Wing Commander ist eine Computerspiel-Reihe von Origin Systems, Serienschöpfer ist der US-amerikanische Spieleentwickler Chris Roberts. Die Serie handelt vom Überlebenskampf der Menschheit im 27. Jahrhundert gegen aggressive Alienrassen, insbesondere gegen die katzenartigen Kilrathi.

Zwischen 1990 und 2007 erschienen insgesamt 17 Titel, hauptsächlich für den PC. Die überwiegende Mehrheit der Spiele ist dem Genre der Weltraumactionsimulationen zuzurechnen. Dabei wird zwischen einer Hauptreihe mit mehreren Erweiterungen und diversen Ablegern unterschieden. Kennzeichnend für die Serie ist die Verbindung actionreicher Weltraumgefechte mit einer dichten, filmartig inszenierten Hintergrundgeschichte, die vom Spieler in gewissem Umfang beeinflusst werden kann.

Der erste Teil der Serie gilt als einer der maßgeblichen Titel für den Erfolg des Spiele-PCs Anfang der 1990er und setzte technisch wie erzählerisch Maßstäbe. Einen weiteren erzählerischen Meilenstein setzte Wing Commander III durch seine Annäherung an das Filmgenre. Das Spiel beinhaltete als erster Titel der Serie aufwändige, realverfilmte Zwischensequenzen mit einer Besetzung durch bekannte Filmschauspieler. Mit ihren Budgets von mehreren Millionen US-Dollar zählten die Teile III und IV dabei zu den aufwändigsten Spielproduktionen ihrer Zeit. Neben den Spielen erschienen vor dem Erzählhintergrund der Serie weiterhin eine Zeichentrickserie, eine Verfilmung und zehn Buchromane.

Hintergrund Wing Commander ist eine Science-Fiction-Weltraumsaga, die vor allem die kriegerischen Auseinandersetzungen der ins Weltall vorgestoßenen Menschheit mit diversen außerirdischen Spezies thematisiert. Der Hintergrund wurde, beginnend mit Wing Commander I, durch diverse Spiele, Bücher und einige Verfilmungen ausgearbeitet, wenngleich mit teils widersprüchlichen Detailangaben und Neubearbeitungen. Der für ein frühes Actionspiel vergleichsweise dichte Hintergrund stellt dabei eine wichtige Motivation für die Spiele dar. Zeitlich spielen die Ereignisse im 27. Jahrhundert nach Christus. Der bei weitem größte Teil der Wing-Commander-Historie beschäftigt sich mit dem Krieg der Menschheit gegen die katzenartige Alienrasse der Kilrathi.

mini|Embleme der beiden fiktiven Fraktionen wie sie in späteren Wing Commander Teilen erscheinen: links die Terranische Konföderation, rechts das Imperium der KilrathiIm 27. Jahrhundert hat die Menschheit erfolgreich den Schritt in den Weltraum vollzogen und fremde Sternensysteme besiedelt. Möglich wurde das mit Hilfe einer Sprungtor-Technologie, die die Menschen zur überlichtschnellen Reise zwischen den verschiedenen Sonnensystemen befähigt. Die verschiedenen Sonnensysteme bilden zusammen die demokratisch organisierte „Terranische Konföderation“. Bei ihrem Vorstoß trafen die Menschen auf verschiedene fremdartige Spezies. Im Jahr 2634 zählt dazu bereits das Imperium der kriegerischen Kilrathi, benannt nach ihrem Heimatplaneten Kilrah. Nachdem von diesen zuvor bereits kleinere Außenposten der Menschheit angegriffen wurden, erfolgt im selben Jahr ein massiver Angriff der Kilrathi auf das militärisch bedeutsame McAuliffe-System (vgl. Handlung des Romans Die Bedrohung). Der daraus entstehende Krieg führt zu jahrzehntelangem Blutvergießen mit wechselndem Schlachtenglück, das die Menschheit mehrfach an den Rand der totalen Niederlage führt.

2654 wird Christopher „Maverick“ Blair, der Spielercharakter der Spiele Wing Commander I – IV, als Pilot von der Akademie auf das Trägerschiff „TCS Tiger’s Claw“ versetzt. Durch die Teilnahme an mehreren Kriegskampagnen steigt Blair, ab Wing Commander III verkörpert durch den Schauspieler Mark Hamill, zu einem der besten Jägerpiloten der Konföderation auf und hat maßgeblichen Anteil am erfolgreichen Abwehrkampf gegen die Kilrathi. Seine Karriere ist eng mit der seines ehrgeizigen Vorgesetzten Admiral Geoffrey Tolwyn (Malcolm McDowell) verknüpft. Tolwyns Charakter ist ambivalent. Er gilt als charismatischer Anführer und genialer Stratege, der die Menschheit bereits mehrfach vor dem drohenden Untergang bewahrt hat. Zugleich ordnet er den Kriegszielen jegliches Mitgefühl unter und tritt mit einer gewissen Arroganz und Emotionslosigkeit auf, die ihn unsympathisch und unnahbar machen. Die Beziehung zwischen dem Admiral und Blair ist gekennzeichnet durch zahlreiche Spannungen. Tolwyns Planungen und die Ausführung dieser Pläne durch Blair haben letztlich jedoch großen Anteil am Sieg der Menschheit gegen die Kilrathi im Jahr 2669 (dargestellt v. a. in den Spielen Wing Commander I – III).

2673 kulminiert die kontroverse Beziehung zwischen Blair und Tolwyn in einer finalen Auseinandersetzung der beiden Kriegshelden. Nach dem Sieg der Menschen kehrt nur für kurze Zeit Frieden ein. Zunehmende Spannungen zwischen den Hauptwelten der Konföderation und den menschlichen Grenzwelten, dargestellt in Wing Commander IV, drohen sich zu einem neuen, umfassenden Krieg auszuweiten. Der eigentlich in Ruhestand versetzte Blair wird von Tolwyn reaktiviert, um ihn bei der Aufklärung der Umstände zu unterstützen. Doch Blair entlarvt Tolwyn als Rädelsführer einer Gruppe von Kriegstreibern, die durch die von ihnen verursachten Unruhen einen neuen Krieg zu entfachen suchen. Tolwyn präsentiert sich als Anhänger einer natürlichen Selektion durch immerwährenden Krieg. Er wird durch Blair gestoppt und wählt schließlich den Freitod.

2681 trifft die Menschheit auf eine weitere kriegerische Spezies, die in Ermangelung genauerer Kenntnisse als Nephilim bezeichnet wird (vgl. Handlung des Spiels Wing Commander: Prophecy). Die durch ein Sprungtor im zerstörten Kilrah-System eingedrungenen Insektoiden gehen mit rücksichtsloser Härte gegen militärische und zivile Einrichtungen im Einflussbereich der Kilrathi und Menschen vor. Zentrale Figur der Handlung ist der junge Pilot Lance Casey (Steven Petrarca), der als Akademieabgänger auf das moderne Trägerschiff „TCS Midway“ versetzt wird und Blair als Spielercharakter ablöst. Es gelingt der Besatzung der „Midway“, den Vorstoß der Invasoren zu stoppen und das Verbindungstor zu ihren Heimatwelten im Kilrah-System zu verschließen. Blair, der die gesamte Operation als militärischer Berater an Bord der „Midway“ begleitet hat, wird seit diesem Einsatz vermisst und gilt offiziell als tot. Im Nachgang an diese Kampagne muss die Menschheit die verbliebenen Streitkräfte der Nephilim aus ihrem Hoheitsgebiet vertreiben (vgl. Handlung der Erweiterung Wing Commander: Secret Ops).

An diesem Punkt endet der Handlungsbogen der Reihe. Trotz ursprünglich angekündigter Weiterführungen verzichtete Rechteinhaber Electronic Arts nach Wing Commander: Secret Ops auf die Entwicklung weiterer handlungsgetriebener Serienableger, wodurch einige Erzählstränge unbeantwortet oder ungewiss bleiben, etwa das Schicksal Blairs.

1999 erschien ein unter der Regie von Serienschöpfer Chris Roberts entwickelter Kinofilm mit dem simplen Titel Wing Commander. In diesem Film übernimmt Freddie Prinze junior die Rolle des jungen Christopher Blair. Die Handlung spielt ungefähr zum gleichen Zeitpunkt wie Wing Commander I, weicht aber deutlich von der Erzählung der Spielreihe ab. Kennzeichnend für die Filmumsetzung ist die Charakterisierung Blairs als Nachkomme der sogenannten Pilger, einer lange Zeit verfolgten Menschengruppierung, die besondere Begabungen in Bezug auf den Weltraum besitzt. Diese Fähigkeiten werden als Grund für Blairs überragende Pilotenqualitäten angegeben. Die Pilger-Thematik wurde in insgesamt drei Romanen von Peter Telep zum sogenannten Filmuniversum weiter ausgeführt.

Spielprinzip Bis auf Wing Commander Arena zählen alle Titel der Reihe zum Genre der Weltraum-Flugsimulationen. Der Spieler steuert aus einer Ego- oder Third-Person-Perspektive einen Raumjäger, mit dem er in zahlreichen actionreichen Kämpfen in einer dreidimensionalen Umgebung gegnerische Raumjäger und Großkampfschiffe ausschalten muss. Seit Anbeginn der Serie werden die Missionen, mit wenigen Ausnahmen, durch einen durchgängigen Handlungsfaden miteinander verbunden. Die Erzählung der Handlung erfolgt durch filmartige Sequenzen, zu Anfang in animierten Zwischensequenzen, in späteren Teilen schließlich durch realverfilmte Full Motion Videos. Der Spielverlauf ist dabei weitestgehend linear, mit einigen wenigen Entscheidungsmöglichkeiten. Lediglich die beiden Privateer-Ableger bieten zusätzlich eine offene, frei erkundbare Spielwelt und die Möglichkeit, neben den Hauptmissionen Handel zu betreiben oder Nebenaufgaben anzunehmen. Sie zählen damit zur Unterkategorie der Weltraum-Handelssimulationen.

Wing Commander Arena ist ein arcadelastiges Online-Multiplayerspiel für Xbox 360, das 2007 nach neunjähriger Unterbrechung und ohne jegliche Verbindung zu den vorherigen Teilen veröffentlicht wurde. Kerninhalt des Spiels sind actionreiche Arenakämpfe zwischen mehreren menschlichen Spielern, ein Handlungsmodus existiert nicht. Im Gegensatz zu allen anderen Titeln der Reihe betrachtet der Spieler das Spielgeschehen aus einer isometrischen Überblicksperspektive und kann seinen Raumjäger lediglich entlang von zwei Raumachsen bewegen.

Hauptreihe Wing Commander (1990) mini|Logo zu Wing Commander (Verkaufsbox-Version)

Im ersten Wing Commander beginnt die Karriere des Helden. Frisch von der Akademie wird er direkt an die Front auf das Trägerschiff „Tiger’s Claw“ im Vega-Sektor versetzt. In zahlreichen Missionen müssen die Besatzung und die Piloten die menschlichen Kolonien vor den vernichtenden Angriffen der Kilrathi beschützen.

Das Ende 1990 veröffentlichte Spiel galt als ein Hauptgrund für den Siegeszug des PCs als Spieleplattform zu Anfang der 1990er. Grafik, Sound und eine verzweigte Missionsstruktur, die sich nach den Leistungen des Spielers richtete, setzten neue Maßstäbe. Nicht zuletzt die filmartige Inszenierung bescherte hohes Kritikerlob. In den folgenden Jahren wurde das Spiel auf zahlreiche andere Systeme portiert, darunter Amiga und SNES. Origin veröffentlichte unter dem Titel The Secret Missions 1 und 2 weiterhin zwei Erweiterungen des Hauptspiels mit neuen Missionen und einer jeweils eigenen Hintergrunderzählung. 1995 wurde das Spiel in einer optisch stark überarbeiteten Version als Super Wing Commander für 3DO und Mac OS veröffentlicht.

Wing Commander II – Vengeance of the Kilrathi (1991) mini|Logo zu Wing Commander II (Verkaufsbox-Version)

Der Nachfolger zu Wing Commander erschien bereits ein Jahr nach dem ersten Teil unter dem Titel Wing Commander II – Vengeance of the Kilrathi, diesmal jedoch ausschließlich für DOS-PC und den japanischen FM-Towns-Computer. Er basierte weiterhin auf der technischen Grundlage seines Vorgängers und übernahm auch dessen Spielprinzip ohne größere Änderungen. Stattdessen konzentrierte sich der Serienschöpfer zusehends stärker auf die Inszenierung der Handlung. Der verhältnismäßig freie Spielverlauf des Vorgängers wurde dafür aufgegeben und stärker auf animierte Zwischensequenzen gesetzt.

Nach dem ersten Konflikt mit den Kilrathi wird die „TCS Tiger’s Claw“ bei einem Angriff nichtidentifizierter Kilrathi-Schiffe zerstört. Der Spielercharakter entkommt, doch Admiral Tolwyn lastet ihm die Verantwortung für die Vernichtung des Trägers an und sorgt für seine Versetzung auf einen abgelegenen Außenposten. Erst als er zehn Jahre später während eines Patrouillenfluges Tolwyns neues Flaggschiff, das Trägerschiff „TCS Concordia“, vor der Vernichtung durch die Kilrathi bewahrt, gelingt ihm die Rückkehr in den aktiven Dienst. Die „Concordia“ begibt sich auf die Suche nach dem geheimen Hauptquartier der Kilrathi im Enigma-Sektor. Dabei wird der Erfolg der Operation von einem Saboteur unter der Besatzung des Schiffes bedroht.