mini|hochkant=1.2|Klassizistischer Belvedereturm des Schlosses Zinnitz (Foto: 2008). mini|hochkant|Philipp Ludwig Siegmund Bouton des Granges († 1801). mini|hochkant|Pauline Gräfin Nostitz, geb. des Granges (1801–1881). mini|hochkant|Robert von Patow (1804–1890). (Adolph Menzel: Studie zum Krönungsbild Wilhelm I., Porträt Bleistift, Wasser- und Deckfarben, auf graubraunem Papier 29,4 × 22,3 cm, 1865). mini|Schloss Zinnitz um 1869/70, Sammlung Alexander Duncker. mini|Maxim-Gorki-Theater (ehemalige Sing-Akademie zu Berlin). mini|Schloss Zinnitz Mittelrisalit Nordseite (Foto: 2008). mini|Palais am Festungsgraben, Berlin (2009). mini|Schloss Zinnitz, Zustand 1993. mini|Schloss Zinnitz (Foto: 2003). mini|Schloss Zinnitz (Foto: 2013).

Das Schloss Zinnitz (heutiges Erscheinungsbild von 1860–1864) ist ein klassizistisches Bauwerk in Zinnitz, einem Ortsteil der Stadt Calau südlich des Spreewalds. Es gehört zu den Baudenkmalen in Calau und wird heute u. a. als Architekturbüro und Wohngebäude genutzt.

Geschichte Legenden und Ursprünge Nach Heinrich Berghaus gehört Zinnitz „zu denjenigen Ortschaften der Niederlausitz, welche am frühesten in der Geschichte genannt werden, schon Anfang des 11. Jahrhunderts im Chronico des Bischofs Thietmar von Merseburg als eines der festen Schlösser des Landes“.Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Niederlausitz. Band 3, Adolph Müller, Brandenburg 1856, S. 574 f. Das Dorf mit Rittergut „Ciani, Zizani oder Sciciani“ sei demnach zeitweise Residenz des polnischen Herzogs Bolesław I. gewesen und soll auch Ausgangspunkt eines fruchtlosen Angriffs auf das nach Polen ziehende deutsche Heer im Jahre 1014 gewesen sein. Allerdings scheinen neuere Forschungen die Aussagen von Berghaus zu widerlegen beziehungsweise dahingehend zu relativieren, dass das heutige Zinnitz wohl nicht der Ort jener Ereignisse gewesen sein soll. Vielmehr sind in 2 km Entfernung zu Zinnitz unweit des ehemaligen Dorfes Presenchen (südlich vom Luckauer Ortsteil Schlabendorf) archäologisch dokumentierte Reste eines größeren slawischen Burgwalls gefunden worden, deren Dendrodaten auf die fraglichen Zeiträume verweisen.Helmut Jentsch, Heimatforscher, Zinnitz.Ch. Diehnel: Chronik der Gemeinde Zinnitz mit Bathow. Groß Jehser 1995.Joachim Henning, Alexander T. Ruttkay: Frühmittelalterlicher Burgenbau in Mittel- und Osteuropa. Hrsg. Goethe-Universität Frankfurt am Main, Seminar für Vor- und Frühgeschichte, Verlag Habelt, Bonn 1997/1998, Abb. S. 11. ISBN 3-7749-2796-0, S. 9–29. Die neuere Forschung identifiziert den bei Thietmar von Merseburg an drei StellenWikisource: Chronik des Thietmar von Merseburg Buch VI Nr. 69, Buch VII Nr. 51 und Buch VIII Nr. 1 genannten Ort Sciciani bzw. Cziczani mit der slawischen Burg Seitschen.Karlheinz Blaschke: Geschichte Sachsens im Mittelalter. Union Verlag, Berlin 1990, ISBN 3-372-00076-5, S. 68.Heinz Schuster-Šewc: Gab es verwandtschaftliche Beziehungen zwischen dem polnischen Fürstenhaus der Piasten und den altsorbischen Milzenern?. Neues Archiv für sächsische Geschichte, Bd. 73 (2002), S. 3–18, ISBN 3-87707-618-1 PDFHOV: Groß-Seitschen im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen.

Um 1255 erscheint mit einem Gebhard das Geschlecht v. Cynnitz in der Niederlausitz.Worbs, 1834: 19, Nr. 48.Götz von Houwald: Die Niederlausitzer Rittergüter und ihre Besitzer. Band 4, Teil 2, Kreis Calau, In: Bibliothek familiengeschichtlicher Quellen, Band 35, Degener & Co, Neustadt an der Aisch 1992, ISBN 3-7686-4130-9, S. 606 ff. Dieses Schreiben des Klosters Doberlugk gilt als früheste überlieferte schriftliche Erwähnung des Ortes. Am 3. August 1301 veräußert Markgraf Dietrich der Jüngere die Mark Lausitz an den Erzbischof Burchard von Magdeburg, unter den dazugehörigen Höfen auch die „curia Zcinnitz“.

Die Ära von Bocksdorf Danach kommt das Rittergut in Privatbesitz. Die Familie von Buckinsdorff, Buckenstorf de Czymricz bzw. Bocksdorf, Buxdorf besitzt es über etwa 300 Jahre lang. Darunter verdient Dietrich III. von Bocksdorf besondere Erwähnung: Um 1425 wurde er an der Universität Leipzig immatrikuliert, „um dort die Rechte zu studieren“.Marek Wejwoda: Dietrich von Bocksdorf (1405/10–1466). Ein Niederlausitzer als Rechtsgelehrter und Universitätsprofessor. In: Niederlausitzer Studien. Heft 35, S. 26 ff. oder 43 f. Nach einem Italienaufenthalt, er promoviert in Perugia zum Doktor beider Rechte, steigt er 1439 in Leipzig zum Ordinarius auf, dem Leiter der Juristenfakultät, und er wird für das Sommersemester 1439 zum Rektor der Universität erwählt. Dietrich von Bocksdorf gilt zu jenem Zeitpunkt als „eine der höchsten Autoritäten des sächsischen Rechts“.Heiner Lück: Dietrich von Bocksdorf. In: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte. Band 1 (2., völlig überarbeitete und erweiterte) Auflage, Dritte Lieferung, 2005, Sp. 625. Zu seinen prominentesten Fällen gehört sicher der Rechtsstreit zwischen dem sächsischen Kurfürst Friedrich II. und Kunz von Kauffungen, der dem Altenburger Prinzenraub vom Jahre 1455 voranging. Bocksdorf, der die Leipziger Schöffen beraten hat, hatte im Alleingang dafür gesorgt, dass der von ihm vertretene Kurfürst Recht bekam. Seine hohen Einkünfte machten ihn zu einem reichen Mann, der 1459 ein Stipendium stiftete für einen zum Studium geeigneten Familienangehörigen. Die Familie der Bocksdorfs machte aber wenig Gebrauch davon und verzichtete immer wieder darauf, Angehörige unter den günstigen Voraussetzungen, die Dietrich geschaffen hatte, studieren zu lassen. Während es Dietrich von Bocksdorf vor seinem Tode im Jahre 1466 noch bis zum Bischof von Naumburg bringt, versinkt die Familie von Buxdorf in den folgenden Jahrhunderten in der Bedeutungslosigkeit. Der Niedergang der Familie von Bucksdorf wird dokumentiert durch ein Urteil gegen Heinrich Apollo von Buxdorf aus dem Jahre 1670 wegen eines Totschlagsdelikts.

Wechselnde Eigentümer In den folgenden 100 Jahren wechselte das Rittergut Zinnitz zum Teil auch in einzelnen Erbanteilen mehrfach die Besitzer, von denen an dieser Stelle der kgl. preußische Major Friedrich Gottlieb von Schladen exemplarisch genannt sein soll, der es 1784 kauft und es nur bis ins Jahr 1786 behält. In dieser kurzen Zeit jedoch soll er „ein neues, sehr bescheidenes Herrenhaus, das bis 1851 gestanden hat und zuletzt als Gesindehaus benutzt wurde“, errichtet haben.

Aufschwung durch des Granges Von diesem kauft 1786 Zinnitz mit Berlinchen der ehemalige königlich-preußische Hauptmann, dann Oberst und schließliche Generalmajor Philipp Ludwig Siegmund Bouton des Granges, seit 1778 auch erster Chef des unter Friedrich II. neu aufgestellten Feldjäger-Regiments. Er entstammte einer aus der Schweiz gekommenen Familie.

1795 verkauft er es weiter an seinen Sohn Ludwig Philipp Karl des Granges. Dessen 1801 geborene Tochter Pauline, die spätere Gräfin Nostitz-Rieneck, war in erster Ehe verheiratet mit dem Naturforscher Johann Wilhelm Helfer, mit dem sie Forschungsreisen u. a. durch Vorderasien entlang des Euphrat und nach Indien unternommen hat. Diese Reisebeschreibungen sind auch von ihr publiziert worden.Pauline von Nostitz: Johann Wilhelm Helfers Reisen in Vorderasien und Indien. Anhang: Meine Erlebnisse und Erinnerungen nach Helfers Tode. Brockhaus, Leipzig 1877. In ihren Kindheitserinnerungen berichtet sie u. a. davon, dass ihr Vater im Schloss nie vor dem 1. November heizen ließ und über die Begegnungen mit französischen Truppen während der napoleonischen Kriege. So sei sie, „um die Kälte mit der Kälte zu vertreiben“, im nahen Schlossteich im Winter baden gegangen. Während der Ära der des Granges wird ein stattlicheres neues Herrenhaus errichtet – wahrscheinlich um 1818/1819. Seine Erben veräußern es 1837 an Mathilde Sofie Henriette Isabella Gräfin zu Lynar, Ehefrau des Hermann Rochus zu Lynar, sie selbst verstirbt bereits 1838, so dass die Begüterung vor 1842 weiterverkauft wurde.

Landsitz des preußischen Finanzministers Spätestens um 1842, nach alten Matrikeln sind Zinnitz I und II schon teils seit 1833 in seinen Händen, gelangt das Gut schließlich an den königlich preußischen Geheimen Oberfinanzrat, späteren Finanzminister und Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg, Erasmus Robert Freiherr von Patow. Er lässt umfangreiche Baumaßnahmen durchführen, die das vorhandene Herrenhaus in eine spätklassizistische Schlossanlage mit großzügigen Parkanlagen und Wasserflächen verwandeln. Der Kunstgärtner Johann Gottlieb Handschick integriert dabei geschickt das Gewölbefragment eines Vorgängerbauwerks als „Rosenhügel“ mit Pavillon in die Gesamtanlage.

Patow überlebt seine Kinder und stirbt 1890. Das Gut fällt auf seinen Neffen, dem GeneralmajorPatow, Freiherr Egon von, Generalmajor. Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, IV. HA, Rep. 7, Nr. 4812. Deutsche-Digitale-Bibliothek.de. Egon von Patow (1837–1917). Er war verheiratet mit Marie von Blumenthal-Jannewitz (1841–1918), Tochter des Politikers Werner von Blumenthal-Suckow. Beide Patows sterben auf Zinnitz, und wenige Wochen nach seinem Tod 1917 veräußert die Witwe den Besitz. Käufer ist die Ilse Bergbau AG. Ab 1929 wird die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft als Besitzerin genannt. Als Pächter fungiert ein Major a. D. Reddelien, für die Dubitzmühle M. Wernicke.

Die Zeiten des Nationalsozialismus und der DDR Am 27. Juni 1933 wird die „Reichsautobahn“, ein Tochterunternehmen der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft gegründet. Der Bau der Autobahn Berlin-Dresden beginnt und tangiert das Schloss in nur 3 km Luftlinie. Von 1939 bis 1944 dient es als nationalsozialistisches Arbeitsmaidenlager und nach den Wirren des Kriegsendes befindet sich das Schloss ab 1945 in Rechtsträgerschaft der Gemeinde Zinnitz. In der DDR-Zeit wird es dann zunächst als Schule („Maxim-Gorki-OS“), dann als Rat der Gemeinde, Sitz und Kantine einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft sowie für Wohnzwecke genutzt. In einzelnen Renovierungsphasen werden Schäden an den Fassaden ausgebessert, aber auch sämtliche historischen Fenster ausgetauscht wie auch die hölzerne Haupttreppe durch eine Betonfertigteiltreppe ersetzt. die Einbauten einer Großküche führen zu weiteren Substanzschädigungen. Der Rosenhügel wird bereits während der Schulnutzung eingeebnet. Das Umfeld wird durch nahegelegene Braunkohletagebaue bis 1990 stark beeinträchtigt; der Grundwasserspiegel sinkt dramatisch, Bäume im verbliebenen Rest des Parks sterben ab.

Jüngste Entwicklung Im Jahr 1993 kaufte der Architekt Robert Viktor Scholz das damals stark beschädigte Schloss von der Gemeinde und begann in mehreren Teilabschnitten mit der behutsamen Instandsetzung und Rekonstruktion der stark geschädigten Fassaden, Innenräume und der Parkanlagen. Ziel seiner gestalterischen Bemühungen ist die Wiederherstellung des Erscheinungsbildes zu Zeiten Patows.

Gebäude Nicht mehr erhaltene Vorgängerbauten Leider sind von den Bauten vor 1860 keine bildhaften Darstellungen bekannt. Bis auf einige Messtischblätter (die es aber erst nach der Buxdorfschen Dynastie gibt), die die ganze Ortslage von Zinnitz in verschiedenen Zeitintervallen darstellen, gibt es auch keine genaueren Angaben zu Lage und Größe von Gebäuden im Schlossbereich. Die ersten zumindest schriftlichen Beschreibungen tauchen zur Zeit Gottlob von Schladens auf, über dessen Neubau eines „bescheidenen Herrenhauses“ es bei Berghaus heißt, „dass die Vorderfront nach Art der Propyläen in Athen durch eine hölzerne Säulenreihe geziert war“. Nachdem dieses aber ein „sehr bescheidenes Herrenhaus“ gewesen sein soll, „das bis 1851 gestanden“ haben und „zuletzt als Gesindehaus benutzt“² worden sein soll, hat es auch wahrscheinlich nicht an der Stelle des heutigen Schlosses gestanden, zumal der spätere Eigentümer Ludwig Philipp Karl des Granges um 1818/19 ein stattlicheres neues Herrenhaus errichtet habe (vgl. oben).