mini|Griechische Ringkämpfer, Skulptur von Philippe Magnier
Nacktsport ist die unbekleidete Ausübung sportlicher Tätigkeiten.
Verbreitung In FKK-Vereinen sind in Deutschland rund 50.000 Menschen organisiert, in den 1970er Jahren waren es noch ca. 150.000 Personen.
Akzeptanz des Nacktsports mini|Der World Naked Bike Ride in Saragossa, 2009.
Ein Meilenstein für die Akzeptanz des Nacktsports in Deutschland war die Aufnahme des Deutschen Verbandes für Freikörperkultur (DFK) in den Deutschen Sportbund 1963. Seitdem gewannen viele deutsche FKK-Vereine die Gemeinnützigkeit, weil sie die sportliche Betätigung ihrer Mitglieder fördern.
Vorteile des Nacktsports Der Hauptvorteil des Nacktsports soll der bessere Temperaturausgleich des Körpers durch ungehindertes Schwitzen sowie der wegfallende Aufwand für Erwerb, Pflege und Reinigung von Sportbekleidung sein. Ein weiterer Vorteil kann das als angenehm empfundene Gefühl der Nacktheit insbesondere bei körperlicher Aktivität und das als besser empfundene Körpergefühl sein.Fit For Fun. 3/2008, S. 8. Als weiterer Vorteil wird genannt, dass bei Nacktsportlern die Bewegungsabläufe der verschiedenen Sportarten besser erkennbar sind, als wenn sie durch Kleidung verdeckt würden.
Einige Sportarten erfordern Bekleidung, sei es zum Schutz (Fechten), zum Warmhalten des Körpers (Wintersport) oder weil der Bekleidung eine weitere Funktion in der entsprechenden Sportart zukommt (Judo, Sumo).
Geschichte Antike Griechenland mini|hochkant|Laufwettkampf im antiken Griechenland
Die gymnischen () Sportarten der Antike, die – ihrem Namen entsprechend – nackt ausgeübt wurden, können als Vorläufer des heutigen Nacktsports angesehen werden. Nicht nur die Olympischen Spiele der Antike wurden mehrere Jahrhunderte lang nackt ausgetragen. Auch Sport und zeremonielle Tänze wurden vielfach unbekleidet durchgeführt. Ein bekanntes Beispiel dafür sind die Gymnopaedien, ein großes und mehrtägiges sommerliches Festival zu Ehren des Gottes Apollo, das rund 800 Jahre lang jeweils im Juli auf der Agora von Sparta gefeiert wurde. Zu den Gymnopädien gehörten Chor-, Tanz- und Sportwettbewerbe mit teils religiösem, teils militärischem Charakter. Der überwiegende Teil der männlichen Jugend der Stadt nahm daran teil.
Besonders verbreitet war der Nacktsport in Sparta, wo Jungen und Mädchen von den Dorern gemeinsam gymnastisch ausgebildet wurden. Die nur von Frauen ausgeübten Heraia, die möglicherweise eine Entsprechung der Olympischen Spiele für Frauen waren, wurden in kurzer Tunika mit entblößter rechter Brust ausgeübt.
Rom Nach der Eroberung Griechenlands im Jahr 146 v. Chr. haben die Römer die Nacktheit bei den Olympischen Spielen nicht verboten. Jedoch berichtete Plutarch, dass es den alten römischen Sitten widerspreche, den Körper zu entblößen. Auch der Schriftsteller Quintus Ennius schrieb mit Blick auf die Hellenen, dass es der Schande Anbeginn sei, sich nackt in der Öffentlichkeit zu zeigen.Ennius: scen. 395 Die Römer traten in Sportkleidung an. Cicero sah in der Nacktheit der Hellenen – insbesondere in Verbindung mit der dort gepflegten Knabenliebe – einen Verstoß gegen die höchsten römischen Tugenden.Rigobert W. Fortuin: Der Sport im augusteischen Rom. Philologische und sporthistorische Untersuchungen. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 978-3-515-06850-5, S. 48. Im ersten Buch seiner Schrift De officiis legt Cicero dar, dass die römische Lebensart das gemeinsame Nacktbaden von Vater und Sohn, sowie von Schwiegervater und Schwiegersohn verbot. Im Rahmen der von den Vätern angestoßenen, vormilitärischen Erziehung ihrer Söhne war das Nacktschwimmen im Tiber sowie das nackte Training in den Sportstätten jedoch üblich.
mini|In Indien schwimmen Kinder immer noch nackt.
Von der Spätantike bis zum 19. Jahrhundert Unter orientalischem Einfluss setzte sich die Tabuisierung der öffentlichen Nacktheit im spätrömischen Selbstverständnis endgültig durch. Vertreter des Christentums wandten sich auch gegen den Sport an sich. So wurden die Olympischen Spiele 393 n. Chr. durch Kaiser Theodosius I. verboten. Die Kritik galt hier vor allem dem heidnischen Ursprung der Spiele.
In Europa blieb der Nacktsport in der Folge auf den engsten privaten Bereich begrenzt. Eine Ausnahme bildete das Nacktbaden – insbesondere von Kindern – an Seen, Flüssen und Stränden. In anderen Teilen der Welt, wie Afrika, Amerika, Asien und Ozeanien, gab es weniger Probleme mit nackten Sportarten und Spielen.
19. und 20. Jahrhundert mini|Studenten beim Tauziehen
Allgemeine Entwicklung Sport in seiner heutigen Form wurde erst im 19. Jahrhundert populär. Bis dahin war sportliches Training ein Privileg der gehobeneren Schichten. Ab dem frühen 20. Jahrhundert begann in den nordischen Ländern und in Deutschland mit der FKK-Bewegung auch der Nacktsport. Seit den 1920er Jahren wurden Schwimmwettbewerbe zeitweise nackt ausgetragen, da sich einige Schwimmer durch den Verzicht auf Badebekleidung bessere Zeiten erhofften. Dieses Argument hat sich allerdings mit der modernen Sportbekleidung ins Gegenteil verkehrt, weswegen nur noch reine Freizeitsportler Nacktwettbewerbe austragen.
Nacktsport und Reformpädagogik In den 1920er Jahren ließ die Hamburger Oberschulbehörde aufgrund positiver Erfahrungen aus Dänemark den Nacktsport im Grundschulalter nicht nur zu, sondern empfahl ihn; Zitat aus einem Schreiben vom 4. September 1924: „Die Gewöhnung an diese Form des Nacktturnens muß mit dem Einsetzen der wärmeren Jahreszeit erfolgen, wobei auf schwächliche Kinder Rücksicht zu nehmen ist.“
Im Bereich der Privatschulen gab es solche Initiativen vereinzelt bereits vor dem Ersten Weltkrieg. So war die 1910 gegründete Odenwaldschule Oberhambach bei Heppenheim ein solcher Ort: Im Sportunterricht turnten Jungen und Mädchen gemeinsam und nackt.
Die 1919 gegründete Priory Gate School in England verfolgte dieses reformpädagogische Konzept mit Elementen einer naturistischen Pädagogik mit dem Ziel der Selbstentfaltung. Theodore J. Faithfull, Gründer und Leiter der Schule, sah in darin eine Alternative zu etablierten Schulen, die seiner Ansicht nach auf eine zu starke Anpassung der Schüler hinarbeiteten. Zum Konzept dieser Internatsschule gehörte die Nacktheit beim Sport, beim (Sonnen-)Baden sowie beispielsweise beim Zeichenunterricht. Sitz der Schule war zunächst Sudbury (Suffolk), später siedelte sie nach Walsham Hall in Walsham-le-Willows, nahe Bury St. Edmunds über. Einen ähnlichen Ansatz verfolgte die 1927 von Alexander Sutherland Neill gegründete Schule Summerhill. Auch hier hatte der Nacktsport einen festen Platz, war jedoch ebenso freiwillig wie der Unterricht selbst.
Da es im regulären Schulbetrieb nicht möglich war, entstand im Juni 1923 in Deutschland unter Leitung von Adolf Koch die Elterngruppen für freie Körperkultur, eine Initiative mit einigen Schülerinnen und Schüler und ihren Eltern.
1927 entstand das Lichtschulheim Lüneburger Land (LLL) in Glüsingen (Lüneburger Heide). Der Pädagoge Walter Fränzel verwirklichte durch Gründung einer höheren Schule auf dem Lande seine Reformideen. Zum Konzept Fränzels gehörte unter anderem der ständige Aufenthalt „in gesundheitsfördernder Wald- und Heideluft“, organische Verbindung von Leben und Unterricht, das freundschaftlich-kameradschaftliche Verhältnis von Lehrern und Schülern, außerdem die „Gewöhnung an Wind und Wetter besonders durch Nacktsein bei Gymnastik, Morgenlauf, Sport und Spiel im Sinne der Freikörperkultur“.Arnd Krüger: There goes this art of manliness. In: Journal of Sport History. Band 18, 1991, Nr. 1, S. 135–159; aufg. 19. Februar 2017.
Heute In den 1970er Jahren gewannen zahlreiche deutsche FKK-Vereine die von ihnen seit langem angestrebte Gemeinnützigkeit, weil sie die sportliche Betätigung ihrer Mitglieder förderten. Sport war bereits seit ihrer Entstehung ein fester Bestandteil der naturistischen Bewegung. Im Rahmen des Naturismus ist der Nacktsport (Wandern, Reiten, Schwimmen, Tennisspielen, Indiaca, Boule, Federball usw.) heute weitgehend akzeptiert und für viele, etwa im Urlaub, fast zur Normalität geworden. Die Sportarten an FKK-Stränden und -Campingplätzen und in naturistischen Urlaubsanlagen unterscheiden sich nicht von denen in textilen Anlagen. Bei Sportarten mit Körperkontakt wird jedoch von Anfängern im Naturismus oft Kleidung getragen, um körperliche Erregung zu vermeiden. Die Angst vor einer solchen Offenbarung körperlicher Reaktionen ist in vielen Fällen unbegründet. So fordert etwa der nach altgriechischem Vorbild nackt betriebene Ringkampf Konzentration auf Kraft und Technik. In naturistischen Urlaubsanlagen gelten auch dazu bisweilen unterschiedliche Bekleidungsregeln.
Organisierter Naturismus und Nacktsport in Deutschland Nacktsport wird heutzutage vermehrt durch vereinsungebundene Einzelpersonen und Freizeitgruppen ausgeübt. Nachdem zu Anfang des 20. Jahrhunderts der Nacktsport noch auf öffentlich zugänglichen Arealen stattfand, zog sich die FKK-Bewegung vorwiegend auf Vereinsgelände zurück. Außerhalb hat sich eine durch das Internet vereinte Bewegung gebildet, welche Nacktsport in Wald und Flur propagiert.
Der Dachverband der rund 160 deutschen FKK-Vereine, der Deutsche Verband für Freikörperkultur (DFK) e. V. versteht sich selbst als Sportverband. Er trägt folglich den Namenszusatz „Verband für Familien-, Breitensport und Naturismus e. V. (DFK) im Deutschen Olympischen Sportbund“, seine Geschäftsstelle hat ihren Sitz im Haus des Sports in Hannover.
Innerhalb des DFK gibt es aktuell (2007) neben den Sportwarten der örtlichen Vereine zehn Sportwarte mit regionaler und acht mit sportart-spezifischer Zuständigkeit. Neben der „Vizepräsidentin Sport“ im Präsidium des DFK gibt es sogenannte Fachwarte für Faustball, Indiaka, Kanu, Pétanque, Schwimmen, Tischtennis und Volleyball. In diesen Disziplinen werden auch regionale und bundesweite Wettbewerbe ausgetragen.
Über das Verhältnis von Naturismus und Nacktsport in Deutschland findet sich auf der Internetseite des DFK folgende Aussage: „Ungefähr seit 1970 begann die organisierte Freikörperkultur ihre Struktur in Richtung FKK-Sportverein und -verband zu verändern. Diese äußerliche Veränderung und der Wettbewerb mit den textilen Sportvereinen lässt die traditionelle Freikörperkultur zu immer häufigeren Kompromissen greifen. Hier liegt die Gefahr, die Grundziele der freien Bewegung in Licht, Luft und Sonne auf den Geländen einer kommerziellen Sichtweise zu opfern. […] Das traditionelle Sportangebot muss erweitert werden, will der FKK-Verein im Kreis der Sportvereine bestehen.“
Einzelne Sportarten Schwimmen und Strandsportarten mini|Beach-Volleyball an einem Nacktbadestrand am Senftenberger See
Die häufigste Form des Nacktsports ist Schwimmen. Badeanzüge sind eine verhältnismäßig junge Erfindung, zuvor wurde überhaupt nicht oder stets nach Geschlecht getrennt auch nackt gebadet (vgl. Artikel Badekultur).
In Deutschland und vielen Ländern Europas ist Nacktbaden und -schwimmen in Badeanlagen, an Stränden, Seen und Flüssen weit verbreitet und gesellschaftlich annähernd akzeptiert. Durch Gerichtsurteile ist „Nacktheit in Strandnähe“ in Deutschland faktisch legalisiert und stellt keine Ordnungswidrigkeit mehr dar. Unabhängig davon werden durch manche Kommunen Strand-, Fluss- oder Parkbereiche ausgewiesen, in denen das Nacktbaden und -sonnen ausdrücklich zugelassen ist.Beispiel: Badekleidungsverordnung der Stadt München Infolgedessen können viele Strandsportarten nackt ausgeübt werden. In traditionell katholisch oder orthodox geprägten Ländern wie Polen oder Griechenland sind Nacktbadestrände hingegen selten oder gar formal verboten (siehe Artikel Nacktheit).
mini|Schwimmhalle zu Beginn des 20. Jahrhunderts in New York