Das Kaisergebirge ist eine Gebirgsgruppe der Nördlichen Kalkalpen in den Ostalpen. Es befindet sich in Österreich im Bundesland Tirol zwischen Kufstein und St. Johann in Tirol. Das Kaisergebirge besteht aus zwei markanten Gebirgszügen, dem Wilden Kaiser und dem Zahmen Kaiser mit dem südöstlich vorgelagerten Niederkaiser. Es zählt zu den bekanntesten Gebirgsgruppen der Ostalpen und hat sowohl für Kletterer und Bergsteiger als auch für Wanderer eine große Bedeutung. Der größte Teil des Kaisergebirges ist Naturschutzgebiet und weder durch Straßen noch durch Seilbahnen erschlossen.

Geographie

Lage Das Kaisergebirge liegt in Tirol in Österreich nahe der Grenze zu Deutschland. Es liegt etwa 25 km südlich von Rosenheim und 50 km westlich von Salzburg. Es erstreckt sich von Kufstein im Westen bis St. Johann in Tirol im Osten. Sowohl der Zahme Kaiser wie auch der Wilde Kaiser erstrecken sich ungefähr von West nach Ost, wobei der Zahme Kaiser im Norden des Wilden Kaisers liegt. Der Niederkaiser befindet sich nördlich von St. Johann südöstlich des Wilden Kaisers.

Im Westen wird das Gebirge entlang des Inntals und den Ortschaften Kufstein und Kiefersfelden (Deutschland) begrenzt. Hier kommt das Gebirge Deutschland besonders nahe. Im Südwesten verläuft die Grenze entlang der B173, im Süden bildet die B178 und mit den Ortschaften Ellmau und St. Johann in Tirol die Grenze. Von St. Johann nordwärts wird das Gebirge entlang der B176 bis Kössen begrenzt. Die B172 über den Walchsee bis Ebbs bildet die nördliche Grenze. Hier entlang der B172 liegt die deutsche Grenze nur ca. 5 km entfernt.

Die wesentlichen Talorte sind Kufstein, Ebbs, Niederndorf, Oberaudorf, Kiefersfelden, Walchsee, Kössen, Schwendt, Kirchdorf in Tirol, St. Johann in Tirol, Going, Ellmau, Scheffau, Söll, Schwoich.

Das Kaisergebirge grenzt an die folgenden anderen Gebirgsgruppen der Alpen: Chiemgauer Alpen (im Norden) Loferer Steinberge (im Osten) Kitzbüheler Alpen (im Süden) Brandenberger Alpen (im Südwesten) Bayerische Voralpen/Mangfallgebirge (im Nordwesten)

Beschreibung Das Kaisergebirge gliedert sich in den überwiegend aus blankem Kalkfels bestehenden Wilden Kaiser sowie den davon nordseitig gelegenen und südseitig überwiegend mit Bergkiefern (Latschen) bewachsenen Zahmen Kaiser. Beide Bergketten sind durch das hohe Stripsenjoch miteinander verbunden und werden im Westen durch das Kaisertal, im Osten durch das Kaiserbachtal voneinander getrennt. Im Südosten wird das Kaisergebirge durch den deutlich niedrigeren und alpinistisch weniger bedeutenden Niederkaiser, welcher dem östlichen Teil des Wilden Kaisers vorgelagert ist, abgeschlossen.

Insgesamt erstreckt sich das Kaisergebirge etwa 20 km in Ost-West-Richtung und etwa 14 km in Nord-Süd-Richtung. Dadurch ergibt sich eine Gesamtfläche von ca. 280 km². Der Zahme Kaiser überschreitet nur knapp die 2000-Meter-Grenze (Vordere Kesselschneid). Die höchste Erhebung des Wilden Kaisers ist die Ellmauer Halt im Gemeindegebiet von Ellmau mit . Daneben gibt es rund vierzig weitere Gipfel, unter ihnen viele berühmte Kletterberge wie beispielsweise die Karlspitzen, das Totenkirchl, die Fleischbank, den Christaturm, den Predigtstuhl, die Goinger Halt, den Bauernpredigtstuhl, die Ackerlspitze, die Maukspitze, den Zettenkaiser, der Scheffauer, die Kopfkraxen, das Sonneck und die Kleine Halt.

In der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE) liegt das Kaisergebirge in den Nördlichen Ostalpen und hat die Nummer 8. Die Grenze des Kaisergebirges läuft nach AVE von Jennbach, Achentaler Bach, Durchholzen, Walchsee, Weißenbach, Kössener Ache bis St. Johann in Tirol, Reitner Ache, Ellmau, Weißache, Glemmache, Inn von Kufstein bis zum Jennbach. Nach SOIUSA hat das Kaisergebirge die Nummer II/B-21.VI. 900px|mini|zentriert|Kaisergebirge von Süden

Gipfel und Übergänge im Wilden Kaiser mini|Panorama Wilder Kaiser Ellmauer Halt () Ackerlspitze () Treffauer () Gamshalt () Hochgrubachspitzen (2284/) Karlspitzen (2283/) Sonneck () Regalmspitze () Goinger Halt (2242/) Maukspitze () Tuxeck () Törlspitzen (2227/2204/2201/2198/2191/2187/) Gamsfluchten (2203/) Totenkirchl () Fleischbank () Kopfkraxen () Christaturm () Kaiserkopf () Hackenköpfe (2125/2119/) Lärcheck () Predigtstuhl () Kleine Halt () Scheffauer () Mitterkaiser () Zettenkaiser ()mini|Wilder Kaiser, Südseite mini|Wilder Kaiser, Südwesten Von West nach Ost gibt es folgende wichtige Übergänge im Wilden Kaiser, um vom Sölllandl ins Kaisertal bzw. Kaiserbachtal zu gelangen bzw. umgekehrt:

Sattel am Scheffauer (etwa ), er verbindet die Steiner Hochalm (, Südseite) mit der Steinbergalm (Kaindlhütte) (, Nordseite) über den Südsteig zum Scheffauer und den Widauersteig (Klettersteig) Sonneck (Direkter Übergang auf etwa ), es verbindet die Kaiser Hochalm (, Südseite) mit dem Anton-Karg-Haus (Hinterbärenbad) (, Nordseite) über den Südsteig zum Sonneck und den Güttlersteig und Bettlersteig Rote-Rinn-Scharte (), sie verbindet die Gruttenhütte (m, Südseite) mit dem Hans-Berger-Haus (Kaisertalhaus) (, Nordseite) über den Gamsängersteig und die markierte Route durch die Scharlinger Böden Kopftörl (m), es verbindet die Gruttenhütte (, Südseite) mit dem Hans-Berger-Haus (Kaisertalhaus) (, Nordseite) über den Südsteig und die markierte Route durch den Hohen Winkel Ellmauer Tor (), es verbindet die Gaudeamushütte (, Südseite) mit dem Stripsenjochhaus (, Nordseite) über den Steig durch das Kübelkar und die Steinerne Rinne sowie den Eggersteig. Kleines Törl (), es verbindet die Gaudeamushütte (, Südseite) mit der Fritz-Pflaum-Hütte (, Nordseite) über den Gildensteig und den Nordsteig durch das Griesener Kar. Ackerlspitze (Direkter Übergang auf etwa ), sie verbindet die Ackerlhütte (, Südseite) mit der Fritz-Pflaum-Hütte (, Nordseite) über die südliche Route via Niedersessel und Hochsessel und den Nordsteig.

Gipfel und Übergänge im Zahmen Kaiser mini|Panorama Zahmer Kaiser Vordere Kesselschneid () Pyramidenspitze () Hintere Kesselschneid () Roßkaiser () Elferkogel () Jovenspitze () Feldberg () Stripsenkopf () Petersköpfl () Naunspitze () Scheibenkogel ()mini|Zahmer Kaiser von Oberaudorf aus gesehen Von West nach Ost gibt es folgende wichtige Übergänge im Zahmen Kaiser, um vom Kaisertal ins Inntal, Aschenbachtal bzw. Weißenbachtal oder Kaiserbachtal zu gelangen bzw. umgekehrt:

Ritzaualm (), sie verbindet den Pfandlhof (, Südseite) mit dem Gasthof Schanz (, Nordseite) über den Ritzaualm-Steig und den Nordsteig (Schanzerwände). Vogelbad (), es verbindet die Hinterkaiserfeldenalm (, Südseite) mit der Aschinger Alm (, Nordseite) über den Steig durch die Steingrube und das Eggersgrinn. Pyramidenspitze (), sie verbindet das Anton-Karg-Haus (, Südseite) mit der Winkelalm (, Nordseite) über den Steig durch das Ochselweidkar und den Winkelkarsteig (Klettersteig) Feldalmsattel (), es verbindet das Anton-Karg-Haus (, Westseite) mit der Feldalm (, Ostseite) über den Steig Richtung Ropanzen und den Steig zur Feldalm. Stripsenjoch (), es verbindet das Hans-Berger-Haus (, Westseite) mit der Griesner Alm (, Ostseite) über den Steig via Neustadler-Wiese und den Steig über das Wildanger und die Russnleiten.

Klima Das Klima im Kaisergebirge ist ein typisch alpines Klima, das kalt und gemäßigt ist. Die Winter sind schneereich und kalt, im Jänner und Februar sind Temperaturen von −3 bis −4 Grad Celsius üblich, können aber auch bis −10 Grad Celsius fallen. Die Sonnenstunden übersteigen in diesen Monaten nicht 5 Stunden am Tag. Im Sommer sind die Temperaturen angenehm warm, im Juli und August werden durchschnittlich 15 bis 16 Grad Celsius gemessen, können aber auch auf 20 Grad Celsius steigen. Der Frühling und der Herbst zeichnen sich durch mildes Wetter aus. Die Niederschlagsmengen sind im Kaisergebirge über das ganz Jahr relativ hoch, dies gilt auch für den trockensten Monat. Dies macht die Region grün und fruchtbar, kann aber auch zu heftigen Regenfällen führen. Insbesondere zwischen Mai und August fällt ausgiebiger Regen zwischen 202 mm und 229 mm, dieser kann auch mit plötzlichen Wetterumschwüngen einhergehen.

Beispielhaft für das Klima wird hier Kufstein gezeigt, das über Klimadaten verfügt. Die folgenden Werte sind die Durchschnittswerte zwischen 1971 und 2000.

Der Klimawandel wird auch im Kaisergebirge zu spüren sein, insbesondere da sich die Region durch eine kurze Vegetationsperiode, hohe Frosthäufigkeit und große Niederschlagsmengen auszeichnet. Der von den Klimamodellen am besten abgebildete Parameter ist die Temperatur, diese wird auch in den nächsten Jahrzehnten um 0,3 bis 0,4 Grad Celsius pro Jahrzehnt steigen. Daher kann die Temperatur in der Region zwischen 2041 und 2070 um +1,2 bis +2,2 Grad Celsius höher liegen als heute. Dadurch verlängert sich die Vegetationsperiode um etwa 4 Wochen und dauert dann im Mittel 7 Monate. Sie wird im Frühjahr um 2 Wochen früher beginnen und sich auch in den Herbst hinein verlängern. Dadurch steigt auch das Risiko von Dürren im Sommer. Waren in der Vergangenheit Dürren im statistischen Mittel nur alle 10 Jahre zu erwarten, kann sich dies auf 4 Jahre im Mittel verkürzen. Die Niederschläge werden nicht mehr so gleichmäßig verteilt sein, zu den Dürren wird auch Starkregen häufiger auftreten. Trifft Starkregen auf einen sehr trockenen Boden, sind negative Ereignisse wie Hangwässer, Bodenerosion, Überschwemmungen und Massenbewegungen von Boden wahrscheinlicher.

Naturschutzgebiet Kaisergebirge Bereits in den 1920er Jahren forderten einzelne Naturliebhaber, darunter auch der „Kaiserpapst“ Franz Nieberl, einen stärkeren Schutz des einzigartigen Naturraumes des Kaisergebirges. Primäres Ziel dieses Schutzes sollte es sein, eine Übererschließung des Kaisergebirges durch Seilbahnen und Straßen zu verhindern. In der damaligen Zeit war solchen Überlegungen noch kein Erfolg beschieden. 1961 wurde dann nach einer Volksbefragung beschlossen, ein Naturschutzgebiet einzurichten, das am 19. April 1963 offiziell eröffnet wurde.

Das Naturschutzgebiet Kaisergebirge,;Karte: Naturschutzgebiet Kaisergebirge (ÖK50), tirol.gv.at (jpg 1,1 MB) das sämtliche Gipfel des Wilden und des Zahmen Kaisers umfasst, hat eine Größe von 102 km² und liegt auf den Flächen der Gemeinden Kufstein, St. Johann in Tirol, Ebbs, Ellmau, Going, Kirchdorf in Tirol, Scheffau und Walchsee und erstreckt sich von einer Höhe von bis zu einer Höhe von an der Ellmauer Halt. Als einzige künstliche Aufstiegshilfe existiert im Naturschutzgebiet ein Sessellift zum Brentenjoch (Kaiserlift Kufstein), der zwischen August 2014 und April 2015 umfassend saniert wurde und am 1. Mai 2015 seinen Betrieb wieder aufgenommen hat. Weitere Liftprojekte wurden wegen des Naturschutzgebietes nicht realisiert. Lange wurde auch der Bau einer Straße in das Kaisertal sehr kontrovers diskutiert, das Kaisertal war das einzige bewohnte Tal in Österreich ohne Straßenanbindung. Die Kaisertalstraße, welche jetzt von Ebbs aus durch den Annatunnel (Länge 813 m) ins Kaisertal führt, wurde am 31. Mai 2008 eröffnet. Sie wurde von der Gemeinde Ebbs als Privatstraße errichtet und darf nur von einem sehr engen Kreis von Berechtigten – wie Bewohnern, Bewirtschaftern, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben – benutzt werden.

Pflanzen- und Tierwelt Die Flora und Fauna des Naturschutzgebietes ist sehr reichhaltig.