Margarete von Sachsen (* 1444, vermutlich in Meißen; † nach dem 19. November 1498, wahrscheinlich in Seußlitz) war eine Angehörige des Hauses Wettin. Als Tochter des sächsischen Kurfürsten Friedrich II. wurde sie 1459 dem Klarissenkloster Seußlitz an der Elbe übergeben und stand diesem spätestens seit 1461/63 über rund drei Jahrzehnte als Äbtissin vor. Sie ist neben Beatrix von Meißen eine von nur zwei bekannten Äbtissinnen des Klosters, die dem landesherrlichen Haus entstammten.

Leben

Herkunft und Familie

Margarete war eine Tochter des Kurfürsten Friedrich II. von Sachsen (1412–1464) aus dessen Ehe mit Margarete (1416/17–1486), Tochter des Herzogs Ernst von Österreich. Über ihre Mutter war sie eine Nichte Kaiser Friedrichs III. Ihre Brüder Ernst und Albrecht begründeten 1485 die ernestinische und die albertinische Linie des Hauses Wettin. Ihre Schwester Amalia wurde Herzogin von Bayern-Landshut, ihre Schwester Anna 1470 Kurfürstin von Brandenburg, ihre jüngere Schwester Hedwig 1458 Äbtissin von Quedlinburg.

Das Geburtsjahr 1444 beruht allein auf dem zeitnah entstandenen, von Ernst Gotthelf Gersdorf edierten Chronicon terrae Misnensis, das Margarete bei ihrer Übergabe an das Kloster im Jahr 1459 als fünfzehnjährig bezeichnet. Das in älterer und populärer Literatur verbreitete Geburtsjahr 1449 geht wahrscheinlich auf eine Verwechslung mit ihrer gleichnamigen Base, einer 1449 geborenen Tochter Herzog Wilhelms III., zurück.Otto Posse: Die Wettiner. Genealogie des Gesammthauses Wettin Ernestinischer und Albertinischer Linie. Giesecke & Devrient, Leipzig/Berlin 1897, S. 67 (Digitalisat).

Eintritt in das Kloster Seußlitz

Wie ihre Schwester Hedwig wurde Margarete als nachgeborene Tochter des Kurfürsten geistlich versorgt. Nach dem Chronicon terrae Misnensis übergab Friedrich II. sie am Margaretentag 1459 dem Klarissenkloster Seußlitz „zum Dienst an Gott“ (deo serviendam). Solche Klostereintritte fürstlicher Töchter ersparten dem Haus eine standesgemäße Mitgift, sicherten ihm Einfluss auf ein bedeutendes geistliches Institut und banden dieses zugleich in die dynastische Memoria ein.

Das 1268 von Markgraf Heinrich der Erlauchte gestiftete Kloster Seußlitz bot sich dafür besonders an: Anlass der Gründung war der Tod seiner zweiten Gemahlin Agnes von Böhmen († 1268), die dort bestattet wurde; das Kloster galt der Forschung deshalb „in gewissem Sinne“ als Hauskloster der Wettiner mit fürstlicher Grablege.Paul Markus: Das Klarissenkloster zu Seußlitz. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meißen. Bd. 7, 1909, S. 79–122, hier S. 92 f. und 103; Fortsetzung ebenda Bd. 11, H. 2, 1931, S. 155 ff. Zur Grundausstattung hatten Besitz, Einkünfte und Herrschaftsrechte in siebzehn Dörfern gehört; bis ins Spätmittelalter kamen zahlreiche weitere Güter, Zins- und Zollrechte hinzu.Wolfgang Huschner: Äbtissin versus Pfarrer. Konflikte um inkorporierte Pfarrkirchen der Klarissenklöster Ribnitz und Seußlitz. In: Alexander Sembdner, Christoph Volkmar (Hrsg.): Nahaufnahmen. Landesgeschichtliche Miniaturen für Enno Bünz zum 60. Geburtstag (= Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde. Bd. 67). Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2021, ISBN 978-3-96023-409-8, S. 81–102 (Digitalisat).

Äbtissin von Seußlitz

Margarete rückte rasch an die Spitze des Konvents. Ein Schreiben des Franziskanerprovinzials Matthias Döring belegt, dass sie bereits 1461 Äbtissin geworden war;Petra Weigel: Ordensreform und Konziliarismus. Der Franziskanerprovinzial Matthias Döring (1427–1461) (= Jenaer Beiträge zur Geschichte. Bd. 7). Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2005, ISBN 3-631-53480-9, S. 431. urkundlich ist das Amt seit 1463 nachgewiesen. Damit übernahm sie die Leitung des Klosters mit etwa 17 bis 19 Jahren. Zwischen 1277 und 1543 sind dreizehn Äbtissinnen von Seußlitz namentlich bekannt; von den zehn Amtsinhaberinnen, deren Herkunft feststeht, entstammten nur zwei dem landesherrlichen Haus, die übrigen dem Adel.

Das Amt umfasste weit mehr als die geistliche Leitung des Konvents. Die Äbtissin stand einer ausgedehnten Grundherrschaft vor, verwaltete deren Einkünfte, besetzte Ämter und vertrat das Kloster nach außen. Zu den Rechten des Klosters gehörten die ihm inkorporierten Pfarrkirchen Seußlitz und Zehren samt Filialkirchen; aus der Inkorporation, insbesondere aus Zehnteinkünften und aus der Besetzung der Pfarrstellen, erwuchsen über die Jahrhunderte wiederholt Konflikte mit den Pfarrern und mit dem Meißner Bischof.

Aus Margaretes Amtszeit sind mehrere Vorgänge überliefert, in denen sie die Interessen des Klosters gegenüber weltlichen Gewalten wahrnahm. Gegenüber ihren Brüdern, Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht, verwahrte sie sich dagegen, dass der Meißner Schösser von jeder Hufe der Klostergüter Hafer einforderte.Eduard Otto Schulze: Die Kolonisierung und Germanisierung der Gebiete zwischen Saale und Elbe. Duncker & Humblot, Leipzig 1896, S. 260. In Dresden mahnte sie den Rat zur Sorgfalt bei der Wiederbesetzung des Spitalmeisteramtes.Otto Richter: Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte der Stadt Dresden. Bd. 1. Wilhelm Baensch, Dresden 1891, S. 198. Eine 1479 von ihr ausgestellte Quittung wurde in der älteren Literatur irrtümlich einem Priorat in Freiberg zugeschrieben; sie stammt von ihr als Äbtissin von Seußlitz.

Ordensrechtlich unterstand Seußlitz der sächsischen Franziskanerprovinz. Während des 15. Jahrhunderts erfasste die franziskanische Observanzbewegung das Kloster nicht: Seußlitz zählte – wie das Klarissenkloster Weißenfels – zu den nicht reformierten Konventen. Es blieb damit ein adliges Damenstift franziskanischer Prägung, in dem das Armutsgelübde und die strenge Klausur nur gemildert galten. Erst nach 1500 setzte Herzog Georg der Bärtige eine Reform der Klarissenklöster Seußlitz und Weißenfels durch.Ferdinand Doelle: Die Martinianische Reformbewegung in der sächsischen Franziskanerprovinz (Mittel- und Ostdeutschland) im 15. und 16. Jahrhundert. Aschendorff, Münster 1921, S. 140.

Tod und Überlieferung

Margaretes Sterbedatum ist nicht überliefert. Die genealogische Forschung des 19. Jahrhunderts konnte sie zuletzt für den 30. September 1491 urkundlich nachweisen und setzt ihren Tod dementsprechend „um 1491“ an. Neuere Darstellungen nennen als spätesten Beleg den 19. November 1498 und gehen davon aus, dass sie das Amt bis zu ihrem Tod im 54. Lebensjahr ausübte.Matthias Donath (Hrsg.): Die Grabmonumente im Dom zu Meißen. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2004, ISBN 3-937209-45-X, S. 337. In jedem Fall amtierte sie mindestens drei Jahrzehnte lang. Ihre Grabstätte ist nicht bekannt; anzunehmen ist eine Bestattung in der Klosterkirche. Wenige Jahrzehnte nach ihrem Tod wurde das Kloster im Zuge der Reformation in den 1540er Jahren aufgehoben; aus der Klosteranlage ging das spätere Barockschloss Seußlitz hervor.

Vorfahren

Ahnentafel Margarete von Sachsen UrurgroßelternMarkgrafFriedrich II. (1310–1349) ⚭ 1328 Mathilde von Bayern (1313–1346)Heinrich VIII. von Henneberg-Schleusingen Jutta von BrandenburgHerzogMagnus II. (1324–1373) Katharina von Anhalt-BernburgWartislaw VI. (1345–1394) ⚭ 1363 Anna von Mecklenburg-StargardHerzogAlbrecht II. von Österreich (1298–1358) ⚭ 1324 Johanna von Pfirt (1300–1351)Bernabò Visconti (1323–1385) ⚭ 1350 Beatrice della Scala (–1384)?Algirdas (1296–1377) ⚭ um 1350 Juliana Aleksandrovna Tverskaja (~1330–~1392) UrgroßelternMarkgraf Friedrich III. (1332–1381) ⚭ 1346 Katharina von Henneberg (1334–1397)Herzog Heinrich I. zu Braunschweig-Lüneburg (1355–1416) Sophie von Pommern (1370–1406)Herzog Leopold III. (1351–1386) ⚭ 1365 Viridis Visconti von Mailand (1350–1414)Siemowit IV. Aleksandra von Litauen GroßelternKurfürst Friedrich I. von Sachsen (1370–1428) ⚭ 1402 Katharina von Braunschweig-Lüneburg (1395–1442)Herzog Ernst der Eiserne (1377–1424) ⚭ 1412 Cimburgis von Masowien (1394/97–1429) ElternKurfürst Friedrich II. (1412–1464) ⚭ 1431 Margaretha von Österreich (1416–1486)Margarete von Sachsen

Literatur

Enno Bünz, Dirk Martin Mütze, Christian Schuffels, Alexander Sembdner, Sabine Zinsmeyer (Hrsg.): Sächsisches Klosterbuch. Die mittelalterlichen Klöster, Stifte und Kommenden im Gebiet des Freistaates Sachsen (= Quellen und Materialien zur sächsischen Geschichte und Volkskunde). Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2022, ISBN 978-3-86583-856-8.

Wolfgang Huschner: Äbtissin versus Pfarrer. Konflikte um inkorporierte Pfarrkirchen der Klarissenklöster Ribnitz und Seußlitz. In: Alexander Sembdner, Christoph Volkmar (Hrsg.): Nahaufnahmen. Landesgeschichtliche Miniaturen für Enno Bünz zum 60. Geburtstag (= Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde. Bd. 67). Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2021, ISBN 978-3-96023-409-8, S. 81–102. Paul Markus: Das Klarissenkloster zu Seußlitz. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Meißen. Bd. 7, 1909, S. 79–122; Bd. 11, H. 2, 1931, S. 155 ff. Otto Posse: Die Wettiner. Genealogie des Gesammthauses Wettin Ernestinischer und Albertinischer Linie. Giesecke & Devrient, Leipzig/Berlin 1897, S. 67. Sabine Zinsmeyer: Frauenklöster in der Reformationszeit. Lebensformen von Nonnen in Sachsen zwischen Reform und landesherrlicher Aufhebung (= Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde. Bd. 54). Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2016, ISBN 978-3-86583-961-9.

Einzelnachweise

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