mini|hochkant|Jägerstraße 2/3|alternativtext=
Die Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund ist die Landesvertretung des Landes Freie und Hansestadt Hamburg beim Bund mit Sitz in der Bundeshauptstadt Berlin. Sie befindet sich im Bezirk Mitte in der Jägerstraße 1–3 unweit vom Deutschen Bundestag, Bundesrat und weiteren Bundesministerien, Landesvertretungen und Botschaften.
Behörde
Die Landesvertretung gehört zur Senatskanzlei. Sie vertritt die Interessen Hamburgs bei den Einrichtungen des Bundes. Politische Spitze der Landesvertretung ist die Bevollmächtigte der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund, der Europäischen Union und für auswärtige Angelegenheiten. Dies ist seit dem 1. Mai 2024 Staatsrätin Liv Assmann. Insgesamt sind hier 36 Mitarbeiter in den Bereichen Bundesratsangelegenheiten, Verwaltung, Gastronomie und Veranstaltungen beschäftigt. Im Haushaltsplan 2026 sind für den Betrieb insgesamt Kosten von rund 5,4 Millionen Euro veranschlagt. Dem stehen geplante Erlöse von rund 0,7 Millionen Euro gegenüber.
Funktion
Die Landesvertretung wahrt und vertritt die Interessen Hamburgs bei den Institutionen des Bundes und wirkt an der Gesetzgebung des Bundes und der Rechtsetzung der Europäischen Union mit. Zu ihrer Aufgabe zählt zudem die Vermittlung der Bedeutung Hamburgs, mit Schwerpunkten in den Bereichen Wirtschaft (als Zentrum für Dienstleistungen, der maritimen Wirtschaft, Chinazentrum mit seiner Stellung im Ostasienverkehr, Produktionsort der Luftfahrt und Standort für die Medien- und Kommunikationswirtschaft), Forschung und Lehre (Hochschulstandort und Forschungseinrichtungen) sowie als Kultur- und Sportstadt.
Die Vertretung ist zugleich Dienstleister für den Wirtschaftsstandort Hamburg und nimmt die Wirtschaftsinteressen in Abstimmung und Kooperation mit Unternehmen und Verbänden wahr. Dies erfolgt auch durch die Unterstützung bei der Einwerbung von Projekten oder Förderungen. Sie dient zudem als wirtschaftspolitisches Forum. Hierfür stellt sie auch ihre Dienste und Räume zur Verfügung, die angemietet werden können.
Zur Ausübung dieser Aufgaben unterhält die Vertretung Verbindungen zu Abgeordneten des Deutschen Bundestages und Regierungsvertretern, Spitzenbeamten, dem Diplomatischen Korps, Verbänden, Wirtschaftsrepräsentanzen und weiteren Institutionen. Sie dient als Ort für Tagungen und Veranstaltungen, zu denen ebenso Kunstausstellungen und Kulturveranstaltungen zählen, die das Profil und die Leistungsfähigkeit der Stadt umfassend darstellen sollen. Nach Angaben der Senatskanzlei finden in der Landesvertretung jährlich mehr als 500 Veranstaltungen und Begegnungen statt. Dazu gehört auch das regelmäßige Jahresfest „Hamburg in Berlin“: Zu diesem Event werden bis zu 2.500 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft in Anwesenheit des Ersten Bürgermeisters Peter Tschentscher empfangen. Ein Unterhaltungsprogramm wird dabei unter anderem in Kooperation mit dem NDR gestaltet.
Gebäude
Nachdem der Bundesrat seinen Sitz aus der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn nach Berlin verlegt hatte, bezog im August 2000 die Vertretung die heutigen Gebäude (Jägerstraße 1–3, 10117 Berlin). Die seit 1950 bestehende Vertretung in Bonn wurde zugleich aufgegeben. Die Landesvertretung besteht aus zwei aneinander gebauten denkmalgeschützten Gebäuden, Hausnummer 1 an der Ecke Mauerstraße und Hausnummern 2/3 (links davon). Insgesamt stehen rund 1.300 m² Veranstaltungsfläche auf drei Ebenen zur Verfügung.
Jägerstraße 1 mini|hochkant|Eckhaus Jägerstraße 1
Das Eckgebäude wurde 1871 im Auftrag des Kaufmanns Emil Frank als Mietshaus erbaut. Die gründerzeitliche Putzfassade wird vom späteren Nebengebäude architektonisch eingefasst. Das Haus wurde ebenso wie die Liegenschaft Jägerstraße 2/3 nach 1949 vom Kulturbund der DDR übernommen.
Jägerstraße 2/3 mini|hochkant|Mittelgebäude; rechts oben befindet sich der Raum Dresden, das Apartment des Präsidenten des Senats und Ersten Bürgermeisters der Freien und Hansestadt Hamburg|alternativtext=
Das Haus Jägerstraße 2/3 ist das ehemalige Club-von-Berlin-Gebäude, das mit seiner reich gestalteten Sandsteinfassade 1892/1893 für den Club von Berlin, einen exklusiven Herrenclub, errichtet wurde. Auch nach der Fusion zum Deutschen Club von Berlin blieb es bis zur Enteignung durch die sowjetische Militäradministration 1945 in dessen Hand. Der später gegründete Kulturbund der DDR erhielt das Gebäudeensemble zur Nutzung und ließ das im Krieg stark beschädigte Haus wieder aufbauen. Von 1947 bis 1991 diente es als Haus des Kulturbundes mit dem darin untergebrachten Klub der Kulturschaffenden „Johannes R. Becher“.
Umbau zur heutigen Vertretung mini|hochkant|Das historische Treppengeländer in der Landesvertretung (2006)
Beide Gebäude gingen nach der politischen Wende der Jahre 1989 und 1990 aus dem Volkseigentum der DDR in den Besitz des Bundes über und wurden 1998 durch die Freie und Hansestadt Hamburg gekauft. Ein drei Jahre zuvor von der Hamburgischen Landesbank erworbenes Gebäude in der Luisenstraße wurde an das Land Sachsen-Anhalt veräußert, das dort seine Vertretung beim Bund einrichtete.
Im April 1999 begannen Umbau und Renovierung des Gebäudeensembles durch das Hamburger Architekturbüro Dinse, Feest + Zurl. Im Gebäudeinneren erhielten die Häuser eine moderne und funktionale Gestaltung, wobei die Raumfolge der Säle und das Treppenhaus mit breiten Marmorstufen und schmiedeeisernem Geländer mit Messinghandlauf im Haupthaus erhalten blieben.
Das Eckhaus (Nummer 1) beherbergt jetzt Büros, Gästezimmer und als Mieter (nun neben dem alten Stammsitz) den Club von Berlin. Verschiedene Räume und Säle, wie Kaminzimmer oder Hansekeller mit Bar, sind als Begegnungsstätte für Politik, Wirtschaft und Kultur eingerichtet und werden auch vermietet.
Bevollmächtigte der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund Das Amt des Bevollmächtigten hat im Laufe der Jahre eine unterschiedliche Besetzung erfahren. Die meiste Zeit nahm ein Mitglied des Senats diese Funktion neben seinen anderen Zuständigkeiten, meistens als Präses einer Fachbehörde, wahr. Seit 2001 wird das Amt durchgängig mit einem politischen Beamten im Range eines Staatsrats besetzt. +Bevollmächtigte der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund (seit 1949)NameAmtsbeginnAmtsendeStatus AmtsbezeichnungBernhard HansenDezember 19492. Dezember 1953StaatsratBevollmächtigte(r) der Freien und Hansestadt Hamburg beim BundRenatus Weber2. Dezember 19534. Dezember 1957SenatorGerhard Kramer3. Januar 195827. April 1966SenatorErnst Heinsen27. April 196622. April 1970SenatorIlse Elsner22. April 197031. Dezember 1972SenatorinErnst Heinsen1. Januar 197330. April 1974SenatorJürgen Steinert30. April 197428. Juni 1978SenatorGünter Apel28. Juni 197828. September 1982SenatorHelmut Bilstein28. September 19821983StaatsratChristine Maring2. Februar 198313. Juni 1984SenatorinAlfons Pawelczyk13. Juni 198431. Mai 1988SenatorHorst Gobrecht8. Juni 198826. Juni 1991SenatorPeter Zumkley26. Juni 199115. Dezember 1993SenatorKnut Nevermann19. Januar 199412. November 1997StaatsratWillfried Maier12. November 199731. Oktober 2001SenatorBevollmächtigter der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund und für Europa- und EntwicklungszusammenarbeitReinhard Stuth20019. Mai 2008StaatsratBevollmächtigte(r) der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund, bei der Europäischen Union und für auswärtige AngelegenheitenCarsten-Ludwig Lüdemann9. Mai 200823. März 2011StaatsratWolfgang Schmidt23. März 2011März 2018StaatsratAnnette Tabbara28. März 201830. September 2019StaatsrätinAlmut Möller1. Oktober 201930. April 2024StaatsrätinLiv Assmann1. Mai 2024Staatsrätin
Literatur
Kerstin Wittmann-Englert, René Hartmann (Hrsg.): Bauten der Länder. Die Landesvertretungen in Bonn, Berlin und Brüssel, 2013, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu, S. 176–183. ISBN 978-3-89870-796-1.
Weblinks
Die Hamburgische Vertretung in Berlin auf der Website der Senatskanzlei Hamburg
Einzelnachweise
Vertretung Hamburg Kategorie:Berlin-Mitte Kategorie:Erbaut in den 1870er Jahren Kategorie:Baudenkmal in Berlin Kategorie:Behördengründung 1950 Kategorie:Jägerstraße (Berlin)