Krosno Odrzańskie [] (deutsch Crossen an der Oder, ) ist eine Stadt mit etwa 17.800 Einwohnern in der Stadt- und Landgemeinde Krosno Odrzańskie in der Woiwodschaft Lebus in Polen. Sie ist zugleich Kreisstadt des Powiats Krośnieński. 330px|mini|Luftaufnahme der Stadt (2017) mini|Brücke über die Oder in Krosno Odrzańskie mini|St.-Hedwig-kirche mini|St.-Andreas-Kirche mini|Postgebäude, erbaut Ende des 19. Jahrhunderts hochkant|mini|Crossen um 1900 mini|Kriegsgefangenenlager Crossen, 1914 mini|Synagoge von Crossen, 1938 zerstört

Geographische Lage Die Stadt liegt an der Mündung des Bober in die Oder auf , etwa 50 Kilometer südöstlich der Stadt Frankfurt (Oder), 30 Kilometer westnordwestlich der Stadt Zielona Góra (Grünberg) sowie 30 Kilometer nordöstlich von Guben.

Geschichte Der Ort wurde für das Jahr 1005 erstmals in der Chronik des Thietmar von Merseburg als castrum Crosno erwähnt, als der polnische Herzog Bolesław I. von König Heinrich II. belagert wurde.W. Riehl, J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Margrafenthum Nieder-Lausitz. Berlin 1861, S. 527–533. Boleslaws Sohn Mieszko II. besiegte im Jahr 1015 in der Schlacht von Crossen die böhmischen Verbündeten des Kaisers.

Nach der Wiedereinsetzung der Söhne des Herzogs Władyslaw II. des Vertriebenen 1159 in ihre Rechte in Schlesien kam Crossen zum Herzogtum Schlesien. Herzog Heinrich I. der Bärtige ließ das Schloss erweitern, die Marienkirche bauen und eine Wehrbefestigung errichten.Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 676. In dieser Zeit entstanden wahrscheinlich auch das Dominikanerkloster und erhielt der Ort das Stadtrecht. 1238 starb Heinrich der Bärtige in Crossen. Seine Leiche wurde nach Trebnitz überführt und in der dortigen Klosterkirche beigesetzt. 1241 flüchteten die Trebnitzer Nonnen, unter ihnen die heilige Hedwig und Herzogin Anna, Gemahlin Heinrichs II., vor der mongolischen Invasion aus Trebnitz und Liegnitz nach Crossen. Nach Heinrichs II. Tod folgte ihm in der Regierung der älteste Sohn Boleslaw, der 1251 das Glogauer Gebiet an seinen jüngeren Bruder Konrad abtreten musste.

Brandenburger Pfandbesitz 1277 bis 1314 Crossen wurde 1277 an die Brandenburger Askanier verpfändet und Johann II. führte den Titel Herr von Krossen. 1314 gaben die Askanier Crossen an die Herzöge von Glogau im Austausch gegen Gebiete um Züllichau zurück.

Um 1272 entstand in Crossen ein Kloster des 1210 gegründeten Franziskanerordens, das zur Sächsischen Franziskanerprovinz (Saxonia) gehörte. Es wurde infolge der Reformation um 1540 aufgehoben.Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Werl 1999, S. 65.285.

1477 bis 1482 Siehe Glogauer Erbfolgestreit.

Brandenburgische Herrschaft seit 1482 Durch den Frieden von Kamenz vom 16. September 1482 kam das Herzogtum Crossen zunächst als Pfandbesitz an Brandenburg. Man einigte sich zum Verzicht Barbaras auf Glogau und Crossen, während Kurfürst Albrecht das Herzogtum Crossen mit den Städten Crossen, Züllichau, Bobersberg und Sommerfeld als Pfand übernahm, wofür er der Tochter 50.000 Taler jährlich zahlen sollte.Urkunden der Stadt Crossen Nr. 18 Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz

1537 kamen Stadt und Herzogtum endgültig zum Kurfürstentum Brandenburg, allerdings weiterhin unter böhmischer Lehnshoheit. Die Kurfürsten nannten sich seitdem auch Herzöge von Schlesien und Crossen und nahmen den schlesischen Adler in ihr Wappen auf.

Kriege im 17. Jahrhundert Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt 1631 von den Schweden in Brand gesetzt und einschließlich Schloss und Marienkirche vernichtet. Die wiederaufgebaute Stadt wurde zwischen 1634 und 1642 in den Gefechten zwischen den Schweden und den Brandenburgern mehrmals geplündert und zerstört.

Im Siebenjährigen Krieg besetzten die Kaiserliche Russische Armee nach der Schlacht bei Kay in den Jahren 1759 und 1760 Crossen.

Industrieller Aufschwung im 19. Jahrhundert Im Jahr 1815 wurde Crossen infolge der preußischen Verwaltungsreform zu einer Kreisstadt im Regierungsbezirk Frankfurt. Zwischen 1830 und 1880 erfolgte ein zögernder und langsamer Aufbau der Industrie, insbesondere der Holz- und Fleischverarbeitungsindustrie. Erst 1870 erhielt Crossen mit der Bahnstrecke Guben–Bentschen der Märkisch-Posener Eisenbahn-Gesellschaft Anschluss an das preußische Eisenbahnnetz. Später folgte noch eine Nebenbahn nach Sommerfeld. 1886 wütete ein Wirbelsturm über der Stadt. Der Architekt Karl Otto Schwatlo errichtet im Auftrag der Reichspostverwaltung 1897 das Postgebäude.

Entwicklung bis 1945 1920 entwickelte sich Crossen zu einem Glasproduktionsstandort von europäischer Bedeutung (Schwerpunkte: Nutz-, Zier-, Wirtschafts- und Faserglas). Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Crossen drei evangelische Kirchen, eine katholische Kirche, ein Realprogymnasium, eine Wein- und Obstbauschule und war Sitz des Amtsgerichts Crossen. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich in Crossen die Metallindustrie, während der bis ins 19. Jahrhundert betriebene Weinbau zur Liebhaberei Einzelner wurde. 1939 hatte Crossen 10.800 Einwohner.

Bis 1945 war Crossen Kreisstadt des Landkreises Crossen im Regierungsbezirk Frankfurt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kam es im Februar 1945 im Rahmen der Weichsel-Oder-Operation in und um Crossen zu heftigen Kämpfen der Roten Armee mit der Wehrmacht. 499 Häuser und damit 65 Prozent der Bausubstanz der Stadt wurden zerstört. Die Rote Armee stellte die deutschen Gebiete rechts der Oder-Neiße-Grenze – und damit auch Crossen – ab März/April 1945 der Verwaltung der Volksrepublik Polen, eine Maßnahme, die im August 1945 das Potsdamer Abkommen bestätigte.

Seit Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 Nach Kriegsende begann die Zuwanderung von Migranten, die anfangs vorwiegend aus von der Sowjetunion beanspruchten Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen, der sogenannten Kresy. In der Folgezeit führte die örtliche polnische Verwaltungsbehörde die „wilde“ Vertreibung der einheimischen Bevölkerung durch, um sie durch Polen zu ersetzen. Ein Jahr später war die Zahl der Polen auf etwa 2000 angewachsen. Crossen wurde in Krosno Odrzańskie umbenannt. Ab 1955 erfolgte ein langsamer Aufbau der Stadt.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen 1719 2200 1750 2915 1801 3279 darunter zwei Judenfamilien mit zwölf IndividuenFriedrich Wilhelm August Bratring: Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg. Berlin 1809, S. 299 (online). 1818 3524 Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 3: Kr–O. Halle 1822, S. 21, Ziffer 5422. 1840 6300 in 662 Wohngebäuden.Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. O. Gustav Harnecker’s Buchhandlung, Frankfurt a. O. 1844, S. 47, Nr. 2 (online). 1859 6546 darunter 199 Katholiken und 116 Juden 1864 6515 in 696 WohngebäudenTopographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. O. Verlag von Gustav Harnecker u. Co., 1867, S. 50, Nr. 2 (online). 1867 7084 am 3. DezemberKönigliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke des Preußischen Staats und ihre Bevölkerung. Teil II: Provinz Brandenburg. Berlin 1873, S. 118–119, Nr. 18 (online). 1871 6977 am 1. Dezember, darunter 6471 Evangelische, 312 Katholiken, ein sonstiger Christ, 193 Juden 1875 6786 1880 6746 1890 6657 darunter 327 Katholiken und 148 Juden 1895 7910 darunter 518 Katholiken und 135 Israeliten 1900 7369 mit der Garnison (ein Infanteriebataillon Nr. 52), darunter 401 Katholiken und 112 Juden 1910 7595 am 1. DezemberCrossen, Landkreis Crossen. In: Meyers Gazetteer. (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Crossen) 1933 7525 1939 8633 davon 7863 Evangelische, 532 Katholiken, 72 sonstige Christen und 21 Juden mini|Grundriss des zerstörten Schlosses Crossen mini|Torbau des Schlosses Crossen mini|Bahnhof Krosno Odrzańskie

Jüdische Bevölkerung Wahrscheinlich war im 19. Jahrhundert in Crossen eine jüdische Gemeinde entstanden, der um 1850 86 Mitglieder angehörten.Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Nieder-Lausitz. Band 3, Brandenburg 1856, S. 735 (books.google.de). Sie errichtete 1851 eine Synagoge und unterhielt einen Friedhof. Auf dem vermutlichen Höhepunkt ihrer Entwicklung im Jahr 1880 zählte die jüdische Bevölkerung 176 Personen. Im Jahr 1932 umfasste die Synagogengemeinde 67 Juden was 0,9 % der Gesamtbevölkerung entsprach. Während der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten Nationalsozialisten die Synagoge nieder. Anschließend wurde sie abgerissen. Im Mai 1939 lebten noch 24 Juden und acht „jüdische Mischlinge“ in Crossen. Bis auf zwei Frauen, die im November 1944 in Mischehen lebten, wurden vermutlich alle, denen keine Ausreise gelang, im Holocaust ermordet.Historia społeczności (Geschichte der Gemeinde). Beitrag zu Geschichte der jüdischen Gemeinde in Crossen bei Virtuelles Schtetl.

Slawische Bevölkerung Die Bevölkerung im Gebiet der Stadt war im Frühmittelalter slawisch bzw. polnisch. Seit dem 13. Jahrhundert vermischte sich diese mit deutschen Zuwanderern und assimilierte sich. Aus den Jahren 1525 und 1605 ist bekannt, dass in der Stadt ein slawischer Kaplan tätig war.Frido Mětšk: Serbsko-pólska rěčna hranica w 16. a 17. lětstotku [Die sorbisch-polnische Sprachgrenze im 16. und 17. Jahrhundert]. In: Lětopis. Reihe B, Band III (1958), Ludowe nakładnistwo Domowina, Budyšin 1958, S. 4–25.

Noch bis ins frühe 18. Jahrhundert wurde insbesondere in den Dörfern um Crossen von einigen Bewohnern ein ostniedersorbischer Dialekt gesprochen.

Gemeinde Zur Stadt- und Landgemeinde Krosno Odrzańskie gehören neben der Stadt 19 Dörfer mit Schulzenamt.

Sehenswürdigkeiten Die Stadtpfarrkirche St. Hedwig aus der Zeit 1450 wurde 1705–1707 barock umgebaut. Sie diente bis 1945 als evangelisches Gotteshaus. Ruine des von Heinrich dem Bärtigen errichteten und 1945 zerstörten Piastenschlosses Crossen. Der Torbau wurde restauriert. Die St.-Andreas-Kirche, auch „Bergkirche“ genannt, wurde von 1825 bis 1827 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel im Stil der Neugotik errichtet. Im Jahr 2012 hat die Stadt dem deutschen Dichter Klabund an der Straße Poznańska ein Bronze-Denkmal errichtet.

Verkehr Durch Krosno verläuft die Droga krajowa 29 von Słubice nach Połupin, die südlich der Stadt in die Droga krajowa 32 von Gubin über Zielona Góra nach Stęszew mündet. In der Stadt selber endet die Droga wojewódzka 276 aus Richtung Świebodzin.

Die Stadt liegt an der Bahnstrecke von Guben nach Zbąszynek und hat einen Bahnhof südlich des Stadtzentrums.

Einen innerstädtischen Nahverkehr gibt es nicht. Regelmäßige Busverbindungen, unter anderem nach Zielona Góra, Gubin oder Słubice, bietet die PKS vom Busbahnhof neben der Stadtpfarrkirche an.

Partnerstädte Eemsmond, Niederlande, seit 2000 Schwarzheide, Deutschland, seit 2001 Bremervörde, Deutschland, seit 2005 Karcag, Ungarn, seit 2005

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt

Martin Benckendorf (1545–1621), kurbrandenburgischer Jurist und Hochschullehrer Christoph Benckendorf (1548–1605), kurbrandenburgischer Jurist, Politiker und Diplomat Paul Hentzner (1558–1623), deutscher Jurist und Reiseschriftsteller Johann Georg von Brandenburg (1598–1637), brandenburgisch-kaiserlicher Obrist Friedrich Wilhelm Thulemeyer (1650–1708), evangelisch-reformierter Theologe und Hofprediger Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff (1699–1753), deutscher Architekt Alexander von Knobelsdorff (1723–1799), preußischer Generalfeldmarschall Johann Friedrich Schönemann (1704–1782), deutscher Theaterdirektor Karl Philipp von Unruh (1731–1805), preußischer Generalleutnant Johann Gottfried Kletschke (1748–1806), preußischer Feldpropst