Der deutsche Angriff auf Stalingrad bildete den Auftakt der Schlacht von Stalingrad während des Deutsch-Sowjetischen Kriegs, bei dem die 6. Armee der Wehrmacht vergeblich versuchte, die Stadt in einer groß angelegten Materialschlacht bei unzureichender Versorgungslage gegen die verteidigende 62. Armee der Roten Armee einzunehmen. Nach dem Scheitern galten die Bemühungen auf deutscher Seite nur noch dem Halten der eroberten Positionen – bis zur totalen Niederlage.

Die deutsche Offensivphase begann am 13. September 1942 und endete mit dem Beginn der sowjetischen Großoffensive Operation Uranus am 19. November 1942.

Aus deutscher Sicht lassen sich die Kämpfe um die Eroberung Stalingrads in vier Phasen unterteilen:Peter Antill: Stalingrad 1942. Osprey Publishing, Oxford 2007. Angriff auf die Innenstadt, Südstadt und Mamajew-Hügel (13. bis 26. September 1942) Angriff auf die Arbeitersiedlungen und Orlowka-Frontvorsprung (27. September bis 7. Oktober 1942) Angriff auf die Industriekomplexe (14. bis 31. Oktober 1942) Angriff auf die letzten Brückenköpfe in den Fabrikanlagen (9. bis 18. November 1942)

Obwohl große Teile der Stadt besetzt wurden, scheiterte letztendlich die vollständige Einnahme Stalingrads am verbissenen Widerstand der sowjetischen Verteidiger, die sich bis zum Ende auf dem westlichen Wolgaufer hielten. Die sowjetische Offensive „Operation Uranus“ führte am 22. November 1942 zur Einkesselung der 6. Armee. Nach dem Scheitern des Entsatzunternehmens „Wintergewitter“ Mitte Dezember 1942 und dem Verbot von Ausbruchsversuchen durch Hitler persönlich, stellten im Nordkessel die letzten eingeschlossenen Verbände am 2. Februar 1943 die Kampfhandlungen ein und gingen in sowjetische Kriegsgefangenschaft.

In der sowjetischen Militärliteratur wurde die Schlacht von Stalingrad als entscheidende Wende im Zweiten Weltkrieg angesehen. In der zeitgenössischen Wahrnehmung wurden die Kämpfe in Stalingrad als die erbittertsten Kämpfe des Zweiten Weltkriegs (Piekalkiewicz), verbissenste Gefechte der überlieferten Geschichte (US-Kriegsberichterstatter Walter Kerr), größte Schlacht aller Zeiten (Völkischer Beobachter) und größter Heroenkampf unserer Geschichte (Reichsmarschall Hermann Göring) bezeichnet.

Ausgangslage Fall Blau und der Vormarsch zur Wolga mini|hochkant=1.5|Der deutsche Vorstoß vom 7. Mai bis zum 18. November 1942. mini|Deutsche Offensive auf Stalingrad im September 1942

Am 28. Juni 1942 begann mit dem Fall Blau die lange geplante Sommeroffensive der Wehrmacht im Südabschnitt der Ostfront. Nach der Vernichtung eines sowjetischen Großverbandes in der Woronesch-Woroschilowgrader Operation änderte Adolf Hitler gegen den Rat des Generalstabschefs Franz Halder am 23. Juli 1942 in der Weisung Nr. 45Schramm, 1942, Teilband 1, S. 520. die ursprünglichen Ziele der Offensive. Um gleichzeitig in zwei unterschiedliche Richtungen vorstoßen zu können, spaltete Hitler die Heeresgruppe Süd auf: Die Heeresgruppe A sollte vom unteren Don in den Kaukasus vorrücken, um die Erdölfelder von Baku, Grosny und Maikop zu erobern und für die deutsche Kriegswirtschaft nutzbar zu machen (Unternehmen Edelweiß).Manfred Kehrig: Stalingrad. Analyse und Dokumentation einer Schlacht. Stuttgart 1979, S. 25. Die Heeresgruppe B sollte die Landbrücke zwischen Don und Wolga überwinden, um in südöstlicher Richtung auf Stalingrad vorzustoßen. Der Verkehrsknotenpunkt und Industriestandort sollte eingenommen und die Wolga als Nachschublinie gesperrt werden (Unternehmen Fischreiher).Manfred Kehrig: Stalingrad. Analyse und Dokumentation einer Schlacht. Stuttgart 1979, S. 25.Schramm, 1942, Teilband 2, S. 1420.

Die schwersten Kämpfe fanden dabei im Raum Stalingrad statt, wobei die Stadt selbst kein strategisches, sondern eher ein taktisches Ziel darstellte. Hitlers vorrangiges Ziel war es, Nachschubtransporte per Binnenschifffahrt auf der Wolga zu unterbinden,William E. Craig: Die Schlacht um Stalingrad. Tatsachenbericht. Heyne, München 1991, S. 16. die Stalingrader Rüstungswerke hätten seiner Ansicht nach mit Artilleriebeschuss ausgeschaltet werden können. Der Chef der Operationsabteilung des OKH Adolf Heusinger plädierte noch im November 1942 dafür Stalingrad zu nehmen, um eine feste Anlehnung der Front an Wolga und Don zu bekommen.Adolf Heusinger: Befehl im Widerstreit. Tübingen und Stuttgart 1950, S. 214. Aus der Sicht der Sowjetunion war die Industriestadt StalingradWilliam E. Craig: Die Schlacht um Stalingrad. Tatsachenbericht. Heyne, München 1991, S. 32. jedoch von größter strategischer Bedeutung, da sie die Verbindung zum Kaukasus und den Rohstoffquellen am Schwarzen Meer darstellte. Angesichts der zunehmenden Versorgungsknappheit und wachsender logistischer Schwierigkeiten der Wehrmachtverbände war der Zugang zu den Erdölfeldern (Treibstoff für Panzer) von entscheidender Bedeutung für den Erfolg des gesamten Russlandfeldzugs.Raymond Cartier: Der Zweite Weltkrieg. Band 2: 1942–1944. Lingen Verlag, Köln 1967, S. 576.

Verteidigungsvorbereitungen Nach Auffassung Josef Stalins und der Stawka (Oberkommando der Sowjetarmee) wurde aufgrund der großen Geländeverluste die Phase der elastischen Verteidigung als beendet angesehen und der 62. Armee die bedingungslose Verteidigung der Stadt befohlen. Am 12. Juli 1942 begannen die Organisation zur Verteidigung Stalingrads und 200.000 Einwohner wurden in Arbeitskolonnen eingeteilt und hatten Verteidigungswälle gegen den erwarteten Angriff anzulegen.Antony Beevor: Stalingrad. Niedernhausen 2002, S. 125. Stalin erließ zuvor den als „Keinen Schritt zurück!“ („“) bekannten Befehl Nr. 227,Antony Beevor: Stalingrad. Niedernhausen 2002, S. 110. welcher für ein weiteres Zurückweichen von Rotarmisten oder Zivilisten vor den deutschen Angreifern die Todesstrafe androhte. Allein in der Stadt Stalingrad wurden 13.500 Soldaten wegen Fahnenflucht von speziell dafür abgestellten NKWD-Sondereinheiten exekutiert.Antony Beevor: Stalingrad. Niedernhausen 2002, S. 12.

Ab Ende August mussten die 62. und 64. Armee den äußeren Verteidigungsgürtel Stalingrads aufgeben und der Häuserkampf wurde mit Beginn des deutschen Angriffs am 13./14. September 1942 eingeleitet.Manfred Kehrig: Stalingrad. Analyse und Dokumentation einer Schlacht. Stuttgart 1979, S. 32. Erklärtes Ziel der Stawka war es, die deutschen Offensivkräfte in der Stadt dauerhaft in verlustreiche Abnutzungskämpfe zu binden und im Hintergrund die Operation Uranus, eine großangelegte Gegenoffensive im gesamten südlichen Frontbogen am Don mit dem Ziel der Einschließung der 6. Armee, vorzubereiten. Der 62. Armee kam hierbei die Hauptaufgabe der Verteidigung der Stadt um jeden Preis zu, weitere Verstärkung an zusätzlichen Reservetruppen konnten dieser Armeegruppe nicht zugesichert werden.Manfred Kehrig: Stalingrad. Analyse und Dokumentation einer Schlacht. Stuttgart 1979, S. 33.

In der sowjetischen Verteidigungslinie bildeten strategisch wichtige Gebäude und Komplexe Stützpunkte der Abwehrlinie, welche mit Laufgräben verbunden wurden. Bereits bombardierte Gebäude konnten kaum noch weiter zerstört werden und wurden von Zügen, Kompanien oder Bataillonen in Rundumsicherung verteidigt. Jeder Soldat wurde nach Möglichkeit mit Panzerabwehrhandwaffen ausgestattet, meist waren es Panzergranaten oder Brandflaschen. Die Infanteriezüge wurden mit anderen Waffengattungen gemischt: u. a. Scharfschützen, Pioniere und Sanitäter. Mehrere Stützpunkte bildeten einen Verteidigungsknoten. Als ideale Verteidigungspunkte stellten sich Werkhallen, z. B. die Martinsofenhalle, und massive Komplexe aus Stahl und Beton mit einem ausgedehnten Kellergeschoss heraus. Erst im Laufe der Schlacht wurde die Kanalisation Stalingrads als bevorzugtes Aufmarschgebiet für schnelle Vorstöße in die Tiefe der gegnerischen Linien entdeckt. An großen Straßen und Plätzen wurden die Feuerpunkte schachbrettförmig angeordnet, um die deutschen Infanteristen mit unterschiedlichen Feuerbereichen zu bekämpfen.

Später dienten beschädigte Kettenfahrzeuge in den Straßentrümmern als unbewegliche Geschütze, sogenannte Wellenbrecher, nur der schwenkbare Turm ragte über den Schutt und die Trümmer hinaus und konnte so gegnerische Ziele bekämpfen. General Wassili Tschuikow befahl seiner Streitmacht, in unmittelbarer physischer Nähe der vordersten deutschen Frontlinie zu bleiben, um Luftangriffe des Gegners zu neutralisieren und ihn in verlustreiche Nahkämpfe zu verwickeln.Wassili Iwanowitsch Tschuikow: Die Schlacht des Jahrhunderts. Militärverlag der DDR, Berlin 1988, S. 80, 101.

Einleitung der Schlacht und beteiligte Truppen

Heeresgruppe B (Generaloberst Maximilian von Weichs) 2. Armee (General der Infanterie Hans von Salmuth) 2. ungarische Armee (Generalleutnant Gusztáv Jány) 8. italienische Armee (Generaloberst Italo Gariboldi) 6. Armee (General der Panzertruppe Friedrich Paulus) XVII. Armeekorps (General der Infanterie Karl-Adolf Hollidt) 79. Infanterie-Division (Generalmajor Richard Graf von Schwerin) 113. Infanterie-Division (Generalleutnant Hans-Heinrich Sixt von Armin) 22. Panzer-Division (Generalmajor Wilhelm von Apell) XI. Armeekorps (General der Infanterie Karl Strecker) 376. Infanterie-Division (Generalmajor Alexander Edler von Daniels) 100. Jäger-Division (Generalleutnant Werner Sanne) 44. Infanterie-Division (Generalmajor Heinrich-Anton Deboi) VIII. Armeekorps (General der Artillerie Walter Heitz) 384. Infanterie-Divisionim September 1942 dem XI. Armeekorps unterstellt. (Generalleutnant Eccard Freiherr von Gablenz) 305. Infanterie-Division (Generalmajor Kurt Oppenländer) 76. Infanterie-Division (Generalmajor Carl Rodenburg) XIV. Panzerkorps (General der Infanterie Gustav Anton von Wietersheim) 60. Infanterie-Division (mot.) (Generalmajor Otto Kohlermann) 3. Infanterie-Division (mot.) (Generalmajor Helmuth Schlömer) 16. Panzer-Division (Generalmajor Hans-Valentin Hube) LI. Armeekorps (General der Artillerie Walther von Seydlitz-Kurzbach) 76. Infanterie-Divisionim September 1942 dem VIII. Armeekorps unterstellt. (Generalmajor Carl Rodenburg) 389. Infanterie-Division (Generalleutnant Erwin Jaenecke) 295. Infanterie-Division (Generalmajor Rolf Wuthmann) 71. Infanterie-Division (Generalmajor Alexander von Hartmann) 4. Panzerarmee (Generaloberst Hermann Hoth) XXXXVIII. Panzerkorps (General der Panzertruppe Werner Kempf) 24. Panzer-Division (Generalleutnant Bruno Ritter von Hauenschild) 14. Panzer-Division (Generalmajor Ferdinand Heim) 29. Infanterie-Division (mot.) (Generalmajor Max Fremerey) 20. rumänische Infanterie-Division IV. Armeekorps (General der Infanterie Viktor von Schwedler) 94. Infanterie-Division (Generalleutnant Georg Pfeiffer) 297. Infanterie-Division (Generalleutnant Max Pfeffer) 371. Infanterie-Division (Generalmajor Richard Stempel) VI. rumänisches Armeekorps 1. rumänische Infanterie-Division 2. rumänische Infanterie-Division zur Verfügung der Heeresgruppe 16. Infanterie-Division (mot.) (Generalleutnant Sigfrid Henrici)

Einheit Aufstellungsort Kommandeur Einsatzbeginn 71. Infanterie-Division Hannover und Hildesheim Generalmajor Alexander von Hartmann 76. Infanterie-Division Potsdam Generalmajor Carl Rodenburg 79. Infanterie-Division Hammelburg Generalmajor Richard Graf von Schwerin 20. Oktober 1942 94. Infanterie-Division Meißen/Sachsen Generalleutnant Georg Pfeiffer 100. Jäger-Division Döllersheim/Österreich Generalleutnant Werner Sanne 25. September 1942 295. Infanterie-Division Magdeburg und Bergen/Niedersachsen Generalmajor Rolf Wuthmann 305. Infanterie-Division Ravensburg Generalmajor Kurt Oppenländer 13. Oktober 1942 389. Infanterie-Division Milowitz/Protektorat Böhmen und Mähren Generalleutnant Erwin Jaenecke 14. Panzer-Division Dresden Generalmajor Ferdinand Heim (Reserve) 29. September 1942 Teile abgezogen, 13. Oktober 1942 reaktiviert 16. Panzer-Division Münster Generalmajor Günther Angern 20. September 1942 24. Panzer-Division Stablack/Ostpreußen Generalmajor Arno von Lenski 19. September 1942 abgezogen, 26. September 1942 reaktiviert