mini|hochkant=1.2|Blick auf Schongau mini|hochkant=1.2|Schongau von Norden Schongau (mundartlich Schoa’ga) ist eine Stadt im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau. Der Hauptanteil der Stadt liegt am Westufer des Lechs im Pfaffenwinkel. Sie war Handelsstadt am Lech und bayerische Grenzstadt zu Schwaben und zum Hochstift Augsburg und besitzt eine auf einer Anhöhe errichtete weitgehend erhaltene historische Altstadt mit nahezu vollständig erhaltener Stadtmauer. Als ein Mittelzentrum ist sie neben ihrer Funktion als Wirtschaftsstandort ein wichtiger Schul-, Verwaltungs- und Versorgungsstandort für das westliche Oberbayern. Sie liegt in einem dialektalen Übergangsraum zwischen dem bairischen und schwäbischen Sprachgebiet, in dem der Lechrainer Dialekt gesprochen wird.

Geografie Lage Der ovale Hügel, der von der alten Stadtmauer umringt wird, wurde in früherer Zeit von beiden Seiten vom Lech umflossen und wird deswegen Lechumlaufberg genannt. Auf diesem Berg befindet sich der Kern der Altstadt. Ein neueres Bebauungsgebiet ist Schongau-West.

Die Stadt ist Station an der Romantischen Straße zwischen Augsburg und Füssen und liegt somit auf dem Weg vieler Touristen, die zu den Königsschlössern nach Schwangau oder zur Wieskirche fahren.

Die Stadt hat zwei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Dornau (Weiler) Schongau (Hauptort)

Nachbargemeinden In unmittelbarer Nähe der Stadt befindet sich die Marktgemeinde Peiting auf der Ostseite des Lechs. Die Kreisstadt Weilheim in Oberbayern liegt ca. 25 km östlich. Lechabwärts, ebenfalls ca. 25 km entfernt, liegt die Große Kreisstadt Landsberg am Lech des benachbarten Landkreises. In näherer Umgebung findet man nördlich der Stadt die Dörfer Hohenfurch, Kinsau, Apfeldorf und Birkland. Eher westlich liegen die Dörfer Altenstadt (mit Ortsteil Schwabniederhofen), Schwabbruck, Schwabsoien (mit Ortsteil Sachsenried) und Ingenried. In Richtung Füssen (ca. 35 km entfernt) liegen die Dörfer Burggen und Bernbeuren. Ca. 25 km westlich von Schongau liegen Marktoberdorf, die Kreisstadt des Landkreises Ostallgäu, sowie die kreisfreie Stadt Kaufbeuren.

Geschichte

Mittelalter und frühe Neuzeit

Der Ursprung Schongaus ist das jetzige Altenstadt, ein großer Teil der Bewohner zog im 13. Jahrhundert nur wenige Kilometer weiter in die auf dem Lechumlaufberg gegründete Siedlung am Lech und nahm den Ortsnamen mit. Die Hügellage war bei weitem besser zu verteidigen. Die Stadt Schongau liegt ganz in der Nähe der ehemaligen Römerstraße nach Augsburg, der Via Claudia Augusta (47 nach Christus) und verdankt damit ihren Ursprung den Römern. Im Mittelalter war sie ein bedeutsamer Knotenpunkt und wichtiger Handelsplatz auf der Verkehrslinie Verona–Augsburg–Nürnberg und auf der Salzstraße vom Berchtesgadener Land ins Allgäu.

Der alamannisch besiedelte Lechrain stand bis ins 12. Jahrhundert unter der Herrschaft der schwäbischen Welfen. Nach dem Tode Welfs VI. im Jahre 1191 fielen die welfischen Hausgüter in Schwaben durch Erbvertrag an die Staufer. Kaiser Friedrich Barbarossa schlug diese den staufischen Hausgütern zu. Als der letzte Stauferherrscher Konradin im Jahr 1267 nach Italien gezogen war, um seine Machtansprüche gegen Karl von Anjou zu verteidigen, entzog ihm sein Verbündeter Herzog Ludwig II. von Bayern unerwartet seine Hilfe und verlangte die Begleichung von Schulden, weshalb Konradin einen Großteil seiner Besitzansprüche als Herzog von Schwaben verpfänden musste (sogenannte Konradinische Schenkung).Jan Puhl: Tod durch das Schwert. In: spiegel.de. Spiegel Geschichte, 27. August 2010, abgerufen am 19. März 2014. Auf diesem Weg gelangten die bayerischen Herzöge aus dem Hause Wittelsbach, die bestrebt waren, ihren Machtbereich in den alamannischen Siedlungsbereich hinein – bis an den Lech – zu verschieben, im Jahre 1268 in den Besitz des Großteils des Lechrains. mini|Östliche Stadtmauer und Spitalkirche Hl. Geist in Schongau Kaiser Ludwig der Bayer hatte Schongau 1331 ein eigenes Rechtsbuch mit Münzrecht verliehen.Georg Paula, Stefanie Berg-Hobohm: Landkreis Weilheim-Schongau: Denkmäler in Bayern. Band 2, Lipp Verlag, München 2003, ISBN 3-87490-585-3, S. 372. Herzog Christoph der Starke hielt sich gerne in der Stadt auf,Sigfrid Hofmann: Geschichte der Stadt Schongau. In: Schongau Herzstück des Pfaffenwinkels. S. 46. nach ihm ist die Christophstraße in der Altstadt benannt. Am 22. Mai 1493 vernichtete ein verheerender Brand weite Teile der Oberstadt und das herzogliche Pflegeschloss; erst 1514 war der Wiederaufbau größtenteils abgeschlossen. Schongau war mehrfach in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt und war öfter Durchgangs- bzw. Aufenthaltsort von freundlichen und feindlichen Truppen.

mini|links|Schongau 1687Anton Wilhelm Ertl: Chur-Bayerischer Atlas. Nürnberg 1687, S. 159. Durch Handel und den regen Fleiß seiner Bürger erlebte Schongau eine Blütezeit bis zur Zeit um die Entdeckung Amerikas 1492, die eine Verlegung der großen Handelsstraßen zur Folge hatte. In der Folge wurde die Stadt so arm, dass bedeutende Gebäude wie das Schloss oder das Ballenhaus teilweise einfielen oder rückgebaut wurden, weil das Geld für die Dachsanierung fehlte.

Michel de Montaigne ritt 1580 mit Gefolge von Bordeaux nach Wangen, Isny, Kempten, Pfronten, Füssen, floßte über den Lech nach Schongau, Landsberg, Augsburg – ritt dann über München, Innsbruck, Richtung Rom. Er schreibt im Tagebuch zu Schongau, Seite 57: „Nach Tisch brachen wir auf und kamen die einen wie die anderen zur Nacht nach Schongau, vier Meilen davon, einer kleinen, dem Herzog von Bayern gehörenden und infolgedessen ganz katholischen Stadt: Dieser Fürst hat mehr als jeder andere deutsche sein Gebiet von der Ansteckung reingehalten und bleibt unentwegt beim alten Glauben. Der Stern ist ein gutes Gasthaus. Wir fanden hier eine neue Anordnung der Tafel: die Salzständer wurden auf einem quadratischen Tisch von einer Ecke zur gegenüberliegenden aufgestellt, so daß ein St. Andreaskreuz gebildet wurde. ; wir bekamen ferner neuen Wein, der dort meist nach Beendigung des Gärens getrunken wird....“:Datei:Michel de Montaigne Italienreise.png.

Während des Hexenwahns kam es in Schongau zu einem Hexenprozess (1589–1592), der mit 63 Opfern einer der größten im süddeutschen Raum war.

19.–21. Jahrhundert Den ersten Eisenbahnanschluss hatte die Stadt am 16. November 1886 durch die Bahnstrecke Landsberg am Lech–Schongau. Der Bahnanschluss in Richtung Weilheim wurde am 12. Januar 1917 durch die Bahnstrecke Schongau–Peißenberg eröffnet. Ursprünglich wegen des Bergbaus in Peiting gab es von 1923 bis 1977 die Bahnstrecke Kaufbeuren–Schongau.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gewannen Stadt und Umland durch Flüchtlinge deutlich an Einwohnern und entwickelten sich durch den prosperierenden Mittelstand zu einem Bezirk mit verhältnismäßig geringer Arbeitslosigkeit.

Schongau war früher Kreisstadt eines gleichnamigen Landkreises. Durch die bayerische Landkreisreform 1972 verschmolz dieser mit dem Landkreis Weilheim zum heutigen Landkreis Weilheim-Schongau. In der Stadt gibt es noch einige Institutionen der Kreisbehörde, auch die Bezeichnung Altlandkreis Schongau wird noch gelegentlich verwendet.

Einwohnerentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 Einwohner 1.555 2.472 3.647 6.599 8.832 11.006 10.182 11.109 11.731 Jahr 1995 2005 2010 2010 2015 2016 2017 2018 2019 Einwohner 12.168 12.449 12.082 11.643 12.291 12.252 12.298 12.396 12.377 Jahr 2020 2022 2023 2024 2026 Einwohner 12.350 12.648 13.110 13.112 12.572

Konfessionsstatistik Laut Zensus 2022 waren mit Stand Mai 2022 42,7 % der Schongauer katholische Kirchenmitglieder, 10,8 % evangelische und 46,5 % gehörten einer anderen Konfession an oder waren konfessionslos.

Politik Stadtrat Dem Stadtrat Schongaus gehören 24 Personen an, die alle sechs Jahre durch Wahlen neu bestimmt werden. Außerdem ist die Erste Bürgermeisterin oder der Erste Bürgermeister Mitglied des Gremiums. Bei der Stadtratswahl am 8. März 2026 wurde ein Ergebnis erzielt, das in den Diagrammen dargestellt ist.

+ Wahlergebnisse der Kommunalwahlen in Schongau seit 2002 Partei / Liste Wahl 2026Stadtratswahl 2026, Stadt Schongau, Endergebnis, abgerufen am 11. September 2026 Wahl 2020Stadtratswahl 2020, Stadt Schongau, Amtliches Endergebnis, abgerufen am 8. Juni 2020 Wahl 2014Ergebnis der Kommunalwahl 2014. In: merkur.de. Abgerufen am 18. März 2014.Weilheimer Tagblatt vom 18. März 2014, Lokalteil S. 8. Wahl 2008Ergebnis der Kommunalwahl 2008. In: wahlen.bayern.de. Abgerufen am 23. Mai 2011. Wahl 2002Ergebnis der Kommunalwahl 2002. In: wahlen.bayern.de. Abgerufen am 23. Mai 2011. % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze % Sitze CSU 28,8 7 36,3 8 33,9 8 38,6 9 39,7 10 SPD 18,5 4 25,3 6 29,4 7 33,0 8 33,6 8 Unabh. Wählervereinigung Schongau 27,4 7 15,5 4 18,3 4 20,8 5 21,3 5 Alternative Liste Schongau 12,8 3 11,9 3 – – – – – – Grüne 9,4 2 11,0 3 – – – – – – AfD 3,1 1 – – – – – – – – Alternative Liste Schongau/Grüne – – – – 18,4 5 7,6 2 5,4 1 Gesamt 100 % 24 100 % 24 100 % 24 100 % 24 100 % 24 Wahlbeteiligung 57,6 % 53,6 % 57,3 % 61,1 % 64,2 %

Bürgermeister Seit 1996 war Friedrich Zeller (SPD) Erster Bürgermeister, ihm folgte vom 1. Mai 2008 bis zum 30. April 2014 Karl-Heinz Gerbl (SPD).

Seit dem 1. Mai 2014 war der damals 44-jährige Verwaltungsjurist Falk Sluyterman van Langeweyde Erster Bürgermeister. Bei den Kommunalwahlen 2014 gewann er als Kandidat der SPD die Stichwahl am 30. März 2014 äußerst knapp mit 50,3 % bzw. 32 Stimmen Vorsprung. Gegenkandidat war der 27-jährige Heilerziehungspfleger Tobias Kalbitzer, der für eine „Unorganisierte Wählergruppe Karl-Heinz Rumgedisse“ antrat. Die Kandidaten der CSU und der Unabhängigen Wählervereinigung Schongau waren schon im ersten Wahlgang am 16. März ausgeschieden. Kalbitzers Erfolg im ersten Wahlgang war – vor dem Hintergrund seines unkonventionellen Auftretens im Vorfeld der Wahl – Gegenstand einer bundesweiten Berichterstattung.Beispielsweise: Kalbitzer erzielte auch bei der Stadtratswahl am 16. März 2014 mit der höchsten jemals für einen Schongauer Stadtratskandidaten abgegebenen kumulierten Stimmenzahl von 5656 für die Alternative Liste Schongau (die örtliche mit den Grünen assoziierte Gruppe) einen Sitz. Am 6. Mai 2014 wählte der Stadtrat mit 15:9 Stimmen Kalbitzer zum Zweiten Bürgermeister.

Bei der Stichwahl am 29. März 2020 wurde Falk Sluyterman van Langeweyde mit 51,3 % wiedergewählt; im ersten Wahlgang hatte er unter drei Bewerbern 48,7 % der Stimmen erhalten.

Bei der Wahl am 8. März 2026 erreichten unter vier Bewerbern Thomas Schleich (UWV, 39,7 %) und Daniela Puzzovio (ALS, 24,6 %) die Stichwahl, bei der am 22. März 2026 Schleich mit 66,8 % zum Bürgermeister gewählt wurde.

Wappen

Städtepartnerschaften Schongau gehört zu einem Kreis von vier Städten, die seit 1962 durch eine Partnerschaft miteinander verbunden sind. Die drei anderen sind:

StadtStaat rand|20px|alt= Colmar rand|20px|alt= Lucca rand|20px|alt= Sint-Niklaas

Weitere Partnerschaften unterhält Schongau mit:

StadtStaatSeit rand|20px|alt= Abingdon-on-Thames 1970 rand|20px|alt= Gogolin 1996

Sehenswürdigkeiten Die Altstadt Schongau ist auf Basis des Denkmalschutzgesetzes vom 1. Oktober 1973 ein Ensemble. Das Erdgeschoss des Ballenhauses war früher Lagerraum und Schranne für die Warenströme der Handelsstraßen. In den Obergeschossen war die Stadtverwaltung untergebracht.Hans und Karl Pörnbacher: Schongau – Tor zum Pfaffenwinkel. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2008, ISBN 978-3-89870-516-5, S. 20. 1858 bis 1860 wurde wegen Schäden fast ein Drittel des Gebäudes abgetragen. Die Stadtpfarrkirche Mariae Himmelfahrt besitzt eine Rokokoausstattung mit Fresken von Matthäus Günther und Stuck der Wessobrunner Schule.Hans und Karl Pörnbacher: Schongau – Tor zum Pfaffenwinkel. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2008, ISBN 978-3-89870-516-5, S. 15 ff.