Katalonien (, aranesisch (okzitanisch) Catalonha [], ) ist eine Region im Nordosten Spaniens zwischen der Mittelmeerküste und den Pyrenäen.
Politisch ist Katalonien eine von 17 autonomen Gemeinschaften Spaniens und gilt aufgrund geschichtlicher und kultureller Besonderheiten neben dem Baskenland und Galicien als eine der Nacionalidades históricas Spaniens. Die Hauptstadt der Region ist Barcelona. Die Einwohner Kataloniens heißen Katalanen. Amtssprachen sind Katalanisch, Aranesisch und Spanisch sowie Llengua de Signes Catalana, die katalanische Gebärdensprache.
Historisch geht Katalonien auf die Spanische Mark des Frankenreichs (in Abgrenzung zum maurischen Spanien) und die im Mittelalter entstehende Grafschaft Barcelona zurück, in denen sich die sprachlichen, kulturellen und politischen Besonderheiten Kataloniens früh herausbildeten und festigen konnten, die sich dann, namentlich im Zuge der Reconquista, in südlicher Richtung ausgebreitet haben (siehe Königreich Valencia). Im Jahr 1137 entstand aus dem östlich von Katalonien gelegenen Königreich Aragón und den Ländern der Grafen von Barcelona die als Krone von Aragonien bezeichnete und vom barcelonesischen Grafengeschlecht in Personalunion regierte Staatengemeinschaft, die im 12. Jahrhundert zu einer der bedeutendsten Großmächte am östlichen Mittelmeer aufstieg. Innerhalb der Krone schlossen sich Barcelona und die anderen Katalanische Grafschaften zu einem Staat zusammen, dem Fürstentum Katalonien, mit seinem eigenen institutionellen System. Aus der gemeinsamen Regierung der Katholischen Könige, Ferdinand II. von Aragon und Isabella I. von Kastilien, entstand ein Verbund der Kronländer Kastiliens und Aragons, aus dem nach Vereinigung der burgundischen und habsburgischen Dynastien mit der Thronbesteigung Karls V. als König von Spanien 1518 das spanische Habsburgerreich wurde. Unter zunehmender kastilischer Dominanz wuchsen die noch lange Zeit getrennt verwalteten Kronen von Kastilien und Aragonien zum Königreich Spanien zusammen, dessen Bestandteil Katalonien seither bildet. Die allein den Ländern der kastilischen Krone vorbehaltenen Entdeckungsfahrten zur Kolonisierung des nach der Entdeckung Amerikas 1492 in Übersee entstehenden spanischen Weltreichs bewirkten einen Niedergang des Mittelmeerhandels und den Bedeutungsverlust Aragoniens-Kataloniens gegenüber dem kastilischen Reichsteil. Das Machtzentrum des Königreichs bildete sich in Madrid, und nach dem Spanischen Erbfolgekrieg kam es unter der auf Bildung eines Zentralstaats ausgerichteten Politik der spanischen Bourbonen immer stärker zur Unterdrückung des Katalanischen und der verbliebenen Institutionen katalanischer Eigenstaatlichkeit. Erst infolge der Romantik führten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Renaixença und Katalanismus zur Belebung des katalanischen Nationalbewusstseins, der erneuten Aufwertung der katalanischen Sprache gegenüber dem kastilischen Spanisch sowie Autonomie- und Unabhängigkeitsbestrebungen, die im Franquismus verfolgt wurden und nach dem Tode Francos im Zuge der Demokratisierung und Dezentralisation Spaniens an Kraft gewannen und das heute geltende Autonomiestatut von Katalonien hervorgebracht haben – mit zahlreichen Grundrechtsgarantien insbesondere im Hinblick auf den Gebrauch der katalanischen Sprache in allen Lebensbereichen. Die ökonomische Situation verbesserte sich mit der Industrialisierung seit 1832 erheblich. Bald bildete sich um Barcelona eine bedeutende Textilregion, die auch chemische und metallverarbeitende Betriebe anzog. Die Entwicklung des Tourismus brachte im 20. Jahrhundert zusätzliche Verdienstmöglichkeiten, insbesondere an den Küsten (Costa Brava). Katalonien wurde neben dem Baskenland eine der produktivsten und wohlhabendsten Gegenden Spaniens.Industrialisierung, abgerufen am 2. November 2025.
Internationale Aufmerksamkeit erregte eine Zuspitzung der politischen Auseinandersetzung über die katalanische Frage im Jahr 2017: Das Parlament von Katalonien erklärte Katalonien am 27. Oktober nach einem umstrittenen Referendum zu einer von Spanien unabhängigen Republik. Die spanische Regierung erklärte diesen Schritt für nicht rechtmäßig und setzte die Regionalregierung und das Parlament ab. Nach Neuwahlen zum Regionalparlament am 21. Dezember 2017 prägten weiterhin separatistische Parteien die katalanische Politik. Seit August 2024 steht Salvador Illa (PSC) an der Spitze der Generalitat. Seine Regierung wird von sozialdemokratischen und linken Kräften getragen.
Geographie Im Norden, getrennt durch die Pyrenäen, grenzt Katalonien an Frankreich und Andorra, im Westen an die autonome Region Aragonien und im Südwesten an die Region Valencia. Die höchste Erhebung ist die 3143 Meter hohe Pica d’Estats, ein Gipfel des Montcalmmassivs. Zu Katalonien gehört auch die von französischem Gebiet umgebene Exklave Llívia.
Mit km² Landfläche ist die autonome Gemeinschaft etwa so groß wie Belgien. Obwohl es sich damit nur über 6,3 % der spanischen Landmasse erstreckt, stellt es mit einer Bevölkerungsdichte von 234 Einwohnern pro Quadratkilometer 15,9 % der Einwohner Spaniens und ist damit fast neunmal so dicht besiedelt wie die Nachbarregion Aragonien,Quelle der Daten und Vergleich mit den anderen 16 Autonomen Gemeinschaften Spaniens hier bzw. fast dreimal (2,8 x) so dicht wie der Rest Spaniens.
Topographie Das Gebiet Kataloniens kann geomorphologisch in neun Zonen unterteilt werden: mini|hochkant=1.5|Karte der Geomorphologie in Katalonien:
Katalanische Pyrenäen Die Hochgebirgsregion der Pyrenäen () nimmt einen im äußersten Norden, an der Grenze zu Frankreich und Andorra, liegenden Streifen Kataloniens ein. Hier liegen mehrere Gipfel von über Höhe, der Pic de Sotllo (), Pic de Comaloforno (), Besiberri Nord () und die höchste Erhebung Kataloniens, die Pica d’Estats (). In dieser Region entspringen auch die Flüsse Noguera Pallaresa, Noguera Ribagorzana, Garona, Llobregat, Ter, und Muga. Zu den Pyrenäen gehört auch die zwischen der Stadt La Jonquera und dem Mittelmeer liegende Gebirgskette Serra de l’Albera, mit dem höchsten Gipfel, dem Puig Neulós ().
Katalanische Vorpyrenäen Die Vorpyrenäen () bilden einen etwa 20–45 km breiten gebirgigen Streifen südlich der Pyrenäen, zwischen Aragonien im Westen und der Comarca Garrotxa im Osten. In dieser Region befinden sich die Gebirgszüge Serra del Montsec, Serra de Boumort, el Port de Comte und el Cadí. In den Vorpyrenäen gibt es nur wenige Gipfel von über Höhe. Die höchsten Erhebungen, wie der Pedraforca () und der Torreta de Cadí () befinden sich in der Serra del Cadí.
Serralada Transversal Das größte Gebiet dieses Gebirges wird durch die Comarca Garrotxa eingenommen, kleinere Teile liegen in den benachbarten Comarcas Osona, Selva und Gironès. Im nordwestlichen Teil der Serrelada Transversal sind die Serra de Milany und Serra de Santa Magdalena, sie bilden einen Übergang zu den Pyrenäen. Im Nordosten grenzt der Gebirgszug an den Fluss Fluvià und im Süden bildet der Fluss Ter eine natürliche Grenze zu den Guilleries, die zum Katalanischen Vorküstengebirge gehören. Teil des Gebirgszuges ist auch das Vulkangebiet von Garrotxa. Die höchste Erhebung ist der Milany ().
Zentralkatalanische Senke Die Zentralkatalanische Senke () ist eine fruchtbare Hochebene zwischen 200 und 500 Metern durchzogen von einzelnen Höhenzügen. Begrenzt wird die Ebene im Norden durch die Vorpyrenäen, im Osten durch die Serralada Transversal, im Südwesten durch das katalanische Vorküstengebirge und im Westen durch die Autonome Gemeinschaft Aragonien. Die Ebenen von Urgell (Plana de Urgell), Vic (Plana de Vic) und Bages (Pla de Bages), das Becken von Barbarà (Conca de Barbarà), sind Teil dieser Senke.
Massive Einzelne, isolierte Erhebungen oder Höhenzüge von 800 bis 1000 Metern ragen als Massive aus der Zentralkatalanischen Senke heraus.
Katalanisches Vorküstengebirge Das Katalanische Vorküstengebirge () ist ein nicht zusammenhängender Mittelgebirgszug entlang der Küstenlinie, in einem Abstand von 30 bis 60 Kilometern. Die bekanntesten Höhenzüge sind die Guilleries, Montseny, Sant Llorenç del Munt, Montserrat, Montsant, Muntanyes de Prades, Serra de l'Obac, Ports de Tortosa-Beseit und Serra del Montsià.
Katalanisches Küstengebirge Das Katalanische Küstengebirge () ist ein nicht zusammenhängender Mittelgebirgszug direkt an der Küste, zwischen dem Golf de Roses und dem Fluss Foix. Die Höhenzüge von Nordost nach Südwest: Massís del Montgrí, Massís de les Gavarres, Serra del Montnegre, Serra del Corredor, Serra de Marina, Serra de Collserola und Massís del Garraf.
Küstenebene Die Küstenebene () liegt unmittelbar an der Mittelmeerküste.
Vorküstenebene Die Vorküstenebene () bildet eine Ebene in Küstennähe bzw. hinter dem Küstengebirge.
Städte Bedeutende Städte neben Barcelona sind Tarragona, Lleida und Girona sowie Manresa, Vic, Igualada, Martorell, Figueres, Reus, Mataró, Terrassa und Sabadell. Die ebenfalls großen Städte L’Hospitalet, Badalona und Santa Coloma de Gramenet grenzen direkt an Barcelona und gehören in dessen Agglomeration.
Küste Der Küstenverlauf von etwa 580 km Länge ist vielgestaltig und im Norden an der felsigen Costa Brava geprägt von zahlreichen sandigen kleinen Buchten, den Cales, während im Süden an der Costa Daurada weite Sandstrände vorherrschen. Dazwischen, nördlich von Barcelona liegt die Costa del Maresme und südlich von Barcelona die Costa del Garraf.
Naturparks In Katalonien liegen einige der bedeutendsten Naturschutzparks der Iberischen Halbinsel. Dazu gehören im Nordwesten in den Pyrenäen der Nationalpark Aigüestortes i Estany de Sant Maurici, im Nordosten in den Vorpyrenäen der Naturschutzpark Vulkane der Garrotxa, im Süden der Naturpark im Delta des Ebro sowie der Naturpark Cap de Creus am östlichsten Punkt der Iberischen Halbinsel. Der Naturpark Montseny ist zudem von der UNESCO als Biosphärenreservat ausgewiesen worden.
Die Naturparks werden z. B. im Rahmen des Xarxa de Parcs Naturals („Netz der Naturparks“) der Diputació de Barcelona („Provinzialverwaltung der Provinz Barcelona“) verwaltet.
Politische Gliederung
links|mini|hochkant=1.9|Comarcas in der autonomen Gemeinschaft Katalonienmini|links|hochkant=1.9|Gerichtsbezirke in der autonomen Gemeinschaft Katalonien Katalonien ist administrativ in Provinzen, comarques und Gemeinden gegliedert. Es gibt Bestrebungen, vegueries an die Stelle der Provinzen treten zu lassen.
Provinzen/vegueries Seit 1833 bestehen in Katalonien die vier Provinzen Barcelona, Tarragona, Lleida und Girona. Nach dem Autonomiestatut von 2006 und dem katalanischen Regionalgesetz (Llei 30/2010, del 3 d’Agost, de vegueries vom 3. August 2010) sollen an die Stelle der Provinzen sieben sogenannte vegueries treten. Da eine Änderung der Provinzgrenzen nach der spanischen Verfassung jedoch nur durch ein Organgesetz der Cortes Generales, also des gesamtspanischen Parlaments in Madrid, erfolgen kann, werden die sieben im Regionalgesetz vorgesehenen vegueries (L’Alt Pirineu, Barcelona, La Catalunya Central, Girona, Lleida, El Camp de Tarragona, Les Terres del Ebre) erst eingerichtet, wenn die entsprechenden Gesetzesänderungen auf staatlicher Ebene erfolgt sind. Derzeit ist nicht absehbar, ob und wann dies erfolgt, sodass es auf unabsehbare Zeit bei der Gliederung in vier Provinzen bleiben wird.
Die Zuständigkeitsbezirke der Behörden des Verwaltungsunterbaus der Autonomen Gemeinschaft richten sich allerdings teilweise schon jetzt nach dem Gebietsstand der zukünftigen vegueries, während sich die der staatlichen Behörden an dem der vier Provinzen orientieren.
Das über einen Sonderstatus verfügende Val d’Aran soll zunächst der vegueria L’Alt Pirineu angehören und erst später aus dieser Gliederungsebene komplett herausgenommen werden (wofür allerdings auch Gesetzesänderungen auf gesamtspanischer Ebene notwendig sind).
Comarques