostyska dann bis 1944 von Deutschland besetzt. Die Deutschen errichteten ein Ghetto für die jüdische Bevölkerung und die 3000 Juden der Stadt wurden schließlich im Oktober 1942 in das Vernichtungslager Belzec deportiert.
Nach dem Ende des Krieges wurde die Stadt wieder der Ukrainische SSR innerhalb der Sowjetunion zugeschlagen und die verbliebene polnische Bevölkerung im Zuge der Zwangsumsiedlung von Polen aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten 1944–1946 nach Polen deportiert. Die bis dahin selbstständigen Dörfer Rudniki (ukrainisch ), Rzadkowice (ukrainisch ), Sułkowszczyzna (ukrainisch ) und Zakościele (ukrainisch ) wurden nach 1945 eingemeindet und bilden keine eigenständigen Orte mehr. Seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 gehört die Stadt zur unabhängigen Ukraine.
Mostyska gilt heute als ein wichtiges Zentrum für die polnische Bevölkerung in der Umgebung, die auf 5000 bis 6000, davon um 3000 in der Stadt selbst, geschätzt wurde. Im Jahr 2002 wurde eine polnische Mittelschule in Mostyska eröffnet. Mostyska blieb ein Sitz eines Dekanats des Erzbistums Lemberg und umfasst 22 Pfarreien.
Im Ort befindet sich eine Umspurananlage, um die Züge (Bahnstrecke Lwiw–Przemyśl) der Polnischen Bahn auf das ukrainisch-russische Breitspursystem umzusetzen.
Verwaltungsgliederung Am 18. Dezember 2016 wurde die Stadt zum Zentrum der neu gegründeten Stadtgemeinde Mostyska (). Zu dieser zählen noch die 27 Dörfer Arlamiwska Wolja, Berehowe, Buchowytschi, Chatky, Chorosnyzja, Doboschtschiwka, Hodyni, Korolyn, Kryssowytschi, Lypnyky, Mystytschi, Nahirne, Pidlisky, Pissok, Pnikut, Radenytschi, Sannyky, Saritschtschja, Sawadiw, Slabasch, Stojanzi, Strilezke, Tschyschewytschi, Tschyschky, Twirscha, Wyjkowytschi und Wyschenka;Відповідно до Закону України "Про добровільне об'єднання територіальних громад" у Львівській області у Мостиському районі bis dahin bildete sie die Stadtratsgemeinde Mostyska.
Am 12. Juni 2020 kamen dann noch die 35 Dörfer Chlypli, Dubynky, Hostynzewe, Jatwjahy, Katschmari, Knjahynytschi, Kolodka, Kortschunok, Kostylnyky, Kropylnyky, Krukenytschi, Krywjaky, Malniw, Masury, Maxymzi, Malniwska Wolja, Martyny, Meleschky, Nihowytschi, Ostroschez, Petyky, Pidhat, Pychy, Roschaky, Sahorby, Sawada, Sawerchy, Sawjasanzi, Sokolja, Soltyssy, Starjawa, Sudkowytschi, Topilnyzja, Tschernewe und Wolja-SadkiwskaРозпорядження Кабінету Міністрів України від 12 червня 2020 року № 718-р "Про визначення адміністративних центрів та затвердження територій територіальних громад Львівської області hinzu. Gleichzeitig wurde der Ort, der bis dahin der Hauptort des Rajons Mostyska war, ein Teil des Rajons Jaworiw.
Folgende Orte sind neben dem Hauptort Mostyska Teil der Gemeinde: Name ukrainisch transkribiert ukrainisch russisch polnisch Arlamiwska Wolja Арламівська Воля Арламовская Воля (Arlamowskaja Wolja) Arłamowska Wola Berehowe Берегове Береговое (Beregowoje) Słomianka Buchowytschi Буховичі Буховичи (Buchowitschi) Buchowice Chatky Хатки Хатки (Chatki) Chatki Chorosnyzja Хоросниця Хоросница (Chorosniza) Chorośnica Chlypli Хлиплі Хлипли (Chlipli) Chliple Doboschtschiwka Добощівка Добощевка (Doboschtschewka) Doboszczówka Dubynky Дубинки Дубинки (Dubinki) Dubinki Hodyni Годині Годыни (Godyni) Hodynie Hostynzewe Гостинцеве Гостинцово (Gostinzowo) Laszki Gościńcowe Jatwjahy Ятвяги Ятвяги (Jatwjagi) Jatwięgi Katschmari Качмарі Качмари Kaczmary Knjahynytschi Княгиничі Княгиничи (Knjaginitschi) Knihynice Kolodka Колодка Колодка Kłódka Korolyn Королин Королин (Korolin) Królin Kortschunok Корчунок Корчунок (Kortschunok) Korczunek Kostylnyky Костильники Костыльники (Kostylniki) Kościelniki Kropylnyky Кропильники Кропильники (Kropilniki) Kropielniki Krukenytschi Крукеничі Крукеничи (Krukenitschi) Krukienice Kryssowytschi Крисовичі Крысовичи (Kryssowitschi) Krysowice Krywjaky Крив'яки Кривяки (Kriwjaki) Krzywiaki Lypnyky Липники Липники (Lipniki) Lipniki Malniw Малнів Малнов (Malnow) Małnów Malniwska Wolja Малнівська Воля Малновская Воля (Malnowskaja Wolja) Małnowska Wola Martyny Мартини Мартыны Martyny Masury Мазури Мазуры Mazury Maxymzi Максимці Максимцы (Maximzy) Maksymce Meleschky Мелешки Мелешки (Meleschki) Meleszki Mystytschi Мистичі Мистичи (Mistitschi) Mistyce Nahirne Нагірне Нагорное (Nagornoje) Pakość Nihowytschi Ніговичі Ниговичи (Nigowitschi) Nihowice Ostroschez Острожець Острожец Ostrożec Petyky Петики Петыки (Petyki) Petyki Pidhat Підгать Подгать (Podgat) Podgać Pidlisky Підліски Подлески (Podleski) Podliski Pissok Пісок Песок (Pessok) Tuligłowy Pnikut Пнікут Пникут Pnikut Pychy Пихи Пыхи (Pychi)
Radenytschi Раденичі Раденичи (Radenitschi) Radenice Roschaky Рожаки Рожаки (Roschaki) Rożaki Sahorby Загорби Загорбы (Sagorby) Zahorby Sannyky Санники Санники (Sanniki) Sanniki Saritschtschja Заріччя Заречье (Saretschje) Zarzecze Sawada Завада Завада Zawada Sawadiw Завадів Завадов (Sawadow) Zawadów Sawjasanzi Зав'язанці Завязанцы (Sawjasanzy) Laszki Zawiązane Sawerchy Заверхи Заверхи (Sawerchi) Zawieruchy Slabasch Слабаш Слабаш Słabasz Sokolja Соколя Соколя Sokola Soltyssy Солтиси Солтысы Sołtysy Starjawa Старява Старява Starzawa Stojanzi Стоянці Стоянцы (Stojanzy) Stojańce Strilezke Стрілецьке Стрелецкое (Strelezkoje) Strzelczyska Sudkowytschi Судковичі Судковичи (Sudkowitschi) Sudkowice Topilnyzja Топільниця Топольница (Topolniza) Topolnica Tschernewe Черневе Чернево (Tschernewo) Czerniawa Tschyschewytschi Чижевичі Чижевичи (Tschischewitschi) Czyżowice Tschyschky Чишки Чишки (Tschischki) Czyszki Twirscha Твіржа Твиржа Twierdza Wolja-Sadkiwska Воля-Садківська Воля-Садковская (Wolja-Sadkowskaja) Wola Sudkowska Wujkowytschi Вуйковичі Вуйковичи (Wuikowitschi) Wojkowice Wyschenka Вишенька Вишенка (Wischenka) Wiszenka
Persönlichkeiten Benzion Igel (1838–1898), österreichischer Mathematiker Jan Szczepanik (1872–1926), polnischer Chemiker und Erfinder Antoni Czajka (1929–2014), polnischer Politiker Eduard Kawa (* 1978), ukrainischer Geistlicher aus der polnischen Minderheit, römisch-katholischer Bischof von Kamjanez-Podilskyj
Literatur Mościska. In: Guy Miron (Hrsg.): The Yad Vashem encyclopedia of the ghettos during the Holocaust. Yad Vashem, Jerusalem 2009, ISBN 978-965-308-345-5, S. 499.
Weblinks
Eintrag zum Ort in der Enzyklopädie der Geschichte der Städte und Dörfer der Ukrainischen SSR (ukrainisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Oblast Lwiw Kategorie:Rajon Jaworiw Kategorie:Stadtrechtsverleihung 1244