mini|Inserat zur Eröffnung des Wiener Zentralbades am 26. Mai 1889 (Die Presse, 25. Mai 1889) mini|Kaiserbründl-Sauna im Zentralbad mini|Vorgängerbau Alter Ramhof in der Weihburggasse (oben links hinter dem Turm der Franziskaner-Kirche) mini|Weihburggasse 18–20 mini|Die Architekten-Kartusche: Die andere nennt die Jahreszahl 1887. Das Wiener Zentralbad (früher auch Centralbad oder Central-Bad), gelegen in einem Gründerzeit-Zinshaus des Späthistorismus in der Weihburggasse 18–20, war seit seiner Eröffnung 1889 und bis in die 1970er Jahre eine exklusive Badeanstalt im Zentrum von Wien. Das Zentralbad hatte jedoch nie die Funktion eines Schwimm- oder gar Sportbades, sondern wurde von Anbeginn als eine Art Wellness-Institution konzipiert, die stets von ausgewiesenen Medizinern betreut wurde. Seit den 1980er Jahren ist in einem Teilbereich der Räumlichkeiten des Bades die als „Herrensauna“So lautet die Bezeichnung des Etablissements auf der eigenen Homepage und dem Facebook-Profil. bezeichnete Schwulensauna Kaiserbründl untergebracht.
Vorgeschichte Das Zentralbad gilt als eines der ältesten und vornehmsten noch heute bestehenden Bade-Etablissement in Wien. Es liegt zwischen Stephansdom und Stadtpark, in nächster Nähe zur ursprünglichen Stadtbefestigung, der Weihenburg (danach benannt heute die Weihburggasse) und dem Palais Coburg. Der bis heute auf dem Areal befindliche Hausbrunnen soll schon zur Römerzeit für das hier gelegene Brückenkopf-Castell genutzt worden sein. Er ist sehr ertragreich und speiste früher den Wasserbedarf mit einem täglichen Ausstoß von rund 200.000 Litern Frischwasser.„Als das Centralbad in der Weihburggasse gebaut wurde, wollte man ursprünglich Hochquellwasser zu den Bädern benützen; schliesslich entschloss man sich aber, einen Brunnen zu graben.“ Vgl. Die Wasserversorgung Wiens, nach dem officiellen Protokoll der K. K. Gesellschaft der Aerzte in Wien: Sitzungen vom 1., 8., 29. April und 6. Mai 1892. Hölder, 1892, S. 76.
Seit dem Mittelalter (erste urkundliche Erwähnung 1369) und bis zum Abbruch um 1880 befand sich der Alte Ramhof (ein Zentrum der Textil-Industrie) auf diesem Grundstück.In einem Roman von Adolf Bäuerle wird das Gebäude und sein Zustand um 1855 folgendermaßen erwähnt: „Frau Anna sagt dort: ‚Komm, Hanns; wir wollen in den alten ‚Ramhof‘ zu meinem Sohne.‘ Sie ging mit ihren Begleiter dahin. Ladislaus Kukielwski wohnte hier wie ein Fürst. So häßlich und abscheulich der alte Ramhof jetzt aussieht und seine Besitzer veranlassen möge, auf diesem geräumigen Platze bald ein neues und stattliches Haus erbauen zu lassen, – etwa eine Passage à Bazar nach der Himmelpfortgasse – so gehörte dieses Gebäude vor sechzig Jahren doch nicht zu den schlechtesten Wiens und ein eleganter Miethsmann konnte allerdings darin wohnen. So waren z. B. die Zimmer im ersten Stocke nach der Weihburggasse gar nicht so übel; sie waren geschmackvoll decorirt und nahmen sich sehr propre aus.“ In: Adolf Bäuerle: Die Dame mit dem Todtenkopfe in Wien, Roman, Band 1, Hartleben, 1855, S. 21. Das Bad kann als Nachfolge-Institution einer Reihe von nahegelegenen Bädern des Mittelalters und der früheren Neuzeit gelten. In der näheren Umgebung des Franziskanerplatzes gab es folgende Bäder: Seit dem 14. Jahrhundert die Badestube bei der Himmelpforten in der Himmelpfortgasse 6 bzw. das Bürgerspitalbad.Es befand sich bis ins 18. Jahrhundert gut 100 m entfernt (rechts neben dem Palais des Prinzen Eugen) auf der der Weihburggasse nicht zugewandten Straßenseite, also trotz seines Namens nicht auf dem eigentlichen Areal des Bürgerspitals. Badestube Wollzeile.In der Wollzeile 11, Ecke Essiggasse 1 (heute ist dort die Buchhandlung Morawa) befand sich bis Mitte des 18. Jahrhunderts die letzte bereits im Mittelalter zugängliche Badestube dieser Gegend. In der Wollzeile Nr. 24 befand sich 1818–1898 das sogenannte „erste Wiener Dampfbad“ Vgl. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, 2004, Bd. 5, S. 676. Bad am Alten Roßmarkt, heute Straßengrund, ungefähr vor dem Haas-Haus.Ein Verzeichnis der wichtigsten Bäder des Mittelalters und der frühen Neuzeit in Wien findet sich bei Leopold Senfelder in dem Beitrag Öffentliche Gesundheitspflege und Heilkunde. In: Anton Mayer (Hrsg.): Geschichte der Stadt Wien, Vom Ausgange des Mittelalters bis zum Regierungsantritt der Kaiserin Maria Theresia. Wien 1918, S. 242–249. Seuchen wie Pest und Syphilis leiteten im 15. und 16. Jahrhundert einen Niedergang der Wiener Badekultur ein.Die Wiener Badehäuser wurden in den Jahren 1521, 1554, 1562 und 1691 zeitweise wegen Seuchengefahr geschlossen. Seitdem in der Neuzeit für die Wiener Bürger Badegelegenheiten hauptsächlich vor den Stadttoren bestanden (in der Leopoldstadt im Dianabad und auf der Landstraße im Sofienbad), war auch in der Inneren Stadt die neuerliche Errichtung einer Badeanstalt wichtig.
Gebäude- und Innenarchitektur Adolf Endl (1847–1887), der um 1876 gemeinsam mit Josef Honus (1850–1913) das Bauunternehmen „Endl & Honus“ gegründet hatte,Andreas Weigel: Zu Fritz Langs 50. Todestag am 2. August 2026. entschloss sich bereits 1885Nachdem „Die Presse“ am 24. Dezember 1885 „Vom Realitätenmarkt“ berichtet hat, dass Adolf Endl die Abbruchhäuser Weihburggasse 18–20 erworben hat, erwähnt „Der Bautechniker“ am 26. März 1886 in der Rubrik „Angesuchte Baubewilligungen, Adaptierungen etc“ Adolf Endl als Bauherren: „Umbau, I., Weihburggasse 18 und 20 (Honus)“. in der Weihburggasse 18–20 ein repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus sowie eine öffentliche Badeanstalt zu errichten, woran die Architekten-Kartusche „Erbaut von Endl & Honus“ erinnert. Dieses Bauvorhaben wurde zu einem seiner wichtigsten, das er noch in der damals üblichen Formensprache des Späthistorismus gestaltete.Dass der persische Botschafter Sam Ir Cha Kek Mitte der 1880er Jahre einen Neubau angeregt und diesen seinem Schwiegersohn geschenkt haben soll, gehört in den Bereich der Legenden, die sich um das Etablissement seit Jahrzehnten ranken. Hier plante er im Mezzanin, im Parterre und im Souterrain eine großzügig angelegte Badeanstalt, das spätere Centralbad (zunächst als Wiener General-Bad angekündigt). Da Endl bereits 1887 starb, wurde das Badeanstalten-Projekt erst von seinen Partnern und Nachfolgern (Honus & Lang) vollendet,Anton Honus berichtete in einem Vortrag vom 7. Dezember 1889 davon, dass ursprünglich geplant war, das Architektenteam Fellner & Helmer mit einem Umbau des mittelalterlichen Vorgängerbaus (Alter Ramhof) zu beauftragen und hier schon die Idee entstand, aufgrund der „äußerst günstigen Wasserverhältnisse“ eine Badeanstalt einzurichten, zumal sich Ende des 19. Jahrhunderts im Zentrum Wiens keine befand. A. Honus: Das Wiener Zentralbad. In: Wochenschrift des Österreichischen Ingenieur- u. Architekten-Vereins 1890, Nr. 1, S. 1. weil sich aufgrund des Einspruchs der Anrainer – insbesondere der Ordensbrüder des Franziskanerklosters – bei der Fertigstellung erhebliche Verzögerungen ergaben.Wiener Bauindustrie-Zeitung 1888, S. 69. Mit den weiteren innenarchitektonischen Planungen wurde Albert Constantin Swoboda (1853–1941) betraut. Swoboda hatte nach seinem Studium an der Technischen Hochschule sowie an der Akademie der bildenden Künste Wien in Odessa und im Russischen Reich Erfahrungen im orientalisch-maurischen Stil gesammelt. Er zeichnete in der Folge für die Detailplanung (insbesondere die Innenausstattung) des Wiener Bades verantwortlich. Die elektrische Ausstattung übernahm die Firma Siemens & Halske. In der Neuen freien Presse ist die Eröffnung für den 26. Mai 1889 in einer großen Anzeige angekündigt worden. Doch stammt nur ein Teil der architektonischen Entwürfe der heute noch erhaltenen orientalischen Ausstattung von Swoboda.Als Spezialist für Badeanlagen errichtete Swoboda dann noch weitere Einrichtungen dieser Art u. a. im (heute slowenischen) Marburg und in Pressburg. Alle diese Anlagen – bis auf das Wiener Bad – sind jedoch im Laufe der Zeit abgerissen worden.
Ein Grund- und Aufriss des ursprünglichen Bades von 1889 ist in dem Artikel von Anton Honus abgedruckt:
mini|Keramik der Firma Milton (unten) Das frühere Damen-DampfbadDamen-Dampfbad (1894). – das erst 1894 von den Gebrüdern CzadaDie Entwürfe stammten von Franz Czada (1872–1903). Dessen älterer Bruder, bei dem es sich um den Baumeister Edmund Czada (1861–1920), zugleich den Vater der Maria Ley-Piscator handelt, führte die Pläne baulich aus. in den vorigen Kesselräumlichkeiten eingerichtet wurdeBericht vom 17. Mai 1894 in der Wiener Bauindustrie-Zeitung, Nr. 33, Jg. 11, 1894 (online). Ab 14. Juni 1894 inserierte das Bad die Eröffnung der neuen Damen-Abteilung täglich (online) in der Neuen freien Presse. und dessen Ausstattung wie beim Türkischen Bad des Schlosses Albrechtsberg in Dresden (1855) im maurischen Stil in Anlehnung an den Löwenhof der Alhambra in Granada gestaltet wurde – weist noch heute ein kleines Wasserbecken auf.Damen-Dampfbad (2012). Noch heute ziert die Gemäuer des Bades Keramik der Firma MiltonVgl. F. Czeike: Historisches Lexikon Wien, 2004, Bd. 5, S. 696. aus Stoke-on-TrentGeburtsstadt des Titanic-Kapitäns Edward John Smith und von Robbie Williams.
Die in dem Bad vorgesehenen Anwendungen umfassten Dampf-, Schwefel- und Moorbäder; darüber hinaus gab es Frigidarien und Caldarien (Wärmestrahlung aus dem Boden und Öfen von ca. 45–60 °C).
Erwähnungen des Bades in der Literatur und in Schlagzeilen der Presse mini|Kaltes Bassin im Souterrain (1889) Simon Baruch, der berühmte Pionier auf dem Gebiet der Hydrotherapie und Gründer des öffentlichen Badewesens von New York, bezeichnete die von den medizinischen Kapazitäten Josef Hertzka (Badearzt in Bad Ischl) und Wilhelm Sperber (Direktor des Zentralbades) beratene Bade-Institution als “the most substantial, elegant and complete bath in the world”.Patricia Spain Ward: Simon Baruch: rebel in the ranks of medicine, 1840–1921. University of Alabama Press, 1994, S. 168. Um 1900 gehörte es für gehobene Schichten dazu, das Wiener Centralbad zu besuchen, und es wird auch in Reiseführern empfohlen.Hier heißt es, das Bad sei „nach Art des römischen Bades großartig [1912, S. 43: ‚sehr vornehm‘] eingerichtet, in allen Räumen elektrisch beleuchtet, bietet den größten Luxus und enthält Dampf-, Wannen- und Heilbäder für Damen und Herren. Badezeit von 7 Uhr früh bis 6 Uhr abends, an Feiertagen Kassenschluß 2 Uhr nachmittags, an Sonntagen geschlossen.“ Wien und Umgebung. Griebens Reiseführer, 68 (1907, S. 27). Über das Römische Bad heißt es ebenda „Gehört unstreitig zu den schönsten Bädern“ und sei „elegant, komfortabel und billig“. 1941 erfolgt hier dagegen vom Zentralbad keine Erwähnung mehr. Zwischen 1937 und 1940 hatten auch die Pächter(innen) des Bades und der darin befindlichen Gastwirtschaft gewechselt: Zunächst waren es eine G.m.b.H., Martha Hernried und Auguste Jurak (Jb. Wiener Gastwirte, 1937, S. 31), dann Maria Steininger (1940, S. 24).