Langstadt (im lokalen Dialekt: Lengschd;Darmstädter Echo, Freitag, 14. September 2018, S. 22. auch: Longschd) ist neben der Kernstadt nach Hergershausen der zweitgrößte der übrigen fünf Stadtteile von Babenhausen im Landkreis Darmstadt-Dieburg.
Geographie Geographische Lage Der Ort liegt auf , an den ersten Ausläufern des nördlichen Odenwaldes. Das Umland wird zum Großteil ackerbaulich genutzt, u. a. wird Spargel angebaut. Die höchste Erhebung befindet sich im Nordosten der Gemarkung hinter dem "Wingertsberg" gelegen mit 184 m ü.NN. Der Schlierbach durchfließt den Ort aus Richtung Südosten, bildet hier den Haaggraben und vereinigt sich im Nordwesten von Langstadt mit dem Länderbach, der von Süden her den Ortsbereich schneidet. Vom Schlierbach zweigte, ausgehend von der Straßenmühle an der Grenze zum Ort Schlierbach, ein heute nur noch schwer erkennbarer Mühlgraben zur Mühle im Nordosten Langstadts ab.
Nachbarorte Langstadt grenzt im Nordwesten an den Babenhäuser Ortsteil Harpertshausen, im Norden an die Kernstadt Babenhausen und östlich an Schaafheim. Im Südosten grenzt es an den Ortsteil Schlierbach (Gemeinde Schaafheim) und im Süden an den Ortsteil Kleestadt (Stadt Groß-Umstadt).
Geschichte Urgeschichte Auf eine erste Besiedelung des Raumes bereits in der Altsteinzeit weisen Bodenfunde bei Groß-Umstadt hin. Objekte aus der Jungsteinzeit wurden auch auf dem Gebiet des heutigen Ortes gefunden. Die Römerstraße als direkte Verbindung des Civitas-Hauptortes Dieburg zum Kastell Stockstadt, als Hohe Straße im Süden der Langstädter Gemarkung bekannt, lässt auf eine Nutzung des Geländes um 230 n. Chr. schließen.
Mittelalter Die Gründung von Orten mit der typischen Endung auf „-statt“, erfolgte häufig durch die Franken im 6. oder 7. Jahrhundert. 1223 wird ein Adliger namens Heinricius de Langenstad genannt. Um 1400 ist eine Langstädter Burg (befestigtes Haus) belegt. Die erste schriftliche Erwähnung von Langestad erfolgte 1267, als das Kloster Amorbach seine Güter an das Stift zu Aschaffenburg verkaufte. In erhaltenen Dokumenten späterer Jahre ist der Ort unter wechselnden Ortsnamen belegt: (1267) erscheint die Form Langenstad. Um 1346 wurde Langestad verwendet, aber bereits 1359 schon Langestat. Um 1414 hieß es Langstad, dem 1444 ein Langestadt folgte. Um 1450 wurde dann ein Langstait erwähnt.
Das Dorf gehörte ursprünglich zur Zent Umstadt und dem Kloster Fulda, wurde zusammen mit anderen Dörfern der Umgebung 1374 an die Herrschaft Hanau verpfändet und gehörte, nachdem die Kurpfalz in dieses Pfandgeschäft mit eingestiegen war, ab 1427 zum Kondominat Umstadt. Als die Herrschaft Hanau in Folge des Pfälzischen Erbfolgekriegs 1504 ihre Rechte im Kondominat Umstadt weitestgehend verlor, konnte es aber Langstadt halten und schlug es 1521 dem Amt Babenhausen zu.Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014, ISBN 978-3-942225-17-5, S. 196–230 (205).
Bis 1482 gehörte Langstadt zur Pfarrei Altdorf und die Langstädter Einwohner besuchten dort den Gottesdienst. 1482 wurde im Ort eine eigene Kapelle den Heiligen Antonius, Vitus und Barbara geweiht. Das Kirchenpatronat für den Kleriker dieser Kapelle wurde abwechselnd von den Grafen von Hanau und dem Pfarrer von Altdorf ausgeübt. Das Hanauer Recht war zeitweise an die von Groschlag von Dieburg verliehen. Kirchliche Mittelbehörde war das Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Montat. Mit der Reformation wurde das Dorf lutherisch.
Neuzeit mini|Die Zehntorte im Amt Umstadt im 15. und 16. Jahrhundert mit ihren verschiedenen späteren Zugehörigkeiten Bei einem Vergleich zwischen der Landgrafschaft Hessen, der Kurpfalz und der Grafschaft Hanau-Lichtenberg 1521 schied Hanau aus dem Kondominat aus und erhielt dafür exklusiv Langstadt, Harpertshausen, Kleestadt und Schlierbach.Willi Alter (Hrsg.): Pfalzatlas. Textband I. Speyer: Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften 1964, S. 426: , . Es gliederte diese Dörfer seinem Amt Babenhausen ein.
Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg. Aufgrund der Intestaterbfolge fiel die Grafschaft Hanau-Lichtenberg jedoch an den Sohn der einzigen Tochter von Johann Reinhard III., Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt. Umstritten zwischen den beiden Erben war die Zugehörigkeit des Amtes Babenhausen und seiner Dörfer zu Hanau-Münzenberg oder zu Hanau-Lichtenberg. Es kam fast zu einer kriegerischen Auseinandersetzung, als Hessen-Kassel mit schon sorgsam in Hanau stationiertem Militär den größten Teil des Amtes Babenhausen besetzte, auch Langstadt. Die Auseinandersetzung konnte erst nach einem langjährigen Rechtsstreit vor den höchsten Reichsgerichten 1771 mit einem Vergleich beendet werden, dem so genannten Partifikationsrezess. Langstadt wurde darin Hessen-Kassel zugesprochen.
Im Jahr 1807 kam das Amt Babenhausen infolge der Napoleonische Kriege unter französische Verwaltung, durch einen Staatsvertrag mit Frankreich 1810 aber an das Großherzogtum Hessen und gehörte dann zu folgenden Verwaltungseinheiten: bis 1821: Amt Babenhausen; 1821 bis 1832: Landratsbezirk Dieburg in der Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen; 1832 bis 1848: Kreis Dieburg mit der Einführung von Kreisen im Großherzogtum Hessen; 1848 bis 1852: Regierungsbezirk Dieburg während der Einteilung der Provinz Starkenburg in Regierungsbezirke; 1852 bis 1938: Kreis Dieburg mit der Aufhebung der Regierungsbezirke bis zum Ende der Provinz Starkenburg; 1938 bis 1977: Landkreis Dieburg; ab 1977: Landkreis Darmstadt-Dieburg, in welchem der Landkreis Dieburg im Zuge der Gebietsreform in Hessen aufging.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Langstadt:
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Langstadt zum 31. Dezember 1971 auf freiwilliger Basis in die Stadt Babenhausen als Stadtteil eingemeindet. Für Langstadt wurde, wie für die Kernstadt Babenhausen und die übrigen Stadtteile, ein Ortsbezirk eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Langstadt angehört(e):
vor 1521: Heiliges Römisches Reich, Kondominat Umstadt ab 1521: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Lichtenberg, Amt Babenhausen ab 1642: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau, Amt Babenhausen ab 1685: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Lichtenberg, Amt Babenhausen 1736–1773: Strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel ab 1773: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel (durch Vergleich mit Landgrafschaft Hessen-Darmstadt), Amt Babenhausen ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hanau, Amt BabenhausenDurch den Reichsdeputationshauptschluss. ab 1806: Kaiserreich Frankreich,Infolge der Napoleonische Kriege. Fürstentum Hanau, Amt Babenhausen (Militärverwaltung; 1810 an das Großherzogtum Frankfurt) ab 1810: Großherzogtum Hessen,Durch Staatsvertrag mit Frankreich. Fürstentum Starkenburg, Amt Babenhausen ab 1815: Großherzogtum Hessen, Das Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung. Provinz Starkenburg, Amt Babenhausen ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DieburgTrennung zwischen Justiz (Landgericht Umstadt) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DieburgIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg, Stadt BabenhausenAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur Stadt Babenhausen. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Stadt Babenhausen
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Langstadt 1503 Einwohner. Darunter waren 66 (4,4 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 243 Einwohner unter 18 Jahren, 603 waren zwischen 18 und 49, 315 zwischen 50 und 64 und 342 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 639 Haushalten. Davon waren 156 Singlehaushalte, 222 Paare ohne Kinder und 201 Paare mit Kindern, sowie 48 Alleinerziehende und 12 Wohngemeinschaften. In 147 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 405 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1829: 529 Einwohner, 88 Häuser • 1867: 539 Einwohner, 97 Häuser
Religionszugehörigkeit • 1829: 501 lutheranische (= 94,71 %), 25 jüdische (= 4,73 %) und 3 katholische (= 0,57 %) Einwohner • 1961: 886 evangelische (= 74,52 %), 293 katholische (= 24,64 %) Einwohner
Politik Ortsbeirat Für Langstadt besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Langstadt) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 57,33 %. Dabei wurden gewählt: zwei Mitglieder der SPD, vier Mitglieder der CDU und ein Mitglied dem Bündnis 90/Die Grünen. Der Ortsbeirat wählte Jürgen Jost (CDU) zum Ortsvorsteher.
Wappen links|100px mini|100px|Wappenvorschlag von 1956
Blasonierung: „In geteiltem und oben gespaltenen Schild im ersten Feld ein steigender schwarzer Löwe in Silber mit roter Umrandung, im zweiten Feld drei rote Sparren in Gold und im dritten Feld, der unteren Wappenhälfte, in Blau ein stiliserter silberner Kessel.“
Das Wappen wurde der Gemeinde Langstadt im damaligen Landkreis Dieburg am 16. Juni 1967 durch den Hessischen Innenminister genehmigt.
Gestaltet wurde es durch den Bad Nauheimer Heraldiker Heinz Ritt.
Es beruht auf einem leicht unterschiedlichen Wappenvorschlag von 1956. Der stilisierte Kessel ist das Gemarkungszeichen, das auf der Langstädter Seite von Grenzsteinen eingemeißelt ist, es zeigt eine offene Acht. Diese Acht könnte den Kessel darstellen, in dem der hl. Veit in siedendes Öl getaucht wurde. Er ist einer der Schutzpatrone der ersten Langstäster Kapelle. Die beiden Strahlen rechts und links könnten das Feuer bedeuten, gegen das der Hl. Veith Schutz bietet. Die Szene mit dem hl. Veit im Kessel wurde auch schon auf alten Siegeln abgebildet. Die beiden Oberen Felder stellen eine verkleinerte Form des Wappens der Grafschaft Hanau-Lichtenberg dar.Karl Ernst Demandt, Otto Renkhoff: Hessisches Ortswappenbuch. C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956, S. 115.
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