mini|Aleister Crowley (1912)rahmenlos|hochkant|klasse=skin-invert-image
Aleister Crowley [] (* 12. Oktober 1875 als Edward Alexander Crowley in Leamington Spa; † 1. Dezember 1947 in Hastings, East Sussex) war ein britischer Okkultist, Schriftsteller und Bergsteiger.
Crowley bezeichnete sich als das Große Tier 666. Von 1898 bis 1900 war er Mitglied im Hermetic Order of the Golden Dawn, im Anschluss gründete er eigene Gesellschaften, die zum Teil auf den Konzepten des Golden Dawn aufbauten. 1904 verfasste er das Buch Liber AL vel Legis („Buch des Gesetzes“). Crowleys Beschäftigung mit Sexualmagie brachte ihn in Kontakt mit dem Ordo Templi Orientis (O.T.O.). 1920 gründete er in Cefalù auf Sizilien die Abtei Thelema, die bis zu seiner Ausweisung aus Italien 1923 bestand. 1925 übernahm er de facto die Leitung des O.T.O. 1935 entwarf er das Thoth-Tarot.
In den 1970er Jahren erlangten seine Schriften große postume Popularität, insbesondere das „Buch des Gesetzes“, das zur Leitschrift der neureligiösen Bewegung Thelema wurde.
Leben Familie Edward Alexander Crowley kam als Sohn von Edward Crowley (1829–1887) und Emily Bertha Crowley (geborene Bishop, 1848–1917) zur Welt. Seine jüngere Schwester Grace Mary Elizabeth Crowley wurde am 29. Februar 1880 geboren und starb wenige Stunden nach ihrer Geburt. Crowley selbst schreibt von fünf Stunden, offizielle Aufzeichnungen nennen vier Stunden und die Todesursache. S.a. Nach Crowleys eigenen Worten war sein Vater der „Sproß eines Stammes wohlhabender Quäker“.„wealthy scion of a race of Quakers“; s. Crowley: The Confessions of Aleister Crowley: An Autohagiography. Hrsg. von John Symonds und Kenneth Grant. Cape, London 1969, S. 35. Die Brüder des Großvaters hatten eine industrielle Brauerei in Alton und betrieben unter anderem auch eine Kette mobiler Imbissstände mit Bierausschank namens Crowleys Alton Alehouse. Crowleys Vater hatte zwar eine Ausbildung als Ingenieur, übte diesen Beruf jedoch niemals aus, sondern führte das Leben eines Gentleman. Der Wohlstand der Familie stammte freilich letztlich aus dem Brauereigeschäft, auch als 1877 die Brauerei übernommen worden war und Crowleys Vater seine Anteile verkauft hatte, ein Umstand, den Crowley in seiner Autobiographie nicht erwähnt.Tobias Churton: Aleister Crowley. The Biography. Watkins, London 2011, S. 12ff. Erwähnenswert findet er dagegen eine vermutete keltische Abstammung und Verbindung seiner Familie mit einer bretonischen Familie Quérouaille, die sich unter den Tudors in England niedergelassen hatten.Crowley: Confessions. Hrsg. von Symonds und Grant. London 1969, S. 35.Christian Bouchet: Aleister Crowley. Das Leben eines modernen Magiers. Urania Verlag, 2000, ISBN 3-908654-09-2, S. 15–17.
Die Familie der Mutter war mittelständisch. Der Vater von Emily Bishop war ein erfolgreicher Milchfarmer, die Mutter stammte aus einer Familie von Uhrmachern. Sie selbst hatte als Erzieherin gearbeitet, als sie 1874 den wohlhabenden, fast doppelt so alten Edward Crowley heiratete. Ihr Bruder Tom Bond Bishop (1839–1920), der nach dem Tod von Crowleys Vater sein Vormund wurde, war Evangelist und wirkte als Laienprediger. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Civil Service Prayer UnionCivil Service Prayer Union und der Children's Special Service Mission. Außerdem gab er die Zeitschriften Our Own Magazine und Scripture Union heraus und verfasste ein Werk mit dem Titel Evolution Criticised.T. B. Bishop: Evolution Criticised. Oliphants, Edinburgh 1918.T. B. Bishop, Archives of Edwin RobertsPercy Sitters: T.B.B. of the C.S.S.M. A memoir of Tom Bond Bishop, for fifty-three years honorary secretary of the Children's Special Service Mission. Children's Special Service Mission, London 1923.
Der Großvater hatte die Gemeinschaft der Quäker verlassen und war anglikanisch geworden. Die Eltern kehrten der Staatskirche jedoch wieder den Rücken und schlossen sich den Plymouth-Brüdern an, einer um 1830 von John Nelson Darby gegründeten christlich-fundamentalistischen Gemeinschaft, welche sich strikt von der Staatskirche absetzte und jeden Verkehr mit deren Angehörigen mied, eine buchstäbliche Bibelauslegung pflegte und im Sinne des Prämillenarismus glaubte, der Beginn der Endzeit stehe unmittelbar bevor. Die stets von Laien abgehaltenen Gottesdienste fanden im privaten Kreis statt, also auch bei Crowleys. Nach seiner Konversion wurde auch Crowleys Vater ein solcher reisender Evangelist, der missionierend über Land zog, sämtliche Städte und Dörfer Südenglands besuchte und von Tür zu Tür Traktate verteilte.Christian Bouchet: Aleister Crowley. Das Leben eines modernen Magiers. Urania Verlag, 2000, ISBN 3-908654-09-2, S. 15.Tobias Churton: Aleister Crowley. The Biography. Watkins, London 2011, S. 21 f.
Kindheit und Jugend In dieser durch äußerste Sittenstrenge gekennzeichneten Umgebung wuchs der kleine „Alick“ Crowley auf. Regelmäßig nahm er an Bibellesungen im Familienkreis und auch an den Missionsreisen seines Vaters teil und nahm dessen apokalyptisches Weltbild in sich auf, das ihn bis an sein Lebensende prägen sollte. Er hegte eine Vorliebe für die prophetischen Schriften des Alten und Neuen Testaments, insbesondere die Offenbarung des Johannes. In letzterer Schrift beeindruckten ihn vor allem das aus der Erde aufsteigende Tier mit zwei Hörnern, „das redete wie ein Drache“ , und „die Frau, bekleidet mit Purpur und Scharlach“ , am meisten – mythologische Gestalten, die später in seiner magischen Weltanschauung eine zentrale Rolle spielen sollten.Marco Pasi: Aleister Crowley und die Versuchung der Politik. Ares-Verlag, Graz 2006, S. 33 und S. 128; Kocku von Stuckrad: Aleister Crowley, Thelema und die Religionsgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. In: Brigitte Luchesi, Kocku von Stuckrad: Religion im kulturellen Diskurs: Festschrift für Hans G. Kippenberg zu seinem 65. Geburtstag. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2004, S. 309 f.
1887 starb Crowleys Vater an Zungenkrebs, für ihn empfand er wenig Liebe, sondern nur Respekt.Michael D. Eschner, Aleister Crowley das Grosse Tier 666. Leben und Magick, Berlin 1982 S. 35. Die Witwe zog mit ihrem Sohn nach London in die Nähe des Bruders Tom Bond Bishop, der Crowleys Vormund wurde. Mit Beginn der Pubertät begann Crowley sich gegen die strenge Religiosität seiner Familie aufzulehnen. Seine Mutter gab ihn 1888 als 13-Jährigen in das darbystische Internat School for the Sons of Brethren in Cambridge, wo er unter den gewalttätigen Erziehungsmethoden seiner Lehrer litt. Weil Crowley beschuldigt wurde, sich mit einem Schulkameraden homosexuell betätigt zu haben,Kocku von Stuckrad: Aleister Crowley, Thelema und die Religionsgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. In: Brigitte Luchesi, Kocku von Stuckrad: Religion im kulturellen Diskurs: Festschrift für Hans G. Kippenberg zu seinem 65. Geburtstag. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2004, S. 314. wurde er von der Schule genommen. Anschließend besuchte er das Malvern College und die Tonbridge School, wo er gesundheitlich zusammenbrach.John Symonds: Aleister Crowley. Das Tier 666. Heinrich Hugendubel Verlag, München 1996, ISBN 3-89631-153-0, S. 26. Auf Empfehlung der Ärzte erhielt er in den folgenden beiden Jahren Hausunterricht. Sein Hauslehrer Archibald Douglas, ein ehemaliger Missionar der Bible SocietyChristian Bouchet: Aleister Crowley. Das Leben eines modernen Magiers. Urania Verlag, 2000, ISBN 3-908654-09-2, S. 15–19., machte Crowley, ohne Wissen der Familie, mit Tabak, Alkohol, Glücksspielen und Frauen vertraut.Marco Pasi: Aleister Crowley und die Versuchung der Politik. Ares-Verlag, Graz 2006, S. 33–34. Eine Folge solcher frühen Exkursionen war eine Gonorrhoe, mit der er sich 1893 bei einer Prostituierten in Glasgow infizierte.Tobias Churton: Aleister Crowley. The Biography. Watkins, London 2011, S. 26 f.
Hinwendung zum Okkultismus und erste politische Aktivitäten Im Oktober 1895 begann er ein Studium der Geisteswissenschaften am Trinity College der Universität Cambridge. Im 23. Lebensjahr hatte er seine erste homosexuelle Beziehung mit einem Kommilitonen. Er lernte den Bergsteiger Oscar Eckenstein kennen, unter dessen Einfluss er leidenschaftlicher Bergsteiger wurde. In dieser Zeit unternahm er jährlich eine Reise in die Alpen, in den Jahren 1894 bis 1895 erkletterte er u. a. im Alleingang den Eiger, den Mönch und die Jungfrau, was zu Anerkennung in der alpinen Bergsteigergemeinschaft führte.John Symonds: Aleister Crowley. Das Tier 666. Heinrich Hugendubel Verlag, München 1996, ISBN 3-89631-153-0, S. 28–29. 1895 erschien seine erste Gedichtsammlung Aceldama.Christian Bouchet: Aleister Crowley. Das Leben eines modernen Magiers. Urania Verlag, 2000, ISBN 3-908654-09-2, S. 25. Crowley veröffentlichte auf eigene Kosten Bände mit eigener Lyrik, von denen einige günstige Pressekritiken erhielten.
Seine Mutter bezeichnete ihn als Antichrist und beschimpfte ihn schon früh als „Beast“ („Bestie“), das heißt, sie verglich ihn mit dem großen Tier aus der Johannesapokalypse, dessen Zahl 666 ist, ein Titel, den er seinem Charakter entsprechend gerne für sich beanspruchte, da ihm der Satan-Teufel nicht unsympathisch war.Karl R. H. Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts. Band II, Marix Verlag, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-044-7, S. 493. In der Silvesternacht 1896 identifizierte sich Crowley in Stockholm so stark mit dieser Figur, dass er beschloss, sich der Magie zu widmen.Josef Dvorak: Satanismus. Schwarze Rituale, Teufelswahn und Exorzismus. Geschichte und Gegenwart. Eichborn, Frankfurt am Main 1989, S. 253. Crowley komponierte in seiner Jugend Schachaufgaben und schrieb für die Eastbourne Gazette eine Schachkolumne.Christian Bouchet: Aleister Crowley. Das Leben eines modernen Magiers. Urania Verlag, 2000, ISBN 3-908654-09-2, S. 18–19.
1896 erbte Crowley mit 21 Jahren das ansehnliche Vermögen seines Vaters, das ihn wirtschaftlich von der Familie unabhängig machte und ihm ein Leben ohne feste Arbeit ermöglichte. Bereits 1914 hatte er das Erbe fast aufgebraucht.Marco Pasi: Aleister Crowley und die Versuchung der Politik. Ares-Verlag, Graz 2006, S. 35 und S. 45. 1896 brach er sein Studium ohne Abschluss ab und begann sich fortan keltisierend Aleister zu nennen. Als er in einem Brief der Unzucht mit jungen Männern bezichtigt wurde, fahndete die Polizei europaweit nach ihm.John Symonds: Aleister Crowley. Das Tier 666. Heinrich Hugendubel Verlag, München 1996, S. 371.
Nachdem er das College ohne Abschluss verlassen hatte, beschäftigte er sich mit dem Satanismus.Marco Pasi: Aleister Crowley und die Versuchung der Politik. Ares-Verlag, Graz 2006, S. 35. Als er das Buch der Schwarzen Magie (Book of Black Magic and of Pacts) von Arthur Edward Waite erworben hatte, begann er eine Korrespondenz mit dem Autor,Christian Bouchet: Aleister Crowley. Das Leben eines modernen Magiers. Urania Verlag, 2000, ISBN 3-908654-09-2, S. 24. der ihm als Lektüre Karl von Eckartshausens Werk Die Wolke über dem Heiligthum empfahl. Im selben Jahr wurde er bei den Jakobiten, die Anhänger der Stuarts waren, politisch aktiv und begann die spanischen Karlisten zu unterstützen.Christian Bouchet: Aleister Crowley. Das Leben eines modernen Magiers. Urania Verlag, 2000, ISBN 3-908654-09-2, S. 203.
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