mini|hochkant=1.3|Blick vom Feldgrabengebiet der Technischen Universität über das Institut für Bergbau in Richtung Zellerfeld

Clausthal-Zellerfeld (; oberharzisch Clasthol-Zallerfall) ist eine Stadt im Landkreis Goslar in Niedersachsen. Sie liegt im Oberharz auf einer Höhe zwischen 390 und und ist Standort der Technischen Universität Clausthal. Die Stadt trägt den Titel Berg- und Universitätsstadt und das Prädikat Luftkurort.Niedersächsischer Landtag, 16. Wahlperiode, Drucksache 16/3359: Kleine Anfrage "Welchen Stellenwert haben Prädikate wie „staatlich anerkannter Luftkurort“ speziell für den Heidetourismus und die Tourismuswirtschaft in Niedersachsen?"landtag-niedersachsen.de (PDF; 102 kB). Abgerufen am 23. März 2011.

Geografie Lage Clausthal-Zellerfeld liegt auf der Oberharzer Hochebene. Die Umgebung ist im Vergleich zum Großteil des Harzes weniger bergig, sondern nur hügelig. Infolgedessen ist das Umland auch weniger stark bewaldet, und es gibt mehr Wiesenflächen. Verstreut in und um Clausthal-Zellerfeld finden sich zahlreiche Teiche und Wasserläufe des Oberharzer Wasserregals.

Die Senke zwischen Clausthal und Zellerfeld markiert eine natürliche „Grenzlinie“.

Südwestlich erstreckt sich das Kleine Clausthal.

Nachbarstädte Clausthal-Zellerfeld liegt, umschlossen von gemeindefreiem Gebiet Harz, im Landkreis Goslar.

Die Kreisstadt Goslar liegt etwa 15 Kilometer nördlich von Clausthal-Zellerfeld. Die ehemalige Kreisstadt Osterode am Harz liegt ebenfalls etwa 15 Kilometer von Clausthal-Zellerfeld entfernt, jedoch in südlicher Richtung. Östlich von Clausthal-Zellerfeld liegt in 20 Kilometer Entfernung die Stadt Braunlage.

Stadtgliederung Die Stadt besteht im Zentrum aus den beiden Stadtteilen Clausthal (im Süden) und Zellerfeld (im Norden), deren ursprüngliche Stadtgebiete durch die natürliche Grenze des Zellbachs getrennt werden. Bis 1924 waren Clausthal und Zellerfeld zwei selbständige Städte. Ihr Zusammenschluss erfolgte aufgrund starken Drucks seitens der Obrigkeit. Dass Clausthal und Zellerfeld bis heute noch nicht vollständig zusammengewachsen sind, zeigt sich anhand von zwei Schützenvereinen und zwei Fußballvereinen. Bis 2007 hatten Zellerfeld und Clausthal, obwohl die Freiwillige Feuerwehr offiziell fusioniert war, getrennte Feuerwehrhäuser. Zum Stadtteil Zellerfeld gehört auch die nördlich davon gelegene Siedlung Erbprinzentanne. Zum 1. Juli 1972 wurde die südlich von Clausthal gelegene Gemeinde Buntenbock als dritter Stadtteil eingemeindet.

Durch die gemeindliche Neubildung zum 1. Januar 2015 gliedert sich die Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld wie folgt:

Ortsteil Einwohnerzahl(30. Juni 2023) Flächein km² Bevölkerungsdichtein Einw./km² Clausthal-Zellerfeld 12.658 33,96 376 Clausthal (mit Polsterberger Hubhaus) Zellerfeld (mit Erbprinzentanne) Buntenbock (Dez. 2022) 716 Bergstadt Altenau-Schulenberg im Oberharz 1.889 6,41 295 Bergstadt Altenau 1.621 4,66 348 Torfhaus (2021) 13 Bastesiedlung (2012) 18 Sperberhaier Dammhaus Gemkenthal Polstertaler Zechenhaus (2012) 8 Schulenberg im Oberharz 268 1,75 157 Oberschulenberg (Jul. 2017) 12 Mittelschulenberg Festenburg Forsthaus Ahrendsberg Bergstadt Wildemann 860 3,34 257 Spiegelthaler Zechenhaus Berg- und Universitätsstadt Clausthal-Zellerfeld 15.407 43,71 357

An der TU Clausthal waren im Wintersemester 2021/2022 etwa 3500 Studierende eingeschrieben. In der Stadt sind 2023 insgesamt 1542 Zweitwohner gemeldet.

Klima mini|Klimadiagramm für Clausthal-Zellerfeld Die Stadt wird wegen ihres Klimas bei Sportlern, Asthmatikern und Pollenallergikern geschätzt und ist staatlich anerkannter Luftkurort.

Das Clausthal-Zellerfelder Wetter ist geprägt durch kräftige Westwinde, viel Niederschlag (>1300 mm/a) und insbesondere durch lange sowie schneereiche Winter. Die Temperaturen sind zumeist einige Grad niedriger als im norddeutschen Flachland. Die TU Clausthal wird deshalb scherzhaft als die „einzige Uni mit zwei Wintersemestern“ bezeichnet.Wo Profs sich mit Glückauf begrüßen in Die Zeit vom 16. Juli 1993

Geschichte

Die Geschichte von Clausthal wie auch von Zellerfeld ist eng mit dem Oberharzer Bergbau verbunden, als dessen Hauptort sich die Stadt entwickelte. Dieser lässt sich bis in das 3. oder 4. Jahrhundert n. Chr. zurückverfolgen und beruhte vor allem auf Silber und Blei; ab dem 19. Jahrhundert auch auf Zink.

Vom 9. bis Ende des 19. Jahrhunderts Im 8. Jahrhundert soll Bonifatius im heutigen Zellerfeld eine Kapelle (Zelle) errichtet haben. Die erste Besiedlung des Oberharzes fand Anfang des 13. Jahrhunderts durch Gründung des Benediktinerklosters St. Matthias in Cella (daher oft auch Kloster Cella genannt), dem heutigen Zellerfeld, statt, die wahrscheinlich vom reichsunmittelbaren Stift Simonis et Judae in Goslar ausging. Die Mönche trieben bereits Bergbau und legten 1268 den mittleren Pfauenteich als Staubecken zum Kraftantrieb für ihre Bergwerksanlagen an. Infolge der Pest verödete 1348 diese älteste Ansiedlung.H. Speckter, Bericht der Ortsplanung Clausthal-Zellerfeld Das Kloster wurde 1431 (in anderen Quellen: 1433) vom Papst geschlossen.

Die zweite Besiedelung erfolgte am Anfang des 16. Jahrhunderts, als braunschweigische Herzöge Interesse am Bergbau zeigten, namentlich Heinrich der Jüngere. Der braunschweigische Teil des Oberharzes erhielt von ihm 1532 die erste Bergfreiheit. Zellerfeld erhielt 1529 Stadtrechte und nahm 1539 die Reformation an. 1549 wurde das Bergamt vom älteren Wildemann nach Zellerfeld verlegt. 1554 erhielt auch Clausthal die Bergfreiheit und blühte rasch auf. Schon um 1600 waren 55 Gruben in Betrieb.

Der Name von Clausthal (früher Klausthal) leitet sich wohl von einer Talsperre für die Flößerei her (Klause). Clausthal erhielt 1570 die erste Kirche. Der Oberharz blühte dank dem Bergbau auf. Sächsische Einwanderer aus dem Erzgebirge prägten die Region nachhaltig, etwa mit ihrem oberdeutschen Dialekt (dem Erzgebirgisch).

Im Vorfeld der Schlacht bei Lutter am Barenberge zogen Teile des Tillyschen Heeres in den Oberharz, um zu plündern und zu brandschatzen. Während sich Clausthal kampflos den Angreifern ergab, stellte sich Zellerfeld unter seinem Stadthauptmann Thomas Merten am 19. März 1626 der Übermacht entgegen. Thomas Merten fiel wie die meisten seiner Mitstreiter in diesem Kampf. Ihm zu Ehren erhielt der zentrale Platz in Zellerfeld vor der St.-Salvatoris-Kirche den Namen Thomas-Merten-Platz. mini|Clausthal und Zellerfeld, Stich von Matthäus Merian, 1650 1672 zerstörte ein Brand Zellerfeld fast vollständig. Nach dem Brand wurde Zellerfeld mit neuem, schachbrettartigen Grundriss wieder aufgebaut.

1753 zählte Clausthal-Zellerfeld insgesamt 12.689 Einwohner, davon entfielen 8113 auf Clausthal und 4576 auf Zellerfeld. Von 1777 bis 1799 wurde der Tiefe Georg-Stollen aufgefahren. Der 26 km lange Stollen entwässerte die Bergbaureviere von Clausthal-Zellerfeld, Wildemann, Hahnenklee und Bad Grund.

Nach dem Aussterben der Braunschweig-Wolfenbütteler Linie 1634 wurde Zellerfeld Sitz der Kommunionherrschaft (Kommunionharz) und fiel 1788 an das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg. Von 1807 bis 1813 gehörten Clausthal und Zellerfeld zum Departement des Harzes. Zellerfeld kam dann an das Königreich Hannover und mit diesem 1866 an Preußen.

mini|Fördergerüst des Ottiliae-Schachts von 1876. Es handelt sich um das älteste erhaltene stählerne Fördergerüst in Deutschland.

Seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts stand die Familie Ey aus ClausthalLocal family database Schwiegershausen (Osterode am Harz) / Family report Johann Christian Friedrich EY * in Clausthal auf genealogy.net, [dort ohne Einzelnachweise angegeben] zuletzt abgerufen am 15. Januar 2013 im Zusammenhang mit HeimatschriftstellernVergleiche etwa diese GND-Nummer der Deutschen Nationalbibliothek und deren Sammlungen von Märchen, Sagen und prosaischen Erzählungen im Dialekt der Bergleute aus dem Oberharz sowie mit damit verbundenen Verlagen und Buchhandlungen bis in die neuere Geschichte der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover.Hugo Thielen: EY, (2) Ludwig. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 112f. u.ö.; online über Google-Bücher

Von 1851 bis 1864 trieben Bergleute den 32 km langen Ernst-August-Stollen von der Ortschaft Gittelde am südlichen Harzrand vor. Dieser tiefste Wasserlösungsstollen des Harzes verläuft fast 400 m unter Clausthal und entwässert die Bergbaureviere der Bergstädte Lautenthal, Hahnenklee, Wildemann, Clausthal-Zellerfeld und Bad Grund.

Am 18. April 1854 wurde Clausthal von einer Feuersbrunst schwer in Mitleidenschaft gezogen.Ausführlich: Matthias Blazek: Das Löschwesen im Bereich des ehemaligen Fürstentums Lüneburg von den Anfängen bis 1900. Adelheidsdorf 2006, S. 210.

Im Jahr 1885 hatten Clausthal 8871 und Zellerfeld 4407 meist evangelische Einwohner, die größtenteils entweder in Bergbau und Verhüttung oder in Strick- und Häkelwarenfabriken beschäftigt waren.

Ab dem 20. Jahrhundert Die Bergstädte Clausthal und Zellerfeld wurden 1924 zusammengeschlossen. Clausthal-Zellerfeld war bis zu dessen Auflösung im Jahr 1972 Kreisstadt des Landkreises Zellerfeld. mini|hochkant|Bebauungsplan Clausthal-Zellerfeld, 1935 Obwohl seit 1930 im Stadtgebiet kein Bergbau mehr betrieben wird, hat sich die Stadt ihre enge Verbindung mit dem Bergbau durch das Oberharzer Bergwerksmuseum bewahrt. Auch die Bergakademie und das Oberbergamt erinnern an den ehemaligen Bergbau. Im Zuge des Bergbaus wurden im heutigen Clausthal-Zellerfeld die Fahrkunst durch Georg Ludwig Dörell und das Drahtseil durch Julius Albert erfunden.

Um 1930, auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise, wurde der Bergbau in Clausthal-Zellerfeld wegen mangelnder Lukrativität eingestellt.

Im Deutschen Reich entstand in unmittelbarer Nähe, an der Kreisstraße 38 nach Altenau, die drittgrößte deutsche Sprengstofffabrik, das Werk Tanne. Hier wurde hauptsächlich TNT hergestellt, und sie diente als Füllstelle von Bomben, Minen und Granaten. Sie wurde am 7. Oktober 1944 von 129 schweren Bombern der US-Luftstreitkräfte angegriffen, wobei rund 70 Gebäude zerstört wurden. Auch die Bahnanlagen und verschiedene Gebäude in der Stadt erlitten starke Schäden. Bei dem Luftangriff kamen 92 Menschen ums Leben, wobei die meisten Opfer unter den Zwangsarbeitern zu beklagen waren.Evert Heusinkveld: Die Innerstetalbahn Langelsheim – Altenau, S. 39. Nordhorn 2007 Eine Gedenkstätte am Mittleren Pfauenteich erinnert an die Opfer unter den Zwangsarbeitern bei der Bombardierung des Werkes. Weiterhin wird in Clausthal vor der Marktkirche und in Zellerfeld vor der St.-Salvatoris-Kirche an die Opfer des Todesmarsches der Häftlinge des Konzentrationslagers Dora-Mittelbau bei Nordhausen Anfang 1945 von Osterode über den Harz gedacht. Ein weiteres Mahnmal befindet sich an der Harzhochstraße nahe dem Hirschler Teich.

Die Gründung der ersten deutschen Jugendfeuerwehr nach dem heutigen Modell erfolgte im August 1948 in Clausthal-Zellerfeld.

Heutzutage ist Clausthal-Zellerfeld besonders durch seine Technische Universität bekannt. Ursprünglich eine reine Ausbildungsstätte für Berg- und Hüttenleute, ist die TU in der Gegenwart eine Hochschule mit breiter gefächertem Studienangebot vorwiegend technischer Natur.

Im November 2024 nahm Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer in Clausthal-Zellerfeld Europas größte Pflanzenkläranlage in Betrieb. Ihr Ziel: das Gelände der ehemaligen Sprengstofffabrik Werk Tanne von sprengstofftypischen Schadstoffen zu reinigen.Christian Hille, Lars Wiedemann: NeuHarz - Aus Vergangenheit wächst Zukunft. Murmann Verlag, Hamburg 2025, ISBN 978-3-86774-818-6, S. 157.

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