Das RAF Bomber Command war von 1936 bis 1968 das Oberkommando über die Bomberflotte der Royal Air Force. Bomber Command stand auch für die britische Bomberflotte als solche. Seine Aufgabe war die Planung und Führung von strategischen Bombenangriffen.

Geschichte

Liegenschaften und Inventar Das Hauptquartier des RAF Bomber Command war in den Jahren 1936 bis 1940 in Uxbridge im Westen Londons, ab 1940 in High Wycombe, Buckinghamshire.

mini|Schwere Bomber im Vergleich: Stirling (gelb), Halifax (pink) und Lancester (blau) Die wichtigsten leichten und mittelschweren Bombertypen des RAF Bomber Command waren: Vickers Wellington (mit über 11.400 Maschinen der meistgebaute Bomber der RAF) de Havilland DH.98 Mosquito Bristol Blenheim Armstrong Whitworth Whitley Handley Page Hampden Fairey Battle Vickers Wellesley

Die folgenden viermotorigen schweren Bomber-Typen kamen (teils ergänzend) während des Zweiten Weltkrieges zum Einsatz: Handley Page Halifax (ab März 1941; 6178 Maschinen bis 1946 gebaut) Short Stirling (ab Februar 1941; insgesamt 2380 Maschinen bis 1943) Avro Lancaster (ab März 1942; insgesamt 7374 Maschinen bis 1945)

Zweiter Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkrieges führte das Bomber Command eine Vielzahl von Bombenangriffen auf Ziele in Deutschland, im deutsch besetzten Europa sowie im faschistischen Italien durch. Das Bomber Command setzte während des Krieges rund 125.000 Mann an fliegenden Besatzungen ein, von denen 55.573 ums Leben kamen (entspricht fast 45 %). Weitere 8403 wurden verwundet und 9838 gerieten in Kriegsgefangenschaft.W. R. Chorley: Royal Air Force Bomber Command Losses of the Second World War: Aircraft and crew losses: 1945. Midland Counties Publications, 1992, S. 182.

Vor dem Hintergrund statistischer Untersuchungen des britischen Air Ministry über die Effektivität bereits erfolgter britischer Luftangriffe kam es zur Entscheidung, verstärkt Brandbomben und Luftminen über dicht bebauten Stadtgebieten Deutschlands abzuwerfen. Diese Strategie wurde am 14. Februar 1942 in der Area Bombing Directive („Anweisung zum Flächenbombardement“) festgelegt. Premierminister Winston Churchill in seiner Rolle als Vorsitzender des Kriegskabinetts beauftragte den interimistischen Oberbefehlshaber (Commander-in-chief) des RAF Bomber Command, Luftmarschall John Baldwin mit der Umsetzung dieses „morale bombing“. Das Ende März 1942 herausgegebene „Dehousing Paper“ des britischen Kabinetts sah vor, durch gezielte Zerstörung von Wohngebieten der Industriearbeiter den Widerstandswillen in der deutschen Zivilbevölkerung zu brechen und diese dazu zu bringen, sich gegen das Regime der Nationalsozialisten zu stellen.

Der Luftkrieg der Royal Air Force gegen deutsche Städte begann am 11. Mai 1940 mit einem Angriff von 35 Bombern auf München-Gladbach (heute: Mönchengladbach). Besonders präsent im kollektiven Gedächtnis der Deutschen blieben die verheerenden Luftangriffe auf Hamburg im Sommer 1943 und die Zerstörung Dresdens Mitte Februar 1945. Über 20 weitere Flächenbombardements auch kleinerer Städte hatten Feuerstürme zur Folge, in denen sehr viele Zivilisten ums Leben kamen und große Teile des Gebäudebestandes vernichtet wurden. Mit dem Luftangriff auf Potsdam in der Nacht zum 15. April 1945 beendete die RAF ihren Bombenkrieg gegen deutsche Städte; am 16. April 1945 erklärte das Supreme Headquarters Allied Expeditionary Force (SHAEF) in Europa den strategischen Luftkrieg für gewonnen.Seite 324 unten

Gegen Italien flog Bomber Command von 1940 bis 1942 nur spärlich Angriffe. Ab Oktober 1942 startete dann eine Luftoffensive gegen Italien mit der Bombardierung oberitalienischer Städte.Richard Overy: Der Bombenkrieg – Europa 1939–1945. Rowohlt 2014, ISBN 978-3-87134-782-5, S. 737 f. Die Krise, die dadurch ausgelöst wurde, war so schwer, dass es den Alliierten möglich erschien, Italien aus dem Krieg herauszubomben.Richard Overy: Der Bombenkrieg – Europa 1939–1945. Rowohlt 2014, ISBN 978-3-87134-782-5, S. 737 f. und S. 749. Die Angriffe auf Italien wurden gemeinsam mit der 9. US-Luftflotte 1943 intensiviert, um die Opposition gegen Mussolini zu stärken.Richard Overy: Der Bombenkrieg – Europa 1939–1945. Rowohlt 2014, ISBN 978-3-87134-782-5, S. 749 f. Die Angriffe trafen einen versagenden Staat und eine kriegsmüde Bevölkerung und leisteten einen Beitrag, dass Benito Mussolini abgesetzt wurde und sein Nachfolger Pietro Badoglio mit dem Waffenstillstand von Cassibile den Krieg Italiens gegen die Alliierten am 3. September 1943 beendete.Richard Overy: Der Bombenkrieg – Europa 1939–1945. Rowohlt 2014, ISBN 978-3-87134-782-5, S. 756 und S. 758 f.

Etwa fünf Prozent der Einsätze wurden zur Verlegung von Seeminen aus der Luft geflogen. Das Codewort dafür war Gardening, da man die Minen aussäte. Die Zahl der ausgelegten Minen stieg bis 1942 auf Tausend im Monat. Zielgebiete waren die norwegische Küste, die Ostsee mit ihren Übungsgebieten für U-Boote, die Helgoländer Bucht, der Golf von Biskaya, das Mittelmeer und während der Operation Overlord die Flanken der Landungsflotte. Insgesamt legte Bomber Command 47.307 Minen aus. Die Royal Air Force gibt an, insgesamt 762 Schiffe der Achsenmächte versenkt und 196 beschädigt zu haben.John S. Shilstom: “World War II Aerial Minelaying in Europe.” Mines Away!: The Significance of U.S. Army Air Forces Minelaying in World War II Air University Press, Mai 1992, S. 7–9.

+ Stärke im Vereinigten Königreich, 1939–1945Richard Overy: Der Bombenkrieg – Europa 1939–1945. Rowohlt 2014, ISBN 978-3-87134-782-5, S. 450.JahrStaffelnPersonalstärkeStandorteleichte BomberMittlere BomberSchwere BomberPilotenFliegendBodenWAAF1939 (Sept)617N/AN/AN/AN/A2019406171.1106.70249.6852.408N/A194193232.13320.63399.51510.169N/A1942933151.46823.003115.57022.0924519431016362.40345.330127.91434.08060194450,560,53.74752.476134.83438.157811945100733.50149.418136.62937.29271

Spätere Kampfeinsätze Ab 1947 waren Lancesterbomber in Nairobi stationiert. Sie beteiligten sich von 1953 bis 1956 an Offensivaktionen gegen die Aufständischen im postkolonialen Mau-Mau-Krieg.Ken Delve: Bomber Command 1936–1968: An Operational & Historical Record. Pen & Sword Aviation, 2005, ISBN 1-84415-183-2, S. 144.

Ab 1950 wurden Avro Lincoln in Singapur stationiert, die 1955 durch Canberra ersetzt wurden. Die strategischen Bomber wurden gegen die Unabhängigkeitsbewegung während der Malayan Emergency eingesetzt.Ken Delve: Bomber Command 1936–1968: An Operational & Historical Record. S. 142 f.

Während der Suezkrise 1956 wurden strategische Bomber nach Malta und Zypern verlegt. Sie griffen ägyptische Luftwaffenbasen an.Ken Delve: Bomber Command 1936–1968: An Operational & Historical Record. S. 144–146.

Kalter Krieg Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten die kernwaffenfähigen strategischen V-Bomber (Valiant, Victor und Vulcan) die Hauptschlagkraft des Bomber Command. Ab dem Jahr 1950 verfügte Bomber Command auch über atomwaffenfähige Mittelstreckenraketen des Typs Thor, die bis 1963 verfügbar waren.Ken Delve: Bomber Command 1936–1968: An Operational & Historical Record, S. 260 f.

Das Ende des Bomber Command kam im Jahr 1968, als es mit dem Fighter Command zum RAF Strike Command zusammengefasst wurde. Die Rolle als Trägersysteme für die britischen Nuklearwaffen übernahmen die U-Boote der Royal Navy.

Erinnerung Das Bomber Command Museum of Canada wurde 1986 in Nanton, Alberta eröffnet.Bomber Command Museum of Canada. Homepage, abgerufen am 19. August 2024. Das Bomber Command Memorial wurde am 28. Juni 2012 durch Queen Elizabeth II. im Londoner Green Park in der Nähe von Hyde Park Corner eröffnet. Es wurde zum Gedenken an die 55.573 Angehörigen der Royal Air Force, die im Zweiten Weltkrieg bei Bomber-Einsätzen starben (fast die Hälfte des Personalbestands; das Durchschnittsalter war 22 Jahre) errichtet.tagesspiegel.despiegel.de: spiegel.de Das Monument zeigt sieben Soldaten als überlebensgroße Bronzestatuen. Im Jahr 2018 eröffnete das International Bomber Command Centre in Lincoln (Lincolnshire), England.About the Project. Homepage des International Bomber Command Centre, aufgerufen am 19. August 2024.

Oberbefehlshaber

+ BefehlshaberNr.BildCommander in ChiefRangvonbis1 John Miles Steel(1877–1965)Air Chief Marshal14. Juli 193612. September 1937270px Edgar Ludlow-Hewitt(1886–1973)Air Chief Marshal12. September 19373. April 1940370px Charles Portal(1893–1971)Air Marshal3. April 19405. Oktober 1940470px Richard Peirse(1892–1970)Air Marshal5. Oktober 19408. Januar 1942kommissarisch70px John Eustace Arthur Baldwin(1892–1975)Air Vice Marshal8. Januar 194222. Februar 1942570px Arthur Harris(1892–1984)Air Chief Marshal22. Februar 194215. September 1945670px Norman Bottomley(1891–1970)Air Marshal15. September 194516. Januar 1947770px Hugh William Lumsden Saunders(1894–1987)Air Marshal16. Januar 19478. Oktober 19478 Aubrey Ellwood(1897–1992)Air Marshal8. Oktober 19472. Februar 1950970px Hugh Lloyd(1894–1981)Air Marshal2. Februar 19509. April 19531070px George Holroyd Mills(1902–1971)Air Marshal9. April 195322. Januar 19561170px Harry Broadhurst(1905–1995)Air Marshal22. Januar 195620. Mai 19591270px Kenneth Brian Boyd Cross(1911–2003)Air Marshal20. Mai 19591. September 196313 John Grandy(1913–2004)Air Marshal1. September 196319. Februar 196514 Wallace Kyle(1910–1988)Air Marshal19. Februar 196530. April 1968

Stützpunkte Die folgende unvollständige Liste von Stützpunkten umfasst diejenigen, über die es bereits einen Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia gibt:

Siehe auch Historische Flugzeuge der Royal Air Force

Literatur Ken Delve: Bomber Command 1936–1968: An Operational & Historical Record. Pen & Sword Aviation, 2005, ISBN 1-84415-183-2. Max Hastings: Bomber Command. Michael Jones, London 1979, ISBN 0-7181-1603-8. Charles Messenger: ‘Bomber’ Harris and the Strategic Bomber Offensive, 1939–1945. Arms and Armour, 1984, ISBN 0-85368-677-7. Martin Middlebrook, Chris Everitt: The Bomber Command War Diaries. An operational reference book 1939–1945. Midland Counties Publications, Earl Shilton, UK, 1995, ISBN 1-85780-033-8. J. R. Moyes, James Goulding: RAF Bomber Command and it's Aircraft 1936–1940. Ian Allen Ltd 1975 Richard Overy: The Bombing War. Europe 1939–1945. Penguin, London 2014, ISBN 978-0-14-100321-4.

Weblinks

RAF Bomber Command Gardening Operations during the Second World War. The story of Lancaster ED559 and her crew, Minenverlegung

Einzelnachweise

Bomber Command Kategorie:Militärischer Verband im Zweiten Weltkrieg (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Luftkrieg im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Gegründet 1936 Kategorie:Aufgelöst 1968