Baltmannsweiler ist eine Gemeinde im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.
Geographie Geographische Lage Das waldreiche Gemeindegebiet Baltmannsweiler liegt auf etwa 290 bis Höhe im Schurwald. Die Ortsmitte des namengebenden Teilorts ist in Luftlinie rund viereinhalb Kilometer nordöstlich von der Plochingens entfernt und etwa zehn Kilometer östlich vom Zentrum der Kreisstadt Esslingen am Neckar. Die beiden Orte der Gemeinde liegen in gemeinsamer Rodungsinsel auf einem Bergrücken, der vom Reichenbach am Ortsrand der Gemeinde und vom Lützelbach an deren Südwestrand zur Fils entwässert wird sowie im Westen und Nordwesten von Oberläufen des Schweizerbachs zur Rems.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind reihum im Nordwesten die Stadt Weinstadt, im Norden und Nordosten die Gemeinde Winterbach, beide im Rems-Murr-Kreis. Im Osten liegt die Gemeinde Lichtenwald, im Süden die Gemeinde Reichenbach an der Fils, im Südwesten die Stadt Plochingen, im Westen auf nur kurzem Abschnitt die Kreisstadt Esslingen am Neckar und im Westen die Gemeinde Aichwald; die fünf letztgenannten gehören alle dem eigenen Landkreis Esslingen an.
Gemeindegliederung Baltmannsweiler besteht aus den beiden Ortsteilen Baltmannsweiler und Hohengehren, jeweils nur aus dem gleichnamigen Hauptort bestehend. Das Gebiet der Ortsteile ist identisch mit dem der ehemals selbstständigen Gemeinden gleichen Namens. Die offizielle Benennung des Ortsteils Hohengehren lautet Baltmannsweiler-Hohengehren.Hauptsatzung der Gemeinde Baltmannsweiler vom 22. Mai 2001. In: baltmannsweiler.de, abgerufen am 14. September 2023 (PDF; 22 kB). Auf dem Gebiet des Ortsteils Baltmannsweiler liegen die abgegangenen Ortschaften Balzschmied, Holdermannshofstatt, Oberweiler und Steinenbach. Auf dem Gebiet des Ortsteils Hohengehren liegen die abgegangenen Ortschaften Burg, Borgenhardt, Holdesteiningen, Katzenlohe, Steinenbach, Witzlingsweiler und Katzenbachhof.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 241–242.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Baltmannsweiler. In: statistik-bw.de, abgerufen am 3. Juni 2017.
Religion Die zu Altwürttemberg gehörenden Orte war seit der Reformation im 16. Jahrhundert über vier Jahrhunderte rein evangelisch geprägt. Im Jahre 1849 gab es in Baltmannsweiler bei 943 evangelischen Einwohnern nur zwei Katholiken, in Hohengehren 776 Evangelische und acht Katholiken. Eine nennenswerte Zahl an Katholiken kam erst durch die Bevölkerungsverschiebungen nach dem Zweiten Weltkrieg hinzu. Ende 1998 hatte die Gemeinde 1275 Einwohner, die römisch-katholisch, und 2998 Einwohner, die evangelisch waren. Die evangelische Verbundkirchengemeinde Baltmannsweiler und Hohengehren gehört zum Kirchenbezirk Esslingen, die Katholiken werden durch die Seelsorgeeinheit Baltmannsweiler-Aichwald im Dekanat Esslingen-Nürtingen betreut.
Geschichte Baltmannsweiler mini|Baltmannsweiler 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch Baltmannsweiler wurde 1299 erstmals urkundlich erwähnt. Das Dorf gehörte ursprünglich den Zähringern und kam dann zur Grafschaft Württemberg. Dort war der Ort ab 1381 dem Amt, später Oberamt Schorndorf im Herzogtum Württemberg zugeordnet. Die Zuordnung zum Oberamt Schorndorf blieb auch nach der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg bestehen. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Baltmannsweiler 1938 zum Landkreis Esslingen. 1945 wurde der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Der von den autochthonen Bewohnern des Dorfes heute verwendete Name für das Dorf ist „Baltemore“.
Hohengehren mini|Hohengehren 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch
Hohengehren wurde bereits vor Baltmannsweiler, nämlich 1275, urkundlich erwähnt. Die Landeszugehörigkeit entspricht der von Baltmannsweiler.
Eingemeindungen Das heutige Baltmannsweiler wurde am 1. Januar 1975 im Rahmen der baden-württembergischen Gebietsreform aus den bis dahin selbständigen Gemeinden Baltmannsweiler und dem nördlich gelegenen Hohengehren gebildet.
Entwicklung der Einwohnerzahl Jahr Einwohner¹ 1871 1310 1880 1335 1890 1191 1900 1171 1910 1184 1925 1230 1933 1274 Jahr Einwohner¹ 1939 1333 1950 1963 1961 2688 1970 3944 1975 4599 1980 5143 1985 5206 Jahr Einwohner¹ 1990 5307 1995 5425 2000 5520 2005 5552 2010 5554 2015 5646 2020 5753 ¹Statistisches Landesamt Baden-Württemberg; bis 1970 Volkszählungsergebnisse, ab 1975 Fortschreibungen jeweils zum 31. Dezember des Jahres.
Politik Bürgermeister Im März 2015 wurde Simon Schmid gegen drei Konkurrenten im ersten Wahlgang zum Bürgermeister gewählt. Am 5. März 2023 wurde er mit 98,3 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Zuvor war von 1999 bis 2015 Martin König (1958–2023) Bürgermeister.
Gemeinderat Der Gemeinderat in Baltmannsweiler hat 14 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem amtlichen Endergebnis: Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019GRÜNEBündnis 90/Die Grünen16,1221,13CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands28,7420,33FWVFreie Wählervereinigung21,8320,23UBUnabhängige Bürger14,9212,22SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands8,619,11NFLNeue Freie Liste9,828,01WVBHWählervereinigung Baltmannsweiler & Hohengehren––9,11gesamt100,014100,014Wahlbeteiligung69,8 %69,0 %
Wappen Das Wappen der Gemeinde Baltmannsweiler wurde Ende 1979 verliehen und verbindet die beiden Wappen der früheren Gemeinden Baltmannsweiler und Hohengehren.
Wirtschaft und Infrastruktur
Ansässige Unternehmen Im Ortsteil Hohengehren ist mit dem Schneider Verlag ein Fachbuchverlag ansässig.
Bildung Grundschule Baltmannsweiler mit acht Schulklassen, in denen etwa 160 Schüler unterrichtet werden Grundschule Hohengehren mit sieben Schulklassen, in denen etwa 130 Kinder unterrichtet werden Außerdem verfügt Baltmannsweiler über vier Kindergärten. Die Gemeinde Baltmannsweiler betreibt auch eine eigene Volkshochschule.Volkshochschule Baltmannsweiler. In: baltmannsweiler.de, abgerufen am 3. Juni 2017.
Abfallentsorgung Für die Abfallentsorgung ist der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Esslingen zuständig.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Die Gemeinde Baltmannsweiler organisiert jedes Jahr fünf bis acht kulturelle Veranstaltungen wie Kabarett und Theater, Konzerte und mobiles Kino im Kulturzentrum Baltmannsweiler. Das Kulturzentrum hat ein Foyer mit Bar, in dem es Platz für Feiern mit bis zu 120 Personen gibt. Daneben gibt es einen großen Saal für 300 bis 500 Personen.
Musik
Das Akkordeonorchester Baltmannsweiler gewann 1992, 1998 und 2016 beim alle drei Jahre in Innsbruck stattfindenden World Music Festival, das als „heimliche Weltmeisterschaft“ für Akkordeonmusik gilt.
Bauwerke Im ehemaligen Wildpark stand bis 1839 das Jagdschloss Hohengehren. Dieses wurde von der Gemeinde Altbach erworben, dort als Rathaus wieder aufgebaut und bis 1975 in dieser Funktion verwendet. Die beiden vor dem Schloss angelegten Weiher sind heute noch im Wald am sogenannten Schlösslesplatz erhalten, außerdem sind neben dem Waldweg von dort Richtung Aichwald noch knapp einen Meter hohe Reste der einst den Park umfassenden Mauer erkennbar. Eins der ehemaligen Wächterhäuser steht noch unmittelbar am Waldrand neben der Straße nach Baach und wird inzwischen privat bewohnt.
In Baltmannsweiler befindet sich die spätgotische AegidiuskircheOrtsteil Baltmannsweiler. Landwirtschaftlich geprägt. In: baltmannsweiler.de, abgerufen am 14. September 2023. und auch in Hohengehren eine spätgotische Kirche (ev.).Ortsteil Hohengehren. Entwicklung. In: baltmannsweiler.de, abgerufen am 14. September 2023.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Gemeinde Friedrich Greiner (* 1858 in Hohengehren), MundartdichterKöniglicher Finanzbeamter und Mundartdichter Ausführliches biografisches Profil von Greiner bei Nussbaum MedienEintrag zu Friedrich Greiner im Archivportal Gerhard Elwert (* 1912 in Hohengehren, † 1998 in Tübingen), Astrophysiker an der Universität Tübingen Uwe Kolitsch (* 1966 in Hohengehren), Mineraloge Frieder Günther (* 1971 in Hohengehren), Historiker
Vor Ort lebten und wirkten Hermann Stern (* 1912 in Abetifi, Ghana; † 1978 in Hohengehren), ev. Kirchenmusiker, Komponist und der erste Landeskirchenmusikdirektor der Ev. Landeskirche Württemberg Hans Peter Hoch, (* 1912 in Aarau, CH, † 2011 in Hohengehren), Grafikdesigner, Typograf, Fotograf und Vertreter der konkreten Malerei, lebte seit den 1970er Jahren im Ortsteil Hohengehren Bernhard Grimm (* 1923 in Blankenloch, † 1942 im Zuchthaus Brandenburg-Goerden), Lieddichter, Zeuge Jehovas, lebte in Baltmannsweiler, wo eine Straße nach ihm benannt ist, hingerichtet wegen WehrdienstverweigerungJohannes Wrobel: „Auf Wiedersehen!“ – Abschiedsbriefe von zum Tode verurteilten Zeugen Jehovas im NS-Regime, veröffentlicht in: Marcus Herrberger: Denn es steht geschrieben: "Du sollst nicht töten!" Die Verfolgung religiöser Kriegsdienstverweigerer unter dem NS-Regime mit besonderer Berücksichtigung der Zeugen Jehovas (1939–1945), Wien 2005, S. 237–326, Informationen über Bernhard Grimm in Abschnitt 1.4
Ehrenbürger Friedrich Maier (1897–1986), langjähriger sozialdemokratischer Gemeinderat von Baltmannsweiler sowie Turner und Trainer beim TSV Baltmannsweiler, Ehrenbürgerrechte 1975siehe: Klaus Merker u. a.: Heimatbuch Baltmannsweiler, Baltmannsweiler 1999, S. 45 Erwin Mauz (1913 - ), Leiter der Grund- und Hauptschule Hohengehren (1958–1973) und Autor des Heimatbuch Hohengehren, Ehrenbürgerrechte 1981Eßlinger Zeitung, 15. September 1981, Ehrenbürgerrechte verliehen. Dort heißt es u. a.: „Der nun einzige Ehrenbürger des Ortsteils Hohengehren habe die Entwicklung des Dorfes mitgeprägt ...“
Literatur
Landesarchiv Baden-Württemberg i. V. mit dem Landkreis Esslingen (Hrsg.): Der Landkreis Esslingen. Band 1. Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0842-1, S. 313. Manfred Langhans: Der Schurwald, 2. Auflage 1980, Verlag W.Kohlhammer, ISBN 3-17-005680-8 Erwin Mauz: Heimatbuch Hohengehren, Band 1, 1975, Band 2 und Band 3, 1981, hrsg. von der Gemeinde Hohengehren Klaus Merker: Baltmannsweiler 1299–1999. ein Streifzug durch die Ortsgeschichte in Bildern und Anekdoten. Hrsg. von der Gemeinde Baltmannsweiler und der Evangelischen Kirchengemeinde Baltmannsweiler. Klaus Merker u. a. Baltmannsweiler 1999, ISBN 3-89570-511-X.
Weblinks
Offizielle Webpräsenz von Baltmannsweiler Baltmannsweiler bei leo-bw, dem landeskundlichen Informationssystem Baden-Württemberg
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Esslingen
Kategorie:Ersterwähnung 1299 Kategorie:Schurwald