mini|Captain Miles Walter Keogh in Paradeuniform, um 1872 mini|Commanche in einem Armeecamp, um 1890 mini|Gesattelt und aufgezäumt in Fort Riley kurz vor seinem Tod im Jahr 1891, gehalten wird er vom seinem Pfleger, dem Hufschmied Gustav Korn, Korn kam 1890 beim Massaker von Wounded Knee ums Leben mini|hochkant|Präparationsvorgang mini|Comanche-Präparat nach der Restaurierung, Museum für Naturgeschichte der Universität von Kansas (2015) Comanche (* um 1862; † 7. November 1891) war ein US-Kavalleriepferd, das in der Schlacht am Little Big Horn eingesetzt wurde. Als Veteran vieler Kampfeinsätze wurde dieses offensichtlich sehr robuste Tier schon vorher mehrmals verwundet. Es galt lange als einziger überlebender Armeeangehöriger dieser Auseinandersetzung, heute aber, als einziges Individuum von George Armstrong Custers Bataillon, das vom Ort der Tragödie noch lebendig (wenn auch schwerverletzt) weggeführt werden konnte. Comanche wurde wieder gesund gepflegt, zum offiziellen Maskottchen des Regiments ernannt, in den Ruhestand versetzt und durfte danach nie wieder geritten oder für andere Arbeiten eingesetzt werden. Seine präparierten Überreste (Fell und Knochen) können heute im Museum of Natural History (Dyche Hall) der University of Kansas in Lawrence besichtigt werden.

Frühe Jahre Deanne Stillman vermutet, dass Comanche ursprünglich aus der „Great Horse Desert“ stammte. Diese Region, auch bekannt als „Wild Horse Desert“, war im 19. Jahrhundert noch eine riesige, unberührte Region im heutigen Süden von Texas. Sie erstreckte sich über das Küstenland zwischen dem Nueces River im Norden und dem Rio Grande im Süden. In diesem Steppen- und Halbwüstengebiet lebten im 19. Jahrhundert schätzungsweise bis zu einer Million Mustangs.Deanne Stillman: Mustang: The Saga of the Wild Horse in the American West. Mariner Books, Houghton Mifflin Harcourt, Boston-New York 2004. Gelegentlich trieben man dort einige von ihnen zusammen und brachte sie in die nächstgelegene Stadt, um sie dort als billige Arbeitspferde an Farmer, Viehzüchter oder die Armee zu verkaufen. Stillman vermutet, dass der Hengst wahrscheinlich in den frühen 1860er Jahren zur Welt kam. Anhand seiner Fellzeichnung – seiner Fellfarbe und des schwarzen Aalstrichs auf dem Rücken – handelt es sich bei ihm um einen Nachkommen verwilderter europäischer Pferde, die die Spanier entweder sich selbst überlassen hatten oder die ihnen entlaufen waren.Kate Kelly: Comanche: Horse Survivor of Little Bighorn. Civil War Stories, Heroes & Trailblazers (abgerufen am 3. Juli 2026). Das Fohlen wuchs noch in freier Wildbahn auf. Später wurde er von „Mustangers“ (Pferdejägern) eingefangen, in einer Remontenstation in St. Louis kastriert und danach angeblich von einem gewissen William Hackett, auf seiner Farm in der Nähe von Ottawa, Kansas, zugeritten, die kräftigsten Tiere wurden bevorzugt an das Militär abgegeben.History: Comanche - The Only Cavalry Survivor of the Custer Battle SM Sheridan Media, 31. August 2024 (abgerufen am 3. Juli 2026). Man nimmt an, dass er zu diesem Zeitpunkt schon etwa vier Jahre alt war. Comanche war ein sog. „Fifteen-Hand-Bay-Wallach“, teils Mustang, teils Morgan, ca. 925 Pfund (419 kg) schwer, am Widerrist 15 Handbreit (150 cm) hoch, mit lehmfarbenem Fell, einem kleinen weißen, sternförmigen, Fleck auf der Stirn und von seinem Wesen her als sehr sanftmütig (und damit auch als Kutschpferd geeignet) beschrieben. Der Mustang war damit zwar relativ kleinwüchsig, aber soll dafür intelligent, zuverlässig und schnell gewesen sein.

Verwendung in der 7. US-Kavallerie Im Alter von sechs Jahren wurde er für 90 Dollar an die US Army verkauft und zunächst nach Fort Leavenworth gebracht. Aufgrund vorangegangener Scharmützel mit den Indianern im Jahr 1868 mussten bei der 7. Kavallerie der Pferdebestand wieder aufgefüllt werden. Lieutenant Thomas Custer, der jüngere Bruder des Regimentskommandeurs Lieutenant Colonel George A. Custer, wurde deswegen nach Fort Leavenworth beordert, um dort Ersatz zu beschaffen. Die neuen Kavalleriepferde trugen spezielle Brandzeichen. Ein „U.S.“-Brandzeichen wurde in die linke Schulter eingebrannt; die Regimentsnummer und der Buchstabe „C“ (für Cavallerie) auf dem linken Oberschenkel. Den Pferden gab man üblicherweise auch keine Namen, sondern vergab nur Nummern. Custer ließ die 41 von ihm erworbenen Pferde, darunter auch Comanche, auf einen Zug verladen und nach Hays City, Kansas, transportieren. Am 3. April 1868 wurde er offiziell seinem Regiment zugewiesen, das damals bei Ellis Station sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte, dort traf das Pferd am 19. Mai ein. In der Kavallerie der Vereinigten Staaten konnten die Soldaten ihre bevorzugten Pferde auch kaufen. Captain Myles W. Keogh, ein gewandter und sehr erfahrener Reiter, erkannte wohl sofort Comanches besondere Qualitäten und erwarb ihn für 90 Dollar. Danach wurde sein Regiment nach Fort Hays verlegt, etwa 160 Kilometer westlich des Salina River in Kansas. Seine Auftrag bestand darin, die weißen Siedler bei der Erschließung des Landes zu unterstützen. Comanche nahm an zahlreichen Einsätzen teil und wurde dabei zwölfmal verwundet, bewies dabei aber immer wieder eine bemerkenswerte Zähigkeit und Unerschrockenheit. Der Legende nach soll das Tier am 13. September 1868, in der Nähe des Salina River, im Zuge eines Scharmützels mit einer Gruppe Comanchen, an der rechten Hinterhand von einem Pfeil getroffen worden sein, trug seinen Reiter jedoch weiterhin unbeirrt durch das Kampfgetümmel. Das Tier war deswegen mehrere Wochen lang lahm. Ein Soldat, der den Vorfall beobachtet hatte, berichtete später, dass es dabei auch „...wie ein Comanche...“ geschrien habe. Keogh soll seit diesem Ereignis sein Pferd wegen seiner Tapferkeit „Comanche“ gerufen haben.Smithsonian: Famous Horses, (abgerufen am 1. Februar 2023).Douglas Harvey: The Horse Comanche. Custer's Last Standard Bearer, University of Kansas, Department of History, University of Kansas, KU Memorial Union (abgerufen am 28.08.2023) Keogh ritt auf längeren Märschen für gewöhnlich auf seinem Zweitpferd Paddy, während Comanche ihn ungesattelt mit den anderen Reservepferden im Tross folgte. Unmittelbar vor einen Kampfeinsatz wecfhselte er auf Comanche, da dieser trotzdem noch relativ frisch und ausgeruht war. Es folgten Einsätze in Kentucky (gegen den Ku-Klux-Klan und Schwarzbrenner), dies alles während der Zeit der Reintegrierungsmaßnahmen in den Südstaaten. 1873 wurde Comanche bei einem Schusswechsel mit Whiskeyschmugglern an der rechten Schulter getroffen. Danach wurde das Regiment nach South Dakota beordert, um dort illegale Goldsucher wieder aus den, den Prärieindianern vorbehaltenen Black Hills zu vertreiben, die damals gemäß dem zweiten Vertrag von Fort Laramie für weiße Siedler noch gesperrt waren. Im Mai 1876 beteiligte sich die 7. Kavallerie an einer Strafexpedition gegen die freien Indianerstämme der nördlichen Plains. Im Zuge der nachfolgenden Ereignisse sollte auch Comanche Teil des Mythos rund um die vernichtende Niederlage der 7. Kavallerie in den Hügeln über dem Little Bighorn River werden.Douglas Harvey: The Horse Comanche. Custer's Last Standard Bearer, University of Kansas, Department of History, University of Kansas, KU Memorial Union (abgerufen am 28.08.2023)

Schlacht am Little Bighorn Eines der Pferde aus Custers Bataillon – dessen Reiter gerade den Sattelgurt nachgezogen hatte – scheute und galoppierte mit ihm quer durch das Indianerlager davon. Es hielt erst an, als sie auf die Männer von Major Marcus Reno's Kompanie trafen. Das Tier wurde dabei verwundet, aber sein Reiter – Gustave Korn – überlebte diesen Parforceritt und damit auch die Schlacht. Er zählte später zu den Männern, die den schwer verwundeten Comanche wieder gesund pflegten. Neben Comanche hatten auch noch andere seiner Artgenossen die Schlacht vom 25. Juni 1876 lebend überstanden, waren aber dabei so schwer verwundet worden, dass sie noch vor Ort getötet werden mussten. Diejenigen, die nur leicht oder unverletzt geblieben waren, wurden von den Indianern weggeführt. Als sie zwei Tage nach der Schlacht aus ihrem Sommerlager abzogen, hatten sie wohl auch mehr als einhundert Kavalleriepferde (darunter vermutlich auch eine Bulldogge) im Gepäck.Evan S. Connell: Son of the Morning Star: Custer and the Little Bighorn. Macmillan, 1984. Der Wert dieser Beute war aber nicht sonderlich hoch. Das Standardfutter der Kavalleriepferde (Getreide) unterschied sich stark von der der genügsamen Prärieponys, die hauptsächlich aus Gräsern bestand. Die Kavalleriepferde waren aber an die eintönige Grasfütterung nicht gewöhnt und einige verendeten früher oder später daran.

Ein Maultiertreiber, Private William White, war unter den Ersten die kurz nach Abflauen der Kämpfe auf dem mit skalpierten und verstümmelten Leichen und Pferdekadavern übersäten Schlachtfeld eintraf. Allein 39 lagen rund um „Custers last Stand“ auf dem der „Boy-General“ und sein gesamter Stab getötet worden waren. Die meisten waren von ihren Reitern erschossen worden um sie so als Deckung nutzen zu können.America comes alive/Great storys simply told. Kate Kelly: Comanche: Horse Survivor Of Little Bighorn, Civil War Stories, Heroes & Trailblazers (abgerufen am 31. Januar 2023). Als die Gefallenen geborgen und beerdigt wurden, fand man auch Keoghs fast unversehrte Leiche, sie lag inmitten der Soldaten seiner Kompanie. Sein linkes Knie war von einer Kugel zerschmettert worden, dessen Reitposition stimmte mit einer Schusswunde an Brust und Flanke von Comanche überein, was darauf hindeutet, dass Keogh noch bis unmittelbar vor seinem Tod im Sattel saß.

Zwei Tage nach der Schlacht fanden White und ein Sergeant, Milton J. DeLacey, das Tier, mit unter dem Bauch verdrehten Sattel, nahe dem Little Bighorn in einer Schlucht stehend. Es war ebenfalls schwer verletzt und wies insgesamt sieben Schusswunden - drei davon schwer - auf (vier hinter der Schulter, eine durch einen Huf und eine an jedem Hinterlauf). Zuerst hielten beide es für das Beste es ebenfalls mit einem Gnadenschuss von seinem Leiden zu erlösen, ein hinzugezogener Offizier entschied dann aber doch anders, da es sich offensichtlich noch soweit auf den Beinen halten konnte, um aus eigener Kraft den Versorgungsdampfer Far West zu erreichen. Weiters waren seine Verletzungen zwar bedrohlich, aber nicht zwangsläufig tödlich, wenn man sie rasch und fachkundig behandelte. Die Soldaten versorgten – so gut es ging – seine Wunden vor Ort und tränkten Comanche noch zusätzlich mit Wasser und Alkohol, um ihn damit seine Schmerzen auf dem Weg zur Far West erträglicher zu machen, die etwa 15 Meilen vom Schlachtfeld entfernt, am Zusammenfluss von Little Bighorn mit dem Bighorn River vor Anker lag. Gustave Korn führte ihn bis zur Far West, die auch die Verwundeten aus Major Reno's Kompanie aufnahm.Bericht in der Bismarck Tribune, 10. Mai 1878.America comes alive/Great storys simply told. Kate Kelly: Comanche: Horse Survivor Of Little Bighorn, Civil War Stories, Heroes & Trailblazers (abgerufen am 31. Januar 2023).Douglas Harvey: The Horse Comanche. Custer's Last Standard Bearer, University of Kansas, Department of History, University of Kansas, KU Memorial Union (abgerufen am 28.08.2023)

Rekonvaleszenz An Bord der Far West richtete man zwischen Heck und Ruder einen provisorischen Pferch ein und schüttete hierzu noch extra Präriegras auf dem Boden aus. Auch 52 schwer verwundete Soldaten wurden mit der Far West abtransportiert, sie konnte die Fahrt nach Bismarck in 54 Stunden bewältigen. Später notierte Captain Grant Marsh hierzu in sein Logbuch:

„Das schwer verwundete Tier wurde so schonend wie möglich per Wagen nach Fort Lincoln gebracht, dieselbe Garnison, die es erst vor acht Wochen verlassen hatte.“