Das Füsilier-Regiment „Kaiser Franz Josef von Österreich, König von Ungarn“ (4. Württembergisches) Nr. 122 war ein von 1806 bis 1919 bestehender Verband des württembergischen Heeres.
Geschichte Name Am 15. Mai 1807 wurde das Regiment aus dem Füsilier-Bataillon von Etzdorff durch Aufstellung eines zweiten Bataillons aus den 5. Kompanien der Musketier-Bataillone von Lilienberg und von Seckendorff gebildet. Am 17. September 1809 wurde es in Füsilier-Regiment „von Koseritz“, am 17. Mai 1811 in Infanterie-Regiment Nr. 7 umbenannt,Durch eine K. Ordre vom 27. Mai 1811 (Württ. Regierungsblatt 1811 Nro. 25, 1. Juni, S. 265) da in Württemberg die Benennung der Regimenter geändert wurde, an Stelle der Bezeichnung nach dem Regimentsinhaber trat eine durchgehende Nummerierung. am 13. Oktober 1813 in Infanterie-Regiment Nr. 8. Mit der Militärreform 1817 hieß es ab 31. März 1817 4. Infanterie-Regiment.
Nach Abschluss der Militärkonvention mit dem Norddeutschen Bund vom 21./25. November 1870 erhielt es wie alle württembergischen Truppenteile zur Unterscheidung von Truppenteilen anderer deutscher Staaten am 2. Oktober 1871 den entsprechenden Zusatz 4. Württembergisches Infanterie-Regiment. Am 18. Dezember 1871 erhielten alle württembergischen Regimenter zusätzliche Nummern. Diese entsprachen der fortlaufenden Nummerierung aller Regimenter des deutschen Bundesheeres, unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu einem der Kontingente. Das Regiment erhielt die Nummer 122 und wurde damit zum 4. Württembergisches Infanterie-Regiment Nr. 122. Alle Truppenteile erhielten am 14. Dezember 1874 die endgültige Schreibweise und Nummerierung: Infanterieregiment (4. Württembergisches) Nr. 122. Nach der Ernennung eines Chefs am 9. Januar 1892 hieß es 4. Württembergisches Infanterie-Regiment Nr. 122 „Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, König von Ungarn“ und erhielt am 10. November 1906 in Angleichung an seinen Gründungsnamen die Bezeichnung Füsilier-Regiment „Kaiser Franz Joseph v. Österreich, König v. Ungarn“ (4. Württembergisches) Nr. 122.
Am 30. April 1919 wurde das Regiment aufgelöst. mini|Das Offizierskorps des 4. württembergischen Füsilier-Regiments Nr. 122 „Kaiser Franz Josef von Österreich, König von Ungarn“; ca. 1908 mini|Feldgottesdienst auf dem Hof der Heilbronner Kaserne vor dem Ausmarsch im August 1914 mini|Denkmal des Regiments auf dem Friedensplatz in Heilbronn
Die Tradition des Regiments übernahmen in der Reichswehr die 5. und 7. Kompanie des 13. (Württ.) Infanterie-Regiments.
Garnisonen 1806 Hohenasperg 1807 Gundelsheim 1809 Schloss Horneck 1810 Stockach 1810 Crailsheim, Hall 1813 Hohenasperg 1815 Besatzung in Frankreich 1818 Heilbronn 1833 Stuttgart„Nach österreichischem Vorbild wechselten die Regimenter 1833 und 1842 ihre Garnisonen, um einer festen Verwurzelung der Kader in den Städten vorzubeugen.“ Zitiert nach Harder, Seite 66 1852 Ludwigsburg 1866 Ulm 1871 I. Bataillon Ulm, II. Bataillon Mergentheim 1872 I. Bataillon Ludwigsburg, II. Bataillon Mergentheim 1873 III. (Füsilier-)Bataillon Ludwigsburg 1879 Hohenasperg 1883 Ludwigsburg 1890 Gmünd 1897 Heilbronn 1893–1895 IV. Bataillon Gmünd 1897 Heilbronn 1914 II. Bataillon Mergentheim
Teilnahme an Kriegen 1806/07 auf Seiten Frankreichs gegen Preußen, Stärke 39 Offiziere, 133 Unteroffiziere und 1.268 Mann in 2 Grenadier- und 6 Füsilier-Kompanien. Das Regiment nahm an keinen Kampfhandlungen teilt und war Besatzung in Glogau. 1809 auf Seiten Frankreichs gegen Österreich in der Division Vandamme. Stärke 31 Offiziere und rund 1.419 Mann. Das Regiment kämpfte bei Linz und Traismauer. 1812 auf Seiten Frankreichs gegen Russland im Armeekorps Ney, Stärke 33 Offiziere und rund 1.400 Mann. Das Regiment rückte bereits am 6. April 1811 aus als Besatzung von Danzig und war Anfang 1812 Besatzung in Königsberg.Nach der Schlacht von Borodino wurden die Reste der württembergischen Infanterie in drei Bataillonen formiert. Nach der Schlacht bei Borissow am 22. November 1812 war das Regiment noch rund 100 Mann stark, nur 53 Mann kamen aus Russland zurück. Alle Fahnen wurden jedoch zurückgebracht. 1813 auf Seiten Frankreichs gegen Russland/Preußen im III. Armeekorps Reynier, Stärke 30 Offiziere und 1.175 Mann. Einsatz u. a. in Bautzen, Groß-Rosen, Jüterbog und Euper. Nach der Schlacht bei Dennewitz wurden die Reste der württembergischen Infanterie, das Regiment noch 1 Offizier und 70 Mann stark, in drei Bataillonen formiert. Das Regiment kam in der Völkerschlacht bei Leipzig nicht zum Einsatz und marschierte nach Württemberg zurück. Alle Fahnen wurden zurückgebracht. 1814 im Krieg gegen Frankreich mit der Hauptarmee (württembergisches Korps im IV. Korps), Stärke 14 Offiziere und 716 Mann. Das Regiment wurde zunächst als II. Bataillon dem Leichten Infanterie-Regiment Nr. 10 zugeteilt, nahm an der Schlacht bei Paris aber wieder als selbständiges Regiment teil. 1815 gegen Frankreich in der 4. Armee „von Schwarzenberg“, Stärke rund 1.400 Mann. Das Regiment blieb bis 1818 im Elsass. 1849 bei der Unterdrückung der Badischen Revolution war das I. Bataillon des Regiments (13 Offiziere, 558 Mann) mit dem II. Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 4 als Kombiniertes Infanterie-Regiment von Reinhardt im preußischen Armee-Korps von Peuker bei Käfertal und Gernsbach eingesetzt 1866 im Deutschen Krieg bildeten 10 Kompanien des Regiments die Besatzung der Bundesfestung Ulm 1870/71 gegen Frankreich. Das I. Bataillon stellte Besatzungen in Ulm, Stuttgart, Hagenau, Zabern, Baccarat, Épinal, Saarburg i. L. sowie Straßburg und versah Etappendienste 1900 am zweiten internationalen Expeditionskorps in China nahmen 9 Unteroffiziere und 81 Mann teil. 1904/06 am Kampf gegen die Herero nahmen 3 Offiziere, 10 Unteroffiziere und 57 Mann des Regiments teil. Verluste: 2 Gefallene, 1 Verwundeter, 6 Verstorbene. Im Ersten Weltkrieg kämpfte das Regiment zunächst innerhalb der 26. Division (1. Königlich Württembergische) an verschiedenen Fronten. Das XIII. Armee-Korps kämpfte zunächst in den Argonnen.
Ab 1. Dezember 1914 bildeten die 26. (württ.) Infanterie-Division und die 25. (hessische) Reserve-Division (mit unterstelltem württ. Feldartillerie-Regiment 13) das „XIII. Korps Fabeck“ bei der 9. Armee (Mackensen) in Polen,Stärke des Regiments am 26. November 194: 48 Offiziere, 2.276 Mann, 238 Pferde, 78 Fahrzeuge das bei Kozlow an die Bzura vorstieß. Im März 1915 wurde das XIII. Korps der 12. Armee Gallwitz unterstellt und nach Norden nach Przasnysz verlegt.
Am 17. Mai 1915 kam das Regiment zur 209. Infanterie-Brigade der neu aufgestellten 105. Infanterie-DivisionMoser, S. 44. Während der Großoffensive im Osten ab Juni stieß das Regiment (verstärkt durch die 4. Landwehr-Eskadron XIII) bis Juli in den Raum nördlich Brest-Litowsk vor. Danach wurde die Division nach Süden verlegt und wurde ab 6. Oktober bei der Offensive gegen Serbien im Korps v. Winckler der 3. österr.-ungar. Armee (v. Köveß) eingesetzt, das Regiment erreichte dabei unter ständigem Kampf Veles und war ab 13. November bis 18. Juni 1916 zum Schutz der Bahnlinien und der Grenze zu Griechenland zwischen Vardar und Dojransee eingesetzt.
Im Juni 1916 verlegte das Regiment im Bahntransport nach Galizien zum deutsch-österreichisch-ungarischen Korps Graf Bothmer und wurde während der Zweiten Brussilow-Offensive in Abwehrkämpfen bei Karolówka (Burgau) am 7. August (nur noch insgesamt 450 MannVoigt, S. 408ff.Gnamm, S. 173:46 Gefallene, 288 Verwundete, 975 Vermisste.) und bei Byszow Anfang SeptemberGnamm, S. 185: 48 Gefallene, 301 Verwundete, 667 Vermisste beinahe aufgerieben. Danach wurde es im September nach Kurland an die Düna verlegt und blieb vom 15. September bis 15. Februar 1917 bei Jakobstadt in einer ruhigen Stellung (durch Ersatz wieder eine Stärke von 77 Offizieren, 2.863 Mann und 380 PferdeGnamm S. 195).Gnamm, S. 195: „Von diesen an sich recht stattlichen Zahlen gingen jedoch durch die vielen Kommandos hinter der Front eine Menge […] ab. Bis alle Einrichtungen wie Köhlereien, Pionierparks, Elektrizitätswerk, Ziegeleien, Wegebaukommandos, Holzfällkommandos, Bäckereien, Entlausungsanstalten, Förderbahnbetrieb, Kampfschule usw. ihre nötigen Mannschaften hatten, waren die Grabenstärken der Kompanien selten mehr als 70–90 Mann zu halten.“
Im Februar 1917 wurde das Regiment an die Westfront verlegt, in Lothringen für den Stellungskrieg ausgebildet, von April bis Mai erst als Eingreif-Regiment, dann in Stellungen an der Aisne und ab September vor Verdun eingesetzt.
1918 kämpfte war das Regiment im Frühjahr in der „Operation Michael“, im August an der Somme, im September in Flandern, ab Oktober wieder in Nordfrankreich (Maubeuge). In den Rückzugskämpfen ging sie auf die Antwerpen-Maas-Stellung zurück.
Nach dem Waffenstillstand von Compiègne erfolgte der Rückmarsch über Spa, Siegburg und Ferndorf in den Raum Waldeck (Ankunft 5. Dezember). Von dort erreichte das Regiment wieder im Fußmarsch ab 15. Dezember über Kissingen und Mergentheim (1. Januar 1919), am 4. Januar 1919 seine Friedensgarnison in Heilbronn. Zum Regiment gehörten während des Krieges rund 19.000 Mann. Die Gesamtverluste betrugen 3.510 Gefallene, 436 Vermisste, 8.774 Verwundete und 1.933 Gefangene.Gnamm, S. 302
Auftrag Das Regiment hatte den Auftrag, den infanteristischen Feuerkampf zu führen. Im Frieden wurden die Soldaten hierzu an entsprechenden Waffen sowie als Krankenträger ausgebildet.
Organisation Verbandszugehörigkeit Bis 1816 gab es in Württemberg im Frieden keine Großverbände. Solche wurden nur für einzelne Feldzüge zusammengestellt.
Mit der grundlegenden Neuorganisation 1817 wurde das württembergische Heer erstmals auch im Frieden in Großverbände gegliedert. Das Regiment bildete zusammen mit dem 4. Infanterie-Regiment die 2. Brigade in der 1. Division. Im Juli 1849 wurde wieder eine Neugliederung des württembergischen Heeres befohlen. Die Infanterie wurde in nur einer Division (ohne Nummer) zusammengefasst.
Von 1871 bis 1914 gehörte das Regiment zur 52. Infanterie-Brigade (2. Königlich Württembergische) in Ludwigsburg, 26. Division (1. Königlich Württembergische), XIII. (Königlich Württembergisches) Armee-Korps.
Während des Ersten Weltkriegs blieb das Regiment zunächst bei der 27. Division. Im Mai 1915 kam es zur 209. Infanterie-Brigade der neu aufgestellten preußischen 105. Infanterie-Division, wurde vom 23. Februar 1916 der 101. Infanterie-Brigade in der 101. Infanterie-Division unterstellt und kam am 14. Juli 1916 wieder zur 105. Infanterie-Division. Während der Abwehrgefechte bei Korolówka war das Regiment kurzfristig vom 29. Juli bis 10. August direkt der 6. k.u.k. Kavallerie-Truppen-Division unterstellt.
Ab 22. Februar 1917 war das Regiment der 247. Infanterie-Brigade in der 8. Württembergischen Ersatz-Division, ab 1. April 1917 243. (Württembergische) Infanterie-Division,Die bisherige Preußische 8. Ersatz-Division wurde am 1. Februar 1917 in 8. Württembergische Ersatz-Division, am 1. April 1917 in 243. (Württembergische) Infanterie-Division umbenannt, Moser S. 123 unterstellt.Moser, S. 123
Gliederung Bis 1871 bestand das Regiment aus zwei Bataillonen.
1813 wurde das Regiment mit zwei Bataillonen zu je 4 Kompanien aus den 55 Rückkehrern des Russlandfeldzugs, Rekruten und dem II. Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 8 neu aufgestellt.
1814 im gegen Frankreich wurde das Regiment mit einer Stärke 14 Offiziere und 716 Mann zunächst als II. Bataillon dem Leichten Infanterie-Regiment Nr. 10 zugeteilt und am 15. März 1814 durch Mannschaften des ’’Land-Regiment Nr. 10’’ (Landmiliz) als II. Bataillon wieder selbständig.