mini|300px|Panorama der Altstadt von Hollfeld Hollfeld () ist eine Stadt im oberfränkischen Landkreis Bayreuth, ein staatlich anerkannter Erholungsort und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Hollfeld.
Geografie Geografische Lage mini|Lage in der Mitte der Fränkischen Schweiz mini|Stratigraphisches Profil Bamberg – Hollfeld – Bayreuth – Fichtelgebirge
Der staatlich anerkannte Erholungsort Hollfeld liegt 25 Kilometer westlich von Bayreuth und 35 Kilometer östlich von Bamberg im nördlichen Teil der Fränkischen Schweiz am Zusammenfluss der Flüsse Wiesent und Kainach.
Das Gebiet der Stadt liegt im Westen des Landkreises Bayreuth und grenzt an die Landkreise Bamberg, Lichtenfels und Kulmbach.
Geschichte Vor und frühgeschichtliche Besiedlung Der Burg- und Siedlungskern von Hollfeld ist bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit belegt. Auf dem Hohen Knock, im Bereich des nordöstlich von Hollfeld gelegenen Gemeindeteiles Loch, befand sich auf einem Hügel über einer Felshöhle eine kleine frühgeschichtliche Befestigungsanlage, die Loch zu seinem Namen verhalf. Wallreste sind noch erkennbar. Es wurden verschiedene Objekte aus unterschiedlichen Zeitschichten gefunden, darunter eine latènezeitliche Linsenflasche, ein Rasiermesser aus der frühen römischen Kaiserzeit (1. Jahrhundert), eine bronzene Röhrenhülse aus der späten römischen Kaiserzeit (ca. 350) sowie einige Pfeilspitzen, die vermutlich der späten Kaiserzeit oder frühen Völkerwanderungszeit (4./5. Jahrhundert) zuzuordnen sind.Neues aus der Archäologie – Eine Befestigung bei Loch, Stadt Hollfeld. (Landschaftsmuseum Obermain Plassenburg). Auch in Wiesentfels deuten Funde auf eine völkerwanderungszeitliche Befestigungsanlage hin.
Erste Erwähnung Hollfeld blickt auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück. Es wurde im Jahr 1017 erstmals urkundlich erwähnt, als der Bischof von Würzburg die Kirchen-Zehnten der einst zu Hollfeld gehörenden Dörfer an den Bamberger Bischof abtrat.
Hollfeld hat noch die Siedlungsstruktur einer Spornsiedlung, was auf eine Kernsiedlung nach Art der Markgrafen von Schweinfurt schließen lässt. Stellvertreter dieser Markgrafen war die Walpoten-Familie. Nachdem die Markgrafenfamilie 1057 ausgestorben war, verschenkte Reginolt Walpoto im Jahr 1059 seine Güter in Hollfeld und Umgebung zur Ausstattung des von ihm mitbegründeten Stifts St. Gangolf in Bamberg. mini|Alte Karte mit Bamberg (unten) und der Burg Holfelt (oben Mitte) aus dem 16. Jahrhundert. Nach Osten (oben) ist die Karte stark verzerrt
Stadterhebung Anlass für die Gründung einer Stadt mit Burgcharakter war vermutlich die Rivalität mit den Andechs-Meraniern, die im Umland Besitzungen hatten. Einen genauen Nachweis für die Erhebung Hollfelds zur Stadt gibt es nicht. Immerhin wurde es bereits im Jahr 1285 in einer auswärtigen Urkunde als Stadt bezeichnet. Der erste genaue Nachweis der Stadteigenschaft, der Siegelstempel mit der Umschrift „S. CIVITATIS IN HOLVVELT“, stammt aus dem Jahr 1329.
15. und 16. Jahrhundert Als Grenzfestung zwischen dem Hochstift Bamberg und dem Markgraftum Kulmbach-Bayreuth spielte Hollfeld eine bedeutende Rolle, wurde aber auch durch Kriege und Brände mehrmals zerstört. Dazu zählen die Verwüstungen durch die Hussiten im Jahr 1430 und der Markgrafenkrieg 1552/53.
17. Jahrhundert Auch im Dreißigjährigen Krieg wurde Hollfeld schwer heimgesucht. 1630/31 wurde die Stadt verwüstet und 1634 wütete die schwarze Pest so heftig, dass nur 14 Ehepaare übrig blieben. 1724 wurde die Stadt durch einen weiteren verheerenden Stadtbrand zerstört. Im Stadtbuch Hollfeld wird Folgendes geschildert:
19. Jahrhundert Bis zum Ende des Hochstifts Bamberg verwaltete ein Vogt von St. Gangolf die Hollfelder Propstei. Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gehört der Ort wie weite Teile Frankens zu Bayern.
Napoléon Bonaparte zog über Hollfeld zum Russlandfeldzug. Während der Befreiungskriege gegen Napoleon sollen in den Jahren 1812 bis 1815 rund 8000 russische Soldaten in der Gegend um Hollfeld einquartiert gewesen sein.
Vermutlich legte Napoleon die Strecke Bamberg in sieben Stunden zurück. Offensichtlich arbeiteten die bayerischen Straßenbehörden nach französischen Vorstellungen nicht rasch genug, denn am 12. April wurde reklamiert:
Daraufhin scheint eine erhebliche Intensität der Dienststellen eingesetzt zu haben, denn schon am 16. April meldet Hollfeld den Beginn der Pflasterung.
20. Jahrhundert mini|Bahnhof Hollfeld kurz vor der Inbetriebnahme Am 12. März 1904 wurde die Bahnstrecke Bayreuth–Hollfeld eröffnet, mit der Aufnahme des Bahnbetriebs wurde die Pferdepostlinie Bayreuth–Waischenfeld eingestellt.
Der Endbahnhof Hollfeld wies drei durchgehende Gleise auf, dazu mehrere Stumpfgleise. Im Maschinenhaus, einem zweiständigen Lokomotivschuppen mit Wohngebäude, konnte das Zugpersonal übernachten. Es blieb, wie auch das Bahnhofs- und ein weiteres Nebengebäude, erhalten. Die letzte Fahrt, eine Sonderfahrt mit einer Dampflokomotive, erfolgte am 28. September 1974 unter großem Zuspruch der Bevölkerung. Von der ursprünglich geplanten Fortführung des Betriebs im reinen Güterverkehr sah man ab. Der Abbau der Gleise erfolgte sehr schnell, bis Obernsees wurde die Trasse zum Radweg umgebaut und Anfang der 2000er Jahre asphaltiert. Zwischen Obernsees und Plankenfels wurde die Bahntrasse zum Ausbau und Begradigung der Staatsstraße St 2186 genutzt.
Am Schnittpunkt von bedeutenden Straßen gelegen, nahm Hollfeld schon früh eine bedeutende Rolle in der Region ein. Hollfeld besaß Stadt- und Marktrecht, was Kaufleute anzog. 1937 waren zwölf Jahrmärkte, drei Viehmärkte und 24 Schweine- und Ferkelmärkte ausgewiesen.
In der Nacht auf den 3. April 1945 kamen im Hollfelder Pfarrhaus vier Männer zusammen: Der Bamberger Weihbischof Artur Landgraf, der Hollfelder Stadtpfarrer Kurt Weirather, der Bayreuther NS-Oberbürgermeister Fritz Kempfler und der Nürnberger SS-General Benno Martin. Der Inhalt des Gesprächs ist nicht bekannt. Es wird aber vermutet, dass Hollfeld und Pottenstein vor der Zerstörung verschont bewahren wollten, indem sie die Jura-Verteidigungslinie verhinderten und somit neben Bamberg auch Hollfeld vor der Zerstörung gerettet haben sollen.
Der Begriff „Juralinie“ findet sich allerdings in keinem einzigen offiziellen Dokument. Die einzige Skizze, die den Verlauf der Juralinie zeigen soll, stammt aus dem Bamberger Volksblatt von 1955.
Pfarrer Weirather gelobte damals: Wenn Hollfeld von der Zerstörung verschont bliebe, würde der Obere Markt in Marienplatz umbenannt und dort eine Marienstatue aufgestellt werden. Außerdem sollte jedes Jahr am 15. August eine Dankprozession stattfinden.
Gemeinde Hollfeld Die Gemeinde entstand im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern mit dem Gemeindeedikt von 1818. Von 1862 an bestand die Distriktsgemeinde Hollfeld mit 89 Orten, bevor diese 1919 mit dem Bezirksamt Ebermannstadt vereinigt wurde. Im Rahmen der Gebietsreform kam es durch die Eingliederung von acht Gemeinden in mehreren Schritten zur Bildung einer Großgemeinde. Am 1. Juli 1971 wurde zunächst ein Teil der ehemaligen Gemeinde Drosendorf an der Aufseß eingegliedert. Am 1. Januar 1972 folgten Freienfels, Schönfeld, Stechendorf, Treppendorf, Weiher und Wiesentfels. Kainach kam am 1. Juli 1972 hinzu. Gleichzeitig wurde Hollfeld dem Landkreis Bayreuth zugewiesen. Am 1. Mai 1978 wurden Krögelstein und Teile der aufgelösten Gemeinde Hochstahl eingegliedert.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Hollfeld hat 24 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
Es gibt die Gemarkungen Drosendorf, Hochstahl (Gemarkungsteil 1), Hollfeld, Kainach, Krögelstein, Schönfeld (Gemarkungsteil 0), Stechendorf, Treppendorf, Weiher, Wiesentfels. Die Gemarkung Hollfeld hat eine Fläche von 11,836 km². Sie ist in 2540 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 4659,78 m² haben.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Wonsees, Thurnau, Mistelgau, Plankenfels, Aufseß, Königsfeld, Stadelhofen und Weismain. Madonnenraub mini|Riemenschneider-Madonna in Volkach Im Jahr 1962 gelangte die Stadt Hollfeld überregional in die Medien. Die berühmte Riemenschneider-Madonna aus Volkach wurde am 7. August 1962 bei einem spektakulären Raubüberfall aus der Wallfahrtskirche Maria im Weingarten entwendet und von den Dieben in Hollfeld nahe der sog. Badersleite vergraben. Präpariert mit einer Schutzschicht aus Schuhcreme und Bohnerwachs verblieb das Kunstwerk bis zu seiner Auslösung unter der Erde.
Im Oktober 1962 erreichte der Stern-Verleger Henri Nannen die Herausgabe des kostbaren Diebesguts gegen eine Lösegeldzahlung von 100.000 DM.Egert, Gerhard: Henri Nannen und der Volkacher Kunstraub 1962. S. 176.domradio.de. Er hatte während seines Studiums der Kunstgeschichte die Plastiken Riemenschneiders kennengelernt. Nannen schützte sich vor eventuellen Vorhaltungen, indem er betonte, er wolle die Kunstwerke zurückbekommen und nicht die Verbrecher belohnen.
Nach dem Einbruch in die Volkacher Wallfahrtskirche setzte die Bande ihre Raubzüge fort. Sie plante im Herbst 1963 unter anderem einen Überfall auf die Volksbank Hollfeld und beging in Hirschaid einen Raubmord, als sie die Raiffeisenbank des Ortes überfielen.
Alte Straßen- und Flurnamen Herkunft des Ortsnamens Hollfeld hieß im Mittelalter Holevelt. Das Wort Feld bedeutete ursprünglich Gebiet oder Besitz und kommt auch in den Namen benachbarter Ortschaften häufig vor (z. B.: Königsfeld, Steinfeld, Waischenfeld und Schönfeld). Im Erbachtal gibt es die Wüstung Alten-Hollfeld.
Hinter Hole verbirgt sich vermutlich das slawische Wort gola (g = h), das unbebautes, waldfreies Gebiet bedeutete.
Flurnamen Der Flurname Heide kommt überall in der Hollfelder Flur vor (nach Westen die Äußere Heide, nach Süden die Grüne Heide, außerhalb die Weiße Heide, nordöstlich die Bergheide). Außerdem gibt es im Bereich der Kleinen Heide den Oberen und den Unteren Goll. Heide bezeichnete häufig auch Grenzlagen und ein waldfreies Gebiet zwischen zwei Siedlungszonen.
Straßennamen mini|Hollfelder Türkei Straßennamen in der Stadt Hollfeld wie Am Graben oder Am Wallberg verweisen auf alte Befestigungsanlagen. Die Bahnhofstraße ist ein Hinweis darauf, dass Hollfeld bis zum Jahr 1974 einen Bahnanschluss besaß. Die Judengasse erinnert an die früher dort ansässigen Juden. Der Straßenname Türkei in der Unterstadt stammt aus dem 17. Jahrhundert, als osmanische Kriegsgefangene bis nach Hollfeld verschleppt wurden. Sie wurden meist getauft und haben sich später assimiliert. Von diesen Bewohnern wird zum Beispiel erwähnt, dass ein „Prinz aus Arabien ein Almosen'“ erhalten habe und noch in einem Protokollbuch des Jahres 1764 ist die Rede von einer „dürkischen Music“.
Chronologie 24. Oktober 1017 Erste urkundliche Erwähnung 1329 Erwähnung des oppidum holuelt als Stadt 1348 Bezeichnung castrum als bischöfliche Landesburg 1419 Erwähnung als bedeutender Straßenknotenpunkt 1417–1432 Erwähnung von Liegenschaften um und in Hollfeld im Liber freudalis ecclesiae St. Gangolphi, dem Lehnsbuch des Stiftes St. Gangolf in Bamberg 1430 Brandschatzung im Hussitenkrieg 1553 und 1554: Brandschatzung im Markgräflerkrieg 1632 Brandschatzung durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg 1634 Pest-Epidemie 1724 Großer Stadtbrand 1804 Landgericht Hollfeld 1812 Kaiser Napoleon I. zieht über Hollfeld zum Russlandfeldzug, Einquartierung von Soldaten bis 1823 1877 Errichtung des Amtsgerichts 1904 Einweihung der Eisenbahn Bayreuth-Hollfeld 1945 Stadtpfarrer Kurt Weirather rettet die Stadt vor der Zerstörung durch US-amerikanische Soldaten 1964 Auflösung des Amtsgerichts 1971 Errichtung der Gesamtschule 1972 Auflösung des Landkreises Ebermannstadt und Eingliederung von Hollfeld in den Landkreis Bayreuth
Einwohnerentwicklung