Bismutit, nicht zu verwechseln mit dem Bismutsulfid Bismuthinit, veraltet auch als Wismutspat bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“ mit der chemischen Zusammensetzung Bi2[O2CO3] und ist damit chemisch gesehen ein Bismut-Carbonat mit zusätzlichen Sauerstoffionen.
Bismutit kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt überwiegend kugelige, radialstrahlige oder massige bis pulvrige Mineral-Aggregate von meist weißer, grauer oder gelber Farbe. Es wurden aber auch schon grün, blau, braun und schwarz gefärbte Bismutite gefunden.
Etymologie und Geschichte Erstmals gefunden wurde Bismutit in der „Grube Arme Hilfe“ bei Ullersreuth (Hirschberg (Saale), Thüringen). Als Erstbeschreibung des Minerals gilt die Publikation August Breithaupts von 1841. Breithaupt erwähnte jedoch, dass schon vorher mehrmals kohlensaures Wismutoxid gefunden wurde, wobei dieses im Gemenge vorlag und nicht genau charakterisiert werden konnte:
Breithaupt benannte das Mineral in Anlehnung an den hohen Bismut-Gehalt von über 80 %.
Klassifikation In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Bismutit zur Mineralklasse der „Nitrate, Carbonate und Borate“ (Unterklasse „Carbonate“) und dort zur Abteilung „Wasserfreie Carbonate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Beyerit, Kettnerit und Phosgenit in der „Phosgenit-Bismutit-Gruppe“ mit der Systemnummer Vb/B.05 steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer V/C.09-020. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Carbonate, mit fremden Anionen“, wo Bismutit zusammen mit Beyerit, Kettnerit und Phosgenit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer V/C.09 bildet.
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Bismutit in die neu definierte Klasse der „Carbonate und Nitrate“ (die Borate bilden hier eine eigene Klasse), dort aber ebenfalls in die Abteilung „Carbonate mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metalle. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Pb, Bi“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 5.BE.25 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Bismutit die System- und Mineralnummer 16a.03.05.01. Auch dies entspricht der Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort der Abteilung „Carbonate - Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Carbonate - Hydroxyl oder Halogen mit (AB)2(XO)3Zq“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 16a.03.05.
Kristallstruktur Ersten Strukturmessungen zufolge schien Bismutit in tetragonaler Symmetrie zu kristallisieren. Allerdings ließ sich mit dieser Annahme die Struktur nicht vollständig lösen. Eine Röntgenstrukturanalyse zeigte, dass Bismutit im orthorhombischen Kristallsystem in der mit den Gitterparametern a = 3,865 Å, b = 3,862 Å und c = 13,675 Å sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle kristallisiert, wobei die Elementarzelle jedoch eine ausgeprägte pseudotetragonale Anordnung zeigt. Dieses Strukturmodell wird seither üblicherweise zur Beschreibung von Bismutit herangezogen.
Untersuchungen mittels Neutronenbeugung (Pulver-Neutronenbeugung) deuten jedoch auf eine größere orthorhombische Elementarzelle in der Raumgruppe hin, mit den Gitterparametern a = 5,468 Å, b = 27,32 Å und c = 5,468 Å.
Aktuelle Dichtefunktional-Rechnungen vergleichen die häufig angenommene Imm2-Struktur mit der niedersymmetrischen Pna21-Phase und kommen zu dem Ergebnis, dass letztere energetisch günstiger ist und die experimentellen Beobachtungen besser beschreibt.
Bildung und Fundorte Bismutit bildet sich als Sekundärmineral durch Verwitterung (meist Oxidation) aus anderen Bismut-Mineralen oder gediegen Bismut. Er tritt daher entsprechend in Paragenese mit gediegen Bismut, Bismuthinit, Bismutoferrit, Chalkopyrit und Goethit auf.
Als eher seltene Mineralbildung kann Bismutit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 900 Vorkommen dokumentiert (Stand 2026). Neben seiner Typlokalität Ullersreuth in Thüringen fand man Bismutit in Deutschland unter anderem noch in Baden-Württemberg (Schwarzwald), Bayern (Fichtelgebirge, Spessart), Hessen (Odenwald), Niedersachsen (Harz), Nordrhein-Westfalen (Sauerland, Siegerland), Rheinland-Pfalz (Siegerland, Westerwald), Sachsen-Anhalt (Harz) und Sachsen (Erzgebirge).
In Österreich trat das Mineral unter anderem am Hüttenberger Erzberg und nahe der Duisburger Hütte in Kärnten, bei Kottaun (Gemeinde Geras) in Niederösterreich, an mehreren Orten im Salzburger Land sowie bei Brunngraben nahe Flatschach und Sankt Oswald in Freiland in der Steiermark auf.
In der Schweiz fand man Bismutit bisher vor allem in den Kantonen Graubünden und Wallis.
Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Armenien, Äthiopien, Australien, Bolivien, Brasilien, Chile, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Indien, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, der Demokratischen Republik Kongo, Madagaskar, Mexiko, Mongolei, Mosambik, Namibia, Norwegen, Papua-Neuguinea, Peru, Polen, Portugal, Ruanda, Rumänien, Russland, Schweden, Simbabwe, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tadschikistan, Tschechien, Ungarn, im Vereinigten Königreich (UK) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).
Siehe auch Liste der Minerale
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise Fundortliste für Bismutit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 21. März 2026.
Kategorie:Grandfathered Mineral Kategorie:Orthorhombisches Kristallsystem Kategorie:Carbonate und Nitrate Kategorie:Bismutmineral Kategorie:Kohlenstoffmineral