Rüdnitz (slawisch rudnica: Ort, wo es Raseneisenstein gibt) ist eine Gemeinde im Landkreis Barnim in Brandenburg. Sie wird vom Amt Biesenthal-Barnim verwaltet und liegt nordöstlich der Stadt Bernau bei Berlin.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Rüdnitz gehören die Wohnplätze Albertshof, Bahnhofssiedlung, Kühle Kaveln, Langerönner Mühle und Schulzenaue.Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Rüdnitz

Geschichte Die Gegend um Rüdnitz wurde bereits in der Frühzeit besiedelt. Darauf deuten zahlreiche Funde aus der Steinzeit, der Bronzezeit und der frühen Eisenzeit hin. Neben Waffen, Werkzeugen, Gebrauchsgegenständen und Schmuck wurden auch etliche Urnen entdeckt.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahre 1367, ein Pecze Rudenicz tritt als Zeuge in einer Strausberger Urkunde auf. Der Ortsname geht wahrscheinlich auf das slawische Wort Ruda zurück, was so viel wie „roter Raseneisenstein“, „rote Erde“ oder „Erdschlamm“ bedeutet. Im Landbuch Karls IV. wird der Ort 1375 als Rydentz by Bernowe (Bernau) genannt. alternativtext=Text der Inschrift: Zum Gedenken. An dieser Stelle befand sich in den dreißiger Jahren (1934, 1935 und 1939) eine jüdische Einrichtung, die sogenannte Hachschara. Das Grundstück bestand aus einem verwahrlosten Haus, das von den Jugendlichen selbst instand gesetzt wurde, und 12 Morgen Land. Hachschara heißt wörtlich Tauglichmachung und war die organisierte Vorbereitung auf ein Lebe der Juden in Palästina / Israel. Die 15- bis 17-jährigen Auswanderungswilligen arbeiteten in verschiedenen Abteilungen und lernten dort gemeinsam, was für den Aufbau eines Gemeinwesens in Palästina notwendig erschien. Die häufig aus bürgerlichen Umgebungen stammenden jungen Menschen erwarben vor allem gärtnerische, land- und hauswirtschaftliche sowie handwerkliche Fähigkeiten und lernten das moderne Hebräisch. Einige Jugendliche gingen zu den Bauern im Ort, um sich dort mit Vieh und Feldwirtschaft zu beschäftigen. Die zunehmende Diskriminierung der Juden verschaffte der Hachschara-Bewegung in der Anfangsphase der nationalsozialistischen Herrschaft in Deutschland großen Zulauf. Insgesamt wurden innerhalb der deutschen Grenzen mindestens 32 dieser Vorbereitungslager eingerichtet. Träger dieser Einrichtung war die Jüdische Jugendhilfe Berlin. Beginnend 1941 wurden die Einrichtungen der Hachschara durch die Nationalsozialisten in Zwangsarbeitslager für jüdische Jugendliche umgewandelt oder ganz aufgelöst. |mini|Stein zum Gedenken an die jüdische Hachschara in Rüdnitz. Von 1935 bis 1941 befand sich in Rüdnitz auf dem „Hof Wecker“ ein Ausbildungslager der Hachschara.Rainer Horn: Die Schriftstellerin Ester Golan berichtet auf einer CD über ihren Aufenthalt in Rüdnitz zu diesem Zweck. Hachschara Die Hachschara Rüdnitz wird im Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft 1933–1945 als „Landwerk“ in 30 Einträgen erwähnt. Sie befand sich in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs. Heute befindet sich auf dem Gelände ein Gestüt und Reithof.

Rüdnitz gehörte seit 1817 zum Kreis Oberbarnim in der Provinz Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Bernau im DDR-Bezirk Frankfurt (Oder). Seit 1993 liegt die Gemeinde im brandenburgischen Landkreis Barnim.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1875 408 1890 400 1910 769 1925 708 1933 755 1939 888 Jahr Einwohner 1946 1.088 1950 1.188 1964 1.167 1971 1.327 1981 1.225 1985 1.123 Jahr Einwohner 1990 1.057 1995 1.337 2000 1.811 2005 1.822 2010 1.899 2015 1.980 Jahr Einwohner 2020 2.032 2021 2.029 2022 2.122 2023 2.111 2024 2.133 2025 2.154

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberhavel (PDF) S. 14–17Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022Bevölkerungsfortschreibung auf Basis Zensus 2022

Politik Gemeindevertretung Die Gemeindevertretung von Rüdnitz besteht aus zwölf Gemeindevertretern und dem ehrenamtlichen Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 71,5 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Freie Wählerliste Rüdnitz 42,2 % 5 48,7 % 6 Aktiv für Rüdnitz 57,8 % 7 46,3 % 5 Einzelbewerber Andreas Rothe – – 5,1 % 1 Insgesamt 100 % 12 100 % 12

Bürgermeister 1990–2010: Hubertus RitterTodesanzeige Hubertus Ritter. In: Biesenthaler Anzeiger, 24. November 2015 2010–2019: Christina Straube (Freie Wählerliste Rüdnitz)Neuwahl des ehrenamtlichen Bürgermeisters auf www.amt-biesenthal-barnim.de seit 2019: Andreas Hoffmann (Aktiv für Rüdnitz)

Hoffmann wurde in der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 mit 58,8 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 Am 9. Juni 2024 wurde er mit 50,9 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 Seine Amtszeit beträgt fünf Jahre.Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)

Sehenswürdigkeiten mini|hochkant=0.7|Dorfkirche Rüdnitz In der Liste der Baudenkmale in Rüdnitz und in der Liste der Bodendenkmale in Rüdnitz stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Kulturdenkmale.

Naturdenkmale

Siehe Liste der Naturdenkmale in Rüdnitz

Nordöstlich des Kirchfriedhofes steht die Friedenseiche zu Rüdnitz. Sie wurde im Jahre 1871 nach Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges gepflanzt.

Verkehr Seit 1912 gibt es den Bahnhof Rüdnitz (seit 2006 ein Haltepunkt) an der Bahnstrecke Berlin–Szczecin. Hier halten stündlich Züge der Regionalbahnlinie RB 24 Eberswalde–Bernau (b Berlin)–Berlin-Lichtenberg–Schönefeld (bei Berlin). Er gehört zum Tarifbereich Berlin C des VBB.

Der öffentliche Personennahverkehr wird unter anderem durch den PlusBus des Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg erbracht. Folgende Verbindung führt, betrieben von der Barnimer Busgesellschaft, durch Rüdnitz: Linie 896: Bernau ↔ Rüdnitz ↔ Biesenthal

Die Hobrechtsfelder Wirtschaftsbahn verband ab 1908 die FleischvernichtungsanstaltAlbertshof. in Albertshof mit den Hoffnungstaler Anstalten Lobetal sowie über Hobrechtsfelde mit den Heilanstalten in Berlin-Buch.

Die Landesstraße L 200 (bis 2003 B 2) zwischen Bernau und Eberswalde führt durch die Gemeinde.

Persönlichkeiten Friedrich von Bodelschwingh (1831–1910), Pfarrer, legte 1905 die erste Wohnstätte Hoffnungstal in Rüdnitz an Kurt Kretschmann (1914–2007), Naturschützer, lebte zeitweise in Rüdnitz Hubertus Ritter (1938–2015), langjähriger Bürgermeister, Ehrenbürger der Gemeinde Jochen Zmeck (1929–2012), DDR-weit bekannter Zauberkünstler, lebte viele Jahrzehnte bis zu seinem Tode in Rüdnitz

Weblinks

Amt Biesenthal-Barnim

Belege

Kategorie:Ort im Landkreis Barnim Kategorie:Ersterwähnung 1367