Zeitleiste 1064 Erste urkundliche Erwähnung von Dersbach in den Acta Murensia. 1111 Schenkung des Hofes Gangolfswil an das Kloster Muri. 1159 Erste Erwähnung des Standortes der Kirche St. Verena in 'Rische'. 1250 Die Herrschaft Buonas wird von den Hertensteinern übernommen. 1486 Gangolfswil wird zugerische Vogtei. 1506 Peter von Hertenstein geleitet die ersten Schweizergardisten nach Rom. 1709 Bau des Schützenhauses - Holzhäusern wird Zentrum der Vogtei Gangolfswil. 1726 Erster Schulunterricht in Gangolfswil. 1798 Die Vogtei Gangolfwil und die Herrschaft Buonas werden aufgehoben. Die Munizipalität Risch entsteht. Gemeindeversammlungen finden in Buonas statt. 1847 Der Sonderbundskrieg wird in Gisikon, Meierskappel und Risch ausgetragen. 1864 Einweihung des Kreuzungsbahnhofes Rotkreuz. 1873 Die Gemeindekanzlei wird in Buonas eingerichtet. 1904 Erstes, mit Strom versorgtes Gebäude. 1940 IPSA eröffnet die erste Erdölraffinerie der Schweiz in Rotkreuz. 1959 Die Gemeindekanzlei zieht nach Rotkreuz. 1986 Bau des Rathauses in Rotkreuz. 2007 Umbenennung in praxi in Risch Rotkreuz. 2009 850-Jahre Risch. 2012 Die Einwohnerzahl überschreitet die Grenze von 10'000.
Die urkundliche Geschichte der Gemeinde Risch beginnt im Mittelalter, als das Gebiet in die Herrschaft Buonas und die Vogtei Gangolfswil unterteilt war und erste Orte wie Dersbach (1064), Gangolfswil (um 1150) und Risch (1159) erstmals erwähnt wurden. Mit dem militärischen Eingriff Frankreichs 1798, der die Untertanenverhältnisse beseitigte, erfolgte der Zusammenschluss der Herrschaft und der Vogtei. Die neu gegründete Gemeinde wurde nach der Pfarrei der Kirche St. Verena in Risch benannt. Schon früh war die Gemeinde ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. In der Geschichte der Gemeinde Risch ist auf wichtige Abschnitte der Schweizer Geschichte zu stossen, zum Beispiel durch die 1506 durch Peter von Hertenstein in Buonas in die Wege geleitete Schweizergarde, den Sonderbundskrieg 1848 auf dem Boden von Meierskappel, Gisikon und Risch und der Errichtung der ersten Erdölraffinerie der Schweiz im Zweiten Weltkrieg.Richard Hediger: Risch – Geschichte der Gemeinde. Prestel, Rotkreuz 1986, Herausgegeben vom Gemeinderat Risch-Rotkreuz. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Gemeinde zu einem wichtigen und attraktiven Gewerbestandort (unter anderem Pharmazie) der Schweiz.Credit Suisse Economic Research: Swiss Issues Regionen - Die Region Zug-West auf einen Blick. Januar 2012, S. 2
Allgemeine Geschichte Urgeschichte Die ältesten Siedlungsspuren in den flachen Bereichen des Seeufers bei Oberrisch, Buonas und Zwijern stammen aus der Pfyner Kultur (3800 bis 5800 v. Chr.). Am dichtesten war das Gebiet entlang des Schwarzbaches in Dersbach besiedelt; dortige Niederlassungen gehören zu den ältesten Jungsteinzeit-Siedlungen. Die Fundorte weisen reichhaltige Funde mit Tonscherben und Waffen auf; Funde einer Handmühle in Schwarzbach und eines Kornquetschers in Oberrisch lassen auf Ackerbau schliessen. In Zweiern wurden römische Urnengräber sowie Nachweise zweier Siedlungsplätze der Bronzezeit gefunden. Aufgrund des Baus eines römischen Heerweges vom Rhein über Risch – Küssnacht – Brünig nach Italien und des römischen Besitzes Helvetiens werden immer wieder römische oder gallorömische Funde gemacht. Der Flurname Alznach ist auf den gallo-römischen Ortsnamen Alciniacum zurückzuführen. Viele der weiteren Flurnamen lassen auf eine spätere Besiedelung durch Alamannen schliessen.
Vor Gründung der Gemeinde in Mittelalter und Reformation (bis 1798) Das Frühmittelalter ist durch die Spuren einer der ältesten Kirchen des Kantons Zug belegt. Unter der heutigen barocken Kirche St. Verena von 1680–1684 befinden sich die Fundamente eines wahrscheinlich bereits im 8. Jahrhundert errichteten Gotteshauses. Aus dem Frühmittelalter lassen sich auch die -wil- und die -ikon-Ortsnamen erklären. Im 8. Jahrhundert wurde die erste Kirche in Risch erbaut. Ab 1000 tauchen die ersten Grundherrschaften sowie die ersten urkundlichen Erwähnungen von Orten wie Dersbach (1064), Gangolfswil (um 1150) und Risch (1159) auf.
200px|mini|Das Gebiet der Gemeinde lag im Jahre 1000 im Zürichgau an der Grenze zu Aargau Kaiser Karl der Grosse (742–814) hatte ein gewaltiges Reich, das von der Nordsee bis nach Spanien reichte, in Gaue eingeteilt. Zu dieser Zeit war das Gebiet der heutigen Gemeinde Risch grösstenteils unter dem Kloster Muri und dem Schloss Buonas aufgeteilt. Weitere, kleinere Besitze waren dem Kloster Frauenthal, St. Leodegar Luzern, dem Kloster Engelberg sowie dem Kloster Kappel zugeordnet. Das Gebiet lag im Herzogtum Schwaben an der Grenze zum Aargau und somit dem Königreich Burgund (Herzogtum Hochburgund).
Durch die ältesten Habsburger Grafen gelangten die nördlichen Gebiete der heutigen Gemeinde Risch zwischen 1096 und 1111 mit dem Hof Gangolfswil an das im Jahre 1027 gegründete Kloster Muri. Papst Hadrian IV. stellte das Kloster Muri in einer im Lateran in Rom ausgestellten Urkunde am 28. März 1159 unter seinen Schutz, in welcher die Kirche Risch als ecclesia Rishe erstmals urkundlich erwähnt wird. Um 1298 wechselte das Patronatsrecht vom Kloster Muri zur auf Schloss Hertenstein (heute Schloss Buonas) lebenden Familie von Hertenstein.
Die Grundherrschaft Buonas (11. Jahrhundert–1798)
mini|Das Wappen der Herrschaft Buonas (hier an der Kirchenmauer in Risch) mini|Das Wappen der Hertensteiner (hier an der Kirchenmauer in Risch) Die Grundherrschaft Buonas kann bis ins 11. Jahrhundert nicht beschrieben werden, da viele lockere Bündnisse existierten. Als erster nach Buonas benannter Ritter wird Immo von Buonas in den Acta Murensia genannt. Er lebte im 12. Jahrhundert in der Burg Buonas, welche vermutlich zu dieser Zeit errichtet wurde. Durch die einhundert Jahre spätere Heirat von Adelheid von Buonas mit Ulrich von Hertenstein gingen Schloss und Herrschaft um das Jahr 1250 für rund 400 Jahre auf das Geschlecht der Hertenstein über, die erst durch den Tod von Erasmus von Hertenstein 1654 beendet wurde. Im Mittelalter hatte der Inhaber des Territoriums Buonas viele Hoheitsrechte, so die gerichtlichen Kompetenzen, Marktrecht, Wirtshausmonopol, Kirchenpatronatsrecht, Weisungsrechte über Masse und Gerichte, Fischenzen, Oberaufsicht über Waldungen sowie das Einsetzungsrecht auf Mühle und Schifffahrt. 1494 bis 1498 wurde das 1478 abgebrannte Schloss wiedererrichtet. Obwohl die Herrschaft 1656 durch das Abtreten von Katharina von Hertenstein an ihren Ehemann Johann Martin Schwytzer überging, blieben die Inhaber des Patronatsrechts der Kirche von Risch weiterhin bis 1798 Mitglieder der Familie von Hertenstein. Während der Machtausübung der Familie von Hertenstein kam es zu zahlreichen Konflikten mit der Stadt Zug, welche die um Buonas liegende Vogtei Gangolfswil beherrschte. Nach dem Tod von Johann Martin Schwytzer im Jahre 1713 ging die Herrschaft Buonas noch an diverse Familien über, 1782 an zwei Zuger Bürger. Infolge der Revolution 1798 gingen den letzten Besitzern Schloss und Rechte ohne Entschädigung verloren.
Vogtei Gangolfswil (1486–1798) mini|Das Wappen der Vogtei Gangolfswil und später Gemeinde Risch (hier über dem Kircheneingang in Risch)
Die Stadt Zug übernahm 1410 vom Kloster Muri wesentliche Grundrechte in Gangolfswil und kaufte schliesslich am 5. September 1486 den Hof. Somit wurde das Gebiet zur zugerischen Vogtei Gangolfswil. Bis 1592 wechselte jährlich der in Zug lebende Obervogt, ab 1592 bis 1789 zweijährlich, neben ihm stand der Untervogt, der ebenfalls einen entscheidenden Einfluss auf die Verwaltung hatte. Das Gemeindezentrum der Vogtei war im 18. Jahrhundert Holzhäusern, was durch den Bau des ersten Schützen- und Gemeindehauses 1709 zum Ausdruck kam. Die Herrschaft Buonas sowie deren Kollatur Risch konnten nicht unter die Herrschaft der Stadt Zug unterworfen werden.
Erst durch die Französische Revolution und ihrer Idealen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit unter den Menschen wurden auch die Vogteien kurz vor der Konstitution der Helvetischen Republik aufgelöst. Am 7. Februar 1798 richteten die Stabführer, die Ratsherren und die Bürger der Stadt Zug ein Schreiben an die Vogteien, in dem die Zuger Vogteien, also auch die Vogtei Gangolfswil, aufgehoben werden sollten. An einer ausserordentlichen Landsgemeinde vom Sonntag, dem 11. Februar 1798, wurde allen „neu eingesessenen Bürgern“ das Bürgerrecht verliehen und das Untertanenverhältnis in den Zuger Vogteien aufgehoben.
Klosterbesitze (bis 1798) Das Kloster Engelberg verfügte über Streubesitze am Zugersee. Dem Kloster Kappel gehörte das Gebiet südlich des Territorium Buonas bis nach Böschenrot. Dem Stift Fraumünster gehörten Gebiete in Waldeten, die jedoch später an das Kloster Frauental verkauft wurde. Dieses besitzt zusätzlich Gebiete in Waldeten, westlich von denen vom Kloster Fraumünster. Dem Kloster St. Leodegar gehörten Gebiete, westlich deren des Klosters Muri, von Ibikon bis Breiten.
Kloster Muri:
Im Jahre 1027 wurde das Kloster Muri gegründet. Eine erste Blüte durchlebte das Kloster unter dem Abt Luitfrid (1085–1096). Im Jahr 1120 entsandte Muri die ersten Mönche ins Kloster Engelberg. 1114 erhielt das Kloster die niedere Gerichtsbarkeit über die nähere Umgebung zugesprochen, die bis 1798 von einem Ammann ausgeübt wurde. 1159 wurde die Kirche Risch zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Das erwarb darüber hinaus durch weitere Vergabungen Streubesitz in Unterwalden, in Gersau und im Elsass auch den Hof Gangolfswil. Das Kloster Muri besass nun den ganzen nördlichen Teil der Gemeinde sowie die Gebiete von Ibikon. Zu ihren Rechten zählte auch das Fischereirecht im Zugersee. Die Einkünfte des Klosters belangen sich auf die Felder und deren Getreide, das von den Bauern angepflanzt wurde. Das Kloster Muri strengte sich an, die Güterbesitzungen zu erhalten. Mit der Übernahme wesentlicher Grundrechte durch die Stadt Zug in Gangolfswil, aber auch durch den Wertverlust der Klostereinnahmen aus der allgemeinen Geldentwertung wird gut erklärbar, wieso das Kloster Muri am 5. September 1486 den Hof Gangolfswil an Amman, Rat und Bürger der Stadt Zug verkaufte. Obwohl nun der Hof Gangolfswil zusammen mit Waldeten, Küntwil und Ibikon die Vogtei Gangolfswil bildeten, blieben die alten mittelalterlichen Grenzen des Hofes Gangolfswil bis ins 21. Jahrhundert in den Pfarreigrenzen zwischen Risch und Meierskappel verewigt.
Besetzung durch die Franzosen (1798) In den ersten Märztagen mussten nacheinander Freiburg, Solothurn und Bern vor den französischen Heeren kapitulieren. In den anderen Orten konnte man kaum fassen, das der Vorschritt der Franzosen so rasch vonstattenging. Doch die Bürger wehrten sich nicht. In den Landgemeinden (Ägeri, Menzingen und Baar ZG) wollte man den Kampf aufnehmen. Am 11. April 1798 forderte Frankreich alle noch nicht besetzten Orte auf, sich kampflos zu ergeben und die Einheitsverfassung anzunehmen. Da die Stadt Zug es nicht schaffte, die Landsgemeinde friedlich zusammenzurufen, wollte sich Zug nicht wehren. Erst als die Kantone Schwyz, Uri und Unterwalden in den Kampf zogen, kämpfte Zug mit. Unter den Gefallenen befand sich auch ein Rischer. Nach den Kämpfen mussten Wagen in alle Kloster gebracht werden, um die Schätze nach Paris zu liefern.
Helvetik und Mediation (1798–1847) Während der Helvetik (1798–1803) wurde der Name Gemeinde durch das französische Fremdwort Munizipalität ersetzt. Die Munizipalität Risch zählte im Jahre 1798 genau 793 Einwohner, davon waren 200 Aktivbürger. Risch gehörte in den Kanton Waldstätte, dessen Hauptort seit dem Mai 1799 die Stadt Zug war. Erster Präsident der freien Gemeinde Risch war Alois Sidler. Das bis anhin für die Vogtei Gangolfswil geführte Herrschaftswappen ersetzte man durch den Zuger Schild mit dem Querbalken und dem Anfangsbuchstaben der Gemeinde. Später tauchte das Gemeindewappen in verschiedensten Varianten in Verbindung mit oder ohne Luchs auf.