mini|rechts|William Whetstone Rogers präsentiert seinem Vater Woodes Rogers (rechts) Pläne für den Hafen von Nassau. Woodes Rogers Jr. (* um 1679 in Bristol, England; † 15. Juli 1732 in Nassau, Bahamas) war ein von der britischen Admiralität tolerierter Freibeuter, der Anfang des 18. Jahrhunderts spanische Handelsschiffe attackierte und beraubte. Später bekämpfte er als Gouverneur der Bahamas die Piraterie mit einer Kombination aus Begnadigungen und militärischer Stärke. Sein Motto Expulsis Piratis Restituta Commercia () blieb bis zur Unabhängigkeit 1973 das Nationalmotto der Bahamas.
Rogers war der Sohn des Kapiäns Woodes Rogers (Sr) und Frances Eyre. Er wurde Geselle auf einem Handelschiff und arbeitete dann in Bristol als Kaufmann.Woodes Rogers (Jr). In: britishslavetraders.org Am 25. Januar 1704 heiratete er Sarah Whetstone († 1732/1733), Tochter des Admirals Sir William Whetstone, Oberbefehlshaber in britischen Westindien. Das Paar hatte einen Sohn und eine Tochter, ein weiterer Sohn verstarb als Kind. 1708 finanzierte er mit anderen das Sklavenschiff Whetstone Gally (oder Galley) mit 236,3 Tonnen, das jedoch abgefangen wurde, bevor die Gefangenen nach Amerika verschifft werden konnten.
Kaperfahrt um die Welt 1708–1711
Woodes Rogers umrundete als Befehlshaber und Kapitän der Handelsschiffe Duke (320 Tonnen, 30 Kanonen und 117 Mann) und Duchess (260 Tonnen, 26 Kanonen und 108 Mann) auf Kaperfahrt 1708–1711 den Globus und machte reichliche Beute. Die Kaperfahrten standen im Zusammenhang mit dem spanischen Erbfolgekrieg, der 1701 begonnen hatte und bis 1714 andauerte. Die englische Krone autorisierte das Aufbringen von gegnerischen Schiffen, verlangte aber ein Fünftel der Beute als Provision. 1708 wurde dieser Anteil gestrichen. Hiervon wollte Woodes Rogers profitieren, als er am 2. August 1708 in Bristol in See stach. Zudem wollten die Händler dieser Zeit das spanische Handelsmonopol mit der südamerikanischen Pazifikküste brechen. Bei Teneriffa kaperten sie ein spanisches Handelsschiff, das mit Wein beladen war. Am 11. September 1708 brachten sie eine Barque mit 45 Passagieren auf. Danach bereiteten sie sich auf die Umsegelung von Kap Hoorn vor.
Begegnung mit „Robinson Crusoe“ Navigator an Bord war William Dampier. Dieser hatte bereits als Kapitän mit der St. George und der Cinque Ports (unter dem Kommando von Thomas Stradling) 1703–1707 eine Kaperfahrt um die Welt unternommen, war aber dabei gescheitert, da er es nicht vermochte, als Kapitän die Mannschaft bei der Stange zu halten. Auf der Reise kam es 1705 zur freiwilligen Aussetzung von Alexander Selkirk auf einer unbewohnten Insel des Juan-Fernández-Archipels, die 1966 in Isla Robinson Crusoe umbenannt wurde. Selkirk war Segelmeister auf der Cinque Ports gewesen. Rogers nahm bei seiner Fahrt überrascht diesen Alexander Selkirk bei einem Zwischenstopp am 2. Februar 1709 zur Frischwasserauffüllung an Bord und berichtete in England von dessen Insulaner-Dasein. Seine Memoiren von 1712 mit dem Titel A Voyage Around the World werden als Vorbild für Daniel Defoes Roman Robinson Crusoe betrachtet.
Die Reise geht weiter
Um den 16. März 1709 brachten die beiden Schiffe vor der Küste Perus innerhalb eines Monats fünf spanische Schiffe zwischen 16 und 500 t auf. Nach diesen Erfolgen griffen sie die Stadt Guayaquil an und verlangten 30.000 Silberpeso Lösegeld. Die Seegefechte verliefen jedoch nicht immer problemlos. In einem Gefecht vor Kalifornien wurde Woodes Rogers schwer verwundet:
Ich wurde durchschossen, die Kugel schlug einen großen Teil meines Oberkiefers weg und einige meiner Zähne, wobei Teile davon auf das Deck fielen, wo ich zu Boden ging.
Bis Juli hatten sie weitere Schiffe erbeutet, ein weiteres im August, und noch eines am 22. Dezember 1709. Die Crew hoffte, die Nuestra Señora de Begoña zu stellen, ein Kriegsschiff von rund 900 t mit 60 Kanonen, die sich in der Gegend aufhielt. Tatsächlich trafen sie sie am 26. Dezember. Sie mussten allerdings nach einem harten Kampf feststellen, dass die Nuestra Señora de Begoña zu stark war, und den Kampf abbrechen. Woodes Rogers wurde erneut verwundet. Ein Holzsplitter zertrümmerte sein Fersenbein.
Im Oktober 1710 (1711?) erreichten sie Texel in Holland. Die Niederländische Ostindien-Kompanie wollte die Schiffe wegen Verletzung ihrer Handelsrechte beschlagnahmen, aber nach einer Verzögerung segelten sie schließlich am 14. Oktober 1711 die Themse hinauf. Die Reise, die 14.000 Pfund gekostet hatte, erbrachte über 170.000 Pfund Nettoertrag. Bald darauf trennte Rogers sich von seiner Frau. 1713 fuhr Rogers mit Erlaubnis der British East India Company nach Madagaskar, um von dort Sklaven nach Niederländisch Ostindien zu verschiffen. Woodes Rogers ließ sich eine Zeit lang am Queen Square 19 in Bristol nieder, aber er hatte Pläne zur Kolonisierung Madagaskars und der Bahamas.
Gouverneur der Bahamas
1717 wurde Rogers zum Gouverneur von New Providence und dem Rest der Bahamas ernannt. Er brach am 11. April 1718 dorthin auf. Im Gepäck hatte er ein Königliches Pardon für alle Piraten, die sich vor dem 5. September 1718 ergaben. Er reiste an Bord der Delicia, die von den Kriegsschiffen HMS Milford und HMS Rose sowie den beiden Schaluppen Shark und Buck begleitet wurde. Am 26. Juli 1718 erreichte er New Providence Island. Als er sich dem Hafen näherte, wurde ein brennendes Schiff gesichtet, das Charles Vane in Brand gesteckt hatted, um eines der Kriegsschiffe anzulockennach OEB um seine Flucht zu ermöglichen. Als sich jedoch alle näherten, flüchtete er. Sogleich nach der Landung machte sich Woodes Rogers an die Reparatur der Festung, die verfallen war, und ließ einige Bewohner, die seiner Meinung nach faul und arbeitsscheu waren, die Straßen von Gebüsch säubern.
Er sandte Blackbeards alten Mentor, Kapitän Benjamin Hornigold, der die königliche Anmestie angenommen hatte, auf die Jagd nach Charles Vane. Hornigold gelang es auf der Insel Exuma, 130 Seemeilen südöstlich von New Providence, zehn Piraten gefangen zu nehmen. Woodes Rogers beschloss, ein Exempel zu statuieren, und acht von ihnen wurden am 12. Dezember gehenkt. Rogers soll die berüchtigte Piratin Anne Bonny nur deswegen begnadigt haben, weil er zu dem Zeitpunkt betrunken war1720 auf Jamaika???. Krankheiten und Geldmangel zwangen ihn aber, seine weitreichenden Vorhaben aufzugeben, denn bald sandte die Regierung kein Geld mehr und reagierte auch nicht auf sein Hilfeersuchen. Im März 1721 kehrte er deshalb krank und stark verschuldet nach London zurück, wo er einige Jahre im Schuldgefängnis verbrachte. Sein Nachfolger George Phenney war jedoch so unfähig, dass das Konzil der Insel am 28. Februar 1728 Georg III. um die Wiedereinsetzung von Rogers anging. Auch Hans Sloane setzte sich bei Robert Walpole für ihn ein. auf So kehrte er mit Sohn William Whetsone Rogers (1715–1735) und Tochter Sarah († 1743) 1729 auf die Bahamas zurück. Hier stieß er jedoch auf den Widerstand von John ColebrokeGail Saunders, Rogers, Woodes (c. 1679–1732), privateer and colonial governor. Oxford Dictionary of National Biography. Oxford, Oxford University Press 2004. Rogers setzte sich für die Förderung von Baumwollplantagen auf der Insel ein.
Obwohl er vieles von dem, was er sich vorgenommen hatte, nicht erreichte, vertrieb er doch die anderen Piraten von den Bahamas und brach den Würgegriff, den diese um die Karibik gelegt hatten. Er starb am 15. Juli 1732 in Nassau auf den Bahamas. Sein Sohn William Whetstone Rogers wurde Mitglied des Konzils. Er war ebenfalls als Sklavenhändler tätig, so finanzierte er mit Hugh Raymond (1674–1737) 1730 eine Sklavenreise der Nassau von London an die Goldküste und auf die Bahamas (Atlantischer Dreieckshandel). Nach dem Tode seines Vaters wurde er 1733 Generalagent der Royal African Company und verstarb im November 1734 in Ouidah. Sein Vermögen hinterließ er seiner Schwester.William Whetstone Rogers. In: britishslavetraders.org
Siehe auch The Dampier Collection
Literatur David Cordingly: Pirate Hunter of the Caribbean: The Adventurous Life of Captain Woodes Rogers. Random House, 2011. Bryan Little: Crusoe's Captain. Being the life of Woodes Rogers, seaman, trader, colonial gouvernor. Othams Press, London 1960. Graham A. Thomas: Pirate Hunter: The Life of Captain Woodes Rogers. Pen & Sword Books (Ncr), 2008. Alexander Winston: No purchase, no pay. Sir Henry Morgan, Captain William Kidd, Captain Woodes Rogers in the great age of privateers and pirates, 1665–1715. Eyre & Spottiswoode, London 1969. Robert Bohn: Die Piraten. 2. Auflage, Verlag C.H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-48027-6.
Weblinks
Daniela Wakonigg: 16.07.1732 - Todestag des Freibeuters Woodes Rogers WDR ZeitZeichen vom 16. Juli 2017; mit Hartmut Roder. (Podcast) British Slave Traders Einzelnachweise
Kategorie:Freibeuter Kategorie:Weltumsegler Kategorie:Gouverneur (Bahamas) Kategorie:Brite Kategorie:Engländer Kategorie:Geboren im 17. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1732 Kategorie:Mann Kategorie:Sklavenhändler