mini|Sanspareil und die Burg Zwernitz von Süden mini|Luftbild von Westen mini|Morgenländischer Bau

mini|Blick vom Morgenländischen Bau auf den Küchentrakt mini|Ruinentheater

Sanspareil ([], oberfränkisch: Sambarell)E. F. v. Guttenberg: Land- und Stadtkreis Kulmbach, S. 201. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „sambarell“. ist ein Dorf in der Marktgemeinde Wonsees im oberfränkischen Landkreis Kulmbach in Bayern. Die Gemarkung Sanspareil hat eine Fläche von 16,240 km². Sie ist in 1945 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 8349,52 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Gelbsreuth, Großenhül und Kleinhül. Bekannt ist der Ort durch den Felsengarten Sanspareil unterhalb der mittelalterlichen Hohenzollernburg Zwernitz.

Geographische Lage Das Dorf Sanspareil mit der Burg Zwernitz liegt im Naturpark Fränkische Schweiz – Frankenjura und ist etwa 20 km von Bayreuth im Osten und 16 km von Kulmbach im Nordosten entfernt. Im Nordteil der Fränkischen Alb schmiegt es sich an einen schmalen Dolomitfelsen (ca. 470 bis des BfN). Das Dorf ist von der nördlich gelegenen Anschlussstelle Schirradorf (Nr. 21) der Bundesautobahn 70 zu erreichen. Durch den Ort verläuft der Fränkische Marienweg.

Geschichte Anlegen ließ diesen Garten Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, die Schwester Friedrichs des Großen, im Jahre 1744. Als Architekten des Felsengartens werden Joseph Saint-Pierre und Giovanni Battista Pedrozzi genannt. Der Name des Parks geht auf den Ausruf einer Hofdame des Bayreuther Markgrafen zurück: „C’est sans pareil!“ (Dies ist ohnegleichen!). Markgräfin Wilhelmine beabsichtigte, dort damals übliche Wasserspiele anlegen zu lassen. Dies war jedoch angesichts der Lage mit damaligen Mitteln nicht machbar, so dass sich die Gesamtanlage nicht weiter ausbauen ließ. Das Interesse der Markgräfin ließ daher wesentlich nach. Ergänzt wurde der Garten von Markgraf Carl Alexander. Das Felsentheater wurde als römische Ruine gestaltet, eine natürliche Felsgrotte dient als Zuschauerraum.

In den nachfolgenden Jahrhunderten verfiel die Anlage. Die vielen Bauten verschwanden, da sie – vor allem im Park – nur aus Holz gefertigt waren, oder wurden auf Abbruch verkauft, um für eine Straße Platz zu schaffen. Gegenwärtig sind nur noch der Morgenländische Bau, das Felsentheater und der Küchenbau vorhanden. 1984 wurde das abgesenkte Parterre zwischen dem Morgenländischen Bau und dem Küchenbau nach einer Stichvorlage von 1748 rekonstruiert.

Mit dem Gemeindeedikt wurde Sanspareil dem 1811 gebildeten Steuerdistrikt Wonsees zugewiesen. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Sanspareil, zu der Gelbsreuth, Großenhül und Kleinhül gehörten.R. Barth: Kulmbach: Stadt und Altlandkreis, S. 771f. Am 1. Juli 1972 wurde Sanspareil im Zuge der Gebietsreform in Bayern in den Markt Wonsees eingegliedert.

Anlage Im Garten befinden sich eine große Anzahl bizarrer Felsgruppen, eine Grottenanlage, Architekturelemente und Skulpturen aus der griechischen Mythologie. Das markanteste Beispiel ist das Felsentheater in Form einer künstlichen Ruine, das noch bespielt wird, unter anderem von der Studiobühne Bayreuth. Das gesamte Ensemble sollte die Kulisse zu Szenen aus dem Roman Les Aventures de Télémaque, fils d’Ulysse (deutsch 1733 mit dem Titel: Die seltsamen Begebenheiten des Telemach) des Erzbischofs François Fénelon bilden. Ein ähnlicher Felsengarten ist die Eremitage (Arlesheim) in der Schweiz.

Im kleinen Innenhof des Morgenländischen Baus wächst ein Baum.

Sonstiges 1808 und 1809 verübte Anna Margaretha Zwanziger in Sanspareil zwei Giftmorde.

Das Ensemble aus Park, Morgenländischem Bau und der mittelalterlichen Burg Zwernitz wurde von dem Unternehmen Briggs & Stratton im Sommer 2002 zum schönsten Park in Deutschland gekürt.

Literatur nach Autoren / Herausgebern alphabetisch geordnet

Martin Brunckhorst: Die Grotte der Kalypso – Das literarische Programm von Sanspareil. In: Ulrich Ernst (Hg.): Laborintus litteratus. Festgabe für Dietrich Weber zum 60. Geburtstag. Bergische Universität-Gesamthochschule Wuppertal, Wuppertaler Broschüren zur Allgemeinen Literaturwissenschaft Nr. 7. 1995 (WAL 7), S. 119–148.

Andrea M. Kluxen: Die Ruinen-Theater der Wilhelmine von Bayreuth. In: Archiv für Geschichte von Oberfranken. Bd. 67 (1987), S. 187–255 Peter O. Krückmann: Sanspareil. Burg Zwernitz und Felsengarten. Amtlicher Führer der Bayerischen Schlösserverwaltung, 140 Seiten, 1. Auflage, München 2012, ISBN 978-3-941637-14-6. Luise Maslow: „Die Natur selbst war die Baumeisterin“. Der Felsgarten Sanspareil der Wilhelmine von Bayreuth als Ergebnis kultureller Austauschprozesse. In: Die Gartenkunst, Band 28 (2017), Heft 2, S. 250–261.

Ingo Toussaint: Lustgärten um Bayreuth. Eremitage, Sanspareil und Fantaisie in Beschreibungen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Georg Olms, Hildesheim 1998, ISBN 3-487-08401-5.

Weblinks

Bayerische Schlösserverwaltung Bericht mit Bildern, Schlosscafe, der Burg und GPX Karte als Wanderweg

Fußnoten

Kategorie:Parkanlage in Bayern Kategorie:Geographie (Fränkische Schweiz) Kategorie:Ort im Landkreis Kulmbach Kategorie:Geographie (Wonsees) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Kulmbach) Kategorie:Gemeindegründung 1818 Kategorie:Gemeindeauflösung 1972 Kategorie:Gemarkung im Landkreis Kulmbach