Die Verwendung von Putzträgern ist eine altbewährte Methode für das Putzen von Flächen, die sich eigentlich nicht oder in unzureichender Weise als Putzgrund eignen. Schilfrohrmatten (Schilfgewebe) und diagonal aufgenagelte (halbrund oder trapezförmige) Holzstäbe sind beispielhaft für die Vielfalt von schon in der Vergangenheit verwendeten Putzträgern, die heute immer mehr von modernen Geweben ersetzt werden. mini|Putzträger mit Holzstäben Architektur und Bauwerksgestaltung, bauphysikalische Erfordernisse (z. B. Wärmedämmung) klimatische Einflüsse (Temperatur und Feuchtigkeit) und konstruktive Notwendigkeiten machen bei den heutigen Bauweisen die Verwendung unterschiedlicher Baustoffe innerhalb einer zu putzenden Fläche erforderlich. Die daraus resultierenden erhöhten Anforderungen an den Putz können nur mit zusätzlichen Maßnahmen (Putzträger, Putzarmierung) erfüllt werden, die zu einer wesentlichen Senkung der Rissgefahr sowie vereinfachter und dauerhafter Montage beitragen.

Den bautechnischen Bedürfnissen Rechnung tragend wurde eine umfangreiche Palette von Putzträgern und -armierungen entwickelt.

Begriff

Putzträger sind konstruktive Hilfsmittel, die zur Herstellung einer von der Unterkonstruktion (z. B. Mauerwerk, Holzständerwerk) weitgehend unabhängigen Putzschale dienen. Ein Putzträger ist ein selbstständiger Putzgrund, der imstande ist, eine Putz-Mörtellage dauerhaft zu tragen. Putzträger können keine Putzarmierungen ersetzen. Gemäß ÖNORM B 2210, 1.3.3 (12) und ÖNORM B 3346 5.5.2 gelten Putzträger als eigener Putzgrund. Putzträger haben die Aufgabe, ungeeigneten oder fehlenden Putzgrund (beispielsweise Risse, Materialwechsel im Untergrund, Schlitze und/oder Öffnungen) zu überbrücken. Der Putzträger schafft einen zum Putzen geeigneten Putzgrund und hat dabei das Eigengewicht des Putzmörtels, an Fassaden zusätzlich auch noch Winddruck und Windsog, über die Befestigungen und/oder Verankerungen in den festen, massiven Untergrund bzw. in die Unterkonstruktion abzutragen. Putzträger können aus Schilfrohr, Drahtziegelgewebe, Streckmetall (Rabitz) und gebundenen Holzwolleplatten bestehen.

Geschichte

Weil Putz auf glatten Steinflächen und mit dem Feuchtegehalt der Umgebung quellenden und schwindenden Holzelementen nicht gut haftet, war es schon früh üblich, Putzflächen durch den Zusatz von Stroh und anderen Fasern zu bewehren und durch verschiedene Maßnahmen mit dem Untergrund zu verbinden.

Markus Vitruvius Pollio, kurz Vitruv genannt, deutet in seinem Werk „Zehn Bücher über die Architektur“ (De Architektura Libri Decem) den Auftrag von Lehm- und Kalkputzen auf mit Ruten und Schilfrohr überspannten Fachwerkwänden sowie die Herstellung von Rohrgewölben an.Erwin Emmerling, Stefanie Correll, Andreas Grüner, Ralf Kilian (Hrsg.): Firmitas et Splendor. Vitruv und die Techniken des Wanddekors, Kapitel III. Putz (Vitr. 7, 3, 5-7, 4), Abschnitt 3. Verputzen von Fachwerk (VITR. 3, 11), Seite 108. In: www.arc.ed.TUM.de

Während Antonio Averlino Filarete, kurz Filarete genannt, Putzträger nur knapp behandelt, beschäftigt sich Leon Battista Alberti (1404–1472) ausführlicher mit diesem Thema.

Die Verwendung von Pflanzenfasern, Rohrstängeln und Holzstäben zur Herstellung von Putzträgern wurde in der handwerklichen Ausführung mit der Zeit so vollendet, dass viele Putzarbeiten ohne wesentliche Schäden bis in unsere Tage erhalten blieben. Das Stuckateurgewerbe gelangte besonders im Rokoko (1720–1775) zu großer Blüte. Bedeutende Künstler schufen glanzvolle Kunstwerke. In der Schriftenreihe „Die Künstler Wiens“, die sich auf das reiche Quellenmaterial des Wiener Stadtarchivs stützt, hat L. Sailer das Teilgebiet über „Die Stukkateure“ bearbeitet. In Sailers Schrift wird die Entwicklung des Stuckateurgewerbes, eine alphabetische Aufzählung der bekannten Stuckateure (mit Lebensdaten) gebracht und in einer Beilage auch das Privileg vom 23. Mai 1709 für Stuckateure. Schon aus Leon Battista Albertis (1404–1472) Ausführungen über Flechtwerk in Mauern, die er „bloße Krusten“ statt „Schalen“ (in der Übersetzung von M. Theuer) nennt, ist ersichtlich, dass dem Flechtwerk als Putzträger auch statisch-konstruktive Bedeutung zukommt. Von der Verwendung des Lehms mit dem Flechtwerk bis zur Verbindung von Beton mit Eisen war noch ein weiter Weg zurückzulegen. Der Pariser Gärtner Joseph Monier hat 1860 in Beton, aus dem er seine Blumenkübel herstellte, zur Verstärkung Eisendrähte eingebettet. 1867 nahm er ein Patent auf die Herstellung von tragbaren Gefäßen aus Zementmörtel mit Eiseneinlagen, dem 1878 ein Zusatzpatent als eigentliches Monier-Patent folgte.

Zur Anwendung kamen entweder Putzmörtelträger aus einzelnen kleinen Elementen, Putzmörtelträger aus Plattenelementen mit rauer Oberfläche, Putzmörtelträger aus zusammenhängenden Geflechten oder Netzen

Die Putzmörtelträger aus einzelnen kleinen Elementen, zum Beispiel aus Holzleisten, Rohrstängeln, Gipsplatten und so weiter sind in Österreich nur mehr in einzelnen Sonderfällen bei Bauherstellungen in Verwendung, so zum Beispiel zur Sicherung des Putzes über Holzfachwerken, zu Sicherung des Putzes bei einzelnen Steinmauerausführungen und dergleichen mehr. Die Anwendung dieser Art von Putzmörtelträgern bleibt auf Einzelfälle beschränkt, da sie viel Zeit in Anspruch nimmt und teuer ist. Dennoch ist der Putzmörtelträger aus einzelnen Elementen in der Gesamtdarstellung als Ursprung der Putzträger anzuführen.

Die Putzmörtelträger aus Plattenelementen mit rauer Oberfläche umfassen vornehmlich die Gruppen der Holzwolle- bzw. Holzwollefaserplattenelemente. Diese Plattenelemente erfüllten in ihrem naturgegebenen Wirkungsbereich eine wertvolle Funktion im Bauwesen. Der Großteil dieser Erzeugnisse besitzt nicht die notwendige Dauerbeständigkeit und Feuersicherheit für die an Putzmörtelträger zu stellenden Anforderungen. Diesen Platten kommen technisch ganz andere Funktionen im Wärme- und Schallschutz, als Unterlage zu Fußbodenbelägen, Auskleidung von Innenräumen und so weiter zu.

Putzmörtelträger aus zusammenhängenden Geflechten oder Netzen: Die Rohrbauern an der Seenplatte von Berlin, welche die Stadt mit losem Schilfrohr belieferten, begannen als erste – auf Anregung eines Webers – zu Beginn des 18. Jahrhunderts, die Schilfrohrstängel mit Bast, dann mit Hanfspagat, noch später mit Bindedraht zu verweben, indem sie sich primitiver Webstühle bedienten, die mancherorts noch heute betrieben werden. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts erfand, zur Verbesserung dieser bis dahin primitiven Webmethoden, der Baumeister Carl Stauss aus Finsterwalde den ersten mechanischen Rohrwebstuhl. Er ergänzte das primitive Erzeugnis märkischer Hausindustrie durch Einziehung eines 1 mm starken Kettdrahtes, welcher, im Abstand von 15 bis 20 cm eingewebt, das nachträgliche Anbringen von Unterzugsdrähten bei Rohrgewebeausführungen unnötig machte. Diese Rohrgewebetypen haben sich bis heute erhalten.

Das Schilfrohrgewebe verdrängte vollkommen die Einzelbefestigung von Rohrstängeln auf Holzschalungen oder Lattung und ermöglichte einen viel rascheren Baufortschritt durch die mechanische Verwebung des Schilfrohres zu Rohrgewebematten.

Die mechanische Verwebung der Schilfrohrstängel war durch Form und Ausmaß des Naturproduktes in vier bestimmte Verarbeitungsmethoden gedrängt: Das einfache Rohrgewebe: Bei diesem sind die Stängel in Abständen von circa 5 bis 10 mm voneinander angeordnet und entweder mit einem starken Draht gebunden oder mit gleich starken Schuss- und Kettdrähten gehalten. Das einfache Rohrgewebe wird am Bau zur Herstellung von Deckenuntersichten verwendet, aber auch für Verkleidungen von Holzwänden usw. In einfacher Lage wird es auf mehr oder minder nicht angeordneter Schalung verarbeitet, unter Stahlbetondecken auch ohne jede Schalung, in solchen Fällen kreuzweise verlegt und mit stärkeren Versteifungsdrähten unterstützt. Das Doppelrohrgewebe, das hauptsächlich in den zum schwäbischen Kulturgebiet gehörigen Ländern verwendet wird, ist ein Gewebe, bei dem ober- und unterhalb des starken Kettdrahtes Rohrstängel im Verbund liegen kommen. Der Zweck dieser Anordnung ist, ein steiferes Gewebe zu erzielen, bei dem möglichst an Holzschalung bei der Verarbeitung von Deckenuntersichten gespart werden kann. Das dichte Rohrgewebe ist dadurch gekennzeichnet, dass Stängel an Stängel gepresst verwoben werden, derart, dass ein Durchdringen des Mörtels verhindert wird. Diese dritte Form der Schilfrohrgewebe stellt jedoch bereits einen Übergang zur Schalung selbst dar, wird auch ausschließlich als solche, zum Beispiel vornehmlich bei Stahlbetondecken zur Ausbildung der Rohrzellenhohlkörper, verwendet.

Die Rohrgewebematten, bei welchen nur die dünnsten Stängel und Stängelspitzen zu einer dichten, 1 bis 1,5 cm rollbaren Schichte zusammengepresst und zugleich verwoben werden, stellen einen Übergang von gewebten Putzmörtelträgern zu jenen der Plattensysteme dar. Die Rohrgewebematten werden wohl auch zu Bauausführungen herangezogen, sind aber vornehmlich als Wärmeschützelement gedacht und verwendet. Das Verweben der Schilfrohrstängel musste den Gedanken auslösen, auch die in holzreicheren Gegenden als Putzmörtelträger verwendeten Holzleisten mit Draht zu einem Gewebe zu verarbeiten. So entstanden die Holzstabgewebe. Auch da gibt es mehrere Ausführungsarten einfacher und doppelter Gewebe und überdies, entsprechend den Möglichkeiten, die Holzstäbe in der Form verschieden zu gestalten, alle möglichen drei-, vierkant und trapezartigen Querschnitte mit verschiedenen Drahtverbindungen. Naheliegend war auch, die Holzstäbe durch Einkerbungen zu verzahnen und so für die Umklammerung des Mörtels geeigneter zu machen. Gänzlich abweichend von diesen in Mitteleuropa noch um ca. 1933 ziemlich häufig verwendeten Holzstabgeweben ist das in Südfrankreich bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts verwendete Holzspangeflecht. Bei diesem Putzmörtelträger sind circa drei Zentimeter breite Holzspäne maschenartig verflochten. Diese wurden in nicht allzu großen, biegbaren, aber nicht rollbaren Elementen durch Aufnageln auf die entsprechend weit voneinander liegenden Tramen (Stützbalken) als Putzmörtelträger zu Deckenuntersichten verwendet.