Der Henninger-Turm war ein Getreidesilo und Aussichtsturm der Henninger-Bräu AG an der Adresse Hainer Weg 60–64Vgl. in ; sowie in den Weblinks in: Der Henninger Turm – ein Wahrzeichen Frankfurts, Abschnitt Vom Bau des Henninger Turms zum Ende seiner wirtschaftlichen Nutzung. Abgerufen am 2. August 2019. im Stadtteil Sachsenhausen-Süd von Frankfurt am Main. Das vom Architekten Karl Emil Lieser geplante Bauwerk wurde von 1959 bis 1961 mit einer Gesamthöhe von 119,5 m errichtet. Es bestand aus einem quaderartigen Silo mit seinem aufgesetzten markanten Aussichtsturm und dessen, einem Fass ähnelnden, Turmkorb. Die Einweihung fand am 18. Mai 1961 statt.
Der Turm enthielt ursprünglich zwei Aussichtsplattformen, eine kleine in 109,2 m und eine große in 106,4 m Höhe. Unter dieser befand sich im Turmkorb in 100,3 m Höhe ein Drehrestaurant und darunter eine Küchen- und Erschließungsebene. 1969/1970 bekam der Aussichtsturm durch Verbauung der großen Aussichtsplattform zu einem zweiten Drehrestaurant ein verändertes Erscheinungsbild mit einem nun höheren Turmkorb. Bis 1974 blieb der Henninger-Turm das höchste Bauwerk der Stadt Frankfurt. Seit 2002 war der Aussichtsturm für den Besucherverkehr geschlossen, da er keinen zweiten Fluchtweg für den Besucherverkehr hatte.Transformation des Bestands. Baubeginn für Henninger-Turm in Frankfurt. In: baunetz.de, 27. Juni 2014.
Im Januar 2013 begannen die Abbrucharbeiten, die bis zum Jahresende dauerten und fast 1,5 Millionen Euro kosteten. 2014 bis 2017 entstand auf dem Grundstück ein 140 Meter hohes Wohnhochhaus als Neuer Henninger-Turm, das sich grob am Erscheinungsbild des alten Turms orientiert.
Baubeschreibung Gestalt und Konstruktion mini|Original Platzset aus dem Henninger-Turm-Restaurant (nach dem Umbau 1969/1970, mit dem der ursprünglich zweistöckige Turmkorb durch Verbauung der großen Aussichtsplattform zu einem Drehcafé dreistöckig wurde) mini|Im Vordergrund der Henninger-Turm mit dessen rückwärtiger Seite des Silos in Blickrichtung Norden auf die Frankfurter Skyline, 2007 mini|hochkant|Ansicht des Henninger-Turms aus der Innenstadt mit dessen Vorderseite des Silos, dem verglasten Haupttreppenhaus und mit dem aufgesetzten Aussichtsturm in der Blickrichtung Süden von der Zeilgalerie in der Innenstadt, 2007
Der Henninger-Turm bestand aus einem Silo und dem zylindrischen Aussichtsturm samt Turmkorb mit ursprünglich einem Drehrestaurant, später mit einem zusätzlichen Drehcafé (siehe unten). Es sollte der Eindruck entstehen, dass es sich bei dem Bauwerk um einen dynamisch vom Boden aufragenden runden Turm und einen quaderförmigen Baukörper, der ersteren fast zur Gänze umschließt, handelt. Das gesamte Bauwerk war auf einer 25 × 25 m großen und 1,25 m dicken Fundamentplatte aus Stahlbeton gegründet, die die Kräfte auf den darunterliegenden Felsboden verteilte. Das Gebäude stand auf 36 Betonstützen, die durch alle Stockwerke durchgingen und sich nach oben verjüngten. Die jeweils äußeren sechs Stützen waren direkt mit den Außenmauern verbunden. Die restlichen 16 bildeten die Ecken der Silozellen und waren unter- und oberhalb des Silos freistehend, und durch Stahlbetontraversen auch miteinander verbunden.
Die Betonarbeiten bis zu den Speicherzellen wurden in üblicher Holzschalung ausgeführt. Ab da wurde der Turm in Gleitschalung errichtet. Die Verteilergeschosse oberhalb der Silozellen wurden konventionell geschalt. Die Außenwand des zylindrischen Turmaufsatzes war zwischen 21 und 24 cm stark, von dieser führten jeweils zwanzig auskragende Trägerkonsolen eine Decke des Turmkorbes. Diese vier Elemente – durchgehende Aufzug- und Treppenschächte, massive Siloaußen- und -trennwände und Säulen auf quadratischem Raster sowie der Turmzylinder – sorgten im Verbund für die nötige Standfestigkeit. Das Bauwerk hatte ein Eigengewicht von 17.335 t und ein maximales Gesamtgewicht von 31.611 t.
Erschließung Die Haupterschließung, an der der Frankfurter Skyline zugewandten Seite, diente dem allgemeinen Personenverkehr. Hier befanden sich vom Erdgeschoss ausgehend die Haupterschließungstreppe (an der sich die Zählung der Obergeschosse orientierte) und eine Aufzugsgruppe mit zwei Schnellaufzügen. Der durchgehende Aufzugschacht der beiden Personenaufzüge war aus Stahlbeton ausgeführt und von einem Halbkreis mit 7,3 m Durchmesser umschlossen. Er führte bis hinauf in den Turmkorb des Aussichtsturms. Der Aufzugschacht wurde komplett in Gleitschalung ausgeführt.
Das Haupttreppenhaus des Silos, das bis in die dritte Ebene des Turmkorbs des zylindrischen Aussichtsturmes führte, wurde ab dem 3. Stockwerk im gleichen Durchmesser von 7,3 m wie der Turmhals mit einer nach außen hin gekrümmten Verglasung ausgeführt, um den im Quader steckenden Zylinder für den Betrachter sichtbar zu machen. Es gab einen durchgehenden, bis auf das Treppenhaus und die Fensterfront geschlossenen Turmschaft in Massivbauweise. Bis zum 15. Obergeschoss war die Haupttreppe als U-Treppe mit Halbpodesten ausgeführt, ab dem 16. Obergeschoss als einläufige Kreisbogentreppe mit dem Treppenauge an der Fensterseite. Die Treppenanlage ging in den zylindrischen Turmfortsatz über, sodass man über 596 Stufen die ehemalige große Aussichtsplattform erreichte.
Im Erdgeschoss befand sich die erste Aufzugshaltestelle, in 40,3 m Höhe ein 2. Zwischenhalt zu den Siloebenen. Der 3. und 4. Halt erschloss die beiden Schalt- bzw. Verteilerstockwerke und der 5. Halt die Restaurantebene des Silo-Quaders. Mit dem 6. Halt war im Turmkorb die Küchenebene erschlossen, in der sich auch Toiletten befanden.Vgl. in den Weblinks in: Der Henninger Turm – ein Wahrzeichen Frankfurts, abgerufen am 2. August 2019:
Mit dem 7. Halt gelangte man in das Drehrestaurant und mit dem 8. und letzten Halt auf die große offene Aussichtsplattform, die im nachmalig höheren Turmkopf, zum Drehcafé umgebaut wurde und das später auch als Firmenmuseum der Brauerei genutzt wurde.
Rund drei Meter darüber befand sich die kleine Aussichtsplattform,Vgl. in den Weblinks in: Der Henninger Turm – ein Wahrzeichen Frankfurts, abgerufen am 2. August 2019: die nur über eine Treppe zu erreichen war. Noch weiter oben im Turmkopf waren zwei Betriebsgeschosse, die über Leitern erreicht werden konnten. In dem obersten dieser Geschosse, mit Deckenunterkante von 118,50 m und rundum mit kleinen Fenstern belichtet, war der Triebwerksraum der Schnellaufzüge untergebracht.Der Henninger Turm – ein Wahrzeichen Frankfurts (siehe Weblinks); hierin im Abschnitt Bilder des Henninger Turms kurz vor Beginn des Abrisses insbesondere die Bilder „Aufzugsmaschinenraum, Bild 15 von 53“ (Direktlink: henninger-turm-aufzug-1.jpg) und „Aufzugsmaschinenraum, Bild 16 von 53“ (Direktlink: henninger-turm-aufzug-2.jpg), abgerufen am 2. August 2019.
An der gegenüberliegenden, der Innenstadt mit der Frankfurter Skyline abgewandten Seite des Bauwerks und zur Aschaffenburger Straße hin, befand sich im Silo-Quader ein kleineres rechteckiges Treppenhaus, zu dem nur das Brauereipersonal Zutritt hatte. Nach innen hin schloss daran ein Schacht an, der in der ursprünglichen Planung ein Aufzugsschacht hätte werden sollen.
Der anfängliche Fahrpreis der Schnellaufzüge betrug eine Mark, im August 1961 seien bereits 250.000 Personen nach oben befördert worden.
Quader Silo Der Silo war in Form eines Quaders mit quadratischer Grundfläche von 20,68 × 20,68 m hatte eine Dachhöhe von 87,0 m. Das geforderte Silo-Speichervolumen betrug 14.000 t.
Im 3,5 m tiefen Kellergeschoss des Turms befand sich die Schüttgutannahme sowie Maschinen- und Vorratsräume. Im ersten Stockwerk in 4,10 m Höhe befand sich die Entnahme für das Schüttgut. Diese führte über eine Rohrleitungsbrücke auf die gegenüberliegende Seite des Hainer Wegs in die Brauerei. Darüber befanden sich mehrere massive Speicherzellen für Gerste und Malz, deren Fassungsvermögen zusammen 14.276 t betrug. Der maximale Seitendruck auf die 18 cm dicken Stahlbetontrennwände lag bei 4,5 t/m².
Auf der Ebene in 72,8 m Höhe (17. Obergeschoss) mit dem 3. Aufzugshalt war ein 5,00 m hohes Verteilerstockwerk für das Schüttgut untergebracht, das untere Schaltstockwerk. Dieses war an der Fassade durch die untere der drei Fensterreihen mit länglichen, stehenden Fensterformaten ablesbar. Die zwei Fensterreihen darüber belichteten das 19. und 20. Obergeschoss, in dem sich elektrische Anlagen und Aufenthaltsräume befanden. Das 20. Obergeschoss als oberes Schaltstockwerk mit dem 4. Aufzugshalt war ein halbes Zwischengeschoss.
Öffentlicher Bereich Im Erdgeschoss befand sich eine Turmschänke genannte Kneipe nebst Küche sowie in einem Anbau der Haupteingang, die Kasse für den Turm und den Parkplatz. Funktional schon dem Aussichtsturm mit seinem Besucherverkehr zugerechnet befand sich in 83,3 m Höhe im 21. Obergeschoss des Silo-Quaders eine Restaurantebene mit einer Geschosshöhe von rund 4 m, das von außen betrachtet durch ein umlaufendes Fensterband erkennbar war. In der Mitte befanden sich ursprünglich Blumenbeete, eine Tanzfläche und Wasserspiele.Vgl. in den Weblinks in: Der Henninger Turm – ein Wahrzeichen Frankfurts, abgerufen am 2. August 2019: Entsprechend einem Beitrag der ARD-Tagesschau vom Eröffnungstag am 18. Mai 1961 war dieser Dachgarten, der durch einen kleineren geschlossenen Vorbau vom Turm aus zu erreichen war, jedoch anfänglich großteils noch ohne Dach. An dessen Randzone rundherum waren die Tische gruppiert, die durch ein 2 m breites begehbares Dach vor Witterungseinflüssen geschützt waren.
Aufgesetzter Aussichtsturm Aussichtsplattformen Der aufgesetzte Turmaufsatz hatte eine Höhe von 31,5 m, was zu einer Gesamthöhe von 119,5 m führte. Der Schaft hatte in Höhe der Turmaufbauten einen Durchmesser von 7,3 m, nach Ciesielski (siehe Literatur) hatte er unterhalb der ersten Plattform einen Durchmesser von 6,70 m.
Die große Aussichtsplattform in 106,43 m Höhe mit dem 8. und letzten Lifthalt wurde für den Publikumsverkehr durch zwei jeweils 15 Personen fassende Schnellaufzüge mit einer Fahrzeit von etwas mehr als zwei Minuten ab dem Erdgeschoss erschlossen. Diese ursprünglich offene Aussichtsterrasse war mit einem Durchmesser von 17,00 m oberhalb des Drehrestaurants ausgeführt und zugleich dessen Dach.Vgl. zum Beispiel in: Beitrag der Tagesschau der ARD vom 18. Mai 1961 am Tag der Turmeinweihung. Eingebunden in der Sendung hessenreporter von Simone Jung (siehe Abschnitt Film): Abschied vom Henninger Turm. Frankfurts Wahrzeichen verschwindet. Dokumentarfilm 2013 bzw. 2018. Tagesschau beginnend im Sendungsvideo ab Minute 04:38. Hier ab Minute 05:00 zu sehen zuerst der anfänglich mittig noch offene Dachgarten, der durch einen kleineren geschlossenen Vorbau vom Turm aus zu erreichen war und dessen Randzone gedeckt und begehbar war; sowie in einem Kameraschwenk nach oben hin zu sehen, dass die obere Aussichtsplattform zugleich das Dach des Drehrestaurants bildete.
Nur über eine weitere Treppe innerhalb des Turmschafts zu erreichen, befand sich rund um diesen als 31. Obergeschoss in 109,23 m Höhe eine kleine offene Aussichtsplattform, auf der auch Münzfernrohre aufgestellt waren.
Turmkanzel