Sickenhofen ist nach Hergershausen und Langstadt der nach Einwohnerzahl drittgrößte der fünf Stadtteile von Babenhausen im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.
Geographie Der Ort liegt , 8 km nordöstlich von Dieburg an dem Flüsschen Gersprenz in der Region Starkenburg vor den ersten Ausläufern des nördlichen Odenwaldes. Im Südosten des Ortes liegt der Sickenhöfer See (die Umbenennung erfolgte anlässlich der Eingemeindung nach Babenhausen im Jahre 1977), der dem Kiesabbau dient. Zwischen dem Ort und dem See verlaufen die Bundesstraße 26 und die Rhein-Main-Bahn in ihrem Abschnitt von Darmstadt Hauptbahnhof nach Aschaffenburg Hauptbahnhof, allerdings ohne einen Haltepunkt in Sickenhofen.
Der Stadtteil Sickenhofen besteht aus der Gemarkung Sickenhofen.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte In der Sickenhöfer Gemarkung wurden in den Jahren 1967 und 1968 Rippenknochen, Backenzähne und Stoßzähne eines Wollhaarmammut (Mammuthus primigenius) gefunden. Die Mammute starben am Ende der letzten Eiszeit aus; d. h., die Funde sind somit mindestens 12.000 Jahre alt. Außerdem entdeckte man Knochen von Rothirsch, Wollhaarnashorn, Pferde sowie einen Schienbeinknochen eines Bisons (Bison priscus, gilt seit etwa 12.000 Jahren als ausgestorben) und einen Oberschenkelknochen eines Höhlenbären (Ursus spelaeus, gilt seit etwa 25.000 Jahren als ausgestorben). Leider sind die näheren Fundzusammenhänge nicht bekannt, d. h., es ist unklar, ob die Funde aus der gleichen Epoche stammen. Auf Grund der Vielzahl der Funde könnte es sich bei der Fundstelle um einen beliebten Sammel- und Jagdplatz gehandelt haben.Tilo Fink: Eintritt in die Geschichte der Dörfer Sickenhofen und Hergershausen. S. 63
Im Jahr 1982 wurden weitere Knochenfunde in Form von Pferd, Schwein, Hirsch und von einem Caniden (Hund oder Wolf) gemacht. Die Pferdeknochen wiesen Bissspuren des Caniden auf. Außerdem wurde festgestellt, dass es sich bei den Pferdeknochen eindeutig um menschliche Nahrungsrückstände mit Bearbeitungsspuren handelte. Die Funde konnten angesichts widriger Umstände nicht genauer datiert werden. Sie stammen mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Mittelsteinzeit bis Jungsteinzeit (Zeitraum im Rhein-Main-Gebiet etwa 8.000 bis 1.900 v. Chr.) und stellen somit einen der ältesten Nachweise menschlicher Anwesenheit in Babenhausen und Umgebung dar.
Zahlreich vertreten sind Funde aus der Urnenfelderkultur (Zeitraum etwa 1.300 – 800 v. Chr.). Der markanteste Fund wurde 1969 in Form einer Tonscheibe gemacht. Das kleine Scheibenrad mit einem Durchmesser von 7,8 cm und einer Nabe aus braunem Ton gehörte vermutlich zu einem kleinen Wagen aus Ton oder Holz. Es könnte aber auch ein Spinnwirbel oder Gewicht zur Beschwerung eines Fischernetzes (Netzsenker) gewesen sein.Tilo Fink: Eintritt in die Geschichte der Dörfer Sickenhofen und Hergershausen. S. 64
Es ist davon auszugehen, dass eine Besiedlung der Sickenhöfer Gemarkung in den folgenden Epochen, wie der Hallstattzeit, der Latènezeit, der Römerzeit sowie der Zeit der Völkerwanderung zumindest periodisch stattfand, obgleich explizit diesen Epochen zuzurechnende Funde aus Sickenhofen nicht bekannt sind. Nachweisbar sind allerdings Altstraßen, die die Gemarkung durchliefen, wie z. B. der Rennweg oder aus römischer Zeit stammende Straßen, die Dieburg und das römische Kastell in Stockstadt am Main verbanden.Tilo Fink: Eintritt in die Geschichte der Dörfer Sickenhofen und Hergershausen. S. 66–68
Mittelalter Die älteste erhaltene Erwähnung des Dorfes stammt aus dem 10. Jahrhundert. In einer Evangelienhandschrift der Abtei Seligenstadt, die um 830 in Lorsch entstand, wurde gegen Ende des 10. Jahrhunderts ein Zinsregister nachgetragen, in dem Sickenhofen erwähnt wird. Der handschriftliche Eintrag lautet: "de Sicgenhouon Liuthart 2 d". Dies bedeutet: der in Sickenhofen ansässige Liuthart muss eine Abgabe von zwei Denaren (Pfennigen) zahlen. Damals hatte die Abtei Seligenstadt Besitz im Dorf. Das Dorf hatte Anteil an der Mark Babenhausen, war Bestandteil des Amtes Babenhausen und gehörte zum Land- und Zentgericht Altdorf.
In historischen Dokumenten späterer Jahre ist der Ort unter folgenden Ortsnamen belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Cicgenhouon (11. Jh.); Siggenhoven (1246); Sickinhoven (1297); Syckinhouen (1340); Sickenhobin (1346); Syckenhofen (1371); Sickenhoffen (1427); Sickenhoeffen (1431) und Sickhofen (1527).
Ursprünglich befand sich das Amt Babenhausen mit dem Dorf Sickenhofen wohl im Besitz der Familie Hagen-Münzenberg. Adelheid von Münzenberg, Tochter Ulrichs I. von Münzenberg, heiratete noch vor 1245 (das genaue Jahr ist nicht überliefert) Reinhard I. von Hanau. Als Heiratsgut brachte sie unter anderem das Amt Babenhausen mit, das seitdem zu Hanau gehörte, und mit ihm Sickenhofen. Bei der Teilung der Grafschaft Hanau 1458 fiel der Ort zusammen mit dem Amt Babenhausen an die Grafschaft Hanau-Lichtenberg.
Das für die Geschichte Sickenhofens bedeutende Geschlecht der Herren von Groschlag aus Dieburg tritt in Sickenhofen erstmals 1291 in Erscheinung. 1340 wird ein groschlagischer Schultheiß erwähnt, was bedeutet, dass die Groschlage spätestens in diesem Jahr den Ort als Lehen von den Herren und Grafen von Hanau erhielten. 1438 verpfändete Heinrich Groschlag u. a. die Dörfer Sickenhofen und Hergershausen an den Grafen von Katzenelnbogen. Die Groschlage entbanden die Einwohner und alle Amtsträger von ihren Pflichten und befahlen ihnen, den Grafen zu huldigen und gehorsam zu sein. Die Katzenelnbogener bzw. deren Rechtsnachfolger, die Landgrafen von Hessen, haben die Lehenshoheit einige Zeit ausgeübt. Spätestens 1467 gelangten Sickenhofen und Hergershausen wieder als Lehen an die Groschlage zurück.Tilo Fink: Eintritt in die Geschichte der Dörfer Sickenhofen und Hergershausen , S. 99.
Frühe Neuzeit Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg. Aufgrund der Intestaterbfolge fiel die Grafschaft Hanau-Lichtenberg jedoch an den Sohn der einzigen Tochter von Johann Reinhard III., Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt. Umstritten zwischen den beiden Erben war die Zugehörigkeit des Amtes Babenhausen und seiner Dörfer zu Hanau-Münzenberg oder zu Hanau-Lichtenberg. Es kam darüber fast zu einer kriegerischen Auseinandersetzung der beiden Hessen. Die Auseinandersetzung konnte erst nach einem langjährigen Rechtsstreit vor den höchsten Reichsgerichten 1771 mit einem Vergleich beendet werden, dem so genannten Partifikationsrezess. Bis zum Aussterben der Groschlage (Aperturfall) sollte die Landeshoheit über Sickenhofen und Hergershausen von beiden Häusern gemeinsam wahrgenommen werden. Nach dem Aussterben der Groschlag 1799 fielen die beiden Orte an Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt somit als nunmehrige Lehnsherren zurück. 1807 kam das Amt Babenhausen (zu Hessen-Kassel gehörig) infolge der Napoleonischen Kriege mit dem Anteil an Sickenhofen und Hergershausen unter französische Verwaltung und folgend durch einen Staatsvertrag mit Frankreich 1810 an das Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt).
Neuzeit Verwaltungszugehörigkeit Bis 1821 nahm das Amt Babenhausen Verwaltung und Rechtsprechung in Sickenhofen wahr. Mit der Verwaltungsreform im Großherzogtum Hessen in diesem Jahr wurden auch hier auf unterer Ebene Rechtsprechung und Verwaltung getrennt. Für die Verwaltung wurden Landratsbezirke geschaffen, die erstinstanzliche Rechtsprechung Landgerichten übertragen. Der Landratsbezirk Seligenstadt erhielt die Zuständigkeit für die Verwaltung unter anderem für das gleichzeitig aufgelöste Amt Babenhausen. So gehörte Sickenhofen 1821 bis 1832 zum Landratsbezirk Seligenstadt, 1832 bis 1848 zum Kreis Offenbach, 1848 bis 1852 zum Regierungsbezirk Dieburg und 1852 bis 1938 zum Kreis Dieburg, der 1939 in Landkreis Dieburg umbenannt wurde.§ 1 Abs. 3 Dritte Verordnung über den Neubau des Reichs. In: RGBl. I S. 1675. Ab 1977 gehörte Harreshausen zum Landkreis Darmstadt-Dieburg, in den der Landkreis Dieburg im Zuge der Gebietsreform in Hessen aufging.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde Sickenhofen zum 1. Januar 1977 kraft Landesgesetz in die Stadt Babenhausen eingemeindet. Für Sickenhofen wurde – wie für die Kernstadt Babenhausen und die übrigen Stadtteile – ein Ortsbezirk eingerichtet.
Gerichtliche Zugehörigkeit Das Landgericht Steinheim übernahm im gleichen Bereich wie der Landratsbezirk Seligenstadt die zuvor durch das Amt wahrgenommenen Aufgaben der Rechtsprechung. Der Sitz des Gerichts wurde zum 1. Juli 1835 nach Seligenstadt verlegt und die Bezeichnung in „Landgericht Seligenstadt“ geändert.Bekanntmachung, die Verlegung des Landgerichtssitzes von Steinheim nach Seligenstadt betreffend vom 12. Mai 1835. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 29 vom 21. Mai 1835, S. 277. Mit dem Gerichtsverfassungsgesetz von 1877 wurden Organisation und Bezeichnungen der Gerichte reichsweit vereinheitlicht. Zum 1. Oktober 1879 hob das Großherzogtum Hessen deshalb die Landgerichte auf. Funktional ersetzt wurden sie durch Amtsgerichte.§§ 1, 3 Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f. So ersetzte das Amtsgericht Seligenstadt das Landgericht Seligenstadt.
Historische Beschreibung Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Sickenhofen:
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Sickenhofen angehört(e):
vor 1546: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen ab 1546: Heiliges Römisches Reich, Freiherr von Groschlag von und zu Dieburg ab 1802: Heiliges Römisches Reich, durch Kauf: (: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Babenhausen; : Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Grafschaft Hanau-Lichtenberg) ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hanau, Amt BabenhausenDurch den Reichsdeputationshauptschluss. ab 1806: Kaiserreich Frankreich,Infolge der Napoleonische Kriege. Fürstentum Hanau, Amt Babenhausen (Militärverwaltung; 1810 an das Großherzogtum Frankfurt) ab 1810: Großherzogtum Hessen,Durch Staatsvertrag mit Frankreich. Fürstentum Starkenburg, Amt Babenhausen ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Babenhausen ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk SeligenstadtTrennung zwischen Justiz (Landgericht Steinheim) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Offenbach ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DieburgIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Stadt Babenhausen
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011