mini|Büste von Robert Baden-Powell, vom mexikanischen Pfadfinderverband 1968 an Olave Baden-Powell für den Gilwell Park gestiftet

Der Gilwell Park ist ein Lagerplatz der britischen Pfadfinderbewegung und dient auch als Ausbildungszentrum für Pfadfinderleiter. Das 44 ha große Gelände befindet sich in Sewardstonebury, Epping Forest in der Nähe von Chingford, London.

1919 wurde der Park vom Verleger William De Bois Maclaren der Scout Association geschenkt, um nahe London einen Lagerplatz zur Verfügung zu haben und auch Kurse für Leiter anbieten zu können. Robert Baden-Powell selbst betonte die Bedeutung des Geländes, indem er bei seiner Erhebung in den Adelsstand 1929 den Titel Baron Baden-Powell of Gilwell annahm.John Thurman: The Scout's Book of Gilwell. London 1951

Bis heute ist das Gelände eines der wichtigsten Zentren der Pfadfinderbewegung und viele Pfadfinder aus der ganzen Welt haben ihre Woodbadge-Ausbildung dort abgeschlossen. Der Park bietet Zeltlagerplätze unterschiedlicher Größe, angefangen von solchen für kleine Gruppen bis hin zu etwa 1.200 Personen, Unterkünfte in Häusern, historische Gebäude, Pfadfinderdenkmäler und eine Vielzahl an für Lager geeigneten Aktivitäten. Insgesamt können Veranstaltungen mit bis zu 10.000 Personen durchgeführt werden. Auch für nicht-pfadfinderische Aktivitäten kann das Gelände gemietet werden, etwa für Hochzeiten oder Konferenzen.

Geschichte Bauernhof im späten Mittelalter Die Geschichte des Parks kann bis ins Jahr 1407 zurückverfolgt werden, als John Crow ein Landstück mit dem Namen Gyldiefords besaß, das etwa dem heutigen Gilwell Park entsprach. Zwischen 1407 und 1422 verkaufte er das Land an Richard Rolfe, nach dem das Gebiet als Gillrolfes bezeichnet wurde. Das altenglische Gill entspricht dem modernen glen, auf Deutsch etwa kleines Tal, -rolfes wurde nach dem Besitzer angehängt. Nach Rolfes Tod im Jahr 1422 wurden Teile des Gebietes Great Gilwell und Little Gilwell genannt (Well bedeutet Quelle). Seit damals steht ein Bauernhof an der Stelle der heutigen Gilwell Farm. Um diese Zeit wurden weitere 5,6 ha benachbartes Land von Richard Osborne erworben. 1442 baute er eine größere Unterkunft, die Osborne Hall, die 300 Jahre lang existierte. Einer unbelegten Legende zufolge gehörte das Gebiet am Beginn des 16. Jahrhunderts Henry VIII, der eine Jagdhütte für seinen Sohn Edward VI errichtete. Um 1736 nutzte der berüchtigte Wegelagerer Dick Turpin die Wälder von Gilwell als Versteck und Ausgangsbasis für seine Überfälle auf Reisende und Transporte nach und aus London.Peter Rogers: Gilwell Park: A Brief History and Guided Tour. London 1998, aufgerufen am 12. August 2006

1754 kaufte William Skrimshire das Gebiet. Er ließ die Osborne Hall abreißen und errichtete ein neues Gebäude mit gleichem Namen, das heute als White House bezeichnet wird., aufgerufen am 1. August 2006 Das Bauholz im White House konnte auf diese Zeit datiert werden, ältere Hölzer sind nicht vorhanden. Leonhard Tresilian erwarb das Anwesen im Jahr 1771 und erweiterte sowohl den Grundbesitz als auch die Gebäude. Seine erste Ehefrau, Margaret Holland, starb jung nach der Geburt dreier Töchter. Im Ehevertrag mit seiner zweiten Frau, Elizabeth Fawson, vereinbarte er, dass seine älteste Tochter Margaret das Grundstück erben sollte. Diese heiratete William Bassett Chinnery, den Bruder des Malers George Chinnery, und erhielt den Gilwell Park nach dem Tod ihres Vaters 1792.

Gutsanwesen im 18. Jahrhundert Die Cinnerys waren reich und einflussreich. William Chinnerys Vater besaß Handelsschiffe und nannte eines davon im Jahr 1800 Gilwell. William und Margaret Cinnery wohnten anfänglich noch in London, zogen nach dem Erbe des Parks aber im Jahr 1793 dorthin um. Die darauffolgende Umbenennung der Osborne Hall in Gilwell Hall schockierte die Nachbarschaft. In den nächsten 15 Jahren erweiterte die Familie den Landbesitz deutlich und verschönerte das Gebiet durch Gärten, Wege und Statuen. Teile dieser Anlagen existieren auch heute noch.

Die Familie Chinnery war bekannt und wurde in den 1790er und 1800er Jahren von britischen Adligen häufig und gerne besucht. Auch Georg III. und der Prinzregent und spätere George IV. besuchten das Anwesen häufig. Der siebte Sohn von Georg III., Adolphus Frederick, 1. Duke of Cambridge, wurde ein enger Freund der Familie und wohnte eine Zeit lang sogar im Gilwell Park. 1812 konnte William die Veruntreuung von Geldern seines Arbeitgebers, des Britischen Schatzamtes, nachgewiesen werden, weswegen er entlassen wurde. Auch das Anwesen ging in weiterer Folge verloren und wurde an die britischen Behörden, genauer an das Exchequer, übertragen.

1815 erwarb Gilpin Gorst in einer öffentlichen Versteigerung das Anwesen, sein Sohn verkaufte es im Jahr 1824 an Thomas Usborne. Im Jahr 1826 erwarb Usborne einige Baluster der abgerissenen alten London Bridge und stellte sie hinter dem White House, rund um den Buffalo Lawn auf. Das Anwesen wechselte noch mehrfach den Besitzer, die neuen Besitzer hielten das Anwesen jedoch nie in Stand und so verfiel es bis an den Beginn des 20. Jahrhunderts. Reverend Cranshaw erwarb das Gebiet im Jahr 1911 und war der letzte Besitzer vor der Boy Scout Association.

Verbindungen zu den Pfadfindern In den 1910er Jahren verfielen die Gebäude weiter. William F. de Bois Maclaren war ein Verleger und Pfadfinderleiter aus Rosneath, Dunbartonshire, Schottland. Während einer Geschäftsreise nach London erkannte Maclaren, dass die Pfadfinder im Londoner East End kein zufriedenstellendes Freigelände hatten, um ihre Aktivitäten durchführen zu können. Er nahm Kontakt zu Robert Baden-Powell auf und wies ihn auf diesen Umstand hin. Dieser brachte Maclaren mit P. B. Nevill in Kontakt, der als Pfadfinderleiter für das Londoner East End zuständig war. Am 20. November 1918, während eines Abendessens im Roland House, einer Pfadfinderunterkunft in Stepney, erklärte sich Maclaren bereit, 7.000 Pfund für den Erwerb einer angemessenen Pfadfinderunterkunft zu spenden. Zuerst wurde vereinbarungsgemäß im Hainault Forest und Epping Forest gesucht, jedoch ohne Erfolg. John Gayfer, ein junger Pfadfinderleiter, schlug daraufhin die Gilwell Hall vor, wo er Vogelbeobachtungen durchgeführt hatte. Nevill besuchte das ehemalige Anwesen und war beeindruckt, obwohl die Gebäude allesamt in sehr schlechtem Zustand waren. Das Gebiet stand für 7.000 Pfund zum Verkauf, exakt die Summe, die Maclaren zur Verfügung gestellt hatte. Das Gebiet umfasste damals eine Fläche von 21 ha.

Anfang 1919 wurde der Gilwell Park von Maclaren für die Boy Scout Association erworben. Nevill und seine Rover begannen am Gründonnerstag, dem 17. April 1919, mit den ersten Reparaturarbeiten. Aufgrund der Feuchtigkeit des Bodens konnten sie keine Zelte aufstellen und schliefen daher im Gärtnerhaus. Sie nannten dieses Gebäude The Pigsty (Schweinestall). Als erster Pfadfinderlagerplatz am Gelände steht das Gebäude heute noch, wenn es auch sehr baufällig ist. Maclaren besuchte den Park häufig und unterstützte die Instandsetzung der Gebäude. Er spendete auch weitere 3.000 Pfund. Seine ursprüngliche Absicht war es, den Pfadfindern einen Lagerplatz zur Verfügung zu stellen, Baden-Powell hingegen hatte die Vision eines Trainingszentrums für Pfadfinder. Die Eröffnung des Pfadfinderzentrums war ursprünglich für den 19. Juni 1919 geplant gewesen, wurde aber auf den 26. Juni verschoben, um am offiziellen Friedensfestival, das das Ende des Ersten Weltkrieges feierte, statt zu finden. In den 1920er Jahren wurde viel Arbeit in die Renovierung und den Neubau von Gebäuden investiert. Aufgrund der beschränkten Finanzmittel wurde während der Weltwirtschaftskrise der 1930er nur wenig erweitert. Baden-Powell lebte nie im Gilwell Park, zeltete aber oft dort, um Kurse und Seminare abzuhalten, und nahm an Treffen auf dem Gelände teil.

Zweiter Weltkrieg mini|The Ideal Scout (Der perfekte Pfadfinder), wurde dem Gilwell Park 1966 von den Boy Scouts of America gespendet Von 1940 bis 1945 wurde das Gelände militärisch genutzt, als lokales Kommando-, Trainings- und Lagerzentrum. Heute erinnert nur mehr wenig an diese Zeit, außer einem Bombenkrater, der durch eine Fliegerbombe der Luftwaffe erzeugt wurde. Er wurde später erweitert und wird nun zum Schwimmen und Kanufahren benutzt. Nach dem Krieg wurden umliegende Flächen gekauft, um den Park erweitern zu können. Diese Flächen wurden The Quick, New Field und Hilly Field genannt. Ein weiterer Zukauf und eine Spende von Südafrika in den frühen 1950er Jahren brachte den Gilwell Park auf seine heutige Größe. Damit begann der Ausbau der Zeltlagerplätze, der bis in die 1960er Jahre andauerte. In den 1970ern wurden die Gebäude und Einrichtungen weiter ausgebaut. 1967 wurde The Boy Scout Association in The Scout Association umbenannt.

Während der 1970er wurden zwei wichtige und beliebte Gebäude errichtet: das Dorothy Hughes Pack Holiday Centre für Wölflinge und das Colquhoun International Centre als Ausbildungszentrum, das ursprünglich International Hall of Friendship genannt wurde. In den 1980ern wurden das White House und weitere Gebäude umfassend renoviert. Im April 2001 wurden schließlich die meisten Arbeitsplätze der Scout Association von London in den Park verlegt., aufgerufen am 30. August 2006

Aufgrund der Feierlichkeiten zum 100-Jahre-Jubiläum der Gründung der Pfadfinderbewegung und dem damit verbundenen 21. World Scout Jamboree 2007 im nahegelegenen Hylands Park, Chelmsford, Essex sind derzeit umfassende Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten im Gange. Ein Budget von 20 Millionen britischen Pfund ist dafür veranschlagt, finanziert durch Einzelspenden von bis zu 500.000 Pfund. Der Gilwell Park wird in die Feierlichkeiten eingebunden sein und auch während des Großlagers umfassend genutzt werden., aufgerufen am 30. August 2006, aufgerufen am 30. August 2006, aufgerufen am 30. August 2006

Durch Einnahmen aus Konferenzen, den Unterkünften und dem Verkauf von Pfadfinder-Material erwirtschaftet der Gilwell Park heute über eine Million Pfund pro Jahr. Der Park ist eines von vier Zentren der britischen Pfadfinderbewegung, neben dem Baden-Powell House, dem Downe Scout Activity Centre und dem Youlbury Scout Activity Centre.

Persönlichkeiten Francis „Skipper“ Gidney wurde im Mai 1919 der erste Leiter des Platzes und blieb es bis 1923. Er organisierte das erste Woodbadge-Training hier (8.–19. September 1919) und trug viel zum Erfolg des Parks als Ausbildungszentrum der Pfadfinderbewegung bei. Die Gidney Cabin wurde 1929 zu seinen Ehren errichtet und dient als Trainingszentrum.

Der zweite Leiter des Platzes war John Skinner Wilson von 1923 bis 1939. Er war Colonel der British Indian Police, als er im Jahr 1917 Pfadfinderleiter wurde. 1921 besuchte er den Gilwell Park, um eine Ausbildung zum Pfadfinderleiter zu absolvieren, was später zu seinem Austritt aus der Indian Police führte. 1922 wurde er hauptberuflicher Pfadfinderleiter. 1937 wurde er mit dem Bronze Wolf Award geehrt, der einzigen Auszeichnung der World Organization of the Scout Movement., aufgerufen am 30. August 2006, aufgerufen am 30. August 2006

R. F. Thurman war ein britischer Pfadfinderleiter, der von 1943 bis 1969 Camp Chief war und den Bronze Wolf Award 1959 erhielt. Er war ein großer Unterstützer der Pfadfinderausbildung und schrieb mehrere Bücher zu diesem Thema. Das Thurman Memorial steht heute in der Nähe von The Pigsty.The Origins of the Wood Badge (PDF; 113 kB), aufgerufen am 30. August 2006 Sein Nachfolger war John Huskin., aufgerufen am 10. September 2006